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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-11-22 · 47 (22.11.1907) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
47 (22.11.1907)
Date
1907-11-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 774 Dr. Lwcv s MoevensLörirr. Nr. 47 lmge des Unglaubens im Hause seien, stütze sich auf das aggressive Judentum. „Der Jude," führt ec weiter aus, „sei nur tolerant in der Religion anderer Leute. Selber streng konfessionell, ist der Jude gehässig gegen den Glauben der Christen, ja gegen jede Religion, die nicht die seine ist. Er fühlt einen grimmigen Zorn gegen die Ueberzeuguug der Gojims, er will sie ausrotteu mit Stumpf und Stiel, verträgt uur knirschend die Gleichberechtigung mit uns, weil er die Assimilation als eine Erniedrigung, als einen Abstieg von seiner angeborenen Herrscherstellung ansieht. Das ist der Fall des Baron Hock und seiner Stammesgeuossen mit ihrem Herzen voll Rachsucht." Wenn das nicht die niederträchtigste Demagogie und Verleumdung ist. dann ist jeder Christlich-Soziale ein Ehrenmann. Die Teilnahme an den Arbeiten des Baron Hock wurde von offizieller jüdischer Seite und von berufenen jüdischen Politikern abgelehut. Die Herrscherstelluug der Juden — wenn sie nicht zum Weinen wäre, so wäre sie zum Lachen. Jeder antisemitische Lümmel macht ja heutzutage Kraftproben an seinem Herrscher. Aber das ist es ja, das dumme Volk wird geheißen, zum Fenster herauszuschaueu, wo der jüdische Gottseibeiuns gerade vorüberfliege, damit ihm inzwischen der Feudale ungestört die Taschen ausrauben kann. Und so und soviel katholische Gemeindevorstände gehen mit dem Keim zu Pogromen nachhause. Was macht sich der adelige Herr für ein Gewissen daraus. Je dicker die Lüge, desto besser. Das Volk hört das Gruseligste am liebsten. So werden wir aufgereizt und beschimpft im Namen der katholischen Kirche. Kardinäle und Erzbischöfe sind daneben gesessen und haben es mit ihrer hohen Würde als Kirchenfürsten vereinbar gefunden, derartigen ordinären und erlogenen Hetzreden Beifall zu klatschen, statt die Würde ihres Berufes und ihrer Person mit einem Wort des Protestes zu wahren. So erheben denn' wir ihn in der schärfsten Form. Wir erheben Einspruch dagegen, daß im Namen der Religion gegen schwerarbeitende, unterdrückte und verfolgte Staatsbürger infame Hetzreden gehalten werden, daß die Stimmung gegen die Unschuldigen von Meistern der Lüge bis zu einem Grade erhitzt werden darf, in welcher sie gefährlich wird, und dies alles, ohne daß ein Vertreter der Behörden dagegen auch nur mit einer Mahnung einschreitet. Wir halten die Notwendigkeit für gekommen, daß Körperschaften und jüdische Organisationen sich diesem Protest anschließen und daß sie möglichst einig, möglichst stark und bei dieser wie bei jeder Gelegenheit, welche der verstärkte Feind uns wahrscheinlich bald bieten dürfte, geharnischt dagegen auftreten, daß die JiVen vogelsrei sind in Oesterreich. Vom Aabrmarkt des Lebens. Ei« modernes Chanukageschenk. Als Variante für den Ausspruch unserer frommen Weisen: „Kommt der Monat Adar ins Land, dann zieht Freude in Israels Wohnungen ein", möchten wir für den Monat Kislew mit seinem insbesondere unserer Jugend äußerst willkommenen Chanukafeste ähnliche Worte gebrauchen, denn schon Wochen vorher wird der Eintritt dieses schönen Festes besprochen und in unseren Hausern, die noch auf unser Judentum etwas halten, werden manche Überraschungen für die Familienmitglieder vorbereitet. Was wir hier besonders betonen möchten, wäre, daß man an diesem eminent jüdischen Feste von Geschenkwerken zunächst solche wähle, die die Herzen der lieben Unserigen erwärmen. Und da möchten wir auf das neu erschienene Doktor G r u n w a l d'sche schön ausgestattete, inhaltsreiche, geistvolle und dabei preiswürdige Geschenkwerk „Beruria" für unsere Jungfrauen und Frauen besonders Hinweisen, das unseren Damen ein höchst willkommenes Chanuka-Geschenk sein wird und von den Empfängerinnen wohl nicht früher aus der Hand gelegt werden wird, bis sie die 654. Seite erreicht haben werden. Aber dann werden sie immer"und immer wieder darin lesen. Wir hätten nur noch einen Wunsch, daß von demselben Verfasser, nach dem Muster der B e r u r i a, ein ähnliches Werk auch für unsere intelligenten Jünglinge baldigst erscheinen möge; eine schöne Titel-Heliogravure wäre in diesem Falle besonders am Platze. Mor. A n t s ch e r l. Dr. Markus Landau. Geboren 21. November 1837. Aufmerksamen Lesern dieser Zeitschrift ist Markus Landau längst kein Fremder mehr. In seinen zahlreichen hier erschienenen Aufsätzen werden sie an der Art, wie er auf der Grundlage ausgebreiteten und tiefgehenden historischen und literarischen Wissens Tagesfragen in witzigem Plaudertone bespricht, Altes dem scheinbar Neuen gegenüberstellend dieses als „schon dagewesen" erweist, oder die Widersprüche des Antisemitismus mit dem Skalpell des gesunden Menschenverstandes zergliedert, auch ohne Namensnennung jedesmal den Verfasser erkannt haben. Es soll deshalb heute, wo der Gelehrte die Feier seines siebzigsten Geburtstages begeht an dieser Stelle bloß die manchem Leser wohl weniger geläufige wissenschaftliche Bedeutung des Mannes ins Licht gerückt werden. Geboren in Brody zu jener Zeit, wo die ganze Judenheit des Ostens durch die von Deutschland ausgegangene Aufklärungsbewegung heftig erregt war und mit allen Kräften nach dem Eintritt in die europäische Kultur rang, war er bei dem Mangel höherer Schulen genötigt, seinen Wissensdrang durch Selbststudium zu befriedigen. Mit eisernem Fleiße jede Minute seiner dem kaufmänischen Berufe abgerungenen Mußestunden ausnützend, veröffentlichte er 1869 seine erste größere Arbeit: „Die Quellen des Dekameron", die ihm den Tübinger Doktorgrad eintrug. Die Bedeutung dieses Erstlingswerkes, das 1883 in bedeutend erweiterter und verbesserter Gestalt erschien, ist von keinem seiner späteren Werke erreicht worden. In Italien zumal hat es für die damals ganz brachliegende Boccaccio-Forschung bahnbrechend gewirkt, aber auch auf dem Gebiete der Quellenforschung in Bezug auf die Märchen und Novellen der Weltliteratur gehört es, trotzdem die einschlägige Literatur seither riesig angeschwollen ist, zu den noch nicht überholten Werken, die sehr häufig zitiert und noch häufiger stillschweigend ausgenützt werden. Sich dann ganz dem Studium der Literatur hingebend, veröffentlichte er 1875 die „Beiträge zur Geschichte der italienischen Novelle", 1877 sein zweites Hauptwerk: „Giovanni Boccaccio, sein Leben und seine Werke" und 1879 „Die italienische Literatur am österreichischen Hofe." Dem rein historischen Gebiete gehören an die auf archivalischen Studien beruhenden Werke : „Rom, Wien, Neapel während des spanischen Erbsolgekrieges," 1885, und die „Geschichte Kaiser Karls VI. als König von Spanien," 1889. Ein Teil der in diesem Blatte erschienenen historischen Aufsätze ist unter dem Titel „Skizzen aus der jüdischen Geschichte" im 50. Bändchen der „Jüdischen Universal-Bibliothek" 1897 vereinigt worden. Später wendete er sich wieder — man darf wohl sagen — seiner heimischen Literatur zu und schuf 1899, um eine empfindliche Lücke auszufüllen, die „Geschichte der italienischen Literatur im 18. Jahrhundert". Unübersehbar ist die Zahl der daneben in Fachzeitschriften und Tagesblättern, von denen hier nur die „Zeitschrift für vergleichende Literaturgeschichte," das „Magazin für die Literatur des Auslandes," die „Münchener Allgemeine Zeitung," die „Nationalzeitüng" und die „Frankfurter Zeitung" genannt seien, erschienenen literarhistorischen, historischen und kritischen Aufsätze, von denen manche den Umfang eines kleinen Buches erreichen, z. B. „Die Dramen von Herodes und Mariamne," 1895. Zu einer kritischen Würdigung der Leistungen Landaus ist hier nicht der Platz. Hervorgehoben sei nur ein Vorzug seiner Arbeiten auf dem Felde der vergleichenden Literaturgeschichte: die Vertrautheit mit dem hebräischen Schrifttum, die selbstverständlich den christlichen Fachgenossen abgeht.

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