Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 46 (15.11.1907)
- Date
- 1907-11-15
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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w*. Vlocv's Mocdenscvnn. Sette 768 Nr. .46 war. In der Einleitung gedachte der Redn?r in von warmer Empfindung durchströmten Worten der Leiden und Qualen, denen die Glaubensbrüder in fernen Landen wieder ausgesetzt seien, und richtete an .die Anwesenden einen innigen Appell, an dem Elend der Unglücklichen Anteil zu nehmen und diesem Gefühle auch durch die Tat Ausdruck zu leihen. Auf das Thema seines Vortrages übergehend, lieferte Sternberg nach einer kurzen Schilderung des Lebenslaufes des Dichters eine feinsinnige psychologische Zergliederung der poetischen Erzeugnisse desselben und trug zum Schlüsse einige von ihm selbst ins Italienische übertragene Dichtungen Rosenfelds vor. Der reiche Beifall des zahlreichen Auditoriums dankte deul Vortragenden für seine glänzenden Ausführungen. Kattowitz o./S. Der jüdische Volksabend, den die hiesige zionistische Ortsgruppe am Sonntag abends im Saale des Hotel „Kaiserhof" anläßlich des obecschlesischen Zionistentages veranstaltete, nahm unter starker Beteiligung der einheimischen jüdischen Bürgerschaft und zahlreicher Gäste aus den verschiedenen Orten Ober-Schlesiens und Russisch- Polens einen glänzenden Verlauf. Eingeleitet wurde der Abend durch begrüßende Worte des Herrn Dipl. Ingenieurs Hecker, denen gemeinsamer Gesang eines jüdischen Volksliedes folgte. Musikalische und rezitatorische Darbietungen jüdischer Kunst reihten sich im bunten Wechsel aneinander. Ein hervorragender Anteil an dem Erfolge des Abends gebührt Herrn Oberkantor S. Singer, der sich als Sänger, Komponist und Pianist vornehm künstlerisch beteiligte. Er sang zunächst Lieder von Bruch und Raff und eine von ihm selbst (nach Worten von Leo Rafaels) stimmungsvoll und charakteristisch komponierte Hvmue „Ein Hauch weht durch die Lande". Im weiteren Verlaufe des Programmes spielte er, in Spiel und Technik glänzend, eine Phantasie über die Melodie EU 21011. Seine Darbietungen wurden von stürmischem. sich immer wiederholenden Beifall gelohnt. Fräulein Hellwig vom hiesigen Stadttheater sang Lieder von Goldmark und Moszkowsky musikalisch und ausdruck-voll, erntete lebhaften Beifall und mußte sich zu einer Zugabe verstehen rc. Dresden. Der antisemitische Abgeordnete Zimmermann hatte sich gestern gegen eine Mitteilung des Justizministcrs v. Otto an den Ausschuß für Auswahl der Schöffen und Geschwornen gewandt, in der darauf hingewiesen wurde, daß cs verfassungswidrig sei, grundsätzlich Juden von diesen Ehrenämtern auszuschließen. Vor Eintritt in die Tagesordnung ergriff der Justizminister v. Otto heute in der zweiten Kammer das Wort, um nachdrücklich zu betonen, daß die grundsätzliche Ausschließung eine Ungerechtigkeit sein würde, denn es gelte bei uns das gleiche Recht für alle ohne Unterschied der Konfession. Es sei daher völlig hinfällig, ihm den Vorwurf zu machen, er habe mit jener Mitteilung in die Selbständigkeit der Ausschüße eingegriffen. Paris. Ein gewisser Delaunay reiste von Havre nach Paris. Auf der Station Mans stieg eine Familie ein, der man in Delaunays Abteil Plätze anwies. Als der Zug weiterfuhr, erkannte Delaunay in den Mitreisenden Juden. Darauf zog er die Notleine. Der Zug hielt auf offener Strecke, und Delaunay erklärte dem herbeieilenden Personal: „Mit Juden reise ich nicht in einem Abteil; ich will den Platz wechseln!" Das tat er denn auch, wurde aber bei der Ankunft des Zuges dem Pariser Bahnhofskommissär zum Zweck der Aufnahme eines Protokolls vorgeführt. Der Witz des Zufalls wollte, daß der amtshandelnde Polizeikommissär Monsieur Levy war. New-Aork. (Ein jüdischer Heldenpreis- Gewinner.) Die Verwaltung der Carnegie -Stiftung, zur Belohnung freiwilliger Heldentaten hat dem jüdischen Schüler Charles W eiß aus dem East-End einen Preis von 2000 Dollars und die Ehrenmedaille zugesprochen, weil Weiß am 28. September d. I. unter Gefährdung seines eigenen Lebens eine ihm unbekannte Frau von dem Ertrinkungstode rettete. Der junge Weiß, dessen Eltern unbemittelt find, hat die Absicht, Ingenieur zu werden, und das Stiftungskomitee beschloß, die Preissumme für die Erziehung und Förderung des wackeren Jünglings zu verwenden. Ein Jude als Statthalter. Sir Matitijahu, früher ein hoher Staatsbeamter in Indien, wurde von der englischen Regierung zum Statthalter der englischen Kolonie Natal ernannt. Derselbe ist durch diese seine Stellung auch Generallieutenant und Oberkommandant der dortigen Armee, sowie die höchste Instanz in allen administrativen Angelegenheiten. Feuilleton. Der Kaaltrschuwoh. Von Dr. F. Richard H e i n s ch e l. (Fortsetzung.) Es schien, als würden Friedas Voraussagungen eintreffen. Harry wendete sich dem Studium der Heilkunde mit großem Eifer zu. Er erfüllte die jüdischen Bräuche und Sitten mit allergrößter Gewissenhaftigkeit; die Bibelkritik und deren Folgen schienen vergessen zu sein. In der Zwischenzeit waren Jahre vergangen und aus den Freunden wurde ein liebendes Paar. Harry hatte es Frieda beim teuren Haupte seines Vaters zugeschworcn, daß er sie, wenn er einmal einen Hausstand gründen könne, als sein Weib heimführen werde. Allein die Seelenpein Harrys war nicht für immer geschwunden; wieder traten heftige Erschütterungen und Gemütsbewegungen in seinem Innersten auf. Harry war wieder still und in sich gekehrt, begann den Tempelbesuch zu vernachlässigen, wusch sich zum Essen nur mechanisch die Hände, stand vom Tische auf, ohne das Tischgebet zu verrichten. Frieda war lange Zeit nur stille Beobachterin; ihrem scharfen Blicke entging nichts, und als sie einmal allein waren, fragte sie ihn, was die Veränderung in seinem Benehmen, was der religiöse Wandel zu bedeuten habe. „Ich will offen sein," antwortete Harry, „denn ich habe schon zu lange geschwiegen. Ich stehe nicht mehr auf dem Boden positiver Religion, ich bin ein A n d e r e r geworden. Ich habe viel zu tief in die Werkstätte der Natur geblickt und ich kann die Ammenmärchen von Gott und Weltschöpfung nicht glauben. Es gibt keinen Gott, kein Wesen, das außer der Schöpfung erhaben über seine Welt stünde. Alles ist Kraft und Stoff, ewige Evolution, Fortentwicklung der Kräfte. Es gibt keinen Tod, auch Sterben heißt Leben, vom Ganzen in Atome aufgehen, um wieder in anderer Gestalt zu neuem Leben zu erstehen. Aus Zellen ist alles vor Millionen Jahren entstanden, aus niedrigen Wesen, sind immer höhere Arten geworden. Der Einfluß des Radiums hat die Atome belebt, sowie das Radiogen aus anorganischen Wesen Lebewesen gestaltet. Ich kann nicht heucheln, Einen Gott wie du ihn dir vorstellst, gibt es nicht; den brauchten die Menschen, als sie vor der Welt wie vor einem Wunder standen. Die moderne Naturforschung, deren treuer Anhänger ich bin, blickt tiefer und weiter, sie weiß es, daß alles nur Kraft und Stoff, Anziehen und Abstoßen, ewiger Entwicklungsgang." Frieda war blaß vor Entsetzen, als sie aus Harrys Mund diese ketzerischen Irrlehren hörte. „Also Atheist bist du, Gottesleugner, dann gehen unsere Wege auseinander. Nie werde ich mit einem Manne leben, der nicht auf einem religiösen Boden mit mir steht, nie mit einem Manne unter einem Dache wohnen, der nicht mit unerschütterlicher Treue am Glauben der Väter hänge." „Wäre es nicht doch möglich, daß wir friedlich mit einander leben?" antwortete Harry. „Sie könnten alles, was Ihnen hoch und heilig, in Ehren halten, könnten das Haus so jüdisch führen, als Sie es wünschen, ich würde meine Wege gehen und so ungläubig bleiben, als es mir meine Ueberzeugung vorschreibt; sollte die Religion, die ja Liebe predigt, eine Ausgeburt der Liebe, unsere Liebe für sündhaft halten, zwei Herzen, die so warm für einander fühlen, auseinanderreißen?" „Die Liebe, Harry, ist nur ein Teil unseres Gefühlslebens und es ist nicht denkbar, daß das Glück dort weilt, wo nicht das ganze Fühlen und Denken, alle Empfindungen die Herzen verschmelzen.