Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 45 (8.11.1907)
- Date
- 1907-11-08
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 752 Wr. Lwcv's Mocvenscvrm. Nr. 45 mationen zu verschaffen. Auf die Vorgänge in Jaffa lehne ich es auch an dieser Stelle ab, einzugehen. Wer mich kennt, weiß ohnehin, was er von den „Anklagen" der Poale Zion zu halten hat, und eine Richtigstellung könnte nur den Effekt haben, daß Gegner der Palästinaarbeit daraus Kapital schlagen. In diesem Sinne habe ich es auch auf dem letzten Kongreß abgelehnt, zu antworten und der Kongreß hat mir zugestimmt. Davis T r i e t s ch. Berlin. Das Zentralbureau für jüdische Auswanderungsangelegenheiten des Hilfsvereines der deutschen Juden teilt mit, daß nunmehr auch in Argentinien und in Cuba und Mexico wie in Amerika und Canada allen trachomkranken (an egyptischer Augeuentzündung leidenden) Einwanderern die Landung nicht gestattet wird. New-Aork. (Einwanderungsstatistik. Anwachsen der Auswanderung aus Oesterreich.) Die offizielle Statistik der jüdischen Einwanderung nach New- Iork im Monate August ist soeben erschienen. Auffallend ist die Steigerung der jüdischen Auswanderung aus Oesterreich- Ungarn, welche in diesem Monate selbst die Auswanderung der Juden aus Rumänien übertrifft. Es find im August zusammen 13.526 Juden im New-Iorker Hafen angekommen, und zwar 6217 Männer, 4341 Frauen und 2936 Kinder. Es kamen aus: Rußland 9598, Oesterreich-Ungarn 2905, Rumänien 753, England 161, Türkisches Reich 48, Deutschland 43, Spanien 5, Frankreich 4, Bulgarien 4, Griechenland 2 und Norwegen 1. Bemerkenswert ist auch, daß die Zahl derjenigen jüdischen Emigranten, die wohl in New-Iork landen, aber nicht da verbleiben, sondern sich im Innern des Landes, zumeist im Westen niederlaffeu, dank der Propaganda in dieser Richtung immer mehr anwächst. Von der oben angegebenen Zahl blieben nur 9000 in New-Iork, während der Rest nach verschiedenen Provinzen des Reiches weiterfuhr. Vermischtes. Jüdische Toynbee-Halle (XX., Othmargaffe 46). Beginn der Vorträge an Wochentagen halb 8 Uhr; Samstag, sowie an Sonn- und Feiertagen 7 Uhr abends. Eintritt frei für jeden Erwachsenen. Vortrags-Programm für die Zeit vom 9. bis 15. November 1907: Samstag den 9.: Konzert, arrangiert von Frau Else Freund-Funk. — Sonntag den 10.: „Das spanische Marann.ntum, seine Entstehung und sein Schicksal." Rabbiner Dr. M. Rosrnmau«. — Montag den 11.: „Bilder aus dem Rechtsleben." Dr Jos. Jerusalem. — Dienstag den 12.: „Schul- und Elternfragen." Oberlehrer M. Grüuspa«. — Mittwoch den 13.: „Die Entwicklung der Heilkunde und des Kurpfuschertums." (II.) Dr. Heinrich Grün. — Donnerstag den 14.: „Die Unzulänglichkeit unserer Schule." Fachlehrer Georg Schmiedl. — Freitag den 15.: Bibelvortrag. Anmeldungen von Vorträgen und Mitwirkungen bei Konzerten wolle man an den Obmann Herrn Dr. I. Samuely, I., Fischerstiege 6, gelangen lasten. Zweck des Vereines. Der Verein hat den Zweck unbemittelten, wiffcnsbedürftigen Juden in Wien in einem hierzu eingerichteten Saale („Toynbee-Halle") unentgeltliche, bildende und unterhaltende Belehrung zu bieten, sowie alle Bestrebungen nach Kräften zu unterstützen, welche geeignet sind, die unbemittelte jüdische Bevölkerung in Wien in körperlicher, geistiger und sittlicher Hinsicht zu fördern, unter Ausschluß jeder politischen Tätigkeit. Der angestrebte Zweck soll erreicht werden: a) Durch Abhaltung belehrender Vorträge, durch Veranstaltung von Vorlesungen und Konzerten für unbemittelte Juden; b) durch Errichtung von Unterrichtskursen, Errichtung von Bibliotheken und Lesezimmern; c) durch Errichtung oder Förderung von Kinderhorten für arme jüdische Kinder. Sonntag den 8. d. M. wurde die diesjährige Vortragssaison der Toynbee-Halle mit einem dem Andenken Ignaz Brülls gewidmeten Konzertabende eröffnet. Der Obmann Dr. I. Samuely wies einleitend auf die Verdienste Brülls um diese Institution hin, in deren Dienst sich der Verblichene stets bereitwilligst gestellt hat. Sodann wurden von den Brüdern Specht (Klavier, Violine und Cello), von der Pianistin Frl. Wera Schapira und von der Nichte B'Llls Frl. Schwarz (Gesang) Schöpfungen des dabingeschiedenen Meisters in künstlerlscher Vollendung wiedergegeben. Stürmischer Beifall folgte jeder einzelnen Darbietung. Die Besucher der Toynbee-Halle nahmen Anlaß, vor Beginn des Abends dem verdienstvollen Obmann Herrn Dr. I Samuely, sowie dem Obmann-Stellvertreter Herrn Karl Freund herzliche Ovationen darzubringen. Wien. (Trauung.) Sonntag, den 3. November a. c. um V23 nachmittags fand im israelitischen Tempel, XVI., Hubergasse die Trauung des Fräulein Mizzi F r i s ch m a n n, Tochter des Herrn Heinrich F r i s ch m a n n, mit Herrn Julius Weiler, Sohn des Herrn Sigmund Weiler, Präses der Chewra-Kadischa im XVI. Bezirk, statt. Der Tempel war von einem distinguierten Publikum dicht gefüllt und bemerkte man u. A. den Bethausvorstand mit dem Obmanne Pollitzer. Rabbiner Dr. Bach hielt an das Brautpaar eine herrliche Ansprache, in welcher er die allgemeine Achtung und Wertschätzung der Familie des Bräutigams hervorhob. Die kantorale Funktion versah erster Kantor M a t y a s unter Assistenz des Chores unter der Leitung des Dirigenten P o r t h in anerkennender Weise. Wien. (Trauung.) Sonntag den 17. November l. I. um 1 Uhr nachm, findet in Galanta, Restaurant Fischhof, die Trauung des Fräulein RegineSchlesinger, Tochter der Frau Rosa Schlesinger (Inhaberin der Verlagsbuchhandlung Jos. Schlesinger), mit Herrn DavidLöwbeer statt. Wien. (Trauung.) Dienstag, den 12. d.M., 4 Uhr nachmittags, findet im Tempel des 10. Bezirkes, Favoriten, die Trauung des Herrn Dr. Bernhard Heinrich Straßberg, Sohn des Realitätenbesitzers Herrn Jakob S. Straßberg, mit Fräulein Alice P o l l a k, Tochter des seligen Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Ignatz Pollak, statt. Akademischer Verein „Jüdische Kultur". (II., Floßgasse 9/6.) Auch heuer werden die jüdischen Sprachkurse des genannten Vereines abgehalten. I. Kurs: Jüdisch Schreiben und Lesen. Anfangsgründe der Grammatik, Lese- und Sprechübunaen. II. Kurs: Literaturgeschichte, Syntax und Ethymologie. Lektüre größerer Werke und Bewrechung derselben. Die Kurse sind unentgeltlich und wird jeder Kurs zweimal wöchentlich abgehalten. Der erste Kurs wird aber nur abgehalten, wenn sich eine entsprechende Anzahl von Schülern gemeldet hat. Anmeldungen werden entweder schriftlich oder mündlich im Vereinslokale während der Zeit von 7—8 Uhr abends jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag angenommen, wo auch alle näheren Auskünfte erteilt werden. An alle diejenigen, welche das Leben unserer ostjüdischen Brüder kennen lernen oder sich in der Kenntnis desselben vertiefen wollen, ergeht die Aufforderung, sich an diesen Kursen recht zahlreich zu beteiligen. Eingesendet. Von Seiten unserer Kommilitonen find vielfach Klagen laut geworden, daß vom Philofophen-Unterstützungsvereine Wien, I., Universität, jüdische Petenten ohne Angabe eines Grundes abgewiesen werden. Es liegt die Vermutung nahe, daß diese zahlreichen Abweisungen auf ein System zurückzuführen seien, das seinen Grund in der antisemitischen Zusammensetzung des Ausschusses hat. Es ist selbstverständlich, daß ein derartiges Vorgehen eines Vereines, der zum großen Teil auch von jüdischen Förderern erhalten wird, nicht ohneweiteres hingenommen werden kann. Wir haben daher die Absicht, im Vereine mit den anderen jüdischen Studentenkorporationen dagegen energisch Stellung zu nehmen und die geeigneten Schritte zur Abschaffung dieses Uebelstandes einzuleiten. Um aber sicher und erfolgreich Vorgehen zu können, müssen wir über genügendes, unanfechtbares Beweismaterial verfügen. Es ergeht daher an alle Kollegen und Kolleginnen, die uns diesbezüglich Wesentliches mitteilen können, die dringende Aufforderung, dies schriftlich unter genauer genauer Angabe der Adresse und des Studienjahres oder mündlich bei einem Ausschußmitgliede ehebaldigst vorzubringen. Der Ausschuß der Lese- und Redehalle jüd Hochschüler, Wien, IX., Grüne Torgasse 34.