Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 45 (8.11.1907)
- Date
- 1907-11-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 45 Dr. Llocv's Mocdenscvrtn. Sette 751 Gericht erkannte schließlich, der Beklagte sei verpflichtet, dem Kläger einen vollen Monatsgehalt auszuzahlen. In der äußerst intereflanten Urteilsbegründung heißt es: Das Handelsgesetz verlangt für die plötzliche Auflösung des Vertrages schwerwiegende Gründe. Zwar anerkennt die Gewerbeordnung bloß den Sonntag als Ruhetag, aber das Gesetz habe sich der Anschauung nicht verschließen können, daß Kläger der Ansicht sein konnte, daß sein Chef, der selbst Jude ist, ihm das Ausbleiben am jüdischen Neujahrsfeste nicht als ungerechtfertigtes Fernbleiben vom Geschäfte ansehen werde, da nach dem vorliegenden Gutachten die Neujahrstage zu den höchsten jüdischen Feiertagen gezählt werden. Er konnte sich in dieser seiner Meinung auch dadurch bestärkt sehen, daß auf sein am ersten Neujahrstage eingelangtes Entschuldigungsschreiben keine Antwort erfolgte, was er als ein Einverständnis seines Chefs ansehen mußte. Das Urteil ist rechtskräftig. Budapest. ^Popularisierung des synagogalen Gesänge s.j Die Ungarische israelitische Gesellschaft, an deren Spitze die bedeutendsten Männer aus der jüdischen Gesellschaft Budapests stehen, faßte in ihrer letzten Vorstandssitzung den Beschluß, behufs Popularisierung des alten und neuen synagogalen Gesanges, Gesangsabende zu arrangieren, zu denen die bedeutendsten jüdischen Kantoren und Sänger des In- und Auslandes berufen werden sollen. Den Gesangsvorträgen soll eine musikalisch-literarische Darstellung vorangehen. Mit diesen Vorträgen soll schon im nächsten Monat begonnen werden. Als Vortragende find in allererster Reihe der Budapester Oberkantor Adolf Lazarus und der Wiener Oberkantor Bela Guttmann in Aussicht genommen. Eine große Stiftung. Der Fabriksbefitzer Dr. Stefan Freund hat der „Pester Chewra-Kadischa" zugunsten des zu errichtenden „Kranken-Asyl" 100.000 Kronen gespendet. Preßburg. (Beeidigung der jüdischen Rekruten der Honvedtruppe.) Im großen Tempel der orth. israelitischen Kultusgemeinde fand Donnerstag, nachmittags 3 Uhr, eine solenne Feier statt, zu welcher sich außer den zu dieser Feier dahin beorderten zahlreichen Honvedrekruten das Rabbinat, vertreten durch Rabbiner Leopold Friedmann, die beiden Tempelvorsteher B. Schlesinger und Max A b e l e s, Direktor Wilhelm K o h n, sowie ein zahlreiches Publikum in dem hellerleuchteten Tempel eingefunden hatte. Einer Verordnung des Honvedministeriums gemäß müssen die Rekruten vor Ablegung des Diensteides auf die Wichtigkeit und Heiligkeit des Eides von den unterschiedlichen Seelsorgern in entsprechender Weise aufmerksam gemacht werden. Mit dieser wichtigen Mission wurde seitens des hiesigen Rabbinates auch diesmal Direktor Wilhelm K o h n betraut, der in einer sehr gelungenen Rede die hohe Wichtigkeit des Eides den versammelten Truppen vor Augen führte, ihnen ihre Pflichten gegen König und Vaterland warm ans Herz legte. Der Redner gab bei dieser Gelegenheit der allgemeinen Freude ob der glücklichen Gesundung unseres geliebten Königs warmen Ausdruck und verrichtete außer dem üblichen Gebete für das Wohl des Herrscherhauses ein Dankgebet für die Genesung des Königs. Die Feier, wie die in ungarischer Sprache gehaltene treffliche Rede hatte auf die Rekruten sichtlich tiefen Eindruck gemacht. Preßburg. Das Ableben des Pariser Astronomen Mauriee Loewy hat zu der Streitfrage Anlaß gegeben, welcher Nationalität der Verblichene angehört. Die Wiener Blätter reklamieren Maurice Loewy für die österreichische Kaiserstadt, während ungarische ihn 1835 in Bösing zur Welt kommen lassen. Von einem Mitgliede der Familie stammen nun die folgenden interessanten Mitteilungen über Loewy. Maurice Loewy (sein Vater schrieb sich Löwy) wurde 1834 als der Sohn des Verwalters der Baron Sinai'schen Häuser Leopold Löwy in Preßburg, und zwar in einem Hause auf dem Schlvßberge geboren. Er besuchte die dortige israelitische Primär- Hauptschule, wo berühmte Pädagogen wie Moriz Strauß, Behl u. a. unter der Leitung Abraham Freyers wirkte». Noch ist in dieser Schule das sogenannte „goldene Ehrenbuch" aufbewahrt, worin der Name des jungen Moriz Löwy der 4. Klaffe A verzeichnet steht. Anläßlich einer öffentlichen Prüfung an dieser Anstalt gab der Stadtpfarrer dem Knaben eine Kopfrechnung auf und die Schnelligkeit und Richtigkeit, womit der junge Löwy dieselbe löste, versetzte den fragestellenden Pfarrer geradezu in Verwunderung und er sagte dem Vater: „Ich verstehe die Jugend gut zu beurteilen und ich prophezeie Ihnen hiemit, Herr Löwy, in Ihrem Sohne eine Weltberühmtheit." 1848 übersiedelte der Vater nach Wien. Dort besuchte der junge Löwy die Realschule, machte privat Gymnafialstudien, betrieb gleichzeitig Griechisch und Latein, ging später an die. Technik, hörte aber nebstbei auch Philosophie und Naturwiffenschaften an der Universität und besuchte drei volle Jahre das physikalische Institut unter der Leitung Etinghausens. Schon als 24jähriger Jüngling hatte Loewy einen weitklingenden Namen. Als er aber um eine feste Anstellung an der Wiener Sternwarte ausuchte, wurde er abgewiesen — wenn er sich taufen lasse, wolle man ihm nicht nur die erbetene Stelle geben, sondern ihn auch zum Professor der Mathematik und Physik an der Technik ernennen. Er verließ bald darauf, einer Berufung des Direktors der Sternwarte zu Paris, Leverries, Folge leistend, am 1. August 1859 Wien. Er fungierte in Paris zuerst als „Beobachter ohne Ernennung". Schon am 26. Apri- 1865 wurde er von Kaiser Napoleon III. zum Titular-Astrol nomen ernannt. Bald darauf besuchte er Ungarn. Zuerst seine Vaterstadt und dann kam er Ende Oktober 1886 nach Budapest, wo er vierzehn Tage verweilte. Ans der territorialiftischen Bewegung. Von der Londoner Zentrale der „Jto" erhalten wir folgendes Kommunique: Am 23. Oktober fand in New-Court in Anwesenheit der Herren M. H. Kisch, Baron Leopold von Rothschild, Clement I. Salman, Carl Stettauer, Lucian Wolf und Israel Zangwill eine Sitzungdes Departements für die Regulierung der Auswanderung der „Jto". statt. Der Vorsitzende und der Schriftführer erstatteten eingehenden Bericht über ihre jüngst stattgehabte Reise nach Deutschland und über die Verträge, welche mit der Norddeutschen Schiffahrts-Gesellschaft im Interesse der jüdischen Emigration nach den westlichen Staaten via Galveston abgeschlossen und unterzeichnet wurden. Fräulein Bertha Pappenheim in Frankfurt a. M. wurde als Vertreterin der Interessen der weiblichen Emigranten zum Mitgliede des Zentralkomitees gewählt. Herr Dr. Oscar Nacht begleitete als erster Vertreter der „Jto" die „Jto "-Emigranten auf den Dampfer „Frankfurt", der am 24. Oktober in See stach, bis Galveston. Die Funktion Dr. Nachts besteht hauptsächlich darin, die Emigranten gegen eine schlechte Behandlung seitens der Schiffsmannschaft oder der übrigen Paffagiere zu schützen, ferner darauf zu achten, daß die Vertragsbedingungen bezüglich Einhaltung der religiösen Vorschriften erfüllt werden, und endlich den Verkehr zwischen den Emigranten und den Schiffsbeamten zu vermitteln. DoÜor Nacht meldet, daß diese Emigrantentruppe alle früheren sowohl qualitativ als auch quantitativ übertreffe. Es wurden 175 Menschen, zumeist Männer, befördert. Im Sinne des Abkommens mit dem Norddeutschen Lloyd wurden an Bord der „Frankfurt" eine gut eingerichtete jüdische Küche und eine eigene Schlafstelle für die Galveston-Passagiere installiert, wodurch verschiedenen Mißhelligkeiten und Entbehrungen, welche die jüdischen Auswanderer bisher zu erleiden hatten, vorgebeugt wurde. Berlin. Sehr geehrter Herr Redakteur! Bezugnehmend auf einem in Ihrem geschätzten Blatte erschienenen Bericht über einen Vortragsabend in Lemberg, bitte ich Sie um freundlichen Abdruck der folgenden Erklärung: Die Darstellung über den Verlauf des Lemberger Vortragsabends ist derart entstellt, daß dem Lemberger Berichterstatter noch viel weniger geglaubt werden darf, was er von Vorgängen berichtet, die sich in so weiter Ferne wie in Jaffa ereignet haben sollen. — Ueber den wahren Verlauf des Lemberger Abends ist es leicht, sich zuverlässige Jnfor-