Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 44 (1.11.1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 44 L-r. JSiocD ö Mocoenscvnrr. Seite 729 gefälliges, ein -menschenfreundliches Werl geübt zu haben, sei Ihnen der einzige und schönste Dank!" (Lebhafter Beifall.) Kassa führer Herr Emil Horner gibt eine Gegenüberstellung der wichtigst en Einnahms- und Ausgabsposten der Jahre 1904 und 1906. Aus diesem Berichte seien folgende Ziffern hervorgehoben : . Die Aufnahmsgebühren betrugen im Jahre 1904 X 2900'—, im Jahre 1906 R 6250'—. Die ungewöhnliche Steigerung ist darauf zurückzuführen, daß in diesem Jahre dem Vereine anläßlich der Chewra-Sude eine größere Anzahl neuer Mitglieder beigetreten ist. Die Kranzablösungsspenden beliefen sich im Jahre 1904 auf K 15.766 - , im Jahre 1906 auf R 21.777'—. Im Jahre 1907 sind die Beträge der Kranzablösungsspenden ganz erheblich gesunken, da zahlreiche Vereine für ihre Mitglieder die Institution der Kranzablösungsspenden selbstverständlich zum Nachteile der Chewra-Kadischa eingeführt haben. Von den Ausgaben find die für Unterstützungen von R 17.713'— im Jahre 1904 auf R 29.643'— im Jahre 1906 gestiegen. Eine noch weit größere Steigerung weisen die Ausgaben für Kurbeiträge auf, die von K6793'— im Jahre 1904 auf K 20.052’— im Jahre 1906 gestiegen sind. Die Ausgaben für Bandagen und orthopädische Apparate sind mit zirka R 11.000'— ziemlich konstant geblieben, während die Ausgaben für Arzneien in den gegenständlichen Jahren von R 17.845’— auf R 22.896'— gestiegen sind. Das Vereinsvermögen beträgt derzeit R 398.908'— in Effekten, in welchem als Fond für außerordentliche Unterstützung verarmter Mitglieder R 43.600'— und als Fond für würdige Bestattung verarmter Mitglieder R 10.000'— enthalten sind. Das Stiftungs- und Widmungsvermögen beträgt R 166.882'—. Von namhaften Spenden, Widmungen und Legaten find in den abgelaufenen Jahren eingelaufen: Herr Gustav Baron Springer anläßlich des Ablebens des Herrn Baron Alfred Springer R 5000.— Herr Dr. Arnold Rappaport, Edler von Porada anläßlich des Ablebens der Frau Laura R a^p P a p o r t von Porado.„ 2000.— Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Adolf Rosenbaum.. 2000.— Anläßlich des Ablebens der sel. Frau Henriette Schütz.. 1000.— Baron Albert Rothschild aus dem Nachlasse des sel. Herrn Nathaniel Freiherrn von Rothschild ..„ 5000.— Frau Ernestine Thorsch anläßlich des Ablebens des Herrn PhilippThorsch.„ 10.000.— Aus dem Nachlasse des sel. Herrn Rudolf Auspitz durch die Kultusgemeinde . „ 5000.— Zur Errichtung einer JacquesFeitler'schen Stiftung durch Dr. Sieg. Feitler.„ 2000.— Legat der sel. Frau Elisabeth Ungar . . „ 10.000.— (Nach Abzug der Gebühren und R 1800.— für die Chewra-Kadischa XV., XVI., XVIII. und XI. verblieben rund R 6500.—.) Von Herrn Ernst Hirsch zur Errichtung einer Moriz Hirsch'schen Widmung.„ 5525.— Zuwendung des Herrn Hans Reitzes aus dem Nachlasse des sel. Herrn Sigm. Reitzes . „ 5000.— (Nach Abzug der Gebühren R 4210.—.) Herr Salomon Simon zur Errichtung einer Wohltätigkeits-Widmung.„ 1000.— Herr Salo Cohn außerordentliche Tempelspende „ 1000.— ferner anläßlich der Chewra-Sude über . ... „ 3000.— Der Bericht des Herrn Emil Horner wird seitens der Versammlung mit lebhafter Bestiedigung zur Kenntnis genommen. Zu Revisoren tm Sinne des Statutes werden die Herren Heinrich Neurath und Karl Seligmann gewählt. Zu Skrutatoren für die vorzunehmende Wahl von fünf Borstandsmitgliedern werden vom Präsidenten die Herren Michael Lichtenstern und Moritz L e r ch e n f e l d berufen. Aus der über den Rechenschaftsbericht sich entwickelnden Debatte heben wir hervor: Vereinsmitglied Dr. I. W e i ß bemängelt es, daß der Bericht den Vereinsmitgliedern nicht rechtzeitig zugekommen sei, sie demnach nicht in der Lage waren, sich rechtzeitig mit demselben vertraut zu machen und allfällige Einwendungen vorzubringen. Weiters hätte es Redner für entsprechend gehalten, wenn vor Durchführung der Statutenänderung eine Enquete unter den Mitgliedern veranstaltet und auf eventuelle Wünsche derselben Rücksicht genommen worden wäre. Was die Ausgaben anbelangt, findet Redner, daß jene für Bandagen und orthopädische Apparate viel zu hoch seien und zum großen Teile erspart werden könnten, weil in den meisten Fällen das Spital verpflichtet ist. diese medizinischen Behelfe beizustellen. Die Chewra-Kadischa sei nicht dazu da, um die Budgets der einzelnen Spitäler zu entlasten. Was die Kurbeiiräge anbelanqt, so werden dieselben häufig Personen zuteil, welche nicht gerade bedürftig sind. Bezüglich der Zuwendung von unentgeltlichen Medikamenten bemängelt Redner den derzeit üblichen Vorgang, der einer Aenderung dringend bedürftig wäre. Vereinsmitglied L ö b l von Telaszko findet, daß die Anzahl der Mitglieder der Wiener Chewra-Kadischa im Vergleiche zu jener der Chewra-Kadischas anderer Großstädte eine außerordentlich geringe sei. Dementsprechend stehe auch das Vereinsvermögen in keinem Verhältniffe zu dem langen Bestände der Wiener Chewra- Kadischa. Redner glaubt, daß durch eine entsprechende Agitation der Chewra-Kadischa eine nicht unerhebliche Anzahl neuer Mitglieder zugeführt lverden könnte. Vereinsmitglied Rudolf Fuchs wünscht, daß das bisher bestehende Abhängigkeitsverhältnis der Chewra-Kadischa vom Vorstande der Kultusgemeinde beseitigt werde, da die Chewra- Kadischa, beziehungsweise der Vorstand genügende Gewähr für eine entsprechende Führung, auch ohne besondere Aussicht, biete. Vereinsmitglied Großmann gibt eine Anregung, durch welche der Chewra-Kadischa eine nicht unbedeutende Einnahmsquelle erschloffen werden würde. Vereinsmitglied Herr Moriz Baum gibt in einer längeren. von vielem Beifall begleiteten Ausführung mehrere wichtige Anregungen. Er bemängelt es, daß die Leidtragenden in der Zeremonienhalle des Zentralsriedhofes auf der Estrade dem Publikum gleichsam zur Schau gestellt werden. Redner erinnert daran, daß er sowohl, als Herr Gottlieb Bettelheim diese Unsitte wiederholt in der „Oesterreichischen Wochenschrift" gerügt haben, und er ersuche nochmals, hier eine zeitgemäße Aenderung eintreten zu lassen. Auch daß die neueröffnete Abteilung des Zentralfriedhofes ohne Sang und Klang, ohne ein Wort der Weihe der Bestimmung zugeführt worden, finde seine Billigung nicht. Die seitherige Ausdehnung des Friedhofsumfanges hat auch zur Folge, daß alle aus der einzigen Halle kommenden Leichenbegängniffe weit mehr Zeit erfordern als früher, weßhalb es angezeigt erscheine, die Frage zu erwägen, ob auf dem neuen Friedhofsfeld eine zweite Zeremonienhalle errichtet werden sollte, wodurch die gleichzeitige ordnungsmäßige Abhaltung mehrerer Leichenbegängniffe ermöglicht werden könnte. Es mache sich dieser Mangel namentlich an Sonntagen, wo oft 12 bis 15 Bestattungen Vorkommen, sehr stark fühlbar. Sonst müßte im Einvernehmen mit dem Magistrat zumindest dafür gesorgt werden, daß die knapp bemeffene, auf die Vormittagsstunden eingeschränkte Zeit für Beerdigungen entsprechend verlängert werde. Auf deu Zuruf aus der Mitte der Versammlung, daß die gleichen Funktionäre zu den Trauungen eilen, bemerkt Herr Baum, daß die fast ohne Intervall in der Seitenstettengaffe sich auf einander drängenden Trauungen schon aus Sicherheitsgründen eingeschränkt werden sollten, und weil bei dieser Hast auch jede Weihe verloren geht. Die gründlichste Abhilfe würde Redner bezüglich der wünschenswerten Dezentralisierung des Leichenbestattungswesens darin erblicken, w ennder Vorstand daran gehen wollte, in den