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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-11-01 · 44 (1.11.1907) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
44 (1.11.1907)
Date
1907-11-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 728 Dr. Llocb's Mocvenscbrlkt. Nr. 44 find, glaube ich mich heute darauf beschränken zu können, die wichtigsten Vorkommnisse allgemeiner Natur hervorzuheben; über bemerkenswerte Daten in finanzieller Beziehung wird unser Kassaverwalter, Herr Emil Horner, berichten. Der Mitgliederstand unseres Vereines ist in den Berichtsjahren 1904, 1905 und 1906 mit rund 1550 ziemlich konstant geblieben, weil durch Neuanmeldungen stets Ersatz für jene Mitglieder gefunden wurde, welche wir durch den Tod verloren. Für letztere wird, wie Ihnen bekannt ist, alljährlich eine Seelengedächtnisfeier veranstaltet, bei welcher die Namen der im abgelaufenen Jahre Verstorbenen genannt und Gebete für deren Seelenheil verrichtet werden. Die seit einigen Jahren befolgte, auch im Statute festgelegte Hebung, diese Feier nicht wie bisher ausschließlich im Tempel der -Inneren Stadt, sondern abwechselnd im Stadt- oder Leopoldstädter-Tempel abzuhalten, hat bei den Mitgliedern des Vereines Anklang gefunden. Im Schoße des Vorstandes find in der Berichtsperiode einige Veränderungen vor fich gegangen. Wir beklagen den Verlust zweier hochverdienter Kollegen, der Herren Adolf Rosenbaum und Dr. Isidor Schnabel sel. And. Adolf Rosenbaum versah durch mehrere Jahre mit der ihm eigenen Hingebung das wichtige Amt eines Kassaverwalters; bis zu seinen letzten Tagen widmete er sich trotz schwerer Krankheit den Aufgaben seines Amtes, bekundete er einen seltenen Eifer in der Erfüllung der freiwillig übernommenen Pflichten. Nur kurze Zeit war es uns gegönnt, den verewigten Dr. Isidor Schnabl in unserer Mitte wirken zu sehen; aber sie genügte, seine trefflichen Eigenschaften zu erkennen und sein Hinscheiden als einen großen Verlust für die Chewra-Kadischa zu empfinden. Wir werden den Dahingeschiedenen stets ein ehrendes Gedenken bewahren. An Stelle der Genannten wurden die Herren kaiserl. Rat Leopold Sachs und Karl Lang in den Vorstand kooptiert. Schon früher erfolgte meine Berufung in den Vorstand, welcher mich dann zum Präsidenten wählte. Ich benütze den heutigen Anlaß, um meinen Kollegen hierfür neuerlich herzlichsten Dank zu sagen; ich werde stets bemüht fein, meine Kraft dem Wohle und dem Gedeihen unserer altehrwürdigen Bruderschaft zu widmen. In Würdigung außerordentlicher Verdienste um die Chewra-Kadischa hat der Vorstand beschlossen, den Vorstandsmitgliedern Herren S. Heit und Vizepräsidenten Dr. Markus Spitzer die Ehrenmitgliedschaft zuzuerkennen; wie wohlverdient diese besonders bei unserer Bruderschaft sehr seltene Ehrung ist, bedarf keiner näheren Ausführung; Ihrer Zustimmung zu diesem Beschlüsse ist der Vorstand gewiß. Am 18. März 1906 fand im Sophien-Saale nach mehrjähriger Pause wieder eine.Chewra-Sude statt. Ich glaube, es sagen zu können, daß keine der gleichartigen ftüheren Veranstaltungen diese an Feierlichkeit und Beteiligung erreicht oder übertroffen hat. Es war ein glanzvolles Fest, an dem alle Kreise unserer Gemeinde gleicherweise beteiligt waren und das wieder den Beweis dafür erbrachte, daß auch in jenen Schichten unserer Glaubensgenossenschaft, welchen man häufig den Vorwurf der Gleichgiltigkeit macht, das religiöse Gefühl ncch immer rege, das Gefühl der Zusammengehörigkeit doch nicht erloschen ist! Auch nach anderer Richtung zeitigte das Fest ein erfreuliches Ergebnis, indem unserem Vereine aus diesem Anlässe eine größere Anzahl neuer Mitglieder beitrat. Was die innere Vereinstätigkeit anbelangt, ist in erster Linie die vorgenommene Statutenänderung zu erwähnen. Schon lange machte sich in den Kreisen der Mitgliedschaft unseres Vereines der Wunsch nach einer unmittelbaren Einflußnahme der Mitglieder auf die Gestaltung des Vorstandes geltend. Diesem Wunsche stand allerdings eine mehr als hundertjährige, oder wenn man weniger genau sein will, noch viel ältere Tradition gegenüber, welche die Ergänzung des Vorstandes ausschließlich diesem überließ. Nichtsdestoweniger wurde schon bei der vorletzten Statutenänderung der Generalversammlung das Recht der Wahl von drei Vorstandsmitgliedern, also eines Vierteils des Gesamtvorstandes eingeräumt. Die letzte Statutenänderung räumt nun den Mitgliedern unter gleichzeitiger Erhöhung der Anzahl der Vorstandsmitglieder von 12 auf 15, das Recht zur Wahl von fünf Vorstandsmitgliedern, also eines Dritteiles des Gesamtvorstandes ein. Allerdings wurde hierbei über Beschluß des Kultusvorstandes, welchem eine solche Einflußnahme sowohl nach den Statuten, als auch nach alter Tradition zugestanden werden muß, eine Einschränkung des Wahlrechtes der Generalversammlung nach der Richtung statuiert, daß zur Vornahme der Wahl die Anwesenheit von mindestens 100 Vereinsmitgliedern erforderlich sei, andernfalls diese Wahl durch Kooptation zu ersetzen ist. Der Dereinsvorstand konnte sich dieser in dem ursprünglichen Statutenentwurfe allerdings nicht enthaltenen Aenderung in der sicheren Erwartung anschließen, daß sich ein derartiger Fall voraussichtlich niemals ereignen werde; sollte er jedoch, was wir nicht glauben können, jemals eintreten, so läge hierin ein solcher Beweis von Teilnahmslosigkeit, daß die gegenständliche Maßregel von den Mitgliedern gewiß nicht als eine Einschränkung ihrer Rechte empfunden werden würde. Für die Erhöhung der Anzahl der Vorstandsmitglieder war insbesondere der Umstand maßgebend, daß die in den letzten Jahren ganz ungewöhnlich erhöhte Arbeitslast bei der täglichen Armenbeteilung von jenen Vorstandsmitgliedern, welche sich dieser Aufgabe widmen — ich erwähne, daß hierbei besonders die heute zur eventuellen Wiederwahl kommenden Herren in hervorragendem Maße beteiligt find — auf die Dauer nicht mehr hätte getragen werden können. Zur Illustration dieser Tatsache möchte ich nur — ohne dem Berichte des Herrn Kollegen Horner vorgreifen zu wollen — hervorheben, daß die für Unterstützungen und Kurbeiträge verausgabten Beträge von K 30.000 im Jahre 1896 auf nahezu K 50.000 im Jahre 1906, die für Bandagen, orthopädische Apparate rc. von K 2800 auf K 10.000, für Medikamente von K 7700 auf rund K 23.000 gestiegen find — eine Steigerung, die die Bezeichnung ungewöhnlich wohl verdient. Von den sonstigen Statutenänderungen sei hervorgehoben, daß an Stelle der bisherigen „Ernennung" der Vorstandsmitglieder durch den Kultusvorstand die bloße „B e st ä t i g un g" tritt — eine Emanzipation, die gleichfalls den Tendenzen zahlreicher Mitglieder entspricht. Die übrigen Aenderungen sind weniger wesentlich. Ueber die Tätigkeit des Vereines und seines Vorstandes auf humanitärem Gebiete wird, insoweit diese Tätigkeit auch in Zahlen ihren Ausdruck findet, der Herr Kassaführer berichten; ich möchte mich nur darauf beschränken, die Gründung zweier Fonds zu erwähnen: des Fonds zur außerordentlichen Unterstützung und des Fonds für würdige Bestattung verarmter Vereinsmitglieder. Der Vorstand ging hierbei von der — gewiß allseits geteilten — Ansicht aus, daß in erster Linie verarmte Vereinsmitglieder der Benefizien des Vereines teilhaftig werden sollen. Der Absicht, diesem zumindest moralischen Anspruche sinnfälligen Ausdruck zu geben, verdanken die erwähnten Fonds ihre Entstehung. Neben der Betätigung auf humanitärem Gebiete erstreckte sich die Wirksamkeit des Vereines, bezw. seines Vorstandes auch auf die Erfüllung der religiösen Pflichten bei Beerdigungen. Wenn der Verein seinen Pflichten nach dieser Richtung hin Nachkommen konnte, verdankt er es der eifrigen, nicht genug zu rühmenden Mithilfe jener Herren, welche den Vorstand bei der Teilnahme an Leichenbegängnissen vertreten. Ich spreche gewiß im Namen aller Mitglieder, wenn ich den betreffenden Herren hierfür den wärmsten Dank ausspreche. Lassen Sie mich, hochverehrte Herren, meine Ausführungen mit dem innigen Appell schließen, daß Sie unserem Vereine auch weiterhin Ihre werktätige Unterstützung angedeihen lassen mögen. Immer größer wird die Armut unserer Glaubensbrüder, immer höher werden die Erfordernisse, um nur die schrecklichste Not teilweise zu lindern. Erlahmen Sie nicht in dem Bestreben, unsere Bruderschaft zu fördern und die Mittel zu bieten, ihren erhabenen Aufgaben gerecht zu werden. Kein äußerer Lohn winkt Ihnen für solches Tun; das Bewußtsein aber, ein gott-

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