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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-11-01 · 44 (1.11.1907) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
44 (1.11.1907)
Date
1907-11-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 44 Dl Lwcv's Mocvenscvrrrr. Seite 727 haben an dem Ausbau dieser Schule, sind uns leider nicht erhalten geblieben. Allmälig entfaltete sich die Anstalt zu einer Musterschule, von autoritativer Seite anerkannt. Wenn! man die traurigen Verhältnisse jener Zeit im Auge behält,z so wird das Wirken der Männer im Vorstand und im Lehr-'^ körper erst im rechten Lichte erscheinen. Die damals nocks in Uebung gewesenen öffentlichen Prüfungen, zu denen (wie .'' der Schreiber dieser Zeilen sich aus seiner Jugendzeit erinnert) regelmäßig auch Prälat Khun erschien und die Verteilung der Prämien für die besten Schüler vornahm, gaben dem Publikum Gelegenheit, sich von den Leistungen der Schule zu überzeugen. Man sah die Notwendigkeit dieser Institution ein und es fanden sich zahlreiche Freunde und Gönner, die gerne ihr Scherflein beitrugen, um den Bestand der Schule zu sichern. Den eklatantesten Beweis für die Berechtigung der Schule gab die Kommune Wien, indem sie dem Vereine eine Jahressubvention gewährte. Doch der Betrieb der Schule erforderte mit deren Aufschwung immer größere Mittel und es mußte daran gedacht werden, für die in einem Privathause in der Sterngasse Nr. 4 untergebrachten Schulräume endlich ein eigenes Heim zu gründen. Unter großen materiellen Opfern wurde endlich ein großer Hof mit einem Rückgebäude in der Malzgasse 16 erworben, welche Realität bis zum heutigen Tage^ncht voll ausbezahlt wurde.VDas Rückgebäude wurde adaptiert, um die 4 Klassen der Hauptschule unterzubringen. Der gute Ruf der Schule verbreitete sich rasch, es mußte au die Errichtung einer 5. Klaffe gedacht werden, was wieder unter großen Opfern realisiert wurde; dem zweistöckigen Hintergebäude wurde ein Stock aufgesetzt und so entstand die fünfklaffige Volksschule mit einer Schulbibliothek und einem Lehrerkonferenzzimmer. Dank der Subvention der israelitischen Kultusgemeinde im Betrage von 7000 Kronen jährlich und durch Verkauf eines Teiles des Grundes konnte auch die Zahl der Lehrer vermehrt werden. Durch den Eintritt David Simons in den Vorstand nahmen die Leistungen der Schule neuen Aufschwung, sie wurden wiederholt vom k. k. Bezirksschulinspektor besonders lobend hervorgehoben und das verdienstvolle Wirken des Lehrkörpers unter der Leitung des Oberlehrers Jakob Kohn anerkannt, aber das Gespenst Defizit wich nicht aus den Büchern des Vereines. Wiederholt mußte sich der Verein an die Glaubensbrüder wenden, an die Großmut unserer Brüder appellieren. Hier müssen die Verdienste des Landesschulrates Dr. Gustav Kohn besonders hervorgehoben werden, der im Vereine mit dem bekannten Philanthropen Heinrich Berger s. A. kein Opfer scheute, um den Verein vor dem Zusammenbruche zu bewahren. Herr Heinr. Berger ließ im Hofe des Schulhauses einen Tempel errichten, dessen Einkünfte in die Kasse des Vereines fließen. Die Schule war seit jeher mit einem Betlokale verbunden, das zugleich für die Jugend zur Abhaltung von Gottesdiensten diente. Der Verein hatte nun einen neuen Tempel, aber die Schule im Rückgebäude ließ in den notdürftig adaptierten Räumen in hygienischer und sanitärer Beziehung viel zu wünschen übrig. Wiederholt wurde von der Behörde auf diese Zustände hingewiesen und mit der Schließung der Schule gedroht. Von Jahr zu Jahr wurde diese drohende Gefahr hinausgeschoben, bis endlich die Behörde erklärte, es müsse eine neue Schule gebaut werden. Nach langem Suchen nach geeigneten Lokalitäten mußte sich der Vorstand entschließen wollte er diese segensreich wirkende Institution erhalten, das alte Rückgebände zu demolieren und auf seinem eigenen Grund und Boden eine prächtigen Neubau zu errichten, der hier im Bilde den geehrten Lesern vorgeführt wird. Jetzt gab es große Sorgen. Der Bau wurde mit 240.000 Kronen veranschlagt. To be or not to be war jetzt die Devise. Dem allverehrten Oberrabbiuer Dr. M. Güdemann, Präses ad honores des Vereines, im Vereine mit dem Vizepräsidenten Landesschulrat Dr. Gustav Kohn ist es gelungen, durch eine Sammlung an welcher Rothschild, Gutmaun, Reizes u. A. sich in erster Linie beteiligten, die Baukosten, bis auf einen allerdings nicht unbedeutenden Bruchteil, aufzubringen und Wien besitzt jetzt eine Volksschule, die sich sehen lassen kann, die erste Schule in Oesterreich, welche ein Schulbad besitzt und eine Schulküche mit einem anschließenden Speisesaal, in welchem der ärmere Teil der Schulkinder, 80 an der Zahl, einen guten Mittagstisch finden. Schon im alten Schulgebäude wurde diese Zahl armer Schulkinder ausgespeist und mit warmen Winterkleidern versehen. Die Schule sorgt nicht nur für das geistige Wohl der ihr auvertrauten Kinder, sondern auch für deren körperliches Gedeihen. Ja, sogar die Institution der Schulärzte fehlt nicht. Schon in den Sechziger-Jahren war die Talmud-Thoraschule ein Pionier nach dieser Richtung. Dr. Wolner s. A. versah in jener Zeit den schulärztlichen Dienst. Jetzt sind 2 Schulärzte damit betraut. Dem Hause Gutmann ist es zu verdanken, daß auch die Ausipeisung und Bekleidung der armen Kinder einen Aufschwung nahm durch ein von dem hochherzigen Herrn David Ritter von Gutmann gespendetes Stiftungskapital von 40.000 Kronen. Aber trotz alldem müssen wir diese Zeilen mit einem Appell an unsere Glaubensbrüder schließen. Helfet, damit dieser Pfeiler des Judentums nicht wanke, damit wir das vor mehr als 60 Jahren begonnene Liebeswerk aufrechterhalten können. _ Generalversammlung der Wiener Chemra-Kadischa Die am 27. Oktober 1907 im »Hotel Post* stattgehabte Generalversammlung der Chewra-Kadischa bot durch die große Zahl der erschienenen Mitglieder einen neuerlichen Beweis für das lebhafte Jntereffe, das dieser ältesten jüdischen Vereinigung Wiens allseitig entgegengebracht wird. Herr Präsident S a l o C o h n begrüßt die Versammlung auf das Herzlichste, konstatiert die Anwesenheit der statutenmäßig erforderlichen Anzahl und erklärt die Versammlung für eröffnet. Vor Eintritt in die Tagesordnung führt der Präsident Folgendes aus: »Bevor wir in die Tagesordnung eingehen, glaube ich einem Herzensbedürfnisse aller Anwesenden zu entsprechen, indem ich eines Ereignisses gedenke, das die Herzen aller Bürger unseres Reiches mit inniger Freude erfüllt. Nach langen Tagen schwerer Besorgnis wurde uns die frohe Kunde, daß sich unser Allergnädigster Monarch auf dem Wege der Genesung befindet. (Die Versammlung hat sich von ihren Plätzen erhoben.) Die heißen Wünsche aller Untertanen haben sich in seltener Einmütigkeit zusammengefunden, um die Genesung unseres gütigen Kaisers herabzuflehen. Ich spreche gewiß im Namen aller hier Anwesenden, wenn ich der innigen und aufrichtigen Freude und dem aus tiefstem Herzensgründe kommenden Wunsch Ausdruck gebe, daß unser geliebter Kaiser seinem hehren Berufe bis an die äußerste Grenze des menschlichen Alters erhalten bleibe. (Begeisterte Zustimmung.) Von Seite des Kultusvorstandes ist zur Teilnahme an unserer heutigen Generalversammlung der Vize-Präsident Herr Theodor Ritter von Goldfchmidt delegiert, welchen ich auf das Herzlichste begrüße. Zur Tagesordnung seien mir einige Bemerkungen gestattet: Nachdem den geehrten Herren Mitgliedern die Berichte über die Jahre 1904, 1905 und 1906 alljährlich zugekommen

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