Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 44 (1.11.1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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sette 726 Dr. Llocb's MocdenscvrM. Nr. 44 1317, Febr. 17. Gonrat, der Pfarrer von Hofstetten, hat der Hausfrau des Juden Simon in Wien einen gesiegelten Brief seines Herrn Weichhart von Rabenstein um 8 Mark Silber versetzt. 1256 vor Februar 27. Wien. Abt Heinrich von Göttweig verpfändet mit Zustimmung seines Convents 3 Lehen des Klosters zu Pettendorf (Pottendorf?) mit ihrem jährlichen Einkommen dem Wiener Juden Schalan für 18 Pfd. Wiener Münze in der Weise, dass, wenn die Auslösung nicht zwischen Sonntag Quadraginta nach Ostern erfolgen sollte, die einmaligen Einkünfte aus jenen Lehen dem Pfandnehmer verfallen sollen. . 1421, November 26. Herzog Albrecht schenkt 1 Haus, das »ettwenn Pachlinn der Jüdin gewesen«, darnach ein Haus »daselbst in der Judengassen«, das Smerl des Wankel gewesen ist, und 1 Haus auch »daselbs in der Judengassen«, das Hendlin der Jüdin von Lempach gewesen ist, und welche von den egenannten Juden und Jüdin an den Herzog gekommen sind. 1445, Juni 3. Bürgermeister und Rat der Stadt Znaim teilen dem B. u. Rat der Stadt zu Wien auf ihre Anfrage mit, dass Hestra, die Jüdin, sich unter Herrn Jorgen von Freyn geurlaubt hat, aber trotzdem »in der stad siezen wollte«, und dass, da dieser der Stadt vielen Schaden zugefügt hätte, ihr Hauptmann Herr Erenst Lesskowecz die Jüdin gefangen genommen hat. Sie versprechen, sich bei diesem nach seiner Rückkehr für die Jüdin und ihre Töchter zu verwenden. 1361, Juli 27. Wien. Herzog Rudolf IV. amortisiert einen Schuldbrief des Nonnenklosters St. Nicolaus in Wien über 824 Pfd. Wiener Pfg., welchen die Zitzlin, »unser Jüdin von Wien« bei der letzten Feuersbrunst daselbst verloren haben soll. Würde derselbe jedoch zum Vorschein kommen, so ist er ausser Kraft, und die Nonnen sollen keinen Schaden haben. (Anton Mayer, Quellen zu Gesch. der Stadt Wien. Nr. 629.) 1320, Mai 20. Graz. König Friedrich veranschlagt den Schaden, den er mit Durchzug und Lager dem Erzbischof von Salzburg zugefügt, auf 1200 Mk., altes gewegens und will »im des Silbers achthundert Mank verrichten von unsern juden ze Wienne (...) anz auf Weinachten die schierist choment« und befiehlt ihm, »mit seinen Briefen von der Judensteur ze gelten und die andern vierhundert march (...) an dem nechsten sant Gilegen tach über ein jar von der Münzze ze Wienne oder anderswo, und was er von Schadn neme an den Juden, will dem Erzbischöfe der König ersetzen. 1864, Juli 6. Dem Convent des Hauses zum hgn. Geist in Wien tilgt Herzog Rudolf eine Schuld von 140 Pfd. W. Pfg., durch die ihr Haus an den Juden gekommen und ihr Orden dem Untergang nahegebracht worden. 1421 Febr 21. Der Deutsche Orden in Osten-., durch Schulden bei Christen und Juden in arger Verlegenheit, muss das »Deutsche Haus« in Wien verkaufen. dto. 1421 März 8. 1376 Apr. 26. Erlös von einem Judenhause zu Wien, auf dem zu Gunsten einer Messe 4 Pfd. Pfg. gelegen hatten, das Haus war aber, »zu der Zeit da man die Juden gemainlich angegriffen hat», gänzlich abgebrannt. 1405, Juni 26. Herzog Wilhelm von Oesterreich beurkundet sein mit dem Herzoge Ernst, s. Bruder, getroffenes Uebereinkommen, dass er dessen Gemahlin »mit kost vnd futer« brüderlich und fürderlich geben und ausrichten wolle« ... (er verspricht) 3000 Pfd. Pfg. zur Bestreitung des Bedarfes für Herzog Ernst selbst, dessen Gemahlin, Diener und Hofgesinde. Er weist diese Summe an, darunter vor den nächsten Weihnachten von der Judensteuer in Oesterreich 500 Pfd. Pfg. 1406, November 5. Item 1406 da man pirglocken lewt zu Wyenn, am freytag nach aller heiligen tag hueb sich ein fewr vnder den Judn. vnd alles volkch was auf vnd truegn aus den Judn, was sie funden, chlainot, hausgeret, mel, vnd wert auch den sampztag den gantzn tag vnd geschah grozz schadn, Christen mer denn den Judn. (Von Birk’s Nachlass, gedr. in Kaltenbäck’s Oesterr. Zeitschrift f. Geschichte und Staatskunde I, 1835, Nr. 26, 8. 104, Scherer 406.) 1469, März 14. Judenburg. Kaiser Friedrich III. wiederholt seinen Befehl an Bürgerm, und Richter und Rat zu Wien, Hannsen von Spaun, seinen Rat, auf seinen geltbrief, so er von ihnen hat, benügig zu machen. Unter den Akten folgende Aufzeichnung: Item ich hab entnommen von dem Smoel Juden: Item von erst 60 Pfd. Pfg. octavo post Johannis Waptiste anno etc. LXVII mo (1467. Juli 1.) und hab im geben davon alle Wochen % Pfd. Pfg. facit ain jar dritthalb wochen, facit 27 Pfd. 60 Pfg. Item mer hab ich entnommen von dem Smoel Juden 62 guidein und ist geschehen anno etc. LXVII. des andern tags nach sand Larenczen tag (1467, Aug. 11) und hab im geben alle wochen vom guidein 50 oboli, facit alle wochen 5 sh. 5 Pfg., facit ain jahr 2$ wochen, facit 33 Pfd. 6 sh. 4 Pfg. 1204, März 30, Schwadorf. (Auch in Hormayrs Gesch. Wiens I, S. 47—49.) Gottfried, Wiener Kämmerer, im Besitz von 4 Baugründen, die auch dem Juden Zlom gehörten u. links neben der Judenschule an dem von der Donau heraufführenden Wege liegen. 1238 August. Brixen. Kaiser Friedr. II. nimmt die Juden zu Wien, seine Kammerknechte, in seinen kaiserlichen Schutz und trifft zu ihren Gunsten verschiedene Verordnungen. Sept. 12. Albrecht V. bestimmt, dass die Judengeldschuld von nachbenannten zu Ober- und Nieder-Li§sing wohnhaften Leuten zum Bau einer Kapelle in Nieder-Liesing verwendet werde. 1295 empfängt Marus, Jud zu Wien, vom Schreiber des Bischofs von Salzburg 23 Mark Silber. 1377 Juden als Nachbarn von Christen. Näheres s. im »judenpuech« des Amtes der Schefstrasse seit 1389 (vgl. Schalk in Mitteil, des Inst. f. österr. Geschichtsforschung XII, 1657), wo auch unser Judenmeister Lesier dargestellt ist (vgl. Scherer, Die Rechtsverhältnisse der Juden etc. 402). Die Wiener „Tatmud-THora" i« ihrem neuen Heim. Am 3. November, 10 Uhr vorm, eröffnet die seit mehr als 60 Jahre bestehende Vereins-Volksschule „Talmud-Thora" ihr neues Schulgebäude. Die Errichtung dieser Schule fällt in die Konkordatszeit. Der Religionsunterricht der die Konkordatsschule besuchenden jüdischen Kinder blieb dem Elternhause überlassen. Die armen jüdischen Eltern, denen es besonders schwer fiel, ihren Kindern einen Unterricht in der Religion und der hebräischen Sprache angedeihen zu lassen, schickten ihre Kinder in die damals gegründete „Talmud-Thora- Schule", die zuerst aus zwei Klassen bestand, später zu einer 4-klassigen erweitert wurde, in der auch die profanen Fächer gelehrt wurden, und in den Sechziger-Jahren schon erhielt sie das Oeffentlichkeitsrecht als Hauptschule. Mit der Jnaugurierung des Reichsvolksschulgesetzes entwickelte sich die Schule unter Leitung des dirigierenden Oberlehrers Wilhelm Löwit zu einer von den pädagogischen Kreisen Wiens anerkannten allgemeinen Volksschule. Aus allen Schichten der jüdischen Bevölkerung, aus den entlegensten Bezirken, aus Floridsdorf und Jedlesee, strömten Schüler herbei, und Männer, die sich im Leben einen wohlklingenden Namen machten, gingen aus ihr hervor. Daß sich die Schule in jener Zeit behaupten konnte, spricht allein schon für deren Existenzberechtigung. Ihre Schüler haben als Sendboten den echt jüdischen Geist in alle Kreise hinausgetragen, und so wurde diese Anstalt zu einem Pfeiler des Judentums. rMM Wir erfüllen eine Ehrenpflicht, wenn wir heute jener Männer gedenken, die damals unter schwierigen Verhältnissen ihre ganze Tatkraft in den Dienst der heiligsten Sache des Judentums stellten. Nächst dem Gründer Hofwechsler Ignaz Deutsch wollen wir die Namen der Herren Heinrich Berger, M. L. Kohn, Anton Bing, Salomon Spitzer, Koppel Austerlitz, I. L. Freistadt, Samuel Waffertrilling, Jakob Kreisl, Jakob Neurat, Sig. Pappenheim besonders hervorheben. Die Namen vieler Anderer, die wacker mitgeholfen