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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-11-01 · 44 (1.11.1907) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
44 (1.11.1907)
Date
1907-11-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 724 Dr. Llocv s Mocbenscürm. Nr. 44 ist ersichtlich, daß sie nicht freigebiger und patriotischer waren als die andern. Es wurden nämlich von allen Provinzen statt der geforderten 57* Millionen nur 27- Millionen bewilligt, also mehr als die Hälfte „abgestrichen". Das tut heute nicht das oppositionellste Parlament, wenn der Krieg bereits erklärt ist! Wenn die kaiserliche Armee i. 1.1683 anstatt, wie beabsichtigt und höchst notwendig war, 80.000 Mann stark zu sein, kaum die Zahl von 40.000 erreichte, so war daran neben manchem anderen zum großen Teil die Knickerei der Stände schuld. Welche Wendung der ganze Feldzug aber genommen hätte, wenn der Herzog von Lothringen schon im Mai oder Juni über 80.000 kaiserliche Soldaten verfügt hätte, kann man leicht daraus entnehmen, daß die ganze Entsatzarmee, welche am 12. September die Türken so gründlich besiegte, nur ungefähr 76.000 Mann stark war. Nach dem Entsatz von Wien wurde es um nichts besser: Die Stände von Niederöfierreich verweigerten jeden Steuerbeitrag zur Verteidigung ihres Landes, erinnerten aber den Kaiser. wiederholt daran, daß sie erwarten, er werde die ihm von Gott anvertrauten Länder durch seine Waffen zu schützen wissen. Zum Feldzuge vom Jahre 1684 haben die Stände von Niederösterreich und mit ihnen die Stadt Wien an Steuern nicht einen Kreuzer beigetragen! Wien litt freilich an den Folgen der Belagerung. Unsere heutigen Agrarier sind große Freunde der Einkommensteuer, die ja vorzüglich das mobile Kapital trifft, die österreichischen Stände des siebzehnten Jahrhunderts sträubten sich aber sehr gegen die neu eingeführte Türken- oder Einkommensteuer. Die gewöhnlichen Steuern wurden nämlich auf die Untertanen umgelegt, während die Einkommensteuer die Herrschaften selbst traf. Die Stände von Oberösterreich baten daher im Jahre 1684, man möge ihnen gestatten, diese Steuer in die ordinäre Steuerbewilligung einzurechnen, was ihnen Gelegenheit gegeben hätte, sie auf die Bauern überzuwälzen Hätte man dies den oberösterreichischen Ständen bewilligt, so hätte man es auch den andern bewilligen müssen; sie wetteiferten ja nur miteinander, für sich Privatvorteile zu erlangen. Der Gedanke der Zusammengehörigkeit und der Notwendigkeit einer wechselseitigen Unterstützung war bei den Ständen der einzelnen Länder ganz erloschen. Jedes Land suchte seine Interessen ohne Rücksicht, ja oft auf Kosten der andern zu fördern, und innerhalb der Länder verhielten sich so die einzelnen Stände gegeneinander. In diesen hatten aber die drei obern Kurien, die Prälaten, Herren und Ritter, sich des ganzen Einfluffes bemächtigt; sie waren nach unten Herren der Länder, auf ihren Gütern souveräne Machthaber geworden, sie wurden von den Bürgern der Provinzstädte als kleine Souveräne betrachtet. Die ganze Steuerlast drückte auf dem Bauer, der Reichtum der Provinzen floß in die Kassen der Herrschaften und der Staat bekam nicht einmal die notwendigsten Mittel zu seiner Erhaltung. So war es vor zweihundert Jahren, und — liegen uns diese Zustände wirklich so fern? Sehen wir nicht heute wieder in Oesterreich das Vorherrschen der Feudalen und Klerikalen, erhebt nicht jetzt wieder jede Provinz, jede Nationalität, jeder Stand seine besonderen Ansprüche, die sie auf Kosten der andern, auf Kosten des Staates befriedigt sehen wollen? Während überall in Europa die Staaten ihre Kräfte konzentrieren, nach Einheit und Verschmelzung streben, läßt man bei uns den zentrifugalen Kräften fteies Spiel, dem sprichwörtlichen Glück Oesterreichs vertrauend. Wir hoffen und wünschen, daß es nicht zu so furchtbarer Probe wie vor zweihundert Jahren kommen wird. Ein Lothringer und ein Starhemberg finden sich nicht immer; auch von Papst und König von Polen haben wir nichts zu erwarten. Möge wenigstens unser zukünftiger Gegner nicht geschickter sein als Kara Mustapha! L. I*. Die Juden in den „Urkunden der Stadt Wien“. Von Dr. M. Gr. Die hohe literarische und kommerzielle Bedeutung der Wiener Juden, sowie der in den Nachbargemeinden in Wiener-Neustadt und Krems vor dem Jahre 1421 liess bisher die Dürftigkeit archivalischer Belege aus jener Zeit umso bedauerlicher empfinden.*) Durch die Herausgabe der „Urkunden der Stadt Wien“ beginnt nun das Dunkel, das über diesen Gemeinden und den persönlichen Schicksalen ihrer zum Teil für jene Tage weit und breit massgebenden geistigen Führer lagerte, sich ein wenig zu lichten. Im Folgenden werden an der Hand der Begesten des Wiener Stadtarchives, soweit sie von Juden handeln, einige Familien und Persönlichkeiten, sowie die geschäftlichen Beziehungen der Juden zu Fürsten, Adel und Geistlichkeit beleuchtet. Die einzelnen Personen verteilen sich auf die Orte etwa wie folgt (die Zahlen bedeuten die Jahre, aus denen von ihnen gemeldet wird): Br u[ü?]nn: Eysak 1377; Eggenburg: David (Schlager, Wiener Skizzen I, 24), Metlein 1368; Erfurt: Meister Meirein 1347; Feldsberg: Hennan 1370, Schalam 1364; Hainburg: Josef 1421; Herzogenburg: Hetschel 1382; K1 a g e n f u r t: Aschir 1369; Krems: Mair 1407, Rabbi Israel (auch bei Scherer 381) 1385, Czeislin 1375; L[a?]mbach: Hendlin 1421; L e u b s : Adam 1421; Linz: Musch 1425; Marburg: Isserlein 1365, Musch 1370; Matzleinsdorf: Saul 1348. [Mödling: Ueber die Juden in Mödling schreibt Schalk (Die Mödlinger Häuser etc., Separat-Abdruck aus d. Blatt, d. Ver. f. Ldkde., S. 3): »Vor der Judenverfolgung des J. 1421 gab es zweifellos auch in Mödling eine Judengemeinde, da ein Haus in der heutigen Elisabethstrasse als Haus bezeichnet wird, »das weilent ee ein Judenschul gewesen ist«. Die Elisabethstrasse führte bis gegen Ende des XV. Jahrh. den Namen Judengasse. Die Satzposten im Grundbuch der Wiener Augustiner weisen u. a. 13 geistliche Personen und Korporationen und 14 Juden als Gläubiger auf (S. 8).«] Neuenburg (klosterhalben — Klosterneuburg): Abraham 1421, Aram (wohl — Abraham) 1373, Aefferlein 1379, David 1416, Isserlein 1370, Frau Plueme 1322; Neuenburg (markthalben): Isserlein 1367; Neunkirchen: Josef 1373; (Wiener-)Neustadt: Aeserlin 1396, Eysak 1380, Smoyl 1407; Oedenburg: Isserlein 1370 und sonst oft, Hendlein 1380; Ofen: Scheftlein 1373—1383; Perchtoldsdorf: Tenchlin (Daniel) 1371, Mampgut (Mangut) 1379—1383, Josef 1377, Lesier 1375, Muschiin 1355, Patusch 1375, 1377; Raab: Hesklin 1384; Regensburg: Josef 1380; Salzburg: Nachman 1351, Frau Peltlin 1420; Steyr : Muschel 1363 (Scherer 401); Traiskirchen: Eschlein 1421; Tuln: Suezman i. 1370; Villach: Jacob 1433;Waidhofen : Fridlin 1375; Wien: Adam c. 1370, Aron 1330, 1340, 1341, 1379, Ascher 1368, 1371, 1379, Avi(ge)dor [vgl. Monatsschr. 26, 559. 48, 212] 1375, Baruch, der Judenmeister (auch bei Scherer 388) 1367, Eferlein (= Abraham) 1417, Ersman 1370, Ettel 1370, Esra 1337, 1357, Vinkkel 1392, Fridel 1406, Gerstlein 1379, Guetman 1318, 1319, Henczsch 1877, Hesman 1369, Hocz 1413, Ysaach 1298, Jsserlein 1370, Joslein 1370, Jacob (interpres) 1374 (Meister) Jeklein 1414, Josef 1369, Jochanan 1368, Judman 1368, Ghisel 1379, Kysens 1430, Lazarus 1375, Lebman 1310, Lesier (Mesner) 1375, Mayman 1368, Marusch 1311, Marusch 1295, (Meister) Mairein (Mertein) von Erfurt 1404, Maendlein 1394, Merchel 1373, Micheltraut 1399, Moerl c. 1370, R. Mose b. Gamliel (er könnte mit Mose Taku, der neben ihm erwähnte Jesaja Uri mit R. Phoebus in Wr.-Neustadt identisch sein, vgl. Gastfreund, Wiener Rabbiner) 1337, Nekchel 1379, Ofedel (— Obadja, ein Ob. in W.-Neust. s. Monatsschr. 48, 211) 1385, Pendit 1294, Meister Pesach 1369, Pischof 1383, Puezlein 1328, Rügern 1392, Sadia [ein Sadia b. Senior s. Rev. et. j. 78] 1368, Simon 1317, Smerl (=* Schemarja) der Wenklein 1422, Smerl von der Eschirichen 1329, Smoyel (der Juden Sangmeister) 1363. [In einem neuerdings vom Archiv der Stadt Wien erworbenen Dokument vom 9. November 1401 fand ich ein Haus erwähnt, »das weylent des Wertheymen gewesen ist.« Neben diesem Wertheim linden wir auch damals bereits in Wien einen Isak aus Oppenheim (Revue des etudes juives LIII 68.] Sueslin 1310, Meister Suezzel 1353, Sendel 1388, die Familie Steuss c. 1352—1421, Susman 1407, Schyman 1378, Tröstlein 1372, Zacharias 1330, Zadel 1344, Zuezzerman 1394 und die Frauen: *) Das bisher Bekannte findet man am besten bei Scherer („Die Rechtsverhältnisse der Juden in den deutsch-österreichischen Ländern“, Leipzig 1901) verwertet.

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