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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-10-25 · 43 (25.10.1907) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
43 (25.10.1907)
Date
1907-10-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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4L Dr. JSlocb’s Mocbenscbritt .i ui n i iiiMiiiiaw. Seite 707 j . Verbrannt sind alle Schulden wie Papier. Der mag uns nur im Himmel drum verklagen! In Mannheim wird kein Streit mehr ausgetragen. Wirhatten gestern auch noch einen Kater. Wo ist er heut?- Der alte Jude: Was Ihr für bunte Plunderworte habt Für Eure Schmach, die Heimat zu verlassen! Gibt es kein Mannheim mehr: gut! vor den Mauern Will ich hier liegen wie ein Wurm und trauern Und seinen Sturz in Ewigkeit beklagen . . . Ich betete zu unserem Gott für Euch . . . Ihr müsstet Eure Heimat anders lieben: Ich wäre lieber Asche dort geblieben, Als Leben hier. Du weisst noch nicht, wie viel die Heimat ist, Du bist kein Jude (lach nur!): Du bist Christ!“ Es kommt die Nachricht: „Mannheim wird wieder aufgebaut.“ Bei dieser Freudenkunde stirbt der Jude. „So ward ein Tod wie Moses ihm beschieden. Er sah im Sterben noch das neue Land.“ Dieses Festspiel, im Aufträge des Hoftheaterintendanten Karl Hagemann verfasst, ist in Mannheim aufgeführt worden. „Die Zukunft“ vom 27. Juli d. J. hat es abgedruckt. Möchte dieses Schneeglöckchen einen neuen Frühling einläuten oder besser — das Neuerwachen jenes Geistes, der, wie es in diesem Festspiel geschieht, in einem Nathan christlicher Liebe eine Folie geschaffen hat! Uerbarrbstag der Deutsche« Juden. Frankfurt a. M., 13. Oktober 1907. Zum Judentag hatten sich mehr als 400 Delegierte eingefunden; der ungefähr 2000 Personen fassende Saal des Saalbaues nebst Logen und Galerien war von Zuhörern überfüllt. Wir bemerkten unter den Zuhörern auch solche Juden, die sonst mit jüdischen Dingen nichts zu tun haben wollten und sich kaum ihres Judentums erinnern. Als Demonstration nach außen hin war der Judentag vollständig gelungen. Aus den Reden heben wir die wichtigsten heraus. Nach den verschiedenen Begrüßungsansprachen eines Vertreters des Herrn Regierungspräsidenten, sowie eines Stadtrates ergriff Herr Rechtsanwalt Dr. Blau das Wort: „Hochgeehrte Herren! Die israelitische Gemeinde zu Frankfurt a. M., die die Ehre wohl zu schätzen weiß, daß sie dazu ausersehen worden, der zweiten öffentlichen Tagung des V. d. D. I. die Arbeitsstätte zu geben, entbietet Ihnen, meine hochverehrten Herren Delegierten, durch meinen Mund herzlichen Willkommensgruß und innigen Dank für Ihr zahlreiches Erscheinen. Als vor bald zwei Jahren, am 30. Oktober 1903, der erste Verbandstag in der Hauptstadt des Deutschen Reiches sich vereinigte, da waren wohl alle Teilnehmer und auch diejenigen, die der Gründung des Verbandes zweifelnd gegenüberstanden, einig darüber, daß dieser Tag wenigstens eine imposante Heerschau über alle diejenigen Elemente der Deutschen Judenheit, mit denen wir im Kampfe um das Recht und die Ehre des Deutschen Judentums rechnen können, gewesen ist. Mag dieser erste Verbandstag auch noch keine unmittelbare Wirkung in der Richtung unserer Aufgaben ausgeübt haben, das Eine konnte wohl Niemand in Frage stellen, daß dieser erste Verbandstag einen ungeheuren Erfolg zu bedeuten hatte, indem er Männer, die auf allen Gebieten menschlicher Betätigung in hervorragender Weise tätig sind, vereinigte, ein Erfolg, der gar nicht hoch genug allein schon um deswillen veranschlagt werden kann, weil er auf die jüdische Jugend, auf unsere Nachfolger im Kampfe, stärkend und zum Ausharren aneifernd gewirkt hat. Seit jenem schönen Tage sind zwei Jahre stiller, aber rastloser und zum Teile auch erfolgreicher Arbeit im Dienste der Deutschen Judenheit gefolgt, und wenn Sie heute abermals, und diesmal in der Zentrale der süddeutschen Judenheit sich versammeln, so haben Sie das Bewußtsein, daß die Deutsche Judenheit in diesen letzten zwei Jahren dank der Arbeit des V. d. D. I. sich erheblich gekräftigt hat, daß durch den Verband weite Kreise zur Mitarbeit herangezogen worden find und daß die Zahl derjenigen sich mehrt, die sich nicht mehr ihres NamenS. ihres Stammes, ihrer Gemeinschaft schämen, sondern die stolz darauf find, Juden zu sein und zu bleiben (Stürmischer Beifall), Juden. daS heißt von altersher Kämpfer für die höchsten Ideale, für die erhabensten Ziele der Menschheit; Juden, daS heißt Kämpfer für Gott und Freiheit und Recht. Lassen Sie mich die Wünsche, die die israelitische Gemeinde zum Willkommen Ihnen heute bietet, in folgende Form kleiden: Möge die Arbeit des heutigen TageS den Stern des Judentums immer Heller erstrahlen lassen! Möge durch die heutige Arbeit und die Arbeit des Verbandes, die nach unserer innigsten Ueberzeugung unserem heißgeliebten Vaterland nur nützlich sein kann, zu stets sich steigerndem Segen erblühen, und möge als reifste Frucht der Verbandsarbeit in unseren Vaterlandsgenoffen sich die Ueberzeugung durchringen, daß wahres Judentum und echtes Deutschtum nicht etwa einander ausschließen, sondern im Gegenteil sich auf das Innigste miteinander vertragen, daß sie sich gegenseitig durchdringen und besuchten. (Bravo!) Und nun nochmals im Namen der israelitischen Gemeinde auf das Herzlichste willkommen, und „Auf zur Arbeit!". (Langanhaltender, lebhafter Beifall.) Herr Dr. L a ch m a n n dankte den Rednern für ihre Begrüßungsworte und erstattete hierauf den Geschäftsbericht über die Tätigkeit des Vorstandes innerhalb der letzten beiden Jahre. Aus dem Referate des Herrn Geheimrates Prof. Dr. Cohen über „Religiöse Postnlate". Redner begann mit der Erklärung, daß er für die Einzelheiten seiner Ausführungen allein die Veraniworlnng trage, daß er seine eigenen Anschauungen, nicht die des „Verbandes der Deutschen Juden" vortrage, und fuhr sodann fort: „Wenn die Religion eine Weltanschauung bietet, io geschehe dies nur in dem Sinne, daß sie richtig fühlt und lehrt, daß es ohne Gott keine positive Weltanschauung geben würde. Aber die Existenz Gottes zu.begründen, vermöge sie nur dank ihrer Verbindung mit der Philosophie. Die moderne Bildung stellt sich heute vielfach der Religion feindlich gegenüber. Man hat den Grundstein unserer Religion, das Dasein der einzig-einigen Gottes zurücktreten lassen, um nur von unserer Sittenlehre zu sprechen. Aber eine Religion muß vor allem ihren Gottesbegriff immer bewahr«, und fortentwickeln, besonders im Judentum, denn der Gott des Judentums ist der Gott der Sittlichkeit. Diese Bedeutung Gottes als des Urhebers der sittlichen Welt ist der Sinn des Grundbegriffs von der Einheit Gottes. Der Vorzug der Einzigkeit Gottes bedeutet seinen Unterschied von allem zählbaren Sein. Alles Sinnliche, daher auch Menschliche liegt weit ab von seinem Begriffe. Ohne Gott wäre Sittlichkeit ein bloßes Naturgefühl, könnte also ebensogut ein goldener Wahn sem. In dem Namen des einzigen Gottes sind wir alle als Juden verbunden; wir müssen uns in wissenschaftlicher, wie in populärer Behandlung der Religion mehr als bisher zur Aufgabe machen, den Gottesbegriff als Leitbegriff für alle Probleme festzuhalten. Es ist die Philosophie des Zeitalters, welche so viele Juden zur Teilnahmslosigkeit an allen unseren Bestrebungen verleitet. Auch unsere Frauen hat diese Philosophie bereits ergriffen; da ihnen aber die philosophische Bildung natürlicherweise fehlt und natürlicherweise auch die religiöse, so ist hier am Ort sogar daS traurige Wort von einer „neuen Ethik" gefallen. (Beifall) Sie sagen, die Forderungen der allgemernen Kultur stehen nicht im Einvernehmen mit dem Judentum. Es gibt aber keine allgemeine Büdung und keine europäische Kultur und keine Ethik, welche der Idee des einzigen Gottes als des Gottes der Sittlichkeit entraten kann. Also gibt es keine europäische Kultur und Ethik ohne den grundbewegenden Anteil des Judentums. Und dennoch gibt es Glieder unseres Stammes, welche stumm bei uns verbleiben, aber nicht mit ihrem Herzblut, nicht mit der vollen Kraft ihres Geistes zu uns halten, um die Welt mit der Idee des elnzigen Gottes zu bezwingen. Sie lassen sich von den Modeworten des Monismus und des Pantheismus verblenden. Es handelt sich hierbei um die Grundlagen der Philosophie und der Wissenschaften, nnd es ist sehr traurig, wenn gerade unter uns breite Scharen dieses tiefste Problem für erledigt erklären und unseren alten Gott für abgetan halten. Es dürfte dies die schwerste Entartung sein, die unserem Stamme widerfahren ist. (Beifall.) Wir sollten übrigens auch als Deutsche wissen, daß Kant diesen Monismus und Pantheismus widerlegt hat. Natur und Sittlichkeit sind nicht ein und dasselbe, sondern sie haben einen gemeinsamen Ursprung: die Einheit Gottes. Sofern ich den Gedanken der Sittlichkeit lebe, bin ich kein Tier, kein Naturwesen, sond-rn ich gliedere mich einer sittlichen Welt ein; aber daß die Sittlichkeit Wirklichkeit werde, diese Zuversicht gibt mir die Idee Gottes. „Erfüll' davon Dein Herz, so groß es ist"; wir haben keinen anderen Namen dafür als den des einzigen Gottes. Das zweite Postulat, unser Verhältnis zum Staat, wird ebenfalls aus dem Begriff des einzigen Gottes bestimmt. Als Gott der Sittlichkeit ist er Gott für die gesamte Menschheit; darin unterscheidet sich unser Gott von allen anderen Göttern, die nur für den Einzelmenschen und für den einzelnen Stamm sorgen. Unser Gott, der einzigeinige Gott, ruft alle Völker zu sich heran unter dem Namen des einzigen Gottes als Vater der gesamten Menschheit. Der einzige Gott bedeutet von vornherein daher die im Ideal der Sittlichkeit vereinigte I

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