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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-10-18 · 42 (18.10.1907) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
42 (18.10.1907)
Date
1907-10-18
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 42 2>r JBioe&’s Mlocvenscvrrn. Sette 699 und dem es regelmäßig über seine Tätigkeit Bericht zu erstatten hat. Dem Bureau obliegt die Erledigung der ihm vom Palästinaressort zugewiesenen Angelegenheiten, sowie der ihm vom Aktionskomitee resp. dem Zionistischen Zentralbureau in Köln übertragenen Arbeiten. Das Bureau hat bereits einen Sekretär angestellt und wird seine Tätigkeit in den nächsten Tagen aufnehmen. Odessa. Dem Hilfsverein der Deutschen Juden werden noch folgende Einzelheiten über die neuesten Pogroms in Odessa am 16. Oktober gemeldet: Nach der Ueberführung der Leiche des Gehilfen der Geheimpolizei Delfinski auf den Bahnhof zur weiteren Beförderung nach Moskau fanden in der schwergeprüften Stadt wiederum ernste Unruhen statt, welche von 2 Uhr nachmittags bis spät in die Nacht andauerten und die das bekannte Bild aller Pogroms aufwiesen: Vergewaltigungen, Mißhandlungen, schwere Verwundungen, Einbruch in jüdische Häuser und Schießen auf jüdische Passanten. Als die Hooligans vom Bahnhofe zurückkehrten, teilten sie sich in mehrere Gruppen und begannen alle ihnen zu Gesicht kommenden Juden zu mißhandeln. Prügeleien fanden gleichzeitig im Innern der Stadt statt, hauptsächlich auf den lebhaftesten Straßen. Die Mißhandelten waren fast ausschließlich Juden. Alle Krankenwagen der Sanitätsgesellschaft „Schnelle Hilfe" mußten in Tätigkeit gesetzt werden und sammelten vor allem die durch Messerstiche, Gummischläuche und Kugeln Schwerverwundeten und transportierten fie in die Krankenhäuser, Apotheken rc. Die Erscheinung der Horden rief überall eine fürchterliche Panik hervor. Um 3 Uhr nachmittags erschien wieder eine Gruppe der Gelbblousenträger (Hooligans) auf den Straßen von Preobraschenski und Jamskaja, und mit Steinen bewaffnet begannen sie unter tosendem Lärm die Fenster der Magazine zu zerschmettern und die flüchtenden Juden zu verfolgen. Die Straßen wiederhallten vom Schreien, Heulen und vom Seufzen der Mißhandelten. Auf der Preobraschenskajastraße wurden eine jüdische Konditorei und ein Eßwarenmagazin geplündert. Eine zweite Gruppe von Plünderern drang in das jüdische Restaurant Kleinmann ein, zerbrach die Gefäße und verwundete durch Schüsse drei Juden. Als fie mit dem Restaurant fertig waren, zerstreuten sich die Hooligans in den verschiedenen Straßen und ließen niemanden vorübergehen, ohne ihn zu mißhandeln. Die Wohnungen vieler Juden wurden beschossen. Einige Kugeln fielen in die Wohnung des jüdischen Arztes Dr. Kiffer auf der Basarnajastraße. Von einer Kugel wurde das lOmonatliche Kind des Doktors verwundet. Unter anderem mißhandelte eine Gruppe von Hooligans aufs grausamste den jüdischen Schlächter Tubowitsch. Einer stieß ihm ein Messer in den Leib, so daß der Schlächter blutüberströmt zusammenbrach. Ein Wagen der „Schnellen Hilfe" nahm ihn auf. Unterwegs stieß derselbe Wagen auf einen zweiten im Blute liegenden Juden, der sich als der 18jährige Schneidergeselle Zepa erwies. Ein 70jähriger Greis Ornitz wurde durch drei Kugeln auf den Tod verwundet. Das Treiben des russischen Verbandes. Das Zentralkomitee des Verbandes echt russischer Leute hat folgendes Zirkular an alle Filialen versandt: Der Minister des Innern hat ein in einer Kopie beigelegtes Zirkular über die Zulassung der Juden zu freiem Wohnrecht in ganz Rußland versandt. Das Zentralkomitee weist die Filialen auf die große Schädlichkeit dieses Zirkulars für das russische Volk hin und schlägt vor, eine Serie Telegramme an den Zaren zu richten, in welchen dieser zur Errettung bei der Katastrophe der „Standart" beglückwünscht und gebeten wird, das Zirkular des Ministers des Innern über das freie Wohnungsrecht der Juden in ganz Rußland aufzuheben, die jüdischen Ansiedelungsrayons laut Gesetz zu restituieren und alle Juden, welche in ungesetzlicher Weise die Ansiedelungsrayons verlassen, wieder dort anzusiedeln. Mit welcher unglaublichen Frechheit die Mitglieder des Verbandes in der Oeffentlichkeit auftreten, zeigt ein Skandal, den der Präsident der Zarskoje Geloschen Abteilung des Verbandes, P. Jelenew, unlängst provoziert hat. Wie die „Ruß" mitteilt, fuhr dieser Herr am 15. September in einem Zuge der Moskau-Windau-Rybinsker Bahn zwischen Zarskoje Selo und Petersburg. Während der Fahrt verlangte der Kontrolleur von Herrn Jelenew den Vorweis eines Billetts, worauf dieser erwiderte: „Ich habe keine Fahrkarte; wissen Sie denn nicht, daß ich Präsident der Zarskoje Geloschen Abteilung des Verbandes des russischen Volkes bin?" Der Kondukteur drang darauf, daß Herr Jelenew ein Billett löse. Es kam zu einer heftigen Szene; Jelenew begann zu schreien und zu gestikulieren, drohte dem Kontrolleur mit der Rache des Bolksverbandes und setzte schließlich die Westinghouse-Bremse in Funktion. Der Zug blieb sofort stehen. Als das erregte Publikum den Sachverhalt erfuhr, verlangte es, daß Herr Jelenew auf der nächsten Station ausgesetzt werde. Dieses geschah auch und gleichzeitig wurde ein Protokoll über den Vorfall ausgenommen. Geschändete Thorarolleu. Die jüdischen Soldaten des Wilnaer Regimentes hatten um Befreiung vom Dienste an den hohen Feiertagen angesucht. Die Bitte wurde ihnen nicht gewährt, doch wurde ihnen gestattet, in einem besonderen Zimmer in der Kaserne einen Gottesdienst abzuhalten. Es wurde eine Bundeslade mit zwei Thorarollen besorgt und die Soldaten konnten sowohl am Rosch-Haschonoh, wie auch am Kolnidre-Abend ungehindert ihren Gottesdienst verrichten. Als fie aber am Morgen des Versöhnungstages sich im reservierten Zimmer zum Frühgottesdienst versammelten, fanden fie zu ihrem Entsetzen die Thorarollen ihrer Mäntelchen beraubt, zum Teile zerrissen und beschmutzt auf dem Fußboden liegen. Die versammelten Soldaten erblickten in diesem Vandalismus eine allzudeutliche Warnung ihrer russischen „Kameraden" und fie wagten auch nicht, den Gottesdienst abzuhalten. Die eingeleitete Untersuchung ist, wie jetzt aus Wilna gemeldet wird, resultatlos verlaufen. Ilernuscbtes. Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien I., Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des sel. David Spitz: Von S. Bachrich X 5.—, Dr. Julius Bachrich 5.—, Salomon Spitz 4. —» I. Barich X 5.—. Zusammen K 19.-. Anläßlich des Ablebens des sel. Fritz Krauß: Bon Doktor Alfred Berger X 20.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Ignaz Brüll: Von Isidor Mautner X 100.—, Ludwig Zweig 20.—, kais. Rat Julius Stein 30.—, Rudolf Pichler 25.—, Familie Friederike Marmorek X 10.—. Zusammen X 185. Anläßlich des Ablebens des sel. Eduard Langfelder: Von Adolf Beck X 10. . Anläßlich des Ablebens der sel. Kathi König: Von Skript. Dr. Michael Holzmann X 2.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Julie Elias: Von Doktor S. Elias X 20.—, Dr. Julius Elias 20—, Dozent Dr. Nobl 20.—, S. H. Lewi und Frau X 10. -. Zusammen X 70.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Fanny Kohu: Von Josef Lederer und Frau X 10.—, Auguste Brunner 10.—, Dr. Leopold Boxer 10.—, Oskar Reitzes 10.—, Ignaz und Dora Weinfeld 10.—, Bachrach 10.—, Elsa Neumann 10.—, Dr. Albert Brunner und Frau X 10.-. Zusammen X 80.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Laura Bodansky: Von Familie Laura Bodansky X 30 —, Jakob Jokl 5.—, Dr. Engel X 5.—. Zusammen X 40.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Ignaz Keßler: Von S. Läufer X 20.—, S. Rosenblatt und Frau 4.—, L. Singer X 20.—. Zusammen X 4-*.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Jakob Blau: Von Jakob Theumann X ^0.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Salomon TramerrBon Familie Tramer X 20.—.

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