Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 42 (18.10.1907)
- Date
- 1907-10-18
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite €98 Dr. Elocd s MocdenscvrM. Nr. 49 mancher Vorfälle, die zu Beschwerden Anlaß gaben, noch weit bringen. So wirken denn Nepotismus und politische Charlatanerie zusammen, die Sicherheit der Ehre wie des Lebens zu gefährden und den Anstand im sozialen Leben auf den Nullpunkt herabzudrücken. Vsritag. Karlsbad und das Kaiser Franz Joseph- Regieruugs-Jubiläums-Hofpitz. Vor kurzem erst fanden an dieser Stelle Bemerkungen, die das Kaiser Franz Joseph-Regierungs-Jubiläums-Hospiz betrafen freundliche Aufnahme. Karlsbad, die dem Felsen abgerungene Weltstadt, ist kein Kurort, wo man sich von der anstrengenden Tätigkeit eines Jahres erholt. Hier opfert ein jeder gerne einen Teil feiner Bequemlichkeit, um sich von einem Leiden zu befreien. So Mancher opfert seinen süßen Morgenschlummer und wird zum Frühauffteher. Kaum beginnt die Nacht dem Tage zu weichen, beim ersten Morgengrauen schon findet man die Brunnen äußerst belebt. Alle Bevölkerungsschichten und Nationen sind hier vertreten. Jeder Klafienunterschied ist verschwunden. Der Höhergestellte oder noch so gut Situierte reiht sich hinter den ärmsten Teufel und geht gehorsamst nach den oft nicht immer in höflicher Form gestellten Aufforderungen der städtischen Diener im Gänsemarsch zur Quelle, wo ihm der Becher kredenzt wird, aus welchem er im Gehen Gesundheit schlürft. Er vertieft sich dabei in ein Gespräch, eine flüchtige Bekanntschaft schließend, mit einem wildfremden Jemand, den er — würde er ihn sonst im Leben treffen und näher kennen, für einen Niemand halten würde. Der Aufbrausendste wird zum Phlegmatiker und hält geduldig aus, bis ihn der Arzt aus der Behandlung entläßt. Der Irreligiöseste wird von einem ehrfurchtsvollen Schauer erfaßt und bewundert die Wunder Gottes, der hart an den Ufern eines kalt und wild dahinrollenden Gebirgsbaches heißes heilkräftiges Waffer aus den Tiefen des Erdinnern hervorsprießen läßt. Der eigentliche phänomenale Aufschwung Karlsbads datiert erst seit der Zeit, wo die ärztliche Diagnose der Krankheiten der Leber Cholelithiasis und der Niere Nephrolithiasis so große Fortschritte gemacht und der günstige Einfluß seiner Quellen auf diese Krankheiten, wie auch auf den Stoffwechsel bei Hyperacidität und Farunkulofis infolge Diabetes, erkannt wurde. Der jährliche Zuwachs an Heilungsuchenden gemahnt an amerikanische Verhältniffe, da wird nicht nach Hundert und einigen gezählt, sondern nach Tausenden. Ins Unermeßliche wird sich aber noch der Besuch Karlsbads erst steigern, bis auch die Ursachen der Wirkung seiner Quellen erforscht sein werden. Mit dem Aufschwung dieses Kurortes halten seine humanitären Einrichtungen keinen gleichen Schritt, um auch dem vom Schicksal Enterbten den Besuch Karlsbads zu ermöglichen. Es sind wohl außer dem Israelitischen Hospiz noch ein Fremdenhospiz und einige Stiftplätze da, aber daß einer vom auserwählten Volke, welches auch da zum Spott, Hohn und zur Zurücksetzung auserwählt zu sein scheint, Aufnahme gefunden hätte, hat man noch nicht gehört. Der Kurverwaltung kann wohl ein Mangel an Objektivität nicht zum Vorwurf gemacht werden. Ein jeder erhält, ob In- oder Ausländer, ob Jude, Katholik oder Buddhist, bei Vorlage eines Armutszeugnisses unentgeltliche Bäder und die Befteiung von Entrichtung der Kurtaxe. Natürlich nur auf Grund eines Armut szeugniffes, nicht Mittellosigkeitszeugnisses. Wenn man nun bedenkt, wie viele unserer Glaubensbrüder krank und bresthaft dahinfiechen mußten, weil sie aus Mangel an Mitteln eine Karlsbaderkur sich nicht gönnen konnten, so ist es mehr als doppelt zu begrüßen, daß sich Männer gefunden, die diesem traurigen Zustande Abhilfe zu schaffen sich bemühten. Allen voran hat sich Herr Rabbiner Dr. Ziegler durch sein tatkräftiges Eingreifen ein ewiges Verdienst erworben. Wenn man berechnet die jährlichen Kosten einer Verköstigung und Bedienung von sechzig Personen innerhalb eines Monates und die Kosten dieses gigantischen Baues, so bekommt man einen kleinen Begriff, was dieser Mann geleistet hat und noch leistet. An einer künstlichen Straße, auf einem Felsen abhange gelegen, verbindet dieser Bau die Straße mit ihrem oberen Teile. Schon die Erdaushebung der vielen tausend Kubikmeter muß Unsummen verschlungen haben. Dann der Bau selbst, ohne aufdringlichen Luxus, wie es oft bei derartigen der Humanität geweihten Bauten üblich ist, ist auf das Praktischeste ausgeführt. Vom geräumigen Speisesaale und der daran anschließenden großen Küche im Souterrain bis hinauf ins dritte Stockwerk wurde nicht mit Licht und Luft gespart. Die Wohnzimmer geräumig und hoch, alles — aber nur Nützliches enthaltend — bis in das kleinste Detail. Auf nichts wurde vergessen, weder aus die Mesusas an den Türpfosten, noch auf Tintenfässern auf den Tischen. Nichts, rein nichts läßt die Einrichtung zu wünschen übrig. Die Spender aller dieser Wohltaten hier aufzuzählen wäre eine reine Wiederholung, hervorgehoben muß werden die Tätigkeit des Herrn Verwalters Wozilka, denn diese macht sich überall wohltuend bemerkbar. Eine pedante Reinlichkeit und Ordnung ist an allen Ecken und Enden, man könnte sagen, fast aufdringlich zu sehen; diese erstreckt sich bis auf die allen hygienischen Anforderungen entsprechenden und auf das Zweckmäßigste eingerichteten Toiletten. Wenn man da bedenkt, daß allmonatlich sechzig Leidende aus allen Ländern und Berufsklassen hier Aufnahme finden und der Neuangekommene keine, aber nicht die geringste Spur eines Vorgängers findet, so kann man die große und schwierige Aufgabe des Verwalters erst ermessen, der er auch im vollsten Maße gerecht wird. Dann vollends die liebevolle Behandlung seitens der Anstaltsärzte, allen voran die des Herrn Primarius Dr. R o s e n f e l d, der in uneigennützigster und aufopferungsvollster Weise seines Amtes waltet.' Die Kultusgemeinde Karlsbad hat durch Uebernahme der Verwaltung des Hospizes sich eine große Last und Verantwortung aufgebürdet. Denn die administrative Leitung einer solchen Anstalt stellt nicht nur an Arbeitsleistung, sondern auch finanziell an die Kultusgemeindeleitung große Anforderungen. Der Aufenthalt wird dem um Ausnahme sich Bewerbenden auf vier Wochen bewilligt. Bei ausnahms- und berücksichtigungswerten Fällen wird in äußerst munifizenter Weise von Seite des Kultusgemeindevorstandes die Aufenthaltsdauer verlängert. Aus diesem ist ersichtlich, daß die Errichtung dieses Hospizes einem großen Bedürfnisse abgeholfen hat, und die segensreiche Wirkung desselben. Jedoch noch vieles, vieles bleibt zu wünschen übrig. Das III. Stockwerk ist noch nicht eingerichtet. Der Betsaal steht noch leer. Hunderte um Aufnahme Ansuchende, die eine Kur in Karlsbad von einem schweren Leiden befreien könnte, müssen wegen Mangel an Mitteln abgewiesen werden. Wahrlich hier wäre noch ein großes Feld für philanthropische Bestrebungen. Denn die Komplettierung dieser Anstalt würde ihr segensreiches Wirken noch vergrößern. Josef Schön. Berlin. (Einrichtung einer Abteilung des zionistischen Zentralbureaus in'Berlin.) Zum Zwecke der Einrichtung einer Abteilung des Zentralbureaus in Berlin weilte der Präsident des Aktionskomitees, Herr David W o l f f s o h n. in der verflossenen Woche einige Tage daselbst. Es fand in dieser Angelegenheit eine Konferenz statt, an der außer den Herren W o l f f s o h n und Prof. Dr. Marburg folgende Herren teilnahmen: Dr. I. Becker, Dr. Gr o ne m a n n, Dr. H a n t k e, Dr. L e s z y n s k y, Dr. Heinrich L o e w e, Dr. N o s s i g, Dr. S o s k i n und Fräulein Bertha M ajerowitsch. Gemäß den in der Konferenz gefaßten Beschlüssen hat das Engere Aktionskomitee in Berlin ein Bureau unter dem Namen „Zionistisches Zentralbureau, Abteilung Berlin" eingerichtet. Den Vorsitz dieses Bureaus wird als Mitglied des Engeren Aktionskomitees Herr Professor Marburg führen, als sein Stellvertreter und zugleich als geschäftsführender Leiter wird Herr Dr. Hantke fungieren. Das Bureau untersteht dem Engeren Aktionskomitee, deffen Genehmigung es für die von ihm zu unternehmenden Schritte und Einrichtungen einzuholen