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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-10-18 · 42 (18.10.1907) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
42 (18.10.1907)
Date
1907-10-18
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 42 Dr. Llocb's Mocvenscdnn. Sette 697 werden. Ich erklärte aber ganz kategorisch, daß ich für den Fall, als die Ernennung im Amtsblatte Publiziert werden sollte, einen Skandal heraufbeschwören würde, wie ihn die Welt noch nicht erlebt habe. Ich habe die Ernennung wiederholt zurückgewiesen. Hieraus versprach man mir, die Veröffentlichung der Ernennung zu unterlassen. Das Versprechen wurde auch bis nun eingehalten. Hierauf wurde mir das Ernennungsdekret zugesandt. Ich konnte es natürlich nicht mehr zurückweisen, ohne den König zu verletzen .... Aber ich habe auf diese Auszeichnung nicht reflektiert und es wußte auch bis heute Niemand, daß ich Hofrat bin. Als ich den Leopold-Orden erhielt, ging ich auch nicht zum König, dafür zu danken. Ich verzichte aus alle Auszeichnungen! Ich habe niemals ein Geschenk angenommen, obgleich ich im Leben mit vielen Fürsten in Berührung gekommen bin. Ich nehme nur für meine Arbeiten Geld an; diese werden freilich gerne genommen und gut bezahlt, allerdings nicht — in Ungarn . . . ." Budapest. Der Ausschuß des ungarisch-israelitischen Handwerker- und Ackerbau-Vereines hielt vor einigen Tagen seine erste Sitzung nach den Sommer-Ferien. Aus dem Sekretariatsberichte geht hervor, daß die Zöglinge des Vereines, welche in den staatlichen Ackerbauschulen untergebracht sind, gute Fortschritte machen und auch Physisch gut gedeihen. Sämtliche Zöglinge, welche im verflossenen Schuljahre ihre Studien beendeten, haben in verschiedentlichen Oekonomien Stellungen erhalten. Der Verein hat gegenwärtig 28 Ackerbauschüler. Von diesen besuchen 16 staatliche Ackerbauschulen, 1 die Winzerschule, 1 wurde zur Probepraxis und 10 in verschiedenen Handels- und Herrschaftsgärtnereien untergebracht. Zum Schluffe wurde auf Antrag des Sekretärs mehreren mit Auszeichnung absolvierten, gewesenen Zöglingen des Vereines, namentlich einem Glasmalergehilfen, zwei in Berlin in Arbeit stehenden Mechanikern, zur weiteren Ausbildung Stipendien von 100—300 Kronen bewilligt. Für die Handwerkerschule des Vereines sind 126 Neuanmeldungen eingelangt. Ein Pogrom in Ungarn. Unter diesem Titel meldet ein ungarisches Tagblatt folgenden entsetzlichen Vorfall: In dem Dorfe Nagy Totfalu (Biharer-Komitat) drangen dieser Tage einige Bauernburschen in den Laden eines jüdischen Kaufmannes, schleppten diesen aus die Straße, wo sie ihn unter lautem Beifall von etwa 200 Bauern arg zurichteten. Dann stürmten sie das Haus des Opfers und demolierten es fast vollständig. Hierauf ergriffen sie einen zufällig des Weges kommenden taubstummen jüdischen Knaben, den der Pöbel ebenfalls halbtot schlug. Schließlich suchten sie den Schächter auf. Dieser wollte fliehen, wurde jedoch ergriffen und ihm dann unter dem Gejohle der Anwesenden der Bart und der Schnurbart gewaltsam abrafiert. Die entmenschte Horde mißhandelte dann noch eine Anzahl jüdischer Kinder. Wo inzwischen die Ortsbehörde gesteckt hat? darüber schweigt der Bericht. Die Gendamerie hat übrigens eine strenge Untersuchung eingeleitet. Budapest. (DieKossvth-Partei boykottiert die jüdischen Abgeordneten.) Die Kossuth-Partei hat sämtliche ihrer Partei angehörigen jüdischen Abgeordneten, welche bisher wichtige Ausschußstellen innehatten und in denselben hervorragende Tätigkeit entfaltet hatten, anläßlich der Konstituierung des Abgeordnetenhauses von der Kandidatenliste gestrichen und durch zumeist reaktionär schillernde Agrarier ersetzt. Selbst solche, um die Partei hochverdiente alte Mitglieder wie Soma Visontai, Siegmund Farkashazy, Moriz Szatmari, Edmund Parta u. A. wurden einfach übergangen. Im Parteiklub wurde ganz offen erklärt, daß die Abgeordneten jüdischer Konfesfion von den wichtigeren Ausschüssen fern gehalten werden müssen, um christlichen Kollegen Platz zu machen. Der Austritt eines Teiles dieser derart brüskierten, jüdischen Abgeordneten aus der immer mehr rückschreitenden Achtundvierziger-Partei wird als sicher angenommen. 'Lemberg. (Demonstration gegen Davis T r i e t s ch). Vorige Woche kam Herr Davis Trietsch nach Lemberg, um daselbst auf^Einladung eines zionistischen Vereines einen Vortrag über Palästina zu halten. Die „Poale Zion", welche Herrn Trietsch dessen Verhalten gegenüber dem Streik der „Poale Zion" in Jaffa nicht vergessen können, beschloffen, diesen Vortrag unmöglich zu machen. Lange vor Beginn des Vortrages hatten die Anhänger der „Poale Zion" den Vortragssaal bis aufs letzte Plätzchen gefüllt. Kaum erschien Herr Trietsch auf der Tribüne, als auch sämmtliche Anwesende den Saal verließen. Herrn Trietsch sich selbst überlaffend. Die abgezogenen Versammlungsteilnehmer beschloffen dann folgende Protestresolution gegen Herrn Trietsch: „Nicht gegen die Veranstalter des Abends und auch nicht gegen das Thema, das uns allen heilig ist, haben wir demonstriert, sondern ausschließlich gegen die Person des Herrn Trietsch, der als Direktor der „Jüdischen Jndustriegesellschaft" in Palästina sich gegen die dort streikenden Arbeiter schändlich benommen hat. Trietsch wird beschuldigt: 1. Als die Arbeiter mit ihm in Unterhandlungen eingehen wollten, wurden sie von Trietsch abgewiesen; 2. den Vorschlag des Palästinarates, ein Schiedsgericht mit Hinzuziehung der Arbeiter einzusetzen, hat Herr Trietsch nicht beachtet; 3. Trietsch hat das größte Verbrechen gegen den Zionismus begangen, als er öffentlich erklärte, daß zehn Araber besser seien als ein jüdischer Arbeiter; 4. Hat Herr Trietsch den streikenden jüdischen Arbeitern gedroht, sie bei dem ausländischen Konsul zu denunzieren." Herr Trietsch hat seinen Vortrag vor den wenigen Zurückgebliebenen unter Polizeischutz abgehalten. Essegg. Am 5. d. M. hat man hier den kaum 25 Jahre alten Kantor aus Slatina, M. Friedmann s. A., zur ewigen Ruhe bestattet. Der Verewigte, der über einen schönen, hohen Tenor verfügte und die Hörer mit seinem Gesangsvortrag zur Begeisterung hinriß, hat unter Mörderhand seinen edlen Geist ausgehaucht. Als er nämlich von einer Unterhaltung in seiner Gemeinde sich nachhause begab, überfielen ihn vier christliche Arbeiter und ermordeten ihn. Ist auch dieser Mord nicht auf politische Motive zurückzuführen, da das erste Verhör es gleich ergeben hat, daß es sich in diesem Falle um einen gemeinen Meuchelmord handelt, so kann doch die Tatsache nicht hinweggeleugnet werden, daß die desolaten politischen Zustände der letzten zwei Jahre in unserem Lande eine Verwirrung in den Köpfen der Massen gezeitigt haben, die für die Sicherheit der Bürger, besonders derjenigen, welche dem politischen Leben ganz fernstehen, sehr gefährlich zu werden beginnt. Der Leiter eines Bezirksgerichtes im Gerichtssprengel des Essegger, beziehungsweise Veröczer Komitates hatte einen nichtssagenden Konflikt mit seinem ihm unterstehenden Gerichtsadjunkten; da aber der Herr Dr. R., so der Name des Gerichtsleiters, jüdischer Abkunft war, so war die ganze inländische Presse auf den Beinen, das Vorgefallene zu einem weittragenden Ereignis aufzubauschen, so daß Herr Dr. R., der ein gediegener und scharfsinniger Jurist ist, sich veranlaßt sah, der Richterlausbahn valet zu sagen und sich der Advokatur zu widmen. Ein intereffantes Gegenstück aber zu dieser Affäre wirft ein grelles Licht auf die Tatsache, daß auch in unserem Lande, wo die Konfession in Betracht kommt, hie und da mit zweierlei Maß gemeffen wird. Ein Gerichtsadjunkt desselben Gerichtes der seitdem, daß er über jüdisches Geld verfügt, ein gar zu feuriger Jäger geworden ist, wird in dem Seiner Exzellenz dem Geheimrate Grafen Jankovich gehörigen Walde erwischt, als er einem jungen Edelhirschen eine Kugel aufs Blatt schießt. Die Waldhüter des Grafen begleiteten nun den jungen Mann, dem sich gewiß des öfteren Gelegenheit zu bieten pflegt, über arme Teufel von Raubschützen zu Gericht zu sitzen und sie nach der vollen Strenge des Gesetzes zu bestrafen, zu der Exzellenz, die das Ungeheuere, daß ein Gerichtsadjunkt, der der Strafabteilung zugeteilt ist, so etwas zu tun imstande sei, anfänglich gar nicht begreifen konnte. Die Sache wurde im Wahlbezirke des Geheimen Rates und Magnatenhausmitgliedes Grafen Jankovich publik, allein die lokale Preffe rührte sich nicht, denn der betreffende Herr Gerichtsadjunkt hat das Glück, kein Jude zu sein, daher kann er es trotz so

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