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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-10-18 · 42 (18.10.1907) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
42 (18.10.1907)
Date
1907-10-18
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 696 Vr. LLoco s MLocoenscvnn. Nr. 42 über Giltigkeit oder Ungiltigkeit einer Ehe zu entscheiden. Die bürgerliche Rechtslage und ihre Konsequenzen zu wahren obliegt anderen reichlich vorhandenen Staatsorganen. Der Trauungsschein ist allerdings nur die Beurkundung des Matrikeninhaltes; von einer notorisch irrtümlich vorgencmmenen Eintragung einer im Sinne des jüdischen Religionsgesetzes gar nicht erfolgten und jedenfalls rechtsunwirksamen Eheschließung eine Beurkundung herauszugeben, kann unmöglich im Sinne des Gesetzes sein. Das Unterlassen jedes ernsten Versuches, das Geschehene ungeschehen zu machen, beinhaltet im Grunde eine Art „tolerare posse“, was angesichts Lev. 18, 29 ein unmöglicher Standpunkt ist. Theodor Ritter von Goldschmidt. (Zu seinem 7v. Geburtstage.) Am 28. Oktober l. I. wird Baurat Theodor Ritter von Goldschmidt anläßlich seines 70. Geburtstages Gegenstand vielfacher Ovationen und Sympathiekundgebungen sein. Seine zahlreichen Freunde und Verehrer ergreifen mit Vergnügen die Gelegenheit, um ihm den Tribut der Hochachtung und Wertschätzung zu zollen. Was Ritter von Goldschmidt im öffentlichen Leben und hauptsächlich für das Judentum bedeutet, braucht nicht erst hier in längeren Artikeln gesagt zu werden. Seine allgemein bekannte Persönlichkeit spricht genug laut und deutlich für sich. Einem der altehrwürdigsten und vornehmsten Patrizier- Häuser entstammend, hatte er das hohe Glück, frühzeitig im Elternhause Sinn und Verständnis für alles Schöne und Große als leuchtende Vorbilder vor sich zu sehen und im echten Geiste des Judentums erzogen zu werden. Die göttliche Vorsehung hat ihn mit allen Vorzügen des Geistes und Herzens bevorzugt und ausgestattet. Im Auslande, woselbst er seine vielseitige Ausbildung genoß, hatte er Gelegenheit, sich ein reiches Wissen und mehrere fremde Sprachen anzueignen, die er auch vollkommen beherrscht. Seine vielseitigen Kenntnisse und gesammelten Erfahrungen hat er in den Dienst des allgemeinen Wohles gestellt und ist hierin unermüdlich bestrebt, Schönes, Gutes und Edles zu schaffen. Seine meiste Zeit jedoch widmet er den Geschäften der Kultusgemeinde, welcher er als Zierde angehört, und den zahlreichen Wohltätigkeitsanstalten. In der Präsidialkanzlei in der Seitenstettengasse kann man ihn täglich antreffen, woselbst er durch mehrere Stunden lang arbettet. Hier hat er auch immer Zeit, Bittsteller zu empfangen, für die er stets in seinen urbanen Formen ein liebevolles und freundliches Wort hat und gerne bereit ist, zu helfen und so manche bittere Träne zu stillen. Eines seiner Lieblingswerke, welches er besonders in sein Herz geschloffen hat, ist das Ehrenamt eines Obmannes des Kuratoriums des L. D. Königsberg'schen Mädchen-Erziehungsinstitutes, welches er aus Pietät für seinen edlen, hochherzigen, leider zu früh verstorbenen Bruder Julius übernommen hat und dem er seine größte Fürsorge widmet. Alljährlich, wenn einige Zöglinge nach ihrer sechsjährigen beruflichen Ausbildung das Institut verlassen, ist er im Vereine mit den wackeren Damen und Herren des Vorstandes bemüht, denselben paffende Stellen zu verschaffen. Die Lebenslage gleichen Ziffern, welchen erst der Mensch den richtigen Stellenwert, Inhalt und Bedeutung verleiht. Der große Psalmist und königliche Sänger ruft aus: „Herr, lehre uns unsere Tage zählen, damit wir vernünftig und weisen Herzens seien!" — Die Tage, welche der Mensch nur in Beschaulichkeit und Egoismus verlebt, die hat er eigentlich nicht gelebt und fallen zu leicht in die Wagschale. Sie gleichen der Spreu, welche der Wind hinwegfegt. Wie Daniel zu Belsazar sagt: ^Gemessen und gezählt hat Gott deine Tage, aber sie für leicht gefunden." Die Tage jedoch, welche der Mensch in wahrer Erkenntnis und weiser Einsicht zu Nutz und Frommen seiner Mitmenschen verlebt, find schwerwiegend und unvergänglich. Ritter von Goldschmidt lebt nur Anderen in voller Hingebung und Liebe. Möge es daher dem Jubilar noch sehr lange in voller körperlicher und geistiger Rüstigkeit beschießen sein, wie bisher im edlen Dienste der Menschheit zu stehen und Großes und Schpnes zu schaffen. Josef F r i e d l, Oberlehrer. Wien. (FreieOberlehrerstellen mit Ausschluß der Juden.) Das Amtsblatt der k. k. Haupt- und Residenzstadt Wien veröffentlicht in seiner letzten Nummer einen Konkurs auf 17 verschiedene Oberlehrerstellen in Wien.. Von allen diesen Oberlehrerstellen, darunter zwei in der von Juden dicht bewohnten Leopoldstadt, find jüdische Bewerber im Sinne der Ausschreibung ausgeschlossen. Die Bewerber haben als Befähigungsnachweis den Taufschein beizubringen und den Nachweis ihrer Eignung, den katholischen Religionsunterricht zu erteilen, zu liefern. Wien. (Errichtung von Emigration sbureaux in Oe st erreich.) Wie wir von bestinformierter Seite erfahren, hat die Londoner Zentrale der „Jto" beschlossen, in Oesterreich und Rumänien Filialen ihres Departements zur Regulierung der Auswanderung zu errichten. Die Zentralstelle für Oesterreich wird in Wien sein, doch , sollen auch in den wichtigsten Städten Galiziens Bureaux errichtet werden. Diese Zweigstellen sollen, so wie die Londoner und Kiewer (für Rußland) Zentralbureaux, den Zweck verfolgen, den Auswanderungsstrom von den überfüllten Städten Nordamerikas ab- und nach Galveston (Texas) hinzulenken. Mit den Vorarbeiten zur Organisation dieser bereits zu Beginn des kommenden Monates zu errichtenden österreichischen Bureaux wurde einer der österreichischen Vertrauensmänner der „Jto "-Organisation, Herr M. Schmidt, betraut. Ziouiften-Bersammlung. Die B u d a p e st e r Zionisten-Organisation hielt unlängst im Beratungssaale des neuen Stadthauses eine Versammlung. Ingenieur Armin B e r e g i besprach die Ziele der Zionisten. Es solle für die in allen Weltteilen zerstreuten und unterdrückten Juden ein gemeinsames Vaterland geschaffen werden. Die großen Weltfirmen sollen veranlaßt werden, in Palästina Filialen zu errichten, Industrie und einen Handel zu schaffen. Dr. Sigmund A l t wies darauf hin, daß auch jene Länder, in welchen die Juden bisher Aufnahme gefunden haben, ihre Grenzen der weiteren Einwanderung verschließen. Der Jude bestrebt sich zwar, sich den Völkern, in deren Mitte er lebt, zu assimilieren, aber das hindert nicht den Antisemitismus. Die Kolonisierungsaktion der großen Menschenfreunde führe nicht zum Ziele, denn entweder gehen die Kolonisten zugrunde oder sie prosperieren und erregen dadurch den Neid der Eingeborenen. Die Sehnsucht nach dem Zion sei im Judentum nicht ausgestorben, weil es nur in Palästina der wirklichen Freiheit sich erfreuen könne. Dorthin werden Jene auswandern, die sich anderwärts nicht assimilieren können. Schließlich erörterte Ludwig Dömeny die Institutionen des Zionismus. Budapest (P r o f. V a m b e r y s H o f ra t sw ü r d e.) Prof. Armin V a m b e r y, der berühmte Orientalist, ist seit drei Jahren Hofrat — im Geheimen. Von seiner Ernennung durch den Kaiser Franz Joseph hat bisher noch kein Mensch, denn sie wurde bis heute noch nicht im Amtsblatte publiziert, erfahren. Als die Sache vor einigen Tagen bekannt wurde, äußerte sich Vambery hierüber einem Interviewer gegenüber wie folgt: „Die Sache beruht auf Wahrheit. Als ich vor drei Jahren in den Ruhestand trat, schlug mich der damalige Unterrichtsminister Albert Berzeviczy, ohne mich darum zu fragen, für die Hofratswürde vor. Ich wurde erst verständigt, als der Ernennungsakt bereits unterzeichnet war. Nun, ich bitte, ich bin ein überzeugter Demokrat, mir imponiert weder Titel noch Rang. Ich wollte nicht Hosrat werden; wozu verlieh man mir diesen Titel? Ich ging denn auch zu Berzeviczy und erklärte ihm, daß ich auf den Hofratstitel verzichte. Berzeviczy erschrak. Der Akt war . schon unterfertigt und konnte nicht mehr rückgängig. gemacht

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