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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-10-18 · 42 (18.10.1907) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
42 (18.10.1907)
Date
1907-10-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 694 wr. Bloch s Mocbens:vrm. Nr. 42 ehrlich zu sein, müssen wir gestehen, daß Wien nicht der richtige Kampfplatz der Antisemiten sei... Man weiß nicht, ob man sich über solchen Unsinn ärgern oder ob man darüber lachen soll." Wir möchten gerne auch „über den Unsinn lachen", der von den Geschichtsmachern vor 25 Jahren niedergeschrieben wurde, hätten wir, um mit Mephistopheles zu reden, das Lachen uns nicht längst ab- Hewöhnt. Aber lehrreich ist es doch, in den vergilbten Annalen zu blättern, schon, um zu sehen, wie sich die Annalisten irrten. 25 Jahre ist es her, seitdem die antisemitische Saat in die Halme zu schießen begann, und dieser „Unsinn hat die wildesten und niedrigsten Instinkte entfesselt", er hat Wien zum „richtigen Kampfplatze der Antisemiten gemacht", er hat die „Grundlagen der Humanität in die Lust gesprengt" — mit einem Worte, e§ ist das Gegenteil von dem geschehen, was die Weisen (?) der Zeit vor 25 Jahren vorausgesagt. Sie vermochten s i ch, aber nicht die Einsichtigen zu täuschen. Das sind die Lchren des 25 jährigen Jubiläums des Antisemitismus auf dem Boden Wiens. Dr. Max Grünfeld. Jericho vor 4000 Jahre«. D i e neuesten Ausgrabungen. (Ausgrabungen bei Erina. — Vor 4000 Jahren. — Eine altpalästtnische Burg. — Bloßlegung der Stadtmauer. — Althebräische Lettern. Ueber Ausgrabungen bei Erina (Jericho) berichtet Professor Dr. Ernst Sellin in den „Mitteilungen und Nachrichten des Deutschen Palästinavereins". Es handelt sich um das älteste, das kanaanitische Jericho und um eine Kultur, die um 2300 bis 4300 Jahre zurückliegt. Josephus' Behauptung, daß das von Josua.zerstörte Jericho bei der 1‘/2 Kilometer nordwestlich von der damaligen „Palmenstadt" befindlichen Elias-Quelle (2. Kön. 2, 19—22) gelegen sein müsse, ist durch Sellins Ausgrabungen voll bestätigt worden. Bereits ist die Befestigungsart dieser Stadt festgestellt, und es ist auch durch eine größeren Anzahl von Einzelfunden der Beweis geliefert worden, daß vieles im Innern der Stadt alle Stürme der Eroberung wie der Zeit überstanden hat. Unter anderem erhob sich nach Entfernung eines-Schutthügels die Ruine einer Burg, wie sie noch nie besser erhalten in Palästina ausgegraben ist. Deren Gelände besteht aus einer 180 Meter breiten, 370 Meter langen Hochebene, die sich durchschnittlich 10 Meter über der Ebene erhebt, und aus dem sieben Hügelgruppen durchschnittlich etwa 10 Meter hoch emporragen. Auf dem nördlichsten Hügel stieß man bereits 80 Zentimeter unter der Oberfläche auf ein festes Bauwerk, auf die schon erwähnte gut erhaltene Burg. Dort stand ein 20 Meter langer, 12 Meter breiter und 6 Meter hoher Turm. Die eigentliche Burg hatte drei Stockwerke mit 17 Zimmern. In drei Zimmern standen auch noch die Backöfen. Auch die vielen Steinmesser und Scherben bekunden die Abstammung aus kanaanitischer Zeit. Eine ganz neue Art Scherben fand man, solche, in die mit wunderbarer Feinheit Tiergestalten, Steinböcke und sie verfolgende Löwen hineingearbeitet sind, Gestalten, die an babylonische Darstellungen erinnern. In dem zweiten Hügel kam bereits 40 Zentimeter unter der Oberfläche die Stadtmauer zum Vorschein, eine aus gebrannten Lehmziegeln massiv erbaute Mauer, hier drei Meter dick und drei Meter hoch, auf einem 60 Zentimeter hohen steinernen Grundgemäuer ruhend. In dem dritten Hügel fand sich , kein größeres Bauwerk; vielmehr war im Laufe der Jahrhunderte ein Privathaus über das andere geschichtet, so daß man Hausgeräte der verschiedensten Zeiten fand. Das Ueberraschende aber war, daß auch bereits das in der obersten Schicht gefundene nach unserer ganzen sonstigen Kenntnis altpalästinischer Keramik als kanaanitische Ware in Anspruch genommen werden mußte, so daß wir hier den Niederschlag einer etwa ein Jahrtausend durchziehenden unversehrten kanaanitische« Kultur vor uns haben. Viele wertvolle Gegenstände wurden dort gefunden: etwa 30 kleine, mittlere und große Krüge, teilweise sehr zierlich und künstlerisch schön gestaltet, viele Lampen, vom primitiven Napf bis zu den umgeschlagenen drei- oder vierschnauzigen, Teller, Schalen, Spindeln, Gewichte, Mörser,. Mühlen usw. Ganz besonderen Wert hat ein 20 Zentimeter hohes steinernes Bildnis in menschlicher Gestalt und ein Krughandgriff mit einem Stempel, in dem Professor Sellin zwei althebräische Lettern erkennt. Trifft seine Erklärung zu, so haben wir hier ein sehr wichtiges urkundliches Argument dafür, daß die Kanaaniter bereits diese phönizisch-moabitisch-althebräischen Lettern um 1500 vor Christo gekannt haben, was neuerdings nach dem mancherlei keilinschriftlichen Funden aus dieser Zeit mehrfach bezweifelt ist. Von einer hoffentlich bald erfolgenden gründlichen Ausgrabung dieser uralten Trümmerstätte dürfen wir eine außerordentliche Bereicherung unserer archäologischen Kenntnisse erhoffen. Korrespondenzen. Aus der öffentliche« Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 13. Oktober 190*7 unter dem Vorsitze des Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern. Beginn 10 Uhr vormittags. Einlaus: Zuschrift eines ungenannt seinwollenden Ehepaares mit der Mitteilung über eine Spende von K 10.000 zum Zwecke der Errichtung eines jüdischen Kinderspitales. Dem Spender wird der Dank votiert. Note des Magistrates betreffend die Religionsbestimmung eines Kindes, dessen Vater mosaisch, dessen Mutier konfessionslos ist. Zuschrift des Vorstandes des Brigittenauer Tempelvereines, in welcher dem Kultusvorstande der Dank für die Erledigung der Brigittenauer Rabbinerfrage ausgesprochen wird. Dankschreiben des Herrn Moritz und der Frau Rosa Popper für die Gratulation des Vorstandes anläßlich ihrer goldenen Hochzeit. Zuschrift des Herrn Rudolf Kohn betreffend die Annahme der Bethaus-Vorsteher-Stelle. Dankschreiben der Kultusgemeinde Triest für die Teilnahme des Kultusvorstandes anläßlich des Ablebens des Herrn Oberrabbiners S. R. Melli. Dankschreiben des Herrn Rates Dir. Dr. Moritz Brunner für die Gratulation des Vorstandes anläßlich der ihm zuteil gewordenen Allerhöchsten Auszeichnung. Zuschrift des k. k. Konsuls Ludwig Ritter von Zepharowich in Jerusalem anläßlich der dem Direktor der Edlen von Lämel-Schule in Jerusalem Herrn Ephraim Cohn verliehenen Allerhöchsten Auszeichnung. Dankdepesche des Präsidenten der Kultusgemeinde Moskau für die Glückwünsche des Kultusvorftandes anläßlich der dortigen Tempeleinweihung. Dankschreiben des Herrn Leopold Koch für die Gratulation des Vorstandes anläßlich seiner goldenen Hochzeit. Dankschreiben der Frau Ignaz Brüll für die Teilnahme des Kultusvorstandes anläßlich des Ablebens ihres Gatten. Dankschreiben des Herrn Leo Herzberg-Fränkel für die Gratulation des Kultusvorstandes anläßlich feines achtzigsten Geburtstages. Mitteilung der Frau Nahida Lazarus über das Erscheinen ihres Buches „Moritz Lazarus' Lebenserinnerungen." Vor Uebergang zur Tagesordnung hält der Präsident dem verewigten Tonkünstler Ignaz Brüll einen tief empfundenen Nachruf. Was die Kunst an dem Verewigten verloren hat, das zu schildern sei nicht Aufgabe des Redners; für die künstlerische Betätigung des Verstorbenen fei ihm ein Ruhmesblatt in der Geschichte der Musik gewiß. Daß er aber seine hervorragenden künstlerischen Eigenschaften, verbunden mit den schönsten menschlichen Tugenden, stets in uneigennützigster Bereitwilligkeit auch speziell jüdischen Zwecken zur Verfügung stellte, dafür möge ihm hier an dieser Stelle nochmals inniger, herzlicher Dank gesagt werden. Aus jedem Worte seiner Referate

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