Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 42 (18.10.1907)
- Date
- 1907-10-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 686 m. 42 L»r. JätocD ö MococnscvrLtL. Doch genügte der kaiserliche Wille, um deu Praktikern der antisemitischen Lehren, den Räuberbanden, die Last zur Wlederhotung zu nehmen, und er beschleunigte die Ai aßnahmen der Behörden zur Sicherung der Sicherheit. An unserem Kaiser lag es nicht, wenn der Blutwayusinu in Pvlua von deu Behörden gefördert wurde. Man weiß bestimmt, daß er deu Glauben au deu Ritualmord minderwertigen Geistern überließ. Wie bei anderen Staatsangelegenheiten konnte er auch in der Aera Ruder-Schwer nicht über den Rahmen der Berfassuug hinaus helfeuo eingreifen. Wo immer aber er selbst unmittelbar zu Worte kam, persönlich seine Entschließungen traf, als oberster Kriegsherr feine ersten Offiziere ernannte, bei den Eüipfängeu auf seinen Reisen, bei Verleihung von Würden und Ehren hat er das schönste Beispiel von Gesillllungsgröße und Gerechtigkeit gegeben, hat er gezeigt, daß alle Bürger der Monarchie dem Brennpunkt seines Herzens gleich nahe stehen. Die Juden gaben Antwort darauf durch die Tat, sie statteten den Dank an deu Kaiser dem Vaterlaube ab, für dessen Gedeihen sie alle Kräfte anspornteu. In allen Zweigen der Volkswirtschaft, auf den Gebieten der Kunst und Wissenschaft arbeiteten sie für den Forrschritt. Ihre materielle und geistige Befreiung war eine Tat, ähnlich jener Friedrich des Großen, welcher die Salzburger Prolestauten in klugem Bedacht für die Förderung des Gewerbes nach Deutschland berief. Der kaufmännische Unternehmungsgeist jüdischer Exporteure, eines der ersten Angriffsobjekle der Cyristlich- Sozialeu, hat die österreichischen Interessen im Orient gewiß nur gestützt. Eine unendliche Namenreihe könnte auch sonst beigebracht werden von Juden, welche sich hervorragende Verdienste jeder Art um die Allgemeinheit erworben haben. Wir können nichts dafür, daß entgegen dem Willen des Monarchen und entgegen aller Einsicht auf diese hervorragend qualifizierte Mitarbeit der Juden verzichtet werden soll, wir können ganz gewiß nichts dafür, daß der Taufschein zur Eintrittskarte in die Werkstätte des Volkes gemacht wird, wenn auch dadurch viele und wertvolle Kräfte verloren gehen. Der Spott der Ereignisse will es, daß die Bewegung gegen die Juden gerade von Wien ausgeht, gegen jenen Stamm, dessen Zugehörige bei aller Mitarbeit in nationaler Kultur und aller opferwilligen Unterstützung nationaler Bestrebungen das große Ziel, die Einheit und Zusammengehörchkeit der Monarchie, nie aus dem Äuge gelassen haben und ein schweres Gegengewicht waren gegen jede Art radikaler Sonderbestrebungen. Sie finden Trost gegen alle ungerechte Mißachtung in der Anerkennung durch den Kaiser und schon ihm zuliebe werden sie nicht aufhören, chren aufrichtigen und nesgesühlten Patriotismus in jeder Form zu betätigen. Ein verfolgtes und unterdrücktes Volk hat feines Empfinden und tiefe Dankbarkeit für Güte, die ihm erwiesen wird. In den Händen Franz Joseph 1. ist das Szepter der Habsburger nicht ein Stab, sondern ein grünender Zweig des Friedens, der, wie allen Nationen, auch den Juden von einem Herrscher voll großer Menschlichkeit entgegengehalten wird. Dem Dank dafür entsprechen die innigen Wünsche, die jetzt nicht nur in den Stätten des Gebetes sondern auch im Gemüte jedes Juden für die Gesundheit unseres edlen Kaisers aufstelgen. —Y- Arpads Dank. In Ungarn kämpfen sie Ulli das allgemeine, gleiche Wahlrecht. Anders als bei uns, wo die Nachgiebigkeit der Ungemütlichkeit zuvorkam, und auch aus dringenden Gründen hartnäckiger. Dasselbe Stimmrecht, das hier der Natioualitätenftage ihre Schärfe nahm, würde der Nationalitätenfrage drüben chre Schärfe geben. Denn nur ein künstliches Verfahren konnte dem Magyarentum die Vorherrschaft in einem Laude geben, in welchem die Magyaren die Miuderheit gegen die Rumänen, Slovaken, Kroaten, Serben und Sachsen sind. Was hier die Großgrundbesitzer und die Nationalrädikaleü erlebt haben, als die Flut des gleichen Wahlrechtes kam, würden im gleichen Falle die Oligarchen in Budapest mitmachen, die jetzt nur von einem Teil des Volkes zur Herrschaft über das ganze Volk berufen wurden. Den ungarischen Juden ist dieser Kampf durchaus nicht gleichgiltig, kann es nicht sein. Um ihre politische Zukunft aus einem Beispiel der Vergangenheit zu erläutern: Man erinnert sich noch, was den österreichischen Juden geschah, als die Herrschaft der Deutschen in der diesseitigen Reichshälfte gestürzt wurde. Die Juden waren mit den Deutschen durch Dick und Dünn gegangen, hatten ihnen immer den Rücken geboten, damit sie den anderen Volksstämmen auf den Nackensteigen könnten. Wie nun die Unterdrückten deu Tyrannen abschüttelten, nahmen sie auch an dessen Knappen umso stärkere Rache, als dieser schwächer war als sein Herr und von diesem auch schmählich im Stiche gelassen wurde. Jenseits der Leitha wird die Geschichte nur ms Ungarische übersetzt. Auch drüben waren die Juden Herolde und Kämpfer des Magyarentums, ließen sich willig zu Diensten gegen die anderssprachigen Völkerschaften gebrauchen und man hat Beispiele genug, wie übel ihnen für ihren übertriebenen Chauvinismus mitgespielt wurde. Sie konnten bisher wenigstens darauf rechnen, daß sie Regierung und Zentralbehörden in Budapest als Rückendeckung hätten und hörten nicht auf, magyarische Saat auszusäen und dafür eme Ernte des Haffes einzusammeln. Viele Wahlsiege der Koalition sind ihrer tätigen Beihilfe zu danken und das werden ihnen die Besiegten gewin nicht vergessen. Die Sieger aber ja. Aus allem Lärm des Ausgleiches und des Wahlkampfes m Budapest hört man klar und deutlich die Stimme des Antisemitismus heraus. Des politischen Antisemitismus. Gesellschaftliche. Judenfeindschaft hat es längst schon gegeben. Man weiß ganz gut, daß lange schon vlete ungarische Klubs für Juden gesperrt waren und daß der Geutrymagyar, der einen jüdischen Duzbruder besaß, seine Frau m der Familie dieses Bruders nicht verkehren ließ. In der Politck war aber diese Strömung noch schwach. Vor Jahren hat zwar schon die Volkspartei unter Zichy den Antisemitismus in ihr Programm ausgenommen. Aber man hielt dies nach berühmten Mustern für eine „vorübergehende Erscheinung" und die Juden ließen sich sogar zu der Selbsterniedrigung herbei, Kandidaten der Volkspartei im Namen des bedrohten Magyarentums gegen Kandidaten der Nationalitäten zu unterstützen. Konnten sie denn daran glauben, daß der Antisemitismus ernst gemeint sei, sie, die sich für die ungarische nationale Sache so oft und rückhaltlos geopfert hatten? Nun haben sie die Antwort. Im Kampf ums Wahlrecht meldete sich eine christlichsoziale Arbeiterpartei durch eine Deputation beim Parlamentspräsidenten an, m der Unabhängigkeitspartei wurde ein Antrag eingebracht, den jüdischen Einfluß zu bekämpfen, und die Volkspartei hat sich mit ausdrücklich christlichsozlal-antisemitischem Programm neu konstituiert. Namentlich letzteres ist vielsagend und bezeichnend. Denn die klerikale Volkspartei ist unstreitig die Partei der Zukunft, wenn das allgemeine Wahlrecht durchdringen sollte. Dieses wird, wie überall, zwei große Lager schaffen, schwarz und rot. Dann werden sich die Juden Ungarns mit seinem mehr berühmten als wirklich bestehenden Liberalismus plötzlich von einer Armee von Feinden umgeben sehen: von den Klerikalen, von den erstarkten Nationalitäten, die sie selbst aufs Schwerste erbittert haben, und von den bisherigen Freunden, bei denen der Rassenhaß in dem Augenblicke zum Vorschein kommen wird, in welchem sie die Juden nicht mehr brauchen werden. Ihnen vielleicht zur Seite bleiben dann die im Judenpunkte so waschlappigen paar Freisinnigen und die Sozialdemokraten, die sich.hüten werden, sich der Juden wegen irgend etwas zu verderben. Kurz und gut — den