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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-10-11 · 41 (11.10.1907) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
41 (11.10.1907)
Date
1907-10-11
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 680 Dr, Vlocv's Mocvenscvrtkk. Nr. 41 be§ BtanbeS und Bekenntnisses, bewegte sich am Hoschanoh rabbo Nachmittag zum Friedhof, wo die Beisetzung des nach längerem, schweren Leiden im 58. Lebensjahre verstorbenen Herrn Dr. S. Wodowsü, Rabbiner der hiesigen Shnagogengemeinde, erfolgte. Die Ergriffenheit und Trauer, die in Aller Antlitz zu lesen war, die Tranen, die in aller Augen perlten, kündeten schon beredt genug - Llbespsdau gebet odom nikirar etc. — daß hier der letzte Tribut wohlverdienter Dankbarkeit, Liebe und Verehrung einem Besten gezollt wurde. Dem gaben auch die Herren Rabbiner Dr. Rosental und Dr. Guttuumn Breslau, mit wirkungsvollen, feurigen Worten beredten Ausdruck. In der Zeremonienhalle sprach Erstgenannter den wackeren Amtsgenossen, unter Hervorhebung seiner rührenden Bescheidenheit, lauteren Frömmigkeit, umfassenden talmudischen Gelehrsamkeit und seines seelforgerischen Eifers, mit welchem derselbe nahezu ^5 Jahre als. geistiger und geistlicher Leiter der Gemeinde lernend und lehrend durch Wort und Beispiel anregend und begeisternd segensreich gewirkt, einen Ewed Adonai nennend. Am Grabe zeigte noch einmal Herr Rabbiner Dr. Guttmanu in lebensvollem Bilde, in eindrucksvoller Rede, waS der Heimgegangene den Seinen, seiner Gemeinde und den wetteren Kreisen gewesen; schilderte den Entwicklungsgang, das ideale Streben, segensvolle Wirken, die pädagogische Begabung und die ausgezeichnete Kanzelberedsamkeit und wie der scheidende Amtsbruder insbesondere der Erziehung der Jugend in seiner Gemeinde und als Inspektor für die Schulen des Oelser Kreises auch da mit liebendem Herzen, mit pädagogischem Sinn unermüdlich wirkte und entbot dem verdienstreichen Kollegen den Scheidegruß des Rabbinerverbandes. Was sie von seiner Zärtlichkeit als Gatte, seiner Liebe als Sohn, seiner Aufopferungsfähigkeit als Vater rühmten, fand zum Schluffe rührenden und erschütternden Ausklang in dem heißen Dank, den der Schwiegersohn des Verstorbenen, HerrDr.FMerstein, Rabbiner in Falkenau a. E., dem Scheidenden ins Grab nachrief. Mit der wehmütigen Empfindung, daß der frische Grabhügel einen Zaddik tomim umschließt, verließen alle Leidtragenden die Stätte des Friedens. Bodenbach. Der Tempelbauverein hat seinen Mitgliedern am 6. Oktober l. I. tm Tetschner Schützenhaussaale einen in allen Teilen gelungenen Unter!,altungsabend geboten. Die Regie lag in den bewährten Händen des Ehepaares Dr. Kugel und des Herrn Duschak. Alle Darbietungen standen auf gewohnter Höhe und fanden ungeteilten Beifall. Herr Dr. Schnabel, ein geschulter Baritonist, trug den Prolog zu „Bajazzo" von Leoncavallo in trefflicher Weise vor. Die Damen Frau A. Herschmann, Frl. Meta Pächter, Olga Neumann, Elsa Engl, Marta Löbl, Elsa Pick wirkten in dem einen, die Damen Fräulein Camilla Heller, Regine und Flora Herschmann und Irma Neumann in dem zweiten Lustspiele und errangen in ihren gut durchdachten und tadellos zur Geltung gebrachten Rollen wohlverdiente Anerkennung. Den heiteren Teil des reichhaltigen Programmes hatten „Die Drillinge", die Herren Dr. Hoffer, Dr. Schnabel, O. Singer, inne. Ihre Darbietungen „Gebet der Marokkaner von Casablanca", ihre die Ortsangelegenheilen und Ortsgrößen treffenden Gstanzeln entfesselten förmliche Lachstürme. Den Schluß bildete ein animiertes Tänzchen, in dessen Pausen Unsere stets im Dienste der guten Sache wirkenden Damen Ansichtskarten vom „Tempel" zum Verkaufe anboten. Köln. Im Namen der zionistischen Organisation hat eine Deputation an den Beisetzungsfeierlichkeiten in Karlsruhe teilgenommen. Die Deputation bestand aus den Herren David Wolffsohn, Präsident des zionistischen Aktionskomitees, Dr. H. Katzenelsohn, Präsident der Jewish Colonial Trust, und N. S o k o l o v, Generalsekretär des zionistischen Zentralbureaus. Banjalttka. Hier wurde Herr Rabbinats -Kandidat Pinkas Keller aus Preßburg in der am 2. d. M. stattgehabten Generalversammlung einstimmig zum Rabbiner gewählt. Herr Rabbiner Keller ist ein hervorragender Zögling der Preßburger Rabbinats-Hochschule, der sich durch seine auch im Auslande erworbenen gediegenen talmudischen und weltlichen Kenntnisse wie auch durch seine glänzende rednerische Begabung einen guten Namen erwarb. Feuilleton. Zu Ehren Gottes. (Aus dem Englischen.) I. „Fort mit Dir oder ich schütte Dir das Schaff heißen Masters auf den Kopf! O, was habe ich verbrochen, daß ich die Mutter eines solchen Taugenichts, eines solchen Müßiggängers, eines schlemmerischen Vielfraßes geworden bin? Esten möchtest Du? Bitte, vielleicht wünschest Du gebratenen Lammschwanz mit verbrannten Entenfedern garniert? Gebackenen Mondschein mit Zucker? Himmelsblau als Eierkuchen? Um sechs Uhr abends gibt es Grütze — bis dahin nicht einen Bissen, verstehst Du? Ein Unglück bist Du für Deine Eltern, nichts anderes. Packst Du Dich endlich oder nicht?!" In diesem Augenblick wandte sich die Frau dem oberwähnten Wasserschaff zu und Jonas hielt es nun für rätlich, zu verschwinden. Heiter lächelnd, die Hände in den Hosentaschen, ging er von dannen und pfiff ein lustiges Liedchen vor sich hin. Es war jetzt 12 Uhr, somit noch geschlagene 6 Stunden bis zu der versprochenen Mahlzeit. Aber das war schließlich kein Grund, um sich ernstlich zu ärgern, dachte Jonas. Er ging die Dorfstraße entlang und blieb dann stehen, denn Mendel, sein einziger Bruder, kam ihm entgegen. Mendel war zwanzig Jahre alt, zwei Jahre älter als Jonas, obzwar es niemand geglaubt hätte, denn Jonas war einen Kopf höher und sein Brustkasten war breit wie ein Scheunentor. Mendel trug ein dickes Buch unter dem Arm und ging langsam, als ob ihm die schwere Last hinderlich wäre. Seine Augen waren zu Boden gekehrt. „Soll ich Dir das Sefer tragen", frug ihn Jonas freundlich. Als Antwort schüttelte Mendel unwillig den Kopf, wie jemand, der eine lästige Unterbrechung erfährt. Jonas lächelte ein wenig höhnisch. „Er denkt wohl darüber nach, wo der Hund seinen Magen hat oder über dergleichen Wichtigkeit", sagte er zu sich selbst und folgte seinem Bruder in einiger Entfernung. Mendel ging in das Haus seiner Eltern hinein, während Jonas erwartungsvoll draußen blieb. Plötzlich strich der Geruch gebratener Zwiebeln durch die warme Sommerlust; Jonas' Geruchssinn regte sich. Zehn Minuten später hörte der Lauscher die Küchentür gehen und bald sah er seine Mutter das Haus verlassen. Nun war der Augenblick gekommen. Er trat schnell in das Wohnzimmer ein und traf Mendel bei Tische vor einem großen Teller gerösteter Kalbsleber sitzen. Das große Buch lag geöffnet neben dem Teller. Als Jonas eingetreten war, hatte Mendel aufgeblickt und seine Blicke wunderten nun von dem Teller auf den Bruder und wieder zurück. „Was willst Du?" frug er mürrisch. „Nichts", antwortete Jonas. „Ich dachte mir, falls Du schon genug hättest ..." „Habe ich mir es doch denken können", schrie Mendel auf. „Du möchtest mir immer den, Bissenaus dem Munde reißen". „Bitte nicht so laut, lieber kleiner Mendel", bat Jonas hastig — er kannte Mendels Taktik — „wenn Du glaubst, daß Du nichts für mich erübrigen kannst, dann will ich gehen. Du brauchst Dich darüber nicht aufregen".; „Nein, ich kann nichts für Dich übrig lasten", erwiderte Mendel, vom Fett glänzend — seine Mutter hatte zuviel Schmalz zur Bereitung der Leber verwendet — „es wäre Frevel. Weißt Du nicht, daß ich tesebsm Schumajim, zu Ehren Gottes esse?" Jonas schaute verständnislos drein. „Schafskopf, der Du bist, Dir muß man doch alles erst erklären", sagte Mendel. „Nun, ich esse nur aus diesem Grunde viel, weil ich meinen Körper-stärken muß, nur in einem gesunden Körper wohnt gesunder Geist. Und es gehört viel Geist dazu, um die Thora zu studieren; und Gottes Gesetze studieren, heißt Gottes Ruhm verkünden, zu Ehren Gottes leben. Wer wie Du nicht A vom B unterscheiden kann, der sollte in der Tat nur einmal im Monat zu essen bekommen". Jonas verhielt sich still und dachte nach, was er seinem Bruder antworten könnte. Inzwischen bewiesen Mendels Kinnbacken nur zu gut, daß er den Mut der Ueberzeugung besitze. Endlich sagte Jonas: „Würdest Du nicht auch zum Ruhme Gottes beitragen — ich gestatte mir nur zu fragen — wenn Du Dein Essen mit einem Hungrigen teilen würdest?" Mendel neigte sich tiefer über sein Buch und seine Ohren wurden feuerrot. Jonas war verzweifelt; der Inhalt des Tellers war schon zur Hälfte verschwunden und noch immer schien Mendels Appetit nicht vermindert.

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