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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-10-11 · 41 (11.10.1907) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
41 (11.10.1907)
Date
1907-10-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. .41 Seite 677 Dr. ^.loch's WvÄzLrr-chrrft. „Norddeutschen Lloyd", Herrn Wiegand, über die Arrangements zu beraten, welche durch diesen zunehmenden jüdischen Verkehr in den Bremer Wohnhäusern der Compagnie, sowie auf deren Schiffen notwendig wurden. Herr Wiegand empfing die Herren aufs Freundlichste und führte fie nach eingehendster Besprechung der Lage in die Unterkunftshäuser, woselbst er Persönlich alle Details einer sorgfältigen Revision unterzog und seine Bereitwilligkeit erklärte, jeden vorgebrachten Wunsch promptest zu erfüllen. Schließlich wurde, um den Bedürfnissen der jüdischen Emigranten zu entsprechen, eine Vereinbarung ge troff en, nachwelcherder Norddeutsche Lloyd verpflichtet ist,'.sich mit dem „Hilfsverein der Deutschen Juden", in seiner doppelten Eigenschaft als „Hilfsverein" und als Vertreter des „Emigration-Komitees", zwecks Durchführung der nachfolgenden Bedingungen i n's Einvernehmen zu setzen. Die Bedingungen am Schiffe betreffend: . 1. verpflichtet sich der Lloyd, eine autorisierte Person kostenfrei an Bord zu führen, welche die Aufgabe hat, die Interessen der j nd ische n G alv esto n-Em i gr a nt en zu vertreten und nach deren Komfort zu sehen; ■ 2. richtet der Lloyd es so ein, daß die jüdischen G a l v e st o n-E mi gr a nt e n sobald als möglich separate und reservierte Plätze am oberenTeiledes Zwischendeck erhalten und gemeinschaftlich ihre Mahlzeiten einnehmen. 3. Die Kompagnie verpflichtet sich, ehemöglichst eine rituelle unter rabbinischer Oberaufsicht stehende Küche zu errichten und zur Bequemlichkeit der Galveston-Passagierefür bessere Bade-Einrichtungen zu sorgen. 4. Die Kompagnie verpflichtet sich, den K-apitänen und den anderen Führern aufs Schärfsteeinzu Prägen, unbedingt darauf zu sehen, daß die jüdischen Passagiere bestens behandelt werden, weiters die ersteren von Zeit zu Zeit an diese ihre Pflicht zu erinnern. Die Bedingungen in Bremen betreffend: 1. Die Gesellschaft verpflichtet sich, ein besonderes Emigranten-Wohnhaus („Stadt Warschau") zu errichten, zum ausschließlichen Gebrauch der Juden (ausgenommen gewisse unvorhergesehene Fälle). Dasselbe hat eine Bethalle und ein Lesezimmer zu enthalten, auch sind die Verhältnisse der Schlafzimmer zu verbessern, so daß das Ventilierungssystem und die sonstigen sanitären Einrichtungen den modernsten Anforderungen entsprechen. 2. Der Lloyd zuerkennt dem Komitee das Recht, alle Einrichtungen des Wohnhauses zu überwachen, und verpflichtet sich,alles aufzubieten, um den Wünschen des Komitees bezüglich der Unterbringung und Einschiffung der Emigranten zu entsprechen, wie überhaupt deren religiöse Sitten und Gebräuche zu respektieren und auf diese Art ein Verhältnis zu schaffen, welches den jüdischen wie auch den Humanitären Anforderungen entspricht. Berlin. Herr Dr. Paul Nathan vom Hilfsverein der Deutschen Juden hat eine mehrmonatliche Reise angetreten, um die jüdischen Verhältnisse im Orient eingehend zu studieren. Er wird auf seiner Studienreise von dem Arabisten Privatdozent an der Berliner Universität Herrn Dr. Eugen Mittwoch begleitet. Seinen ersten Aufenthalt nahm Herr Dr. Nathan in Sofia. Herr Dr. Nathan wurde hier vom Großrabbiner von Bulgarien Herrn Dr. Ehrenpreis ouis Freundlichste empfangen, ebenso von den Vertretern der askenaüschen Gemeinde, dem Vorsteher Herrn Josef Färber, dem Präsidenten des SchulkoMit'ees Herrn Mendel Adler, ferner von den Herren Dr. Feuerstein, Oskar Salomon, Hermann Bierstein und Binder. Im Hause des Großrabbiners hatte Herr Dr. Nathan auch eine Besprechung mit den Vertretern der spaniolischen Gemeinde, den Herren Rechtsanwalt Resetoff, Araff und Arieff. In eingehenden Erörterungen wurden die Möglichkeiten diskutiert für einen weiteren Ausbau des Schulwesens. Die bisherigen Leistüngen des Hilfsvereines wurden dankbar anerkannt, und von der weiteren Tätigkeit werden segensreiche Folgen erhofft. Den Wunsch nach Anstellung eines hebräischen Lehrers wird der Hilfsverein gern erfüllen. In Philippopel wurde Herr Doktor Nathan von dem Präsidenten des Synagvgenkomitees Niffim Sidi, den Herren Pardo und Capon, sowie von dem Präsidenten des Schulkomitees Dr. Romano und Herrn Aron Romano empfangen. Auch hier fand das Werk des Hilfsvereines außerordentlich günstige Beurteilung. Einer an Herrn Dr. Nathan gerichteten Bitte um Beschaffung von Anschauungsmaterial und Fröbelmaterial wurde vom Hilfsverein sofort entsprochen. Im weiteren Verlauf seiner Reise traf Herr Dr. Nathan dann in Konstantinopel ein. Dr. P. Nathans Aufenthalt in Konstantinopel. Er hielt sich vom 15. bis 27. September, also 12 volle Tage, hier auf. Ein ehrenvoller Empfang wurde ihm schon an der Bahn bereitet. Der Großrabbiner hatte seinen Sekretär Rabbiner K. Sabon mit einem Kavaffen dahin geschickt, um den würdigen, Vertreter des Hilfsvereines, der in der kurzen Zeit seines Bestehens sich hohe Verdienste um das Schulwesen in der Türkei erworben hat, einen Willkommengruß zuzurufen. Die Aschkenafischen Gemeinden waren durch ihren Rahbiner Se. Ehrwürden Dr. D. P. Markus, die Schulen des Hilfsvereines Or-Thora und Seror-Hachaim durch die Herren H. G. Reisner und M. Attias vertreten. Dem Zwecke ihrer Reise entsprechend, benutzten die Gäste ihren Aufenthalt hauptsächlich dazu, um die Verhältniffe der 80.000 Seelen zählenden jüdischen Bevölkerung genauer kdnnen zu lernen. Ihre besondere Aufmerksamkeit aber schenkten fie dem Schulwesen. Außer den Lehranstalten des Hilfsvereines/ die ihren Beifall fanden, besuchten die Herren noch eine ganze Reihe von jüdischen und nichtjüdischen Schulen und sonstigen gemeinnützigen Werkstätten. lieberall wurden ihnen, auch, an sonst unzugänglichen Plätzen, dank der einnehmenden Persönlichkeit des Herrn Dr. Nathan, Tür und-Tor geöffnet und alle Materialien zur Verfügung gestellt, die fie interessierten. Herr Dr. Nathan empfing auch jüdische Deputationen sämtlicher Riten und Richtungen und konnte aus aller Mund hören, daß die Einführung der deutschen Sprache neben der Landessprache an den Schulen (des Hilfsvereines) im Orient von eminenter Bedeutung für die materielle und moralische Hebung der dortigen Juden werden könnte und daß eine Reorganisation des ganzen jüdischen Schulwesens dringend notwendig sei. Herr Dr. Nathan gewann die Ueberzeugung von der Notwendigkeit, daß das Unterstützungswerk des Hilfsvereines der deutschen Juden schon jetzt hier weiter auszudehnen ist, und bemüht sich eifrigst, in den Abendstunden, die er in Gesellschaft des Herrn Rabbiners Dr. Markus und der Herren Dr. Wellisch, Dr. Neufoch, H. G. Reisner verbrachte, die Eindrücke des Tages zu sammeln und einen Plan für das weitere Vorgehen des Hilfsvereines in Konstantinopel zu entwerfen. Man kam uberein, daß das Or-Thora-Komitee. dem Se. Eminenz der Großrabbiner des türkischen Reiches Aloise Hallevu und Se. Exzellenz, der Präsident der „Jüdischen Nation", Jacques Bey de Leon angehören, sich zu einem Zwcigkomitee des Hilfsvereines der deutschen Juden konstituieren soll. Ferner wurde beschloffen, die Or-Thoraschule in Galata zu einer sechsklassigen Mittelschule auszubauen, sowie die Seror-Hachaimschule in Heaskenj, die fünf Klassen zählt, und die vierklaffige Achridaschule in Balat durch Ansetzung von geräumigen Kindergärten zu erweitern und zu vervollkommnen.

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