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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-10-11 · 41 (11.10.1907) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
41 (11.10.1907)
Date
1907-10-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 41 Dr JBiocb’s Mlocvenscvrtn. Seite 675 einen schwungvollen Leitartikel: „Zum 3. Oktober 1907"; ist doch Herr Hahn Ehrenpräsident des Vereines der Prager Geschäftsreisenden und ist das Aufblühen dieser heute groß dastehenden Innung seiner rastlosen Tätigkeit und Förderung zu verdanken. Es würde zu weit führen, wollten wir die Verdienste des Jubilars in vielen anderen Körperschaften detaillieren; aber darauf müssen wir hindeuten, daß unsere Waisen in Böhmen in Herrn Hahn und seiner edelgesinnten Gattin einen wahren Waisenvater, beziehentlich eine Waisenmutter besitzen. In der Jubiläumsschrift, die der Kreuzerverein zur Unterstützung armer israelitischer Waisenmädchen im Jahre 1902 ediert hat und die vom Schriftführer des Vereines Herrn Jur.-Dr. Pick verfaßt ist, lesen wir: „Wir können nicht umhin, auch anläßlich der bedeutungsvollen Erinnerungsfeier, die wir nun begehen, diesem unseren hochverdienten Gönner und wahren Schutzpatron des Vereines, Herrn kaiserl. Rat Moritz Hahn und seiner gesinnungsgleichen, tat- und ratfreudigen Gemahlin, welche ein prachtvolles Haus in der Weinberge als Waisenhaus dem Kreuzervereine geschenkt, die Gefühle unseres innigsten Dankes namens des Vereines und seiner Schutzbefohlenen, welche stets bei Vater Hahn und seiner Frau treue Fürsorge, Stütze und mildes Wohlwollen finden, herzlichst auszusprechen und werden glücklich sein, die Benevolenz dieses munifizenten Ehepaares auch für die Zukunft unserem und ihrem Vereine gesichert zu wissen. Herr kais. Rat Hahn und seine Frau kennen jedes Waisenkind beim Namen, sie sind über persönliche und Familienverhältnisse genau unterrichtet, sie kennen alle Bedürfnisse jedes Einzelnen und der Gesamtheit und sorgen mit wahrer Zärtlichkeit um das Gedeihen unserer Pfleglinge. Dabei entgeht ihrem Auge auch nicht der geringste Mangel, sie sorgen teils selbst, teils durch ihre bewährten Mitarbeiter gemeinschaftlich mit unserem Obmanne, mit den Komiteedamen, den Inspektoren und allen Funktionären der Direktion für ein strammes Regime der Ordnung, Gerechtigkeit und Wohlfahrt im Waisenhause, wie im Vereine selbst." Bei seiner jüngsten großartigen Dotation hat das Ehepaar noch besonders der in Prag untergebrachten israelitischen Waisenkinder gedacht, indem es jedem derselben 10 Kronen in die Sparbüchse gegeben. Wir schließen mit dem aufrichtigen Wunsche, das Ehepaar Moritz Hahn möge dem Judentume und der Menschheit noch viele Jahre bei vollkommener körperlicher und geistiger Frische erhalten bleiben 1 Alex. Baum. Trostlose Zustände in Böhme». Dieser Artikel, welchen Sie unter Korrespondenzen in Ihrer Nr. 32 brachten und der mit den traurigen Verhältnissen der jüdischen Lehrerschaft Böhmens sich befaßt, muß jedem wahrhaftfühlenden Juden nahe gehen. Fast unglaublich erscheint es, daß in einem Lande, in welchem die Judenschaft ihrer nationalkulturellen Aufgaben sich bewußt sein sollte, dem wichtigsten Faktor, das ist dem Jugendbildner, keine würdige Existenz geboten wird. Diese Zustände find beschämend und bedürfen einer ebenso raschen als auch gründlichen Abhilfe. Aber ich glaube, der Verfasser der oben genannten Zeilen hat den falschen Weg betreten, wenn er durch Zeitungsartikel das öffentliche Gewissen wach- und anrufen will. Meines Erachtens müßte folgender Weg eingeschlagen werden. Der Einsender des eingangs erwähnten Artikels, welcher vermutlich auch das Los eines böhmisch-jüdischen Lehrers.trägt, jedenfalls aber diesem Beruf nahe steht, soll sich mit noch einigen seiner Berufs- oder Stammesgenossen zur Kultusgemeinde nach Prag, — als der Metropole und Muttergemeinde Böhmens — begeben, daselbst dem Vorstand als den berufenen Faktor die Angelegenheit nahelegen und zur Aktivierung empfehlen. Die Prager Kultusgemeinde, die, ich bin überzeugt, dieser wichtigen Sache keinesfalls gleichgiltig gegenübersteht, wird jedenfalls eine Aktion einleiten und müßten die Vertreter von etwa 10 bis 12 größeren Kultusgemeinden Böhmens zu einer Konferenz nach Prag eingeladen werden, deren Tagesordnung die Beschaffung der notwendigen Mittel zur Gründung eines Lehrerfonds sein würde. Zugleich wären auch die zum Ziele führenden Wege festzulegen, und nachdem Böhmen zirka 200 Judengemeinden zählt, dürfte bei einiger Opferwilligkeit der Glaubensbrüder der Fond garantiert sein. Der hohe Ernst und das allgemeine jüdische Jntereffe, die der Sache zugrunde liegen, laffen mit Bestimmtheit erwarten, daß eine eingeleitete Aktion nicht erfolglos bleiben wird, daß vielmehr ein jeder Glaubensgenosse im Rahmen seiner Verhältniffe sein Scherflein beisteuern wird, um dieses edle Werk der Verwirklichung zuzuführen. Allerdings darf das Aktionskomitee fich nicht bloß mit einer schriftlichen Propaganda begnügen. Das wäre nur halbe Arbeit. Nur ununterbrochene, tüchtige, persönliche Agitation kann zum Ziele führen. Wird einmal eine Stabilisierung der Lehrerexrstenzen eingetreten sein, dann wird es nie an einem tüchtigen, schaffensfreudigen Nachwuchs fehlen und es dürfte fich nicht sobald der Fall ereignen, der fich jüngst in meiner Heimatsgemeinde zugetragen, welcher die tristen Zustände grell beleuchtet und den ich xar exemple anführen will. Mißlitz in Mähren ist eine autonome Judengemeinde. Für deren Schule wurde kürzlich ein Lehrer gesucht. Die Stelle ist unabhängig, gut dotiert und dauernd. Man sollte doch glauben, daß nach einem solchen Posten eine starke Nachfrage der jüdischen Lehrer sein sollte. Weit gefehlt. Es meldeten fich im Ganzen drei Herren, die zusammen das ehrwürdige Alter von 168 Jahren hatten. Auf eine Bemerkung des Einsenders will ich noch zurückgreifen. Er sagt: „Es wächst eine Generation heran, die vom Judentum gar nichts weiß." Das ist ebenso traurig als wahr. Was ein Haken werden soll, muß bei Zeiten gekrümmt werden und mit der Erziehung zum guten, treuen, anhänglichen Juden muß beim Kinde begonnen werden. Und darin liegt die große weitreichende Bedeutung einer ehrlich strebenden jüdischen Lehrerschaft. Wir Juden in der Großstadt — in Wien— wissen am besten, wie es mit dem Judentum bestellt ist, auf welch lockerem Boden es aufgebaut, mit welch losen Fäden es zusammengehalten ist. In der Provinz gibt es eine Generation, die vom Judentum nichts weiß. In Wien gibt es aber Juden, die von ihrem Glauben nichts wissen wollen. Der Zuzug der Juden aus der Provinz nach Wien und anderen großen Städten wächst immer mehr. Das Wachsen der Judenschaft in den Städten sollte aber nicht bloß ein ziffermäßiges sein. Es müßte in denselben auch das Anwachsen einer echt jüdischen Gesinnung und religiösen Gemeinschaft zutage treten. Wir brauchen Juden, die mit ihrem Glauben eng verknüpft find, stets bereit, für diesen einzutreten und ein starkes Bollwerk des Judentums bleiben. In diesem Geiste müffen unsere Kinder unterrichtet, herangebildet und großgezogen werden. Die provinziale jüdische Lehrerschaft ist in erster Linie dazu berufen, diese bedeutende Aufgabe zu erfüllen. 8. K. Sonutagsfeier. Frankfurt a. M., 2. Oktober 1907. Am 27. September begann hier die Tagung des Internationalen Kongresses für Sonntagsfeier, der, im Jahre 1876 in Genf gegründet, nach seinen Satzungen folgende Ziele hat: „Der Verband für Sonntagsfeier arbeitet für die Verbreitung der Grundsätze der Sonntagsruhe und der christlichen Anwendung des Sonntages. Die Durchführung dieser Sache, die zugleich eine soziale, eine humanitäre und eine christliche ist, scheint ihm unerläßlich für das materielle, geistige, sittliche und religiöse Wohl der bürgerlichen Gesellschaft und der

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