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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-10-11 · 41 (11.10.1907) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
41 (11.10.1907)
Date
1907-10-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 674 j-r 41 ^:r. 3lrriz?& Wo-chen^rrr-?. Ottakringer Friedhof vergraben habe und verlangte, daß der ganze Friedhof umgegraben werde, um diese Leiche ans Tageslicht zu fördern. Nach etwa viertelstündiger Unterredung wollte sich der Verteidiger entfernen. Aber ganz verblüfft bemerkte er. daß die Zellentür geschloffen sei. Er pochte wiederholt und schließlich minutenlang vergeblich. Obwohl draußen ein Posten patrouillierte, wurde ihm mdjt geöffnet. Schließlich begann Dr. Rabeulechner zu schreien, und er wendete fein in Gerichtskreisen bekanntes mächtiges Organ in solchen Umfang an, daß bald die Gänge wiederhallten und man den Lärm auch im Verteidigerzimmer hörte. Dennoch dauerte es eine halbe Stunde, bis ein bestürzter Aufseher herbeieilte, der den eingesperrten Verteidiger aus der Zelle ließ. Es wurden natürlich sofort alle kompetenten Gerichtsfunktionäre von dem Vorfall verständigt, und es ergab sich, daß der um 12 Uhr abgelöste Aufseher vergessen hatte, seinem Nachfolger von der Anwesenheit des Verteidigers in der Sprechzelle Mitteilung zu machen. Der patrouillierende Justizwachmann aber glaubte, es handle sich um den Exzeß eines Häftlings und bemerkte seinem Vorgesetzten gegenüber, als sich die komische Verwechslung aufklärte: „Hab' ich geglaubt. Blecha is und schreit so." Der Verteidiger aber versicherte, daß seine Situation keineswegs eine so heitere gewesen sei und daß er es lediglich seiner großen Stimmkraft verdanke, daß er nicht eine längere unverdiente Haft mitzumachen hatte. Lemberg. Der Landesausschuß unterbreitet eine Vorlage über die Errichtung einer jüdischen theologischen Landesanstalt. Die Vorlage wird dem Schulausschusse zugewiesen. Das verkaufte Seelenheil. Die Geschichte einer Heilung. Das alte Faustmotiv vom verkauften Seelenheil kehrt auch in unserer Zeit häufig wieder. Ein ungarischer Kaufmann, der auf die absonderliche Idee verfiel, hat es durch eine tragische Verkettung von Zufällen schwer gebüßt. Der 42jährige Kaufmann Armin Weiß aus Galantha saß vor einigen Monaten mit Geschäftsfreunden an einem Kaffeehaustische in Preßburg. Das Gespräch kam auf die Religion. Einer der Anwesenden, der Preßburger Kaufmann Moses Krauß, entwickelte fromme Ansichten und sprach vom „Glück im Jenseits". Weiß widersprach ihm lachend: „Kinderei! Es gibt kein Jenseits und kein Glück im Jenseits! Ich verkaufe mein Glück im Jenseits für zehn Kronen." Darauf sagte Krauß: „Wenn Sie mir dies schriftlich geben, zahle ich die zehn Kronen. ..." Weiß besann sich nicht lange. Es wurde eine förmliche Zessionsurkunde aufgesetzt, von Zeugen unterschrieben und scherzend strich Weiß die so mühelos erworbenen zehn Kronen ein, wahrend der Andere die sonderbare Zession sorgfältig verwahrte. Die Gesellschaft unterhielt sich noch einige Zeit über den Handel, und als man sich trennte, blieb es allen Ernstes dabei. Zwei Wochen später wurde Weiß von einer schweren Prüfung heimgesucht. Als seine Frau in einem Wagen zum Besuche einer kranken Freundin von Galantha nach Szobotisz fuhr, scheuten die Pferde und warfen den Wagen um. Frau Marie Weiß zog sich bei dem Sturze so schwere Verletzungen zu, daß sie nach drei Tagen starb. Es war gewiß ein unglücklicher Zufall. Weiß erblickte aber darin einen Fingerzeig der himmlischen Macht, er erinnerte sich an der Bahre der geliebten Gattin des sündhaften Handels, den er im Preßburger Kaffeehause abgeschloffen hatte und, nachdem seine Gattin zur letzten Ruhe gebettet war, verfiel er in ein schweres Nerveufieber, so daß Wärter Tag und Nacht hindurch an seinem Krankenlager weilen mußten. Wenn die wilden Fieberphantasien, die den Aermsten quälten, vorübergingen, erzählte er den ihn behandelnden Aerzten von seinem verkauften Glück im Jenseits und jammerte: „O Gott, wie hast Du mich für meine Ungläubigkeit schwer gestraft!" Die Aerzte, die nun die innere Ursache seines Leidens erkannten, beschlossen, eine homöopatische Kur an ihrem Patienten zu versuchen. Sie gingen humanerweise über ihren ärztlichen Pflichtenkreis hinaus und setzten sich mit dem Käufer des „Glückes im Jenseits" in Verbindung. Dieser wollte zuerst nichts von einer Rückgabe der Zessiousschrist wissen. Als der Preßburger Ortsrabbiner ihn jedoch deswegen zu sich beschied, erklärte er, das Schriftstück nur gegen Erlag einer Rückkaufssumme von tausend Kronen herausgeben zu wollen. Er behauptete, seine Geschäfte gingen bedeutend besser, seitdem er sich das Glück im Jenseits gekauft habe und er müsse auf einen eventuellen Schadenersatz bedacht sein. Und dabei blieb es- Weiß wollte sich zur Zahlung dieser Summe nicht verstehen und sein Zustand verschlimmerte sich zusehends. Es kam soweit, daß er in Begleitung eines Arztes nach Wien in das Rudolfsspital gebracht werden mußte, wo er auf der medizinischen Abteilung des Professors Obermayer Aufnahme fand. Unterdessen gelang es dem Preßburger Arzte Dr. Arnold Gold, den Besitzer der seltsamen Zessionsurkunde in Preßburg zu einem Besuche des Weiß im Krankenhause zu bewegen. Schon beim Anblick seines Seelenheilkäufers erhellte sich das Antlitz des reuigen Kranken. Der vereinten Ueberredungskunst des Arztes und einiger anderer Personen gelang es, einen Ausgleich herbeizuführen. Krauß reduzierte seine Forderung auf 500 Kronen. Der kranke Armin Weiß erhielt im Krankensaale das Schriftstück über den Verkauf seines Seelenheiles zurück! Es wurde überdies ein neuer Vertrag über den Rückkauf aufgesetzt, den zwei Anstaltsärzte mitunterschrieben ... Dr. Gold händigte im Namen seines Patienten Herrn Krauß die von ihm geforderten 500 Kronen aus und — die Sache war nun endlich erledigt. Nachdem Krauß sich entfernt hatte, verfiel der Kranke in einen ruhigen, tiefen Schlaf. Als er wieder erwachte, war die Macht der Krankheit gebrochen. Der Zustand des Patienten besserte sich von Tag zu Tag und vor einigen Tagen verließ er das Kranken' haus vollkommen gesund, ganz glücklich darüber, daß er seinen Glauben wiedergefunden habe. Der seltsame Vorfall bildet heute noch den Gesprächsstoff im Rudolfsspitale. Kaiserlicher Rat Moritz Hahn. Als wir in der letzten Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift" über das Wirken und die edlen, humanen Intentionen des Prager Großhändlers kaiserlichen Rates Herrn Moritz Hahn und seiner von-gleichem Geiste beseelten hochherzigen Gattin Ernestine referierten, waren wir uns dessen wohl bewußt, daß die Tätigkeit dieses von echt jüdischem Geiste beseelten Ehepaares noch lange nicht abgeschlossen erscheint. Der genannte Herr wollte in aller Stille, fern von der Heimat, an der Seite seiner treuen Gefährtin seinen siebzigjährigen Geburtstag feiern. Vor seiner Abreise gedachte er aber in seltener Weise der siechen, armen und verwaisten Glaubensgenossen, der vielen humanen und wohltätigen Vereine, indem er für dieselben ungefähr eine Viertel^ Million Kronen widmete. Die Prager Kultusgemeinde, deren Repräsentanz Herr Hahn fast durch ein Vierteljahrhundert angehört und der er seine besten Kräfte gewidmet, veranstaltete am siebzigsten Geburtsfeste (3. Oktober) des Jubilars eine Festsitzung, an der auch die Vertreter des Rabbinates mit Herrn Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld an der Spitze teilnahmen. Präses Jur.-Dr. Rosenbacher schilderte in warm empfundenen herzlichen Worten die Verdienste des Jubilars und seinen seltenen Wohltätigkeitssinn und hob insbesondere hervor, daß seit Mordechai Meisels Zeiten, also seit 300 Jahren, kein Kultusmitglied bei Lebzeiten eine so hochherzige Spende gemacht. Ueber Antrag des Herrn Dr. Bendlener wurde beschlossen, in dem neuzugründenden israelitischen Siechenhause, für welches Herr Hahn 100.000 Kronen gespendet, und in dem Waisenhause zur Erinnerung an den hochherzigen Spender Marmortafeln anbringen zu lassen. Hieraus wurde ein Dankestelegramm an den Jubilar gesandt. Die Zahl der in Meran eiugetroffenen Telegramme und Gratulationen übersteigt viele Hunderte, trotzdem der Jubilar seine nähere Adresse nur der engeren Verwandtschaft bekanntgegeben. Von der letzteren spendete sein Schwager Herr Fabrikant Schick (Prag und Oberleutensdorf) im Namen seiner Familie 5 >00 Kronen für israelitische Arme. Nahezu sämtliche Blätter Prags veröffentlichten Artikel und Notizen über das humane Wirken des Herrn Hahn und seiner Gemahlin. Die „Prager Reisenden-Zeitung" brachte

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