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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-10-11 · 41 (11.10.1907) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
41 (11.10.1907)
Date
1907-10-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 4i L)r. Llocds MlocdenscvrM. Seite es? des Salzburger Hochschulvereines, und Dr. P o v i n e l l i, dem Präsidenten des Salzburger Ortsausschusses des Vereines für Ferialkurse, und fragte sie, welche Schritte sie zu unternehnien gedächten, um den beleidigten jüdischen Hörern und den in ihrer Person beleidigten Ferialkursen eine Genugtuung zu verschaffen. Und zwar müßte er diese Genugtuung binnen 24 Stunden nach dem Vorfall zumindest zugesichert haben, da er sonst den Vorfall mit entsprechender Würdigung in die fortschrittlichen Blätter bringen müßte, wozu er sich allerdings nicht gern entschließen würde, da er damit doch der Veranstaltung der Ferialkurse, die ihm und seinen Kollegen sehr sympathisch sei, empfindlich schaden würde. Doch würde er sich zu seinem Bedauern hiezu genötigt sehen, wenn dem verletzten jüdischen Standpunkt keine Genugtuung gegeben würde. Dr. Troyer erklärte darauf, wie unendlich er den Vorfall bedauere, mit ihm alle anderen Herren und wie sehr derselbe auch von den deutschnationalen Kouleurstudenten verurteilt würde. Er erzählte die Vorgeschichte des Vorfalls: man wäre am Beginn des Balles von gewisser Seite an die Veranstalter herangetreten, sie sollten die anwesenden Juden auffordern, den Saal zu verlassen. Sie hätten noch rasch eine Sitzung abgehalten, in der sie dies Begehren aufs Entschiedenste ablehnten; die jüdischen Hörer hätten selbstverständlich Einladungen erhalten wie alle anderen, hätten daher das Recht, anwesend zu sein, und sie würden an sie unter keinen Umständen eine solche Zumutung stellen. Darauf erklärten die deutschnationalen Studenten, dann würden sie den Ball verlassen, was ein Teil tatsächlich getan haben soll; die anderen, auch schon ein bischen in Bier- und Weinlaune, hätten sich dann auf Dr. Sch. und Dr. P.j gestürzt, wobei man Dr. v. Hofmannsthal wegen seiner Beziehungen zur Salzburger Gesellschaft im Saale „vergessen" wollte. So sei der ganze bedauerliche Vorfall entstanden. Sie-hättenihn nicht verhindern können, weil sie gegen die aufgeregten Studenten, die auch in Salzburg viel Anhang hätten, nichts hätten ausrichten können. Es wäre sonst zu einer großen Schlägerei gekommen. Dr. v. Hofmannsthal bemerkte, selbstverständlich gehe es nicht, daß irgendwo ein Jude wegen seines Judentums hinausgeworfen werde, ohne daß er selbst mitfliege. Im übrigen hätte er nie daran gezweifelt, daß die Herren den Vorfall bedauern, sie hätten ja auch allen Grund dazu. Er müsse aber darauf bestehen, daß diese Erklärung in den Salzburger Blättern veröffentlicht werde, damit es nicht den Anschein habe, als ob dieser Hinauswurf von den Veranstaltern gebilligt werde und damit dessen Urheber die entsprechende öffentliche Brandmarkung erleiden. Dr. P o v i n e l l i erklärte, daß der Vorfall für sie so unangenehm sei, daß sie ihm unter keinen Umständen eine größere Oeffentlichkeit geben möchten, als er schon habe. Sie hätten es verhindert, daß eine Nachricht davon in die Salzburger Blätter drang, man könne nicht verlangen, daß sie sie jetzt selbst, wenn auch in der Form der Mißbilligung, in die Blätter brächten. Dr. v. Hofmanns thal bemerkte, er würde sich zufrieden geben, wenn sie ihm in derselben Oeffentlichkeit, in der er hinausgeworfen worden sei, ebenso allgemein bemerkbar, wie der Hinauswurf gewesen sei, etwa auf einem neuen Ball, die Genugtuung geben würden. Könnten sie dies nicht, so sei der übliche Weg in die Oeffentlichkeit der durch die Blätter. Dr. P o v i n e l l i erklärte, derzeit, so lange die Nachricht noch nicht in die Oeffentlichkeit gedrungen sei, eine solche Veröffentlichung nicht vornehmen zu können, doch erkläre er den Herren mündlich im Namen und Aufträge des Ausschusses, daß dieser dem Vorfall durchaus fern stand und ihn aufrichtig beklage. Dies teilte er auch dem Führer der Salzburger Schönerianer, dem Advokaten Dr. O e d l, dem Schutzpatron der Herren, die sich auf dem Ball so wenig gesellschaftsmäßig aufgeführt hatten, mit. Dr. v. Hofmannstal erklärte, daß er persönlich bei seinen strengen Ansichten über solche Vorfälle dies nicht als geeignete Genugtuung ansehen könne. Er wolle aber die Meinung seiner Kollegen einholen und sich derselben fügen, da es sich ja um keine Ehrenangelegenheit handle; denn er sehe seine Ehre gar nicht als verletzt an, wenn er von einer Schar „aufgeregter" Studenten mit Gewalt aus einem Lokal gedrängt werde. Viel eher sei da deren Ehre verletzt; hätte ihnen doch über die Sachen, die er ihnen sagte, die Schamröte ins Gesicht steigen müssen, wenn dieses nicht schon so sehr vom Alkohol gerötet gewesen wäre. Am nächsten Tag brachten die Wiener klerikalen Blätter und deren Salzburger Kollegin, die „Chronik", Berichte über den Vorfall. Dr. v. Hofmannsthal interpellierte nun Dr. P o v i n e l l i, ob er jetzt die Zeitungserklärung geben wolle, da die Sache nun in die Oeffentlichkeit gedrungen sei und jetzt die Ferialkurse selbst ein eminentes Interesse daran hätten, sich öffentlich von dem Verdachte zu reinigen, als ließen sie bei ihren Veranstaltungen solche Sachen ungestraft geschehen. Dr. P o v i n e l l i erklärte, er müsse erst die Meinung der anderen Ausschußmitglieder einholen, er war auch nicht geneigt, die mündlich abgegebene Erklärung schriftlich zu wiederholen. Auf eine spätere telephonische Anfrage erklärte er, er hätte noch keine Sitzung einberufen können; die Ausschußmitglied: r, die er gesprochen hätte, seien gegen eine öffentliche Erklärung, man möge sich gedulden, bis er eine Sitzung einberufen könne. Da aber die Gefahr bestand, daß die Sache bis nach Schluß der Kurse verschleppt würde und dadurch ihre Aktualität verliere, erklärte Dr. v. Hofmannsthal endgiltig, daß die Verhandlungen schon so viel Zeit auf beiden Seiten fruchtlos verbraucht hätten, daß sie wohl auch in Zukunft kein ausreichendes Resultat erwarten ließen. Er schrieb am nächsten Tag einen Offenen Brief an den Rektor Meyer-Lübke, den Obmann des Vereines für Ferialkurse, als ersten Schritt in die Oeffentlichkeit. Bevor er diesen aber abschickte, zeigte er ihn dem Korrespondenten der „Neuen Freien Presse", der sich schon in der dankeswertesten Weise um eine genügende Austragung der Sache bemüht hatte und mit ganz außerordentlicher Aufopferung den maßgebenden Herren gegenüber den freiheitlichen Standpunkt vertreten hatte, was bei ihm als den Vettreter des ersten österreichischen Blattes, um dessen Gunst die Veranstalter sehr besorgt sind, umso wirkungsvoller war. Dieser riet, noch ein wenig mit der Absendung des Briefes zu warten und setzte es noch am selben Nachmittag in einer Konferenz mit Dr. P o v i n e l l i, Dr. Sylvester, dem Abgeordneten für Salzburg, dem Obmannstellvertreter des Vereines Professor W e t t ft e i n und dessen Schriftführer Professor Ludo Hartmann durch, daß Professor v. Wettstein als Obmannstellvertreter des Vereines den jüdischen Hörern eine schriftliche Erklärung gab, die dahinging, daß sowohl der Verein selbst wie auch der Ortsausschuß dem Vorfall durchaus fern stünden und ihn aufrichtig bedauern, „der im übrigen auf persönliche Gegensätze und Ursachen lokaler Natur zurückzuführen sei". Diese Erklärung sei öffentlich, man könne jedermann davon Mitteilung machen, doch wurde Herr v. Hofmannsthal ersucht, sie nicht direkt in die Zeitungen zu geben. Die betroffenen Herren erklärten sich im allgemeinen mit dieser Genugtuung zufrieden; sie wollten auch damit beweisen, daß ihnen das Gedeihen der Ferialkurse weit mehr am Herzen läge als ihren Gegnern, und wenn es ihnen möglich gemacht würde, alles vermeide^, was den Kursen schaden könnte. Doch müßten sie sich gegen den Schlußpasius verwahren. Dieser hatte nämlich seinen Ursprung darin, daß man den Herren des Ausschusses folgendes mittellte: Der Hinauswurf hätte gar keinen antisemitischen Charakter gehabt; Dr. P. sei aber einmal bei der „Alpinia" (einer wöchentlichen Veranstaltung eines alpinen Vereines von Salzburger Geschäftsleuten) hinausgeworfen worden. Er hätte daher nicht bei dieser von denselben Personen veranstalteten

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