Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 40 (4.10.1907)
- Date
- 1907-10-04
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 40 Dr Llocv's Mlocbenscvnn. Seite 661 Vermischtes. Jüdisches Museum. Die Sammlungen der Gesellschaft für jüdische Altertümer, II., Praterstraße 23, werden Samstag den 5. Oktober d. I. 11 Uhr vormittags eröffnet. Dieselben bleiben während der ganzen Saison an jedem Samstag und Sonntag von 11 bis 1 Uhr für den allgemeinen Besuch geöffnet. - Wien-Ottakring. Freunde und Verehrer des Herrn I. Kantor Matyas, Bethausbesucher des israelitischen Tempels in Ottakring, haben demselben als Zeichen ihrer Bewunderung und ihres Dankes für seine gesanglichen Leistungen durch eine Deputation, bestehend aus den Herren Rabbiner Dr. Bach, dem Obmanne des Bethausvorstandes Herrn Eduard Politzer, dem Präses der Chewra-Kadischa Herrn S. Weiler, Adolf Hahn und S. S ch i ck l e r, eine prachtvolle goldene Uhr und Kette als Geschenk überreichen lassen. Herr I. Kantor Matyas dankte gerührt für die ehrenden Beweise liebender Anerkennung. Wien. Der Maggid des hiesigen humanitären Bildungs- Vereines „Ledomrs Haddass", Herr Rabbiner Grün, sandte dieses Jahr an Seine Majestät den König Eduard VII. nach Marienbad das Fragment eines literarisch - wissenschaftlichen Werkes nebst einem Huldigungsschreiben, worauf derselbe umgehend folgende Antwort erhielt: Marienbad, den 29. August. Euer Hochwohlgeboren! Im Allerhöchsten Aufträge beehre ich mich, den Empfang Ihres werten Schreibens zu bestätigen und Ihnen den Dank Sr. Majestät höflichst auszusprechen. Hochachtungsvollst Major P o n s o n b y. Wien. Augenarzt Professor Dr. S. Klein ist von seiner Ferieureise zurückgekehrt und hat seine Ordination IX., Mariannengasse 15 wieder ausgenommen. Wien. (Spende.) Für die rumänischen Emigranten sind uns von Herrn Dr. I. König, Wien. XXI., X 10.—, von Herrn Gabriel Dukes, Wien, XXI., K 10.— zugekommen. Jüdische Bergnügrrngs reise nach Palästina. Vom Reisebureau »Tabor", F. A. Grajewski & Co. in Jerusalem veranstaltet. Die Reise beginnt am 15. Oktober 1907 ab Budapest. Das Reiseprogramm ist sehr reichhaltig und die Preise find verhältnismäßig sehr niedrig bemessen. Der in drei Sprachen herausgegebene Prospekt des Reisebureaus „Tabor" enthält nähere Angaben über die Reise. In ihm sind auch Anerkennungsschreiben von Vereinen und Privatpersonen enthalten. Die Reiseroute ist sorgfältig gewählt und lautet: Budapest, Belgrad, Sofia, Adrianopel oder Bukarest-Constanza-Konstantinopel, Dardanellen, Smyrna, Rhodos, Cypern, Beyrut, Libanon, Damaskus, Liberias, Kolonien, Haiffa, Nabulus, Jerusalem, Jericho, Hebron, Mizpah, Kolonien in Judäa, Port- Said, Cairo, Alexandrien, Athen, Budapest. Die Preise stellen sich wie folgt: Für die erste Klaffe K 950.—, für die zweite Klasse K 790.— und für die dritte Klasse K 600.—. In diesen Preisen find die Kosten für die Fahrt, Hotels, Verpflegung, Ausflüge, Entrees und sonstige Reisespesen mitinbegriffen. Anmeldungen wolle man an den Reisemarschall Herrn A. Grajewski, Budapest, „Hotel Royal", richten. Prag. Das verdienstvolle,. langjährige Mitglied der hiesigen Kultusgemeinderepräsentanz Herr kais. Rat Moritz Hahn, Großhändler, Seniorchef der Firma Maier & Hahn, Ehrenpräses des Vereines der Prager Geschäftsreisenden, Gründer und Förderer des Weinberger Mädchen-Waisenhauses, Gründer des Kaiser Franz Joseph- Jubiläums-Hospitales in Karlsbad rc. rc., feierte am 3. Oktober l. I. seinen siebzigsten Geburtstag. Der Genannte, der sich nicht nur durch seinen kaufmännischen Scharfblick, sondern durch ganz besondere Wohltätigkeit und Humanität auszeichnet, hat viele Ehrenstellen inne. Er gilt in Böhmen als der echte und rechte Waisenvater und wird in seinen Intentionen jederzeit von seiner edlen Gattin Ernestine unterstützt. Der Jubilar, der auch ein Freund unseres Blattes ist, entzog sich dem ihm drohenden Gratulationssturme durch eine. Reise nach dem Süden. Königsfeld. Herr Eduard Back feiert am 13. d. M. das Fest der silbernen Hochzeit mit seiner Gattin Marie und gleichzeitig den 25jährigen Bestand seiner Großhandlungsfirma. Aus diesem Anlässe spendete das Ehepaar dem neuen Tempel in Brünn einen Thoramantel. Warschau. Von den Wahlen zur Duma ist bis jetzt bei der jüdischen Bevölkerung nichts zu merken. Die Zionisten haben beschlossen, an den Wahlen keinen Anteil zu nehmen; die Chasfidim haben noch keine Beschlüffe gefaßt, und die Persönlichkeiten, die sonst in der jüdischen Oeffentlichkeit tätig find, verhalten sich diesmal gleichgültig. — Unter Anwesenheit von 25 Delegierten und 11 Mitgliedern des Zentral-Komitees fand hier eine dreitägige Konferenz der Territorialisten statt. Die' Bewegung hat jetzt in Rußland etwa 10.000 Mitglieder in 50 Vereinen. Es wurde beschloffen, „die Regulierung der Emigration" in das Programm aufzunehmen. Das Zentrat- Komitee wurde von Warschau nach Kiew verlegt. Es wurde beschloffen, mit allen Mitteln zu verhindern, daß die Statuten der Jüdischen Kolonialbank geändert werden. In das Zentral- Komitee find gewählt worden: Profeffor Mandelstamm (Vorsitzender), Dr. Jochelmann, Ingenieur Löw, Ingenieur Lipez und Redakteur Paperin vom Jewreskaja Golos. Feuilleton. kud wir im Golrrs."*) Reminiszenzen aus der guten, alten Zeit von Hermann L ö w i n g e r. Wenn ich mich so in meine früheste Jugendzeit zurückversetze, die ich wie auch meine reiferen Lebensjahre in der alten Judengasse zu Preßburg verlebt habe, so tauchen in mir nebst so manchen angenehmen Lebensreminiszenzen auch die Erinnerungen an viele unliebsame, ja peinliche Episoden auf, welch letztere geeignet waren, mein jugendliches Gemüt schon frühzeitig zu umdüstern und zu verbittern. Man spricht immer von der „guten, alten Zeit", doch meines Erachtens mit Unrecht; wir möchten dieses Lob ein wenig einschränken und nur in Bezug auf die übergroße Anspruchslosigkeit und Genügsamkeit unserer Altvordern in allen Phasen ihres Lebens, bei uns Juden speziell, auf einer gewiffen, zeitweiligen Resignation, ohne aber die Hoffnung auf ein Befferwerden in einer späteren Zeit gänzlich aufzugeben, gelten lassen. Dieses stille Ergeben in das momentan Unabänderliche wappnete sie gegen alle Unbill, alle Zurücksetzungen seitens der sie umgebenden Menschen, welche sie geduldig ertrugen im festen Vertrauen auf Gott, daß er Israel doch einmal von allen diesen Uebeln erlösen werde, so wie er es einst aus dem egyptischen Sklavenjoche befreit hatte. Doch, wie gesagt, gut war die alte Zeit nicht für uns Juden, eher das Gegenteil. Wann bekamen wir Juden schwerer und empfindlicher das Golus zu verspüren als in der sogenannten guten, alten Zeit?! Wann gab es bedrückendere Ausuahmsgesetze für die Bekenner des jüdischen Glaubens, als in der obenbezeichneten Zeitperiode?! Selbst nach Beginn der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, nachdem kurz zuvor im Jahre 1848 die eisernen Tore des Judenghettos, also auch die des Preßburger Judenghettos, gefallen waren, als im Weltensturme der *) Exil.