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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-10-04 · 40 (4.10.1907) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
40 (4.10.1907)
Date
1907-10-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 660 Or. Lloch's WmtzenjchrM. Nr. 40 monumentalen Tempels gespendet. Da jedoch einerseits die Gemeinde nicht genügende Mittel besitzt, um einen monumentalen Tempel aufzuführen, andererseits ein solcher in der Leopoldstadt, wo die Zahl der Israeliten eher abgenommen hat, auch keine Bedeutung hat, so wird dieses Projekt fallen gelassen. Statt dessen will die Kultusgemeinde zwei kleinere Tempel bauen, einen in der Balatongasse (V. Bezirk) und einen nächst dem Militärspital in der Franzstadt. Der von der Hauptstadt gespendete Grund hat heute einen Wert von zirka zwei Millionen Kronen. Die Kultusgemeinde will nun — wie „Egyenlöseg" meldet — der Kommune den Antrag stellen, sie möge diesen Grund zurücknehmen und ihr dafür je einen Grund in der Balatongaffe und in der Nähe des erwähnten Militärspitals überlasten, ferner möge die Kommune den durch die Eröffnung der WeMtznyigaffe gewonnenen leeren Grund nicht bebauen, sondern parkieren lasten. Die Kommune würde bei diesem Geschäfte nur gewinnen. (Inzwischen hat jedoch die Kommune bereits die Parzellierung und Bebauung des Wesselonyigassen- Grundstückes beschloffen.) Der Ausschuß der Pester israelitischen Kultusgemeinde hat das erwähnte, vom Präsidenten Hofrat Dr. Philipp W e i m a n n befürwortete Projekt angenommen und wird die nötigen Schritte zur Durchführung desselben unternehmen. — Der hauptstädtische Magistrat hat heute beschloffen, zu beantragen, daß die Kommune für den neuen Ofner israelitischen Tempel 100.000 Kronen, für den in Steinbruch zu errichtenden 30.000 Kronen bewillige. — Was das in Pest zu errichtende israelitische Gymnasium betrifft, so find Schwierigkeiten aüfgetaucht, und zwar nicht seitens des Unterrichtsministeriums, sondern seitens der Erben eines der Stifter. Für das Gymnasium hat weil. Anton v. Freystädtler zirka 1,500.000 Kronen hinterlasten mit der Bedingung, daß das Gymnasium seinen Namen führe. Da dieser Betrag indeß für die Errichtung und Erhaltung des Gymnasiums nicht genügt, so hat die Gemeinde beschloffen, die ähnlichen Legate Alexander Wahrmann's und Salomon Taub's — zusammen eine Million Kronen —mit derFreystädtler'schen Stiftung zu vereinigen. Die Erben Wahrmann's haben nun gegen diese Vereinigung der Stiftungen, beziehungsweise dagegen protestiert, daß das Gymnasium nur nach Freystädtler benannt werde. Man hofft indeß, daß diese Schwierigkeiten ehestens behoben werden, und dann soll sofort an die Errichtung des Gymnasiums geschritten werden, zu deffen Erhaltung die Gemeinde ihrerseits 10.000 Kronen jährlich beitragen will; auch rechnet sie auf eine ministerielle Subvention. Prag. Die „Talmud-Thora", das ist die Religionsschule der Prager israelitischen Kultusgemeinde, blickt mit Genugtuung auf ihr erfolgreiches Wirken im abgelaufenen Schuljahre 1906/07 zurück. Die aus Anlaß ihres 50jährigen Bestehens durchgeführte Reorganisation der Anstalt hat sich ausgezeichnet bewährt. Durch den neuen Lehrplan, in welchem alle Disziplinen, deren Kenntnis dem gebildeten Juden von Wert und Wichtigkeit ist, in entsprechendem Maße berücksichtigt sind, ist die Schule zu einer allen Anforderungen entsprechenden Bildungsstätte für die jüdische Jugend umgestaltet worden. Wohltuend empfanden die Schüler die neue Einteilung der Unterrichtsstunden, durch welche sie an Tagen, an denen sie von der öffentlichen Schule in 'Anspruch genommen waren, von jeder Ueberbürduug seitens der Religionsschule nach Möglichkeit verschont blieben; um so lebhafter war ihr Jntereffe an den Lehrgegenständen und umso größer ihr Eifer, wenn sie sich an schulfreien Tagen zu ernster Arbeit in der „Talmud-Thora" einfanden. Die Schülerzahl betrug 400 und übertraf diejenige des Vorjahres um etwa hundert; hievon besuchten zirka 100 Schüler die am Wenzelsplatz Nr. 26 errichteten Parallelklaffen, die in entsprechender Weise weiter ausgebaut wurden. Der Schulbesuch war und blieb bis zum Schulschluß durchaus regelmäßig. Außer dem Direktor haben acht Lehrer ihre beste Kraft der Anstalt gewidmet, und sie werden auch in Zukunft bestrebt sein, in harmonischem Zusammenwirken der hohen und heiligen Aufgabe zu dienen, die sie sich im Leben gestellt, die Mische Jugend dem Judentume zu erziehen und das Ansehen der altehrwürdigen Anstalt immer mehr zu erhöhen. König Eduard und das Bersöhrrungsfeft. König Eduard VII. hat oft gezeigt, daß Vorurteile der Rasse und der Abstammung ihm fremd sind. Als Prinz von Wales war er, wie man weiß, mit dem Baron James Hirsch intim befreundet und auch nach seiner Thronbesteigung ist er in nahem persönlichen Verkehr mit nichtchristlichen Mitgliedern der internationalen Hochfinanz geblieben. Erst in diesem Sommer war er wieder Gast des Lord Rothschild. Mit Sir Ernest Josef Cassel, der vom Kommis zum vielfachen Millionär heraufdiente, konnte man den König in Biarritz im freundschaftlichsten Umgänge sehen und während der letzten Tage folgte er einer Einladung des Herrn Arthur Abraham David S a s s o o n zur Hühnerjagd nach dessen prächtigem, schottischen Landsitze Tulchan Lodge. Die Jagdgesellschaft, die der König, wie er es immer tut, selbst vorher bestimmt hatte, war nur eine kleine und es gehörte, wie nebenbei bemerkt sein mag, zu ihr auch diesmal die schöne Mrs. George Keppel, die überallhin eingeladen wird, wo man den König erwartet. Nun traf es sich, daß in den Aufenthalt des Königs Eduard in Tulchan Lodge der höchste israelitische Feiertag, das Versöhnungsfest, fiel. Die Sassoon, die ihr Vermögen in Indien ge- ' macht haben und erst vor einigen Jahrzehnten nach England kamen, sind sehr strenggläubige Anhänger ihres angestammten Glaubens. So wurde in Tulchan Lodge genau nach der Vorschrift des feine Achtung vor der Religion seines Wirtes, indem auf seinen ausdrücklichen Wunsch an diesem Tage auch für ihn und seine Umgebung die Jagd ausfiel. Die Kolonien der Jewish Colonisation Association. Herr Narcisse Leven, der Präsident der „Jca", hat in der letzten Generalversammlung über die Tätigkeit der „Jca" eine bemerkenswerte Rede gehalten, die über die landwirtschaftlichen Unternehmungen der Gesellschaft sehr interessante Ausführungen enthält. Zunächst berichtete er über die Kolonien in Argentinien. Nachdem die Kolonisten mit Getreidebau begonnen und damit infolge Wetterungünst und Heuschreckenplage Fehlschläge erlebt hatten, sind sie allmählich dazu übergegangen, außer dem Feldbau noch einige etwas weniger vom Wetter abhängige Erwerbszweige zu treiben: Viehzucht, Geflügelzucht, Milchwirtschaft, Luzernkleeanbau. Dann haben sie ihre Erfahrungen zur Verbesserung der Feldwirtschaft angewendet, so daß sie heute auf festen Füßen stehen und ihr Lebensunterhalt gesichert ist. Wie immer die Schwankungen und Zufälle des Landbaues auch fein mögen, die Ansiedler gewinnen aus ihrer Arbeit nicht nur ihre Subsistenzmittel, sondern auch die Möglichkeit, ihre Schulden an unsere Gesellschaft abzuzahlen. Die Kolonie Moiseville liefert gerade jetzt einen bemerkenswerten Beweis: Die beiden letzten Jahre sind für den Getreidebau sehr ungünstig gewesen und die vor einigen Monaten zur Erntezeit an uns gelangten Meldungen lauteten ebenfalls sehr beunruhigend. Aber dank der verschiedenen Zweige ihres Betriebes haben die Ansiedler trotzdem das zu ihrem Leben Nötige gewonnen und noch eine Jahresabzahlung von ungefähr 110.000 Francs an die „Jca" leisten können. Die wirtschaftliche Lage schwankt natürlich je nach den Kolonien und auch nach den verschiedenen Ansiedlern selbst. Einigen von ihnen geht es sehr gut (man nennt in Mauricio mehrere Kolonisten, die in diesem Jahre von ihren Luzernklee-Feldern über 30.000 Franks Einnahme hatten), andere sind weniger günstig gestellt. Im allgemeinen aber herrscht zur Zeit Wohlstand in den Kolonien. Die Ansiedler leben gut und zahlen von Jahr zu Jahr größere Summen ab. Die Kolonien in Palästina stehen jetzt ebenfalls günstiger. Das Land ist gut, die Erde fruchtbar und die Ansiedler haben genügend Land und entsprechende Ausrüstung bekommen, um sich ohne weitere Unterstützung durchzubringen. Der größte Teil der von der Gesellschaft bestellten Verwalter wurde entlassen, die Kolonien verwalten sich selbst und die Kolonisten arbeiten ernsthaft.

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