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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-10-04 · 40 (4.10.1907) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
40 (4.10.1907)
Date
1907-10-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Sir. 40 L)r. Llocv's Mocbenacbrtn, Sette 659 Arbeit zu leisten, so muß durch sogenannte Bibelschulen ausgeholfen werden. Wer den Tempel will, der muß auch für den Unterricht sein. Es fehlt angeblich an Mitteln! Stiftungen, Muttergemeinde, Rabbinat, alles muß zusammengreifen, um zu helfen. Der leere Tempel am Szukaus zeigt die Verheerung, die die Zeit in unserem nationalen Leben angerichtet hat. Stundenlanger Gottesdienst! Auch hier muß Wandel geschaffen werden, ohne Wesentliches Preiszugeben. Die Piutim haben bereits eine Einschränkung erfahren, die Predigt befleißigt sich der knappesten Darstellung, aber die Rezitationen der Kantoren nehmen noch immer zuviel Zeit in Anspruch. Bei aller Anerkennung der gediegenen, künstlerischen Leistungen der Kantoren muß das Verlangen gestellt werden, das Rezitativ flotter zu gestalten, Wiederholungen, unnützes Dehnen und Strecken der Silben und Wörter muß entfallen und dadurch Zeit gewonnen werden. Füllet den Tempel! Das ist eine dringende Aufgabe, die Studium verlangt; Männer von Schrot und Korn mögen sich in den Vertretungen finden, die an die befriedigende Lösung dieser Aufgabe herantreten. Reflexionen. So die jüdischen Fest- und Feiertage ins Land kommen, werden in uns, die wir der guten alten Zeit entsprossen, allerlei beseligende Erinnerungen wach, die uns zurückversetzen in das ehemalige Paradies unserer goldenen Jugendzeit. Eine himmlische Welt von Bildern, Handlungen und Werken eröffnet sich unserem geistigen Auge, und wir fühlen uns wieder verjüngt und rufen wehmütigen Herzens aus: Ach, wie schön und sonnig waren die Tage, die wir einst im Elternhause mit Vater, Mutter und Geschwistern an den Jomtowim verlebt haben! Mit voller Ungeduld zählten wir Monate. Wochen und Tage bis zu den Festtagen und freuten uns unsäglich beim Eintritt derselben. Bei allen Vorbereitungen auf viese mußten wir dabei sein und unsere geschäftige Hand im Spiele haben: Beim Backen der Mazzes. beim Verbrennen des Chamez, beim Käschern der Speisegeräte, beim Auspacken der geblümten Schalen und Teller, die in den Pessachtagen verwendet wurden und die, in einer Kiste verpackt, durch ein volles Jahr auf dem Boden ruhten. Ja, bei keiner zeremoniellen Handlung konnten und durften wir fehlen. Welche große Anziehungskraft hatte für uns Kinder der Sederabend, so wir um den reich geschmückten Tisch in festlich gehobener Stimmung saßen und aus der Hagadah lasen! — Da ruhte der Himmel mit seiner Glückseligkeit über der Familie und erzeugte eine göttlich gehobene Stimmung, die nur wahre Frömmigkeit und ein festes Gottvertrauen hervorbringen können. Um ein solches Fest würdig begehen zu können, wurden in ärmeren Familien allwöchentlich einige Spargroschen beiseite gelegt. Nebst dem Pessach brachte uns Kindern das Sukkot- und mit diesem das Simchasthorafest die größten Freuden: Das Aufstellen der Sukkot und die Ausschmückung derselben mit einem Kranz von Hagebutten, versilberten Nüssen und Aepfeln, Bildern n. dgl. m. machte uns überaus glücklich. Nach den Satzungen der Thora aßen, ja wohnten wir förmlich in derselben, und eine große geschichtliche Erinnerung offenbarte sich uns hier. Das Simchasthorafest — mit Recht das Freudenfest der Kinderwelt genannt — war für uns von bezaubernder Wirkung, so wir, mit Wachskerzchen und bunten Fahnen versehen, hinter der Thora stolz einhergingen. Von einem der ehrwürdigsten alten Männer zur Thora geleitet, sprachen wir laut den uns vorgefagten Segensspruch. Diese und noch viele andere Ereignisse und Bilder prägten sich tief in das kindliche Herz und Gemüt ein, und keine Zeit war und ist imstande, dieselben zu verdrängen nrd zu verwischen. Das war der beste, natürlichste und anschaulichste Religionsunterricht, wodurch das jüdische Kind vormals in den Geist des Judentums und deffen glorreiche Geschichte eingeführt wurde. Das war auch nach den besten und bewährten Begriffen des pädagogischen Grundsatzes, daß „Nachmachen nur vom Vormachen herkommt." Verba äoeent, exempla trabuut. „Worte lehren. Beispiele zünden". Dort, woselbst das belebende Beispiel der Eltern fehlt, mangelt es an der Sonne, die das Herz des Kindes erwärmen und deffen Geist erleuchten soll. Die Kinder schauen allezeit auf ihre Führer und Leiter hinauf und verlangen von diesen die Bahn vorgezeichnet, die sie wandeln sollen. Wie schaut es aber heutzutage vielfach in den jüdischen Häusern aus? Nicht erbaulich, häufig traurig. Daselbst, wo einst ein strenggläubiger Sinn für das Judentum und wahre Frömmigkeit eine vererbte Domäne von Urgroßvater, Großvater und Vater war, ist häufig keine Spur zu finden. Mit diesen ist auch den Kindern der Gegenwart eine ganze Poesie des einstigen religiösen Lebens v rloren gegangen. Sie kennen dasselbe entweder nicht öder lernen es nur mühsam, oberflächlich in dem wöchentlich zweistündigen Religionsunterrichte aus theoretischen Darlegungen. Dies ist nur einem Leibe gleich, dem die Seele, der Geist fehlt. Und daher lodert oder glimmt die schwache Flamme der Begeisterung für das Judentum im Kinde nur so lange, als es einen Religionsunterricht genießt. Eine Fortsetzung und eine Belebung des religiösen Gedankens findet das Kind nicht immer im Elternhause. Die ehemaligen zahlreichen, blühenden, jüdischen Gemeinden, die eine Stätte wahrer Frömmigkeit und eine Schule des gründlichen Wissens unserer Thora und des Talmud bildeten, sind vielfach auf dem Aussterbeetat. Auf meiner diesjährigen Ferialreise besuchte ich einige Killes in Mähren. Was sah und hörte ich daselbst? Wo ehemals 200, 150 oder 100 jüdische Familien lebten, sind kaum 20— 30 anzutreffen. Die Bemittelten und Reichen find in die Stadt gezogen, und nur die Aermeren und Aermsten find zurückgeblieben, die nicht imstande sind, Rabbiner und Kantor zu erhalten. Aus Mangel an Minjan kann nur am Samstag in den verlassenen Tempeln gebetet werden. Die ehemaligen stark besuchten 4- oder 3-klaffigen Volksschulen existieren nicht mehr. Die noch vorhandenen 6—8 jüdischen Kinder müssen nun christliche Schulen besuchen. Das find krine erbaulichen Zustände und Verhältnisse! Als einst, wie bekannt. Rabbi Jochanan ben Sakai durch eine List aus dem Weichbilde der belagerten Stadt Jerusalem zu Vespafian entfloh, bat er diesen nicht um Verschonung der Stadt und des Tempels, sondern einzig allein nur um die der „Schule". Sein hell- - leuchtender Geist sah voraus, daß nur in derselben und durch sie das Judentum mit seiner Lehre, Geschichte und Tradition zu retten und zu erhalten sei. Ja, in der geistigen Rüstkammer wird die Jugend mit den Waffen des Wissens, des Gottvertrauens, der Hoffnung, des Trostes, des Mutes und der Stärke für ihren. Lebensweg ausgerüstet. Eltern, wollet ihr eure Kinder beglücken — welche Eltern wünschen das nicht — so beraubet sie nicht ihrer stärksten Waffen und Stützen und fördert die Bestrebungen des jüdischen Religionsunterrichtes! Josef F r i e d l, Oberlehrer. Sydney. Die jüdische Bevölkerung von Australien verteilt sich hauptsächlich auf die Städte. In den größeren Städten gibt es jüdische Gemeinden. Auf dem Lande dagegen find der jüdischen Bewohner nur verhältnismäßig wenige. Nach der Zählung von 1901 hatte Sydney 5137 jüdische Einwohner bei einer Gesamtzahl von 6447 in Neusüdwales. Melbourne 5907 für ganz Viktoria; Brisbane 488 bei 733 in ganz Queensland; Adelaide 452 bei einer Gesamtzahl von 786 in Südaustralien; Perth 632 bei im ganzen 1259 in Westaustralien; Die jüdische Bevölkerung Australiens ist seit dieser letzten Zählung nicht wesentlich gewachsen. — In Neuseeland find kürzlich die Ergebnisse der letzten Volkszählung von 1906 veröffentlich worden. Danach hat die Kolonie 982 männliche und 885 weibliche jüdische Bewohner; das find nur 0°21 vom Hundert der Gesamtbevölkerung. Während der vorhergehenden fünf Jahre hat die jüdische Bevölkerung Neuseelands um 286 Personen zugenommen; diese Zunahme entspricht der Gesamtbevölkerung. Die Hauptgemeinden find Auckland mit 344, Wellington mit 521, Christchurach mit 152 und Dnnedin mtt 251 Seelen. Die Juden und die Laudtagswahlresorm. Lemberg. Am 2. Oktober fand hier unter Vorsitz des Advokaten Dr. Zipper eine von der jüdischnationalen Parteileitung einberufene Versammlung statt, in der die Landtagswahlreform in Galizien erörtert wurde. Die Versammlung nahm eine Resolution an, in der sie sich für das allgemeine, gleiche Landtagswahlrecht auf Grund eines nationalen Katasters für das polnische, ruthenische und jüdische Volk ausspricht. Zur selben Zeit fanden auf Veranlassung der jüdischnationalen Parteileitung in etwa 50 galizischen Städten Versammlungen der jüdischen Wählerschaft statt, die mit der obigen identische Resolutionen annahmen. Landmarschall Graf Badeni erhielt etwa 50 Telegramme, in denen ihm die in den jüdischen Meetings gefaßten Entschließungen zur Kenntnis gebracht wurden. Israelitischer Tempel und israelitisches Gymnasium in Budapest. Bekanntlich hat die Hauptstadt schon vor Jahren der Pester iftaelitischen Kultusgemeinde in der Leopoldstadt hinter dem Gerichtsgebäude einen großen Grund zur Errichtung eines

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