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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-10-04 · 40 (4.10.1907) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
40 (4.10.1907)
Date
1907-10-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 652 Dr. Elocvs Mocdenscvrrn. Nr. 40 lichen Sensenmanne gefällten Vizepräsidenten, der ein Fürst war im Reiche der Gedanken und Ideen, der, um die Sprache Ibsens zu reden, ein freier, froher Adelsmensch, ein Bürger des dritten Reiches war, uns zum Segen sein! Möge sein Genius den nicht rastenden noch rostenden Verein, der die Abwehr des Antisemitismus auf sein Panier geschrieben, zum endlichen Siege führen! Wir werden unseres verewigten Vizepräsidenten nie vergessen, „Denn hinter ihm in wesenlosem Scheine Lag, was uns alle bändigt, das Gemeine." (Rauschender Beifall. Der Vorsitzende, Vizepräsident Hohensinnerdankt in bewegten Worten dem Vortragenden.) Der Komödie zweiter Teil. ii. lieber die Untersuchungskomödie, welche die Lemberger Statthalterei gegen die Beamten in Belz und Sokal veranstaltet hat, wird uns geschrieben: Wie Sie bereits gemeldet haben, traf am 19. d. M. Statthaltereirat Kadi aus Lemberg hier ein, um eine Untersuchung gegen den sauberen Regierungskommissär Wladislaw Smolen einzuleiten, dem .zur Last gelegt wird, daß er sich während der Wahlzeit schwere Delikte habe zuschulden kommen lassen. Es wurde eine Anzahl von Zeugen vernommen. Die Vorladungen, die den Zeugen zugestellt wurden, gingen vom Gemeindeamte aus und waren mit der Unterschrift des „Angeklagten" Smolen bekrönt, als ob dieser nicht die Stellung eines Angeklagten, sondern die eines Richters einnehmen sollte. Auch dem Zeugenverhöre wohnte er bei, als ob er nicht mit dem Angeklagten Smolen identisch wäre, als ob er die Kläger richten sollte, Wahrlich! Eine Tragikomödie. . . . Und man kann sich leicht vorstellen, was für einen Eindruck dies auf die zu vernehmenden Zeugen machen mußte, wenn man bedenkt, daß in einem galizischen Provinzstädtchen jedermann der Willkür des alleinherrschenden Paschas ausgesetzt ist. ... Als Herr Dr. Frostig dem untersuchenden Statthaltereirate Herrn Sender Edelmann als Zeugen angab, daß er vom Wachmanne nicht in die Wohnung gelassen wurde, da wurde Smolen wütend und schrie ihn an, als wollte er den Zeugen bereden, wahrscheinlich, um ihn einzuschüchtern, wurde aber von Dr. Frostig zurückgewiesen. Dieser legte auch Protest ein gegen das widerrechtliche Eingreifen und die Anwesenheit Smolens. Es wurden hierauf vernommen unter Anderen: Markus und Bernhard Hüttner, Samuel Selzer, Josel Folkes, Josef Falk und Eisik Mechel Krieger. Me bestätigten vollinhaltlich den Wortlaut der Anklage. Herrn Smolen war bange, weil die Zeugenaussage nicht zu seinen Gunsten ausgefallen war. Besonders scheinen ihm die Aussagen der 18jährigen Josef Falk und Eisik Mechel Krieger, die auf seinen Befehl hin vor der Wahl verhaftet worden waren, zu Herzen gegangen zu sein. Denn er ließ bald die Väter letztgenannter Zeugen rufen und zwang ihnen die Erklärung ab, daß sie aus eigenen Stücken die Verhaftung ihrer Söhne veranlaßt hätten .... Angeblich, weil sie unruhig waren .... Dieser politische Kniff, der am schärfsten durch den Ausdruck „galizisch" charakterisiert ist, verdient wohl besondere Aufmerksamkeit. Und das umsomehr, als viele Zeugen beteuern, daß die Väter Markus Krieger und Wolf Falk bei der Verhaftung ihrer Söhne darüber höchst empört waren, indem sie erklärten, chre Söhne hätten sich beständig ruhig verhalten und sie — die Väter — wüßten nicht, weßhalb man sie hätte arretieren laffen. Herr Markus Krieger veranlaßte sogar, daß die Herren Dr. Bloch und Dr. Frostig wegen der widerrechtlichen Verhaftung seines Sohnes beim Minister telegraphisch Beschwerde geführt haben. Charakteristisch ist es auch für das Fragesystem des Herrn Statthaltereirates Kadi, baß Zeugen in Belz über Tatsachen, die in Krystinopol und Sokal geschehen waren, befragt wurden, damit Der Untersuchungskommissär aus negative Aussagen verweisen kann. So wurden die Herren Dr. Frostig und Hüttner darüber befragt, ob vom Bezirkshauptmann Szwedzycki in Krystinopol 250 Wähler aus der Liste gestrichen worden seien, oder ob der Bezirkshauptmann in Sokal mit Einsperren gedroht habe. Der Zeuge Selzer wurde nicht über die ihm weggenommene Schankkonzession, sondern ob bedruckte Stimmzettel in den Dörfern, verteilt worden, gefragt. Viele überaus wichtige Zeugen wurden überhaupt nicht vorgeladen. So z. B. wurde der Uhrmacher Altmann, dessen Laden vor der Wahl durch Smolen gesperrt wurde, und die Witwe Krochmal, der die Schankkonzession weggenommen wurde, nicht vorgeladen. Vergeffen wurde, daß die Herren Markus Krieger, Schulim Lasser, Jontef Kessel und Nachemie Weniger von der Polizei zum oppositionellen Kandidaten Dr. Bloch nicht hineingelaffen wurden. Was aber sagen die Wiener „Exzellenzen", die Herren Minister, zu solcher Komödie? Lxevtator. Hofmokl. Ueber unsere Nervenbahnen, rasselte jetzt ein Prozeß voll dramatischer Sensationen. Das Menschenschicksal, von den Schultern eines Verbrechers getragen, erschien uns plötzlich wichtig und aufregend und mit höchster Spannung verfolgten wir das Los des Blecha, dessen Namen das Blut des verscharrten Leipzigers Hartmann zum Himmel schrie. Der Spruch der Geschwornen ist gefallen, aber das Gewissen konnte unmöglich die Ruhe der Gewißheit verlaugen. Nur das Gefühl konnte entscheiden, -wer Haupt-'' schuldiger jener Morduacht im Zimmer der taubstummen Vermieterin war, wer nur der Mitschuldige. Und eine Wissenschaft, die so jähe Wandlungen, so viele Unstimmigkeiten hinter sich hat wie die Jrrenpflege, kann für das Vertrauen des Laien nicht restlos die Frage beantworten, ob Blecha diesseits oder jenseits der Grenze zwischen Vernunft und Wahnsinn war und ist, namentlich nachdem sein Jrrsinn ihr Irrtum gewesen sein soll. Es war eine Gelegenheit für einen Verteidiger, eine Heldenschlacht mit dem Staatsanwalt um die Geschwornen zu schlagen. Hofmann, den traurigen Helden des Trauerspieles mit eisernem Griff zu entlarven, . ihn im Netze des Kreuzverhörs einzufangen und unschädlich zu machen, zu beweisen, daß er den ehemaligen Freund kaltblütig hinschlachte. um ein paar Jahre der eigenen Freiheit — vielleicht! zurückzugewinnen. Jeder tüchtige Anwalt dieses merkwürdigen Blecha hätte mit einem Schlag berühmt werden können, Dazu hätte er nur Töne aus dem Herzen finden, mit Bändigerworten die Menschlichkeit als Beihelfer, die empörte Gerechtigkeit als Herold herbeirufen müssen. Die ganze Verteidigung schrie nach — Doktor Siegmund Hofmokl. Dieser führte sie. Auf welche Weise, wäre uns im Allgemeinen ganz gleichgiltig. Auch seine Person ist uns. Wurst bis aus die Knochen und . wenn er tausend. Jahre alt würde. Vielen anderen wahrscheinlich auch, . die der farblosen Mittelmäßigkeit keine Reize abgewinnen können. Das gerade aber kränkt den Dr. Hofmokl. Er will bekannt werden um jeden Preise Und er bemüht sich darum, wie er. halt kann, verzweifelt. Diesen Willen teilt er mit sehr vielen Leuten, denen zur Ausführung ihrer Absicht eine Kleinigkeit fehlt: das Können. .Aber für Geist und Kraft ■; gibt es einen Ersatz, um eigenen Ruhm zu erwerben, das : ist die Originalität. Herostratus im Altertum zündete den schönsten Tempel an, Graf Sternberg in der Neuzeit nennt , einen bekannten General einen Hömorrhoidarius. .Herr Dr. Hofmokl versucht es mit Scherzen und nun muß man ihn zur

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