Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 39 (27.9.1907)
- Date
- 1907-09-27
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021710-3021750--16717-3041553- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 646 Dr. Lioeb's MocbenscbrM. Nr. 39 ganzen Affaire vor Engel nichts wissen zu machen, weil er, wie er meinte, ihm den Naches 18) nicht antun wollte, ihm zu zeigen, haß er sich ärgere. Doch die Rioth 19), die er Engel bei seiner Promenade vor seinem Geschäfte zuwarf, waren nichts weniger als freundliche. Auf die Chol-Hamoed-Gäste, die an allem Unheil die Schuld trugen, waren weder Eisig Blau, der gewiß genügend Grund dazu hatte, noch Baruch Engel gut zu sprechen, da auch Letzterer den Verlust des Geldes für die Beherbergung und Bewirtung der Gäste Blaus nicht verschmerzen konnte. Es ist. ihm auch die Lust vergangen, seinen Nachbar Blau fernerhin zu chikanieren und irgend einen Possen zu spielen. Literat»». „Die Poesie des Alten Testaments" von Professor Dr. Eduard König, eine 160 Oktavseiten umfassende Schrift, ist soeben in dem bekannten Verlag Quelle und Meyer, Leipzig, erschienen und reiht sich würdig den bisher von dieser Verlagshandlung veröffentlichten „Einzeldarstellungen aus allen Gebieten des Wiffens" würdig an. Nicht jeder Schriftsteller unserer Tage beurteilt unser altehrwürdiges Schrifttum so objektiv und vorurteilslos wie der Verfaffer vorliegender Schrift. So schreibt er z. B. Seite 36, nachdem einige markante Sätze angeführt, um die geistige Höhe der althebräischen Schrift zu zeigen: „Die Feinheit des Mitgefühls mit dem Schicksal der Anderen und naturgemäß hauptsächlich dem Lebensgange der Armen und Elenden aller Art, die gegenüber den babylonischen Harnmurabi-Gesetzen schon in den ältesten Gesetzesschichten der Hebräer zutage tritt, diese bemerkenswerte Höhe der Humanität hat auch in der Poesie der Hebräer ihren mannigfaltigen Reflex gefunden." Und Seite 41 heißt es: „Welcher Glanzpunkt in der inhaltlichen Eigenart der althebräischen Dichtung. Daß sie von der Idee , eines welterhabenen,.. von .Kosmogonie und Theogonie unabhängigen Gottesgeistes durchströmt ist! Dadurch ragt diese Poesie ja auch über die Dichtungen Homers und Hesiods und anderer Autoren des Altertums empor. Ebenso großartig aber, wie der Grundakkord über diese Idee von dem vor der Welt existierenden und ihr souverän gegenüberstehenden Gottesgeiste, ist auch ihre Einzeldarstellung in der althebräischen Poesie. Denn so sehr der hebräische Dichter in der Lebendigkeit seiner Auffassung die Personifikation der- Natur übt und z. B. vom Jubel der Himmelssphären und vom Frohlocken der Wasserströme spricht (Ps. 96, 11; 98 8), kennt er doch nicht eine Naturbeseelung, geschweige denn eine Mythologisierung der Naturprozefle." Wollten wir alle Stellen anführen, die uns besonders ausprechen und Zeugnis von des Verfassers Begeisterung für das hebräische Schrifttum oblegen, müßten wir beinahe den halben Inhalt des Buches abschreiben. . . . Aber mit gutem Gewissen können wir Freunden und Kennern der althebräischen Literatur daß neueste Werk des Herrn Professor Dr. E. K ö n i g aufs beste empfehlen und find überzeugt, daß uns die Leser dankbar sein werden, sie auf dasselbe aufmerksam gemacht zu haben. M. St. David und sein Zeitalter. Von Prof. Dr. B. Baentsch (Wissenschaft und Bildung, Einzeldarstellungen aus allen Gebieten des Wiffens. Nr. 16.) 176 Seiten. Geheftet M. 1.—, gebunden M. 1.25. Verlag von Quelle L Meyer in Leipzig. 1907. Der Versuch. König David und sein Zeitalter vor den Augen deS modernen Menschen wieder lebendig werden zu lassen, bedarf, wie der Verfaffer eiuleitungswcise sehr richtig bemerkt, keiner besonderen Rechtfertigung. Gehört David doch zu den Größten unter den Großen und fasziniert er doch seine Zeitgenoffen, wie später etwa Alexander der Große. Ohne ihn ist die ga?"e folgende Geschichte Israels, vor allem die Geschichte seiner .'aion, nicht denkbar. Bis in das Christentum hinein verfolgen wir .X. Spuren seiner mächtigen Peri8) Das Vergnügen. '») Blicke. sönlichkeit. Seine Regierung hat eine schlechthin grundlegende Bedeutung. All dies wird erst so recht bei der Lektüre dieses höchst empfehlenswerten, zum Teil direkt spannenden Büchleins klar. Nicht nur Davids eigenartige Wirksamkeit als Regent, Kriegsmann und Politiker lernen wir hier kennen, sondern wir werden zugleich in großzügiger Weise in die Geschichte und Kultur des damaligen Orients eingcsührt und vermögen erst durch diese Perspektive die weltgeschichtliche Bedeutung Davids ganz zu würdigen. Ein besonderer Vorzug der Darstellung aber ist es, daß sie stets von den Quellen, in erster Linie also von der Bibel, ausgeht und den Leser lehrt, aus der Ueberlieferung ein einheitliches, historisch wahres, stets lebensvolles Bild dieses großen Mannes zu gewinnen. Die Wiener Quartiere des Elends und Verbrechens. Der unter diesem Titel bisher fast dreihundertmal in der Wiener „Urania" zur Aufführung gelangte aufsehenerregende Vortrag, dessen Autor bekanntlich der junge Wiener Schriftsteller Emil Kläger ist, wurde durch die Wiener Polizeizensur in seinen wichtigsten Enthüllungen gehindert, wobei der Wiener Gemeinderat, der seinen Einfluß auf die „Urania" geltend machte, diesem Verbote Nachdruck verlieh. Dieser Einfluß vermochte auch zu erwirken, die Aufführung der „Quartiere", die wie in Wien so auch in der gesamten österreichischen Provinz das nachhaltigste Interesse wachriefen, zu Hintertreiben, so daß die ..Urania" sich verpflichten mußte, außerhalb Wiens keine Vorstellungen zu veranstalten. Nunmehr werden die erschütternden Szenen aus den Tiefen der Großstadt, die nur in einem Auszuge in dem Vortrage figurieren, in den nächsten Wochen im Verlage Karl M i t s ch k e (Wien XIV., Schweglerstraße 30) in Buchform erscheinen, wobei nicht nur alle jenen Stellen, die dem Zensnrverbote zum Opfer gefallen sind, sowie sämtliche in künstlerischer Weise reproduzierten photographischen Aufnahmen, die von dem bekannten Wiener Richter Hermann D r a w e herrühren, Raum finden werden, sondern auch die Erlebnisse der Nächte, die der Schriftsteller und der Richter in den verborgensten Schlupfwinkeln unter den Verlorenen zugebracht hatten, in schonungsloser und ausführlicher Darstellung behandelt werden. Dem Erscheinen deS Werkes, das die ersten authentischen Dokumente aus den Abgründen des Wiener Großstadtlebens enthält, wird mit Spannung entgegengesehen. Briefkasten. A. S. Die verstorbenen Oberrabbiner Dr. Ad. Jellinek in Wien und Rabbiner Dr. M. I o e l in Breslau habest auch am Jom-Kippur nur einen schwarzen Talar getragen. Der Herausgeber dieses Blattes Dr. Bloch hat als Rabbiner in früheren Jghren ebenfalls am Jom-Kippur einen schwarzen Talar angelegt. N. in G. Wir kennen den Herrn Rabbiner Dr. P. aus P. seit vielen Jahren als einen sehr bedeutenden jüdischen Theologen. Vilimar Polak, Kgl. Weinberge. Nur die Abonnenten des „Prager Tagblatt" können Einspruch erheben und sich gegen solche Haltung des Blattes verwahren. K. Ueber das Wunder „Jona" wollen Sie nur nicht spotten. In einer geographischen Zeitschrift veröffentlicht der Naturforscher P. C o u r b e t folgende Mitteilung: „Als unlängst in Gegenwart des Fürsten von Monaco ein Cachelot mit der Harpune gefangen wurde und vor seinem Ende riesige Tintenfische lebend auswarf, erinnerte der genannte Forscher an eine Fahrt des englischen Walfischfangers „8tar ot tbs East“ in den Gewässern der Malvinnen- (Malonines-) Insel. Ein gewaltiger Wal kam dem Schiffe in Sicht. Man setzte zwei Boote aus. um ihn anzugreifen, und das Tier wurde' mit der Harpune tödlich getroffen. Bei seinen letzten Zuckungen traf der Fisch das eine Boot mit einem Schwanzhiebe, so daß die Mannschaft in's Wasser fiel; sie wurde bis auf zwei Mann gerettet. Den Leichmann des einen fand man im Wasser, der des anderen. James Barteleys, blieb verschwunden. An Bord öffnete man (nach 24stündiger Arbeit, die das Zerschneiden des Walfisches in Anspruch genommen hatte) den Leib des Untiers und fand den verschwundenen Matrosen James Barteley, ohnmächtig, aber noch lebend! Man hatte viel Mühe, ihn wieder zu sich zu bringen. Erst nach drei Wochen kehrte seine Erinnerung zurück, und er erzählte, daß er sich noch sehr wohl des Augenblicks erinnere, wo der Walfisch ihn in die Luft schleuderte und verschlang. „Ich konnte" — berichtete er — „wenn auch mit vieler Schwierigkeit, noch atmen, empfand aber den Eindruck unerträglicher Hitze, und es schien mir, als ob ich lebendig gekocht würde. Meine Angst wurde noch durch die Ruhe und das Schweigen, welche rings umher herrschten, vermehrt. Endlich verlor ich das Bewußtsein meiner schrecklichen Lage." Der Kapitän des „8tar of the East“ versichert, daß wütende Walfische oft Menschen verschlängen, und die Möglichkeit kann beim Cachelot, der einen genügend weiten Rachen besitzt, nicht geleugnet werden. Das Jonas- Wunder bestand also nicht darin, daß der Prophet verschlungen wurde, sondern daß er lebend blieb, ohne das Bewußtsein vollständig zu verlieren, wie James Barteley, und daß er nach der dreitägigen Fahrt die Barmherzigkeit Gottes anrief, worauf der Walfisch Befehl erhielt, den Propheten wieder auszuspeien."