Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 39 (27.9.1907)
- Date
- 1907-09-27
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 39 Dr. Block s MocvenscdrM Seite 645 recht sich dazu entschießen konnten, da animierte er sie mit den Worten : In P. ist es sehr schön und zu einem Kozin 9), wie Ihr Verwandter Blau es ist, darf man fahren, da hat man es sehr gut, da wird gut gegessen und gut getrunken. Platz hat er genug für Orchim 10), eine große schöne Diro. ") Kommen Sie nur bestimmt am Chol-Hamoed nach P. Den Ragendorfern schien dieser Vorschlag Engels einzuleuchten und fo versprachen sie, wenn nichts dazwischen kommt, bestimmt am Chol-Hamoed nach P. zu kommen. Am ersten Tage Chol- Hamoed, als Baruch Engel wie gewöhnlich vor seinem Geschäftsladen auf und ab promenierte und unweit davon sein Nachbar Blau vor seinem Geschäfte stand, da' kam schon um acht Uhr morgens ein ganzer Wagen „Späterzuwachs" n) angefahren, welcher vor dem Hause Blaus Halt machte. Demselben entstieg eine ganze Schar von Männern, Frauen und Mädchen, die Verwandten Blaus aus Ragendorf. Während Engel sich ins Fäustchen lachte, seinen Landsleuten freundlich zuwinkte, als er diese dem Hause Blaus zueilen sah, war dieser nahe daran, vor Schrecken vom Schlage gerührt zu werden. Wo sollte diese große Zahl von Chol-Hamoed-Gästen bei ihm Platz finden? Er berechnete im Vorhinein die Unkosten, welche diese ihm verursachen werden, wenn sie länger als einen Tag bleiben würden. Mit nicht besonders freundlicher Miene, sie mit dem üblichen Scholaum Alechem-Gruße'9) bewillkommnend, sagte er nach kurzem Gespräche, daß sie nur in seine Wohnung zu seiner Frau sich verfügen mögen, er könne erst zu Mittag vom Geschäfte nach Hause kommen. Frau Pessel, die Gattin Blaus, obwohl eben so „gastfreundlich" wie ihr Gemal, empfing die ungeladenen Gäste mit süßsaurer Miene und bedauerte es nur, daß sie ihren Besuch nicht vorher angezeigt, wodurch sie nicht vorbereitet sei. Wenn sie dies nur früher gewußt, so hätte sie diese ganz anders bewirten können usw. Als Eisig Blau mittags nach Hause kam, da begann er, wie man so zu sagen pflegt, den Gästen den Puls zu fühlen, um von ihnen herauszubekommen, wie lange sie in P. zu bleiben gedenken. Er dachte, daß dieselben nicht länger als einen Tag in P. verweilen werden. Doch als er deren Absicht erfuhr, die ganzen Chol-Hamoed-Tage in P. zu verbleiben, um alle Sehenswürdigkeiten in Augenschein zu nehmen, eventuell auch das Theater zu besuchen, und er noch im Laufe des Gespräches vernahm, wer sie überhaupt zum Besuche bei ihm so sehr animierte, war er über Engel sehr aufgebracht, der ihm gewiß, um ihn zu ärgern, den Streich gespielt. Ein wenig sich besinnend, wie er Blau eine Revanche bieten könne, sagte er den Gästen, daß er es bedauere, nicht genug Raum für Alle zum Uebernachten zu haben, doch werde er trachten, einen Teil derselben bei seinem Nachbar Engel über Nacht unterzubringen. So schickte er denn sogleich sein Dienstmädchen zu Engel mit der Anfrage, ob er geneigt wäre, drei seiner Gäste für „Geld und gute Worte" einige Nächte zu beherbergen. Baruch Engel, war wohl anfangs über den Antrag Blaus überrascht und nicht recht geneigt, diesem eine Gefälligkeit zu erweisen. Doch der Gedanke, den kargen Kelew Blau Ausgaben verursacht zu haben und daß davon auch ein paar Gulden in seinen Schoß fielen, erfreute ihn und er nahm den Antrag an, mit der Vornahme, den Gästen so viel als nur möglich zum Längerbleiben in P. zuzureden, um Blau noch mehr Unkosten zu verursachen. Auf seine Anregung mußten seine Kinder die steten Begleiter der Gäste Engels sein, um ihnen alle Sehenswürdigkeiten P's. zu zeigen. So hielten die Chol-Hamoed-Gäste bis zum letzten Tage Chol-Hamoed aus, obwohl Engel sie zum Verbleiben über die letzten Fest-Tage zuzureden versuchte. Als nun nach Jomtow u) Eisig Blau keine Miene zum Zahlen machte, wartete Engel noch einige Tage, doch als auch Reicher Mann. 1U) Gäste. n) Wohnung. **) So nannte man spöttisch die mit Marktleuten und Warenkisten vollgepfropften Wagen, die gewöhnlich am Allsgang des Sabbats wegzufahren pflegten. ") Friede sei mit Euch, jüdischer Willkommgruß. ") den Feiertagen. dies vergeblich war, da entschloß sich Engel, wenn auch ungern, Blau an seine Schuld zu mahnen. Doch wie überrascht und und empört war Engel, als Blau, ihn auslachend, ihm die Worte zurief: Sind Sie meschugge '^), daß Sie von mir das Geld für das Uebernachten der Orchim verlangen. I ch bin Ihnen nichts schuldig, sondern die Gäste. Warum haben Sie sich nicht von diesen das Geld vor ihrer Abreise einkassiert? Auf den Einwand Engels, daß Blau doch ihn fragen ließ, ob er nicht für Geld und gute Worte die Gäste bei sich übernachten lassen wolle, erwiderte Blau spöttisch: Ganz richtig, für Geld und gute Worte, aber nicht von mir, sondern von den Gästen. Gute Worte haben Sie gewiß von denselben bekommen und auch ihnen gegeben, denn sonst wären diese nicht so lange in P. geblieben. Hätten Sie sich von denselben auch das Geld geben lassen. Sprach's und wendete ihm den Rücken. Baruch Engel war ganz außer Rand und Band vor Wut, als er sah, daß er der Gefoppte und von dem Schabernak. den er Blau spielen wollte, einen guten Teil davon bekam, indem er nebst dem Schaden noch den Spott ertragen mußte. Er sann fortwährend darüber nach, wie er dem Blau eine genügende Revanche bieten könnte, doch es vergingen Monate, und es war ihm nichts Rechtes eingefallen. Endlich nach langen! Sinnen war ihm eines Tages ein guter Gedanke gekommen. Sein Gesicht heiterte sich bei dem Gedanken aus. sich endlich an Blau rächen zu können. Er machte nämlich allen in der Umgebung von P. wohnenden Verwandten Blaus im Namen desselben die erfreuliche Mitteilung von der glücklichen Entbindung seiner Frau mit einem gefunden Knaben und lud sie zu der an einem bestimmten Tage stattsindenden Brith Milo'9) ein. Ein glücklicher Zufall war es, daß nur zwei der Verwandten Blaus der Einladung Folge leisteten. Diese aber waren schon abends vorher zur „Wachnacht" nach P. gekommen; doch wie überrascht waren sie, als sie, das Haus Blaus betretend, Frau Pessel, die „Kindbetterin", auf der Stiege begegneten und diese bereits frisch und munter sahen. Als sie derselben ihre Verwunderung, sie schon aus dem Bette zu sehen, ausdrückten, war Frau Pessel sowie ihr Gemal ganz verdutzt und dies noch mehr, als die beiden Gäste sie von dem Grund ihres Kommens auf der Einladung, die sie vom Letzteren zu der Sudes Brith Milo 1T) erhielten, verständigten. Die Wut Blaus über diese Mitteilung kannte keine Grenzen. Die armen, nach P. gefoppten Gäste mußten anstatt des erwarteten, guten Sudogebäckes die Schale des Zornes seitens Blaus auskosten, bis er sich langsam beruhigte. Er erriet gleich, wer ihm den Streich gespielt, nämlich kein Anderer als Engel. Die gefoppten Verwandten Blaus verfügten sich sofort zu Engel, um ihm die ärgsten Vorwürfe über sein Vorgehen zu machen. Doch dieser leugnete hartnäckig sein perfides Vorgehen und stellte sich selbst ganz überrascht. Aus Mitleid lud er die Gäste ein, bei ihm zu übernachten. Des anderen Tages Frühmorgens traten die von ihm nach P. gefoppten Gäste ihre Heimreise nach Ragendocf an. Die der Einladung nicht Folge geleisteten Anverwandten des Blau in R., die ihre Maseltow-Wünsche gesendet hatten, waren ganz überrascht, als sie von dem Schabernak, den Engel ihren Verwandten Blau gespielt, von den heimgekehrten, nach P. gefoppten Landsleuten und Anverwandten Mitteilung erhielten, und waren froh, nicht gleich den Anderen dem Engel auf den Leim gegangen zu sein. Blau ärgerte sich ungemein, als die vorher abgesendeten brieflichen Gratulationen der Ragendorfer an langten, da er sah, wie sehr er dem Spotte preisgegeben wurde. Da das ohnehin nicht gute Verhältnis zwischen beiden Nachbarn durch den Streich, den Engel dem Blau gespielt, kein besseres geworden war, braucht wohl nicht erst hervorgehoben zu werden. So gerne aber Blau dem Engel eine genügende Revanche geboten, so beschloß er, sich von der '5) verrückt, wahnsinnig. 18) Beschneidungsfest. ,7) Mahlzeit anläßlich des Beschneidnngsfestes.