Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 39 (27.9.1907)
- Date
- 1907-09-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 638 Dr. Llocd s Mocdenscvrtn. Nr. 39 und Zeiten zur Anwendung kommt; an die Stelle blutiger Verfolgung mag gesetzliche Ausnahmestellung treten und die Austreibung sich zur gesellschaftlichen Aechtung verfeinern: Die Feindseligkeit bleibt, wenn auch der Ausdruck dafür wechselt. Der Mensch ist zum Verfolger geboren (Llan is a persecuting animal . . .) Eine leidenschaftslose Untersuchung könnte nun selbst für die Gegenwart feststellen, daß die Juden in den Gegen! en, wo sie am schwersten leiden, auch das Meiste von ihrer überkommenen Abgeschlossenheit und ihrem religiösen Fanatismus beibehalten haben . . . Fanatismus ist nichts anderes, als durch Unglück gestärkter und durch Unterdrückung verbitterter Glaube. . . . Die jüdische Geschichte zeigt, daß das Mißgeschick, das religiöser Starrsinn erzeugt, zugleich die Religion erhält. . . . Gut behandelt, verloren die Juden das Meiste von ihrer Abgeschloffenhcit, und der Wunsch nach nationaler Wiederherstellung wurde ihnen zu einem romantischen Traum. Aber in den Zeiten der Verfolgung wuchs das Verlangen nach Erlösung und nationaler Wiedergeburt unter einem König ihres eigenen Stammes zu lodernder Flamme. Die Hoffnung auf den messianischen Befreier ist eine Fackel des Lichtes und des Trostes in manch langer Wintersnacht gewesen; und wenn die Nacht am dunkelsten war, hat sie am hellsten geleuchtet. Wenn die Juden in solchen Zeiten an ihren prophetischen Verheißungen ganz außerordentlich festgehalten haben, wer kann sie dafür tadeln? Wer in der Gegenwart nichts besitzt, hat das gute Recht, Etwas von der Zukunft zu verlangen." Der Schlußsatz des merkwürdigen Buches, das ins Deutsche übersetzt zu werden verdient, lautet: „Wenn aus Vergangenheit und Gegenwart sich einigermaßen Schlüsse auf die Zukunft ergeben, so darf man Voraussagen, daß für noch manches kommende Jahrhundert die Welt Zeuge des einzigartigen und traurigen Schauspiels bleiben wird, wie ein großes Volk auf der Suche nach einer Heimat die Landstraßen der Erde durchwandert." Korrespondenzen. Chewra-Kadifcha, Wien, I. Die Anforderungen, welche an die Chewra-Kadifcha in Wien, I., Seitenstettengaffe 2, gestellt werden, sind in den letzten Jahren teils durch die zunehmende Verarmung der einheimischen Bevölkerung, teils durch die infolge der bekannten, traurigen Ereignisse erhöhte Einwanderung auswärtiger Armer außerordentlich gestiegen. Dieser Umstand kommt nicht bloß in den bedeutend erhöhten Ausgaben für Unterstützungszwecke zum Ausdrucke, sondern er stellt an die Arbeitskraft jener Vorstandsmitglieder, welche sich, abgesehen von den sonstigen Agenden, auch der schwierigen Aufgabe unterziehen, täglich nachmittag einige Stunden im Bureau der Chewra-Kadischa zu verweilen und mit den überaus zahlreichen Parteien persönlich zu verkehren, allzugroße Anforderungen. Um nach dieser Richtung hin Abhilfe zu schaffen, hat der Vorstand beschlossen, die Anzahl 'der Vorstandsmitglieder von 12 auf 15 zu erhöhen und auf diese Weise neue Kräfte zur Mitarbeiterschaft heranzuziehen. Die zu diesem Zwecke erforderliche Statutenänderung erhielt bereits die Genehmigung der k. k. Statthalterei. Bei diesem Anlässe wurde auch, einem vielgeäußerten Wunsche der Vereinsmitglieder entsprechend, die Zahl der durch die Generalversammlung zu wählenden Vorstandsmitglieder von drei auf fünf erhöht. Die erste Wahl auf Grund des neuen Statutes wird in der voraussichtlich am 27. Oktober d. I. stattfindenden Generalversammlung erfolgen. Zum Austritte infolge Mandatablaufes gelangen die durch die letzte Generalversammlung gewählten Vorstandsmitglieder Moriz Breitner, Jakob Kann und S. Steiner, welche wieder wählbar sind. Ignaz Brüll. Die tiefe Teilnahme, die das Hinscheiden des sympathischen und bescheidenen Komponisten Ignaz Brüll in Wien hervorgerufen hat, kam bei der Leichenfeier zum Ausdruck. Im Trauerhause, Alsergrund, Berggasse Nr. 18, hatten sich zahlreiche Leidtragende eingefunden, und besonders das die Kunst ausübende und die Kunst liebende Wien war sehr stattlich vertreten. Ignaz Brüll hatte letztwillig verfügt, daß sein Leichenbegängnis in möglichst einfacher Weise stattfinde, daß weder der Tempelchor singen soll, noch daß Reden gehalten werden. Dem Wunsche wurde auch entsprochen und bloß die ganz ungewöhnlich große Beteiligung an der Leichenfeier ließ äußerlich erkennen, welch großer Liebe sich der Komponist im Leben erfreut hat. In der Berggasse stauten sich schon vor halb 10 Uhr die Wagen. Die Gemächer der im zweiten Stock gelegenen Wohnung seines Bruders Eugen Brüll, in der Ignaz Brüll starb, füllten sich mit zahlreichem Publikum. Unter den Trauergästen waren zu sehen: Der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit den Vizepräsidenten Dr. Gustav K o h n und Baurat Ritter von G o l d s ch m i d t, den Vorstandsmitgliedern Salo Cohn, Dr. Markus Spitzer, Professor Dr. E h r m a n n, die Bauräte Wilhelm S t i a ß n y und Oskar Marmorek, Max Frank, Wilhelm Kuffn er, Kommerzialrat Leopold Simon und S. Steiner und der Bethausvorstand Wasservogel, Sektionschef Leo Ritter von Herz, Hofrat Bernhard Frankl, Regierüngsrat Dr. S t e g e r, Direktor des Konservatoriums Richard von P e r g e r, Hofoperntheaterdirektor Gustav Mahler, der Präsident des Journalisten- und Schriftstellervereines „Concordia", Edgar von S p i e g l, vom Kuratorium der Rothschild-Künstler-Stiftung Professor Dr. Guido Adler, Maler Leopold Horovitz, Prokurist Emil Horner und Baurat Wilhelm Stiaßny, Oberregisseur Ritter von Sonnenthal, Dr. Alexander Marmore! (Paris), der Präsident der Tonkünstlervereinigung Hofopernkapellmeister Bruno W a l b e r g, Chormeister Professor Heuberger, Kammersänger Gustav Walter, Hofopernsänger S l e z a k, Hofopernsängerin Laura Hilgerm a n n, der Präsident der Autorengesellschaft Louis Windhopp, Kommerzialrat Ludwig Bösendorfer, kaiserl. Rat Friedrich Ehrbar, Pianist P a h l e n, dramatischer Lehrer Jacques Pohl, Komponist Isidor von L ö t i, Konzertmeister Arnold Rose, Professor Robert und viele Professoren des Konservatoriums, Archivar der Gesellschaft der Musikfreunde Dr. Mandyczewski, Professor B a ch r i ch, Professor N uß b a u m, Konzertmeister Lasser und Reger, Professor Dr. Urbantschitsch, Univ.-Professor Dr. Pribj:am, Univerfitätsprofessor Dr. Kell n e r aus Czernowitz, Komponist Oskar Straus, Dr. W e i ß von W e l l e n st e i n, Primararzt Dr. Schnitzler, Violinvirtuose Ries (Breslau), die Bankdirektoren Dr. Hammerschlag und Otto Wiedmann, Direktor Leopold Müller, Direktor Brix, die Schriftsteller Chefredakteur Jakob Herzog, Wilhelm Frey, Julius Stern, Siegfried L ö w y, Ludwig K a r p a t h, Bernhard Münz, Dr. Josef S. Bloch, Dr. Stecker, Professor Dr. Ritter von Weilen, Albert Kauders und Doktor Specht, Librettist Dr. W i l l n e r, Dr. M. L ö w y, die Rabbiner Dr. S ch m i e d l und Dr. F e u ch t w a n g, die Oberkantoren Bela Gut m a nn, Don Fuchs und S ch o r, Maler Seligmann, Kommerzialrat Isidor Mautner, Angela E i s n e r von E i s e n h o f, Dr. Eisenstein, kais. Rat Julius Stern, Kommerzialrat Alfred F e l d m a n n, Industrieller Kremenetzky, Börsenrat Steinhübel, Hofbuchdrucker Emil M. Engel, eine Deputation der „Kadimah" und der Leitung des Wiener Tonkünstlerorchesters, sowie zahllose Freunde und Bekannte. In einem Salon stand der braunpolierte Holzsarg, in dem die Leiche ruhte. Eine riesige Anzahl von Kränzen zierte den Sarg und lag an den Wänden. Zu Häupten des Sarges stellte sich in tiefem Schmerze die Familie auf. Um 10 Uhr stimmte Oberkantor Singer die rituellen Trauergesänge an. Darnach wurde der Sarg gehoben und auf den vierspännigen Leichenwagen gestellt. Drei offene Blumenwagen vermochten kaum die zahllosen Kranzspenden zu fassen. Gefolgt von zahlreichen Wagen, die dem Toten das Ehrengeleite gaben, bewegte sich der Kondukt auf den Zentralfriedhof, wo die Beisetzung auf der israelitischen Abteilung in dem Ehrengrab erfolgte, das die Kultusgemeinde dem Komponisten gewidmet hat. Floridsdorf-Wien. Das vom Herrn Kultusvorsteher Dr. Jakob König und dessen Gemahlin Frau Julie König, geboren Reiß, fernab von unserer Gemeinde begangene Jubiläum ihrer silbernen Hochzeit fand dieser Tage hier eine w ür d ig e Nachfeier. Herr Rabbiner Dr. M. Rosen mann nahm