Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 39 (27.9.1907)
- Date
- 1907-09-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 636 Dr. Llocb s Mocbenscörln. Nr. 39 ii ■ff! ’f >1! ' iS?|] * ' staatsanwaltschaft unsere Artikel gelesen habe, und da der Staatsanwalt doch die verdammte Pflicht und Schuldigkeit hat, gegen Amtsehrenbeleidigungen eiuzuschreiten, lasen wir voll persönlichen Interesses die Geschwornenliste für den nächsten Monat. Um unsererseits nichts zu versäumen, schickten wir einer löblichen Oberstaatsauwaltschaft unsere Berichtigung ihrer Berichtigung zu, die gewiß gelesen wurde und fügten iu einem Zuge noch die allerschwersten, diffamierenden Beschuldigungen gegen Smolen und Szwedicki bei. In fetter Schrift führten wir an: „Der k. k. Regierungskommissär Smolen in Belz hat seine Amtsgewalt in schnöder, frevelhafter Weise zu Verbrechen, zu elenden Erpressungen derart mißbraucht, daß er unwürdig ist, des Kaisers Rock zu tragen. Erpressung, Gewalttätigkeit und Mißbrauch der Amtsgewalt haben wir auch den anderen Bezickshauptleuten vorgeworfen. Diese Deutlichkeit gibt uns den Anspruch darauf, nach dem Strafgesetz behandelt zu werden, nicht nach dem Preßgesetz und nicht nur nach dem § 19 . . . Mit kleinlichen und noch so pfifstgen Justizkünsten wird dieser Skandal nun einmal nicht aus der Welt geschafft werden. Soll die Schmach abgewaschen werden, so ist nur ein einziger Weg gangbar: Man muß den Schreiber dieser Zeilen vor Gericht stellen, gegen Dr. Bloch muß die Anklage erhoben werden." Deutlicher kann man wohl mit dem Holzklotz nicht mehr schreiben, nicht wahr? Aber der galizische Staatsanwalt ist ein Ausnahmsweseu, wie ganz Galizien ein Ausnahmsland ist. Man ist dort blind und taub und stumm gegen die schwersten Angriffe auf die Ehre, die schwersten Beschuldigungenvon Verbrechen, wenn man davon einen Vorteil hat. Starzynski hat unter dem Motto: „Nicht ehrenhaft. aber gesund" sein Mandat eingesteckt, und da wir nun einmal Großstadtmenschen sind, kühle Beobachter und Schätzer der gegebenen Verhältnisse, so erwarten wir bestimmtest, daß Smolen und Szwedzicki für ihre Schandtaten demnächst — avanzieren. Warum auch nicht? Das, was nach unseren langweiligen Bürgerbegriffen Verbrechen sind, das sind in Wahrheit Verdienste, denn sie wurden für die Schlachzizen begangen. Werfen wir auf den großen Misthaufen der Schlachta, auf dem schon so viele schöne Dinge vermodert sind, auch unsere schöne Hoffnung, daß für diese zwei Verbrecher jemals ein Tag der Strafe kommen wird. Wer helfen kann und soll, das ist die Wählerschaft allein, wenn sie sich mündig macht, durch persönlichen Mannesmut das eiserne Joch der Schlachzizenknechte sprengt. Fünfhundert Wähler kann ein Smolen kujonieren, fünftausend nicht mehr, wenn alle wollen, wenn alle seinen Gewalttaten ein friedliches aber beharrliches Nein entgegensetzen. Die Bevölkerung muß helfen, denn die Behörden werden es nicht tun. Trotz aller Untersuchungen, die eine Komödie sind und nur den einen Zweck haben, wenig, womöglich gar nichts zu finden. Wir haben mit unserem Brief und mit diesen unseren Worten nochmals den Beistand der Justiz herbeigeschrieen, haben die für uns sehr gefährliche Form angeboten, uns klagen zu lassen, anstatt daß die Verbrecher Smolen und Szwedzicki geklagt wurden, die wir mit der Wahrheit über ihre Schandtaten an den Pranger gestellt haben. Aber das wird uns so wenig nützen, als die gerichtliche Untersuchung, der erste Teil der Komödie, die den Titel führt: „Konstatierung der Unschuld zweier überwiesener Wahlschwindler und Verbrecher im kaiserlichen Rock, großes Zauberkunststück der Lemberger Zentralbehörden". Die gerichtliche Untersuchung durch Herrn Seng ist im Wesen darauf hinausgelaufeu, daß Smolen durch einige Zeit lang einen willkommenen Gesellschafter beim Essen hatte, eine gute Unterhaltung durch Einvernahme der Entlastungszeugen und schließlich einen Berichterstatter, der in Lemberg freudig erzählte: Der Smolen ist unser Mann, auf den können wir uns verlassen. Genau dasselbe Resultat droht der Untersuchung durch die Verwaltungsbehörden, wenn die Sache so weiter betrieben wird wie bisher. Denn wie uns zuverlässige Berichterstatter melden, verfährt der höfliche Statthaltereirat Kadyi ganz im Stile des barschen Herrn Seng. Er läfft den Verbrecher Smolen bei den Verhören im Zimmer fitzen und zwar den Zeugen gegenüber. Und nun soll so ein armer Bürger gegen diesen Menschen aussagen, den er in Amt und Würden vor sich sieht und der ihn morgen verderben kann. Ist das ein Verhör? Schmach und Schande! Natürlich kommt fast niemals eine bestimmte Aussage zustande und die Verbrecher jubilieren. Dazu noch die merkwürdigen Fragen des Herrn Kadyi: „Wer hat in Warze zu der in der Synagoge angesagten Versammlung zu kommen gefürchtet?" Der Zeuge soll also wissen, wer von seinen Nachbarn am kritischen Tage Kourage gehabt hat und wer nicht. Dann kommt die Hauptfrage: „Können Sie sagen, ob der Herr Smolen oder der Herr Szwedzicki abgestempelte Stimmzettel verteilt haben?" Hochgeehrter Herr Kadyi! Vielleicht halten Südseeinsulaner diese Fragen für eine unparteiische Untersuchung, hier in Europa, mit Ausnahme von Schlachzizien, weiß man, was man davon zu halten hat. Sie, Verehrtester, wissen so gut wie wir, daß dieser Smolen und dieser Szwedzicki sich mit den schwersten Amts-Verbrechen beladen haben. Spielen Sie gefälligst nicht den Unerfahrenen und tun Sie nicht so, als hätten diese beiden mit eigenen HändenZettel ausgeteilt, Synagogen zugesperrt, Wähler durchgesucht und arretiert. Zu so etwas hat ein Bezirkshauptmann Organe. Vernehmen Sie diese, aber erstens, unter Eid! und zweitens nicht in Gegenwart des Smolen! Stellen Sie den Zeugen andere Fragen, dann werden Sie die Wahrheit, welche die Spatzen vom Dache pfeifen, auch ohneweiters herausbekommen. Dann werden Sie auch als ein Ehrenmann der Statthalterei und dem Ministerium bestätigen können, was wir schon monatelang widerspruchslos behaupten: Daß Smolen und Szwedzicki Verbrecher sind, hundertfach gegen das Gesetz gefrevelt haben und nicht Würdig sind, des Kaisers Rock auch nur eine Minute noch zu tragen. Wenn Sie aber in Wahrheit durch die Art des Verhöres und der Fragen herausgefunden haben, daß die beiden unschuldig sind, dann bitten wir Sie dringendst: Haben Sie wenigstens den Mut Ihrer .Ueberzeugung und veranlassen Sie unsere gerichtliche Verfolgung, für die wir schon so viele Arbeit aufgewendet haben. Gewöhnen Sie es der „Oesterreichischen Wochenschrift" ab, immer zu behaupten, daß kaiserliche Beamte in Galizien Verbrecher sind! Das wäre eigentlich Sache der Minister des Innern und der Justiz, die wir schon wiederholt gegen uns angerufen haben. So will es einmal die Satyre der galizischen Wahlen. Nun scheint es klar zu sein, daß das Europäertum, der verletzte Stolz des Amtes bei einem Wiener Minister gewirkt hat, vielleicht beim Ministerpräsidenten selbst, dem der Hauptanteil am strengen Gesetz der Wahlordnung zugemessen wird und der denn doch nicht so ohneweiters die Kapitalverbrechen hinnehmen will, die in unserem Blatt, in so scharfer Form behauptet werden. Wenn er nun Bestätigung haben will oder Berichtigung, warum schickt er dann einen Beamten der Lemberger Statthalterei aus, der so ziemlich sicher mit einem Oelblatt im Schnabel zurückkehren wird, wie aus manchen Anzeichen und Vorzeichen hervorgeht? Will der Herr Ministerpräsident Wahrheit, so wird er sie nicht über Lemberg erfahren. Entweder er schickt einen streng rechtlichen Beamten nach Belz und Sokal oder er kann über die Barrriöre der Schlachzizen nicht hinein — dann sind wir gerne bereit, geklagt zu werden, um der Komödie ein Ende zu machen, deren zweiter Akt jetzt gespielt wird. - .