Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 38 (20.9.1907)
- Date
- 1907-09-20
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021710-3021749--16700-3041535- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 630 Dr. Llocv s Miocoenscörm. Nr. 38 jedem Laut, in jeder Regung glaubhaft und wahr. Fräulein Rosen kann viel und, was die Hauptsache ist, dieses Können hat sie nicht erlernt. Das ist einmal die geborene Schauspielerin, urwüchsige Kraft, die mit der Sicherheit des genialen Instinkts Stil und Form trifft. Wie sie, die kindliche Dulderin, eben erst den eisigen Fluten eutriffen, voll Schmerz und Angst wimmert und stöhnt, wie dann plötzlich dieses leidverzerrte Gesicht in visionärer Erleuchtung sich fast bis zur Schönheit verklärt, endlich dieses Serben, dieser letzte, wilde, herzbeklemmende Todeskampf, das alles ist nicht zu überbieten. Freilich hat auch „Hannele" uns nicht über die Grenzen dieses Talents belehrt, darüber wie sich die Künstlerin mit Rollen abfindet, denen ihr Figürchen nicht eminent zustatten kommt. Die Direktion macht sich mit Recht über diese Fragen keine Sorgen; denn diese Schauspielerin bedeutet, so wie sie ist, eine erhebliche Vermehrung des künstlerischen Anlagekapitals des Burgtheaters. Das Publikum überschüttete Fräulein Rosen mit Beifall." Wien. In der Musikschule Adler, IX., Roffauergasse 4, haben die Einschreibungen für Violine, Klavier, theoretische Fächer und den Persektionskurs (Korrekturmethode) begonnen. Reuanmeldungen von Schülern und Schülerinnen werden täglich entgegengenommen. Sofia. Heute hat hier unter lebhafter Beteiligung der Bevölkerung die Feier des 20jährigen Regierungs-Jubiläums des Fürsten Ferdinand stattgefunden. Die nichtorthodoxen Religions- Genoffenschasten waren durch ihre geistlichen Chefs bei den Festlichkeiten vertreten. Nach der Militärparade hat der Fürst die Glückwünsche des diplomatischen Korps, der jetzigen und der gewesenen Minister, des Präsidiums der Nationalversammlung und der kirchlichen Vertreter entgegengeuommen. Bei diesem Aulaffe wurde der Großrabbiner von Bulgarien, Herr Dr. Ehrenpreis, als Vertreter der im Fürstentum lebenden Juden empfangen, der in der Landessprache an den Fürsten folgende Ansprache richtete: „Euere Königliche Hoheit!" Anläßlich des heutigen Festtages bin ich glücklich, Euerer Königlichen Hoheit im Namen der in Bulgarien lebenden Juden und in meinem Namen den Ausdruck unserer treuen Gefühle und unsere warmen Wünsche für das Glück und das lange Lebeu Eueren Königlichen Hoheit und der ganzen Dynastie zu übermitteln. Die jüdische Bevölkerung des Fürstentums, welche an den Freuden und Leiden dieses. Landes stets aufrichtig teilnimmt, sieht in der Person Euerer Königlichen Hoheit einen Vater, welcher alle Söhne dieses Landes ohne Unterschied der Religion und Nationalität mit gleicher Liebe betreut. An diesem für Bulgarien bedeutungsvollen Tag schließt sich die jüdische Bevölkerung des Fürstentums vom ganzen Herzen den warmen Gebeten des ganzen bulgarischen Volkes an. Seine Königliche Hoheit der Fürst antwortete darauf folgendes: „Ich danke Ihnen herzlichst, Herr Großrabbiner, für Ihre rührenden Worte, mit welchen Sie mir die Glückwünsche der jüdischen Bevölkerung des Fürstentums anläßlich des heutigen Festes unterbretten, welche Wünsche mich tief bewegen. Ich beauftrage Sie, Herr Großrabbiner, der Dolmetsch meiner Gefühle bei der jüdischen Bevölkerung Bulgariens zu sein und den bulgarischen Juden den Ausdruck meiner Sympachien und meines besonderen Wohlwollens für s r e zu überbringen, sowie meine aufrichtige Erkenntlichkeit für Ihre Teilnahme am heutigen Feste und für Ihre treuen Gefühle mir gegenüber und meine heißen Wünsche für eine fortschreitende und gedeihliche Entwicklung des bulgarischen Judentums." Bei diesen Worten drückte der Fürst dem Großrabbiner fteundlich die Hand, worauf auch der Thronfolger Prinz Boris und Prinz Paul die Glückwünsche des Großrabbiners huldvoll entgegeunahmen. Auf Anordnung des Großrabbinats haben heute Festgottesdienste in allen Synagogen des Fürstentums stattgesunden. Feuilleton. Cljantit Rubin. Von Aleksander Smientochowski. (Schluß.) „Ich würde Dich für einen Tölpel halten, wenn Du darauf eingingest." „Erinnerst Du Dich nickt, wie Dich Chrzonstkiewicz bei Notars beleidigte? Du glaubst ihm, daß Franck die Post bestohlen hat? Und dazu noch diese gemeine Jüdin, die sich gestern erfrechte, mir den Rest eines Störs zu bringen, der von der Nase der Kassierin herabgeträufelt ist. . . Uebrigens tue, was Du willst, ich habe den Franck schon als Diener ausgenommen." „Und wenn er in Wirklichkeit ein Dieb sein sollte?" entgegnete der Bürgermeister. „Bei uns wird er nicht — im Uebrigen wir müssen unseres tun." In Wirklichkeit führte der Bürgermeister seines aus, denn er wies die Arretierung Franck's ab und nahm ihn im magistratischen Dienst auf. Franck gehörte nicht zu den Leuten, die leicht einem das Feld räumen, umso weniger damals, wenn ihn ein so mächtiger Arm wie der des Bürgermeisters, oder was noch mehr bedeuten will, wie. der der Bürgermeisterin stützte. Da er außerdem noch viele heikle Geheimnisse des Postamtes kannte, war er überzeugt, daß Chrzstonkiewicz sein Verschulden nicht allzusehr breittreten werde, um ihn nicht zu reizen. Er beschloß daher nicht nur, dem Sturme die Stirne zu bieten, sondern auch Rache zu nehmen an der Jüdin, die seine Stelle einnahm und die er beschuldigte, die Revision der Briefe in der Karzma verraten zu haben. Es. muß gerechterweise konstatiert werden, daß die Motive, von denen Franck seinen Zorn herleitete, ganz bürgerlicher Natur waren, wie wenn sie einem wissenschaftlichen Werke zur Ausrottung der Juden entnommen wären. Das wahre Licht nämlich dringt oft mit seinen Strahlen bis in die sozialen Niederungen ein. Franck ist ein Beweis dafür, er, der niemals ein Abhandlung gegen die Juden gelesen und trotzdem die für eine solche Arbeit notwendige Begeisterung in sich verspürte. „Der Teufel hole den Dienst," sprach er zu seinem Kollegen, einem zweiten Magistratsdiener, „der Mensch ist nicht von heute geboren, Arbeit findet sich und ich Hab' sie gefunden. Aber, daß einem eine ekelhafte Jüdin das Brot wegnehme, das ist eine Schande vor Menschen und Gott. „Wird er sie denn halten?" „Er wird; der läuft für einen Unterrock ins Feuer und für einen Juden ins Wasser. Uebrigens Ihr meint, daß für ihn nichts abfallen wird? Ich habe in meine Tasche allein meine Hand gesteckt, und was ich verdiente, war meines; aber sie wird die Seele mit ihm teilen müssen. Da bellt er, daß ich ihm die Post bestohlen; er wollte sich meiner entledigen, denn ich war ein Mensch, ein ehrlicher, ein redlicher und habe meines gehütet." „Weiß doch das Jeder. „Ach, diese Juden, diese Juden. Wird so ein Hund geboren, wo Du nicht säest, mit den Zähnen hast Du etwas gepackt, er entreißt es Dir trotzdem. Man sollte dieses Gewürm zusammenjagen und in der Weichsel ertränken." „Ist auch wahr." „Unserem Bruder verwandelt sich Brot in Steine, denen lehmt sich Sand zusammen. Wo Du hingest, da stellt Dir der Jude einen Fuß." „Nicht einmal."