Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 38 (20.9.1907)
- Date
- 1907-09-20
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38 L>r. Llocb's Mlocdenscvrin. Seite 629 sich den größten Grausamkeiten aus, wenn sie sich mit dem Hinweise aus den Sabbath dessen weigern. Liest man dieses Register raffiniert ersonnener Grausamkeiten, so drängt sich Einem der Gedanke auf, daß das Mittelalter in Europa ein goldenes Zeitalter war im Vergleiche zu der neuesten Zeit in Marokko. Vermischtes. Wien. (Auszeichnung.) Der kaiserliche Rat und Kammerrat Wilhelm Pollak wurde von Sr. Majestät dem deutschen Kaiser durch Verleihung des Kronenordens ausgezeichnet. Regierungsrat Dr. Jerusalem. Der Kaiser hat dem Professor am Staatsgymnafium im 8. Wiener Gemeindebezirk, Privatdozenten an der Universität in Wien Dr. Wilhelm Jerusalem anläßlich der von ihm erbetenen Versetzung in den bleibenden Ruhestand den Titel eires Regierungsrates verliehen. Wien. (Trauung.) Sonntag, den 15. d. M. fand im Leopoldstädter Tempel die Trauung des Beamten des Friedhofamtes der israelitischen Kultusgemeinde Herrn Heinrich Engel mit Fräulein Irene B e r m a n n statt. Das überaus zahlreiche Publikum, welches aus diesem Anlasse den Tempel füllte, war ein Beweis für die große Beliebtheit, deren sich Herr Engel sowohl bei seinen Vorgesetzten, wie auch seinen Amtskollegen erfreut. Anwesend waren u. A. der Vizepräsident der Kultusgemeinde Herr Baurat Ritter von Goldschmidt, die Kultusvorsteher Dr. Markus Spitzer und Herr Max Frank, die Vorstandsmitglieder der Chewra-Kadischa und die Bethausvorsteher in Vertretung der Chewra-Kadischa St. Pölten Herr Vorsteher S. Schwarz, die Gemeinderabbiner Dr. Bach, Dr. Feucht Wan g, Dr. Grunwald und Kramer, der gesammte Beamtenkörper der Kultusgemeinde mit den Sekretären kais. Rat Dr. Lieben und Dr. A d l e r, der Präses des Tempelvereines Josefstadt Hermann Beck, die Präsidentin des Josefstädter Frauenvereines Frau Amalie Beck, Lektor Friedmann, Regierungsrat Dr. Schlag, Dr. Bloch, die ersten Kantoren Jurberger, Fuchs, Kwartin, Matyas S i l b e r m a n n, der Verwalter des Rothschild-Spitales Doktor K o r a n y und Jnspektionsarzt Dr. A b e l e s u. m. A. Den Trauungsakt vollzog Rabbiner Dr. Schmiedl, welcher an das Brautpaar eine erhebende Ansprache hielt, in welcher er die Vorzüge und die allgemeine Beliebtheit des Bräutigams hervorhob. Die kantorale Funktion versah Oberkantor Guttm a n n mit dem Chore und Orgelbegleitung unter Leitung des Chordirigenten H e i m a n n in gewohnter meisterhafter Weise. Dem Brautpaare kamen von Nah und Fern viele Hunderte Telegramme und Glückwünsche zu. Ll. 8. Wien. (Trauungen.) Sonntag den 22. September l. I. um 12 Uhr vormittags findet im Tempel der Seitenstettengaffe die Trauung des Fräulein Helene Schick, Tochter des Herrn Berthold Schick, mit Herrn Friedrich Seligmann, Sohn des Herrn Carl Seligmann, statt. Um YjS Uhr nachmittags findet im Tempel, XIX., Dollinergasse 3, die Trauung des Fräulein Mizzi T ritsch, Tochter des Herrn Ludwig T ri t s ch, mit Herrn Carl B r od, dem Sohne des Herrn S. B r o d, Präsidenten des Vereines zur Hebung der Gewerbe, statt. Wien. Der k. k. n.-ö. Landesschulrat hat an Stelle des verstorbenen Direktors Adolf Bauer den bekannten Pädagogen B. Planer als Direktor des Lehr- und Erziehungs-Institutes Bauer, vorm. „Simon". I., Hoher Markt 3, bestellt. Wien. Der „Jüdische Schulverein für den IX. Bezirk" versendet nachstehenden Ausruf: Der „Jüdische Schulverein für den IX. Bezirk" (IX/1, Grüne Torgaffe 19 a) unter dem Ehrenpräsidium des Herrn Dr. Gustav K o h n, Vizepräsidenten der israelitischen Kultusgemeinde, tritt in das siebente Jahr seines Bestandes. Im abgelaufenen Jahre hatten wir eine Frequenz von 80 Schülern aus dem IX. Bezirk, während wir im vorhergehenden Jahre nur 28 Schüler aus demselben Bezirke hatten. Wir haben die ärmsten Kinder, soweit es tunlich war, mit Winterkleidern versorgt, eine Freibibliothek und ein Lesezimmer für Erwachsene geboten. Wir beabsichtigen auf vielseitiges Verlangen, wenn es die Vereinsmittel erlauben, zum Beginn des Schuljahres Sprach- und Stenographiekurse (für Unbemittelte unentgeltlich) zu eröffnen. Unsere Tätigkeit, besonders die vorzüglichen Resultate des Unterrichtes, erfreut sich allgemeiner Anerkennung, und hat sich unsere Schule zu einem Bedürfniffe des IX. Bezirkes herausgebildet. Um unseren Verein erhalten und ausbauen zu können, benötigen wir dringend größere Mittel und richten wir die höfliche Bitte an alle unsere wohltätigen Glaubensgenoffen, durch Beitritt als Mitglieder oder durch eine Spende den Verein zu fördern. Bei Gelegenheit der hohen Feiertage geben wir uns der angenehmen Hoffnung hin, daß dieser Appell zum Wohle unserer gemeinnützigen Bestrebungen von günstigem Erfolge begleitet sein wird. Hochachtungsvoll Der „Jüdische Schulverein für den IX. Bezirk". Kaiserin Elisabeth-Institut für israelitische Krankenpflegerinnen. Gebildete junge Mädchen und Frauen, welche Lust zum Pflegerinnenberufe haben, erhalten Auskunft über die Aufnahme im „Pflegerinnenheim", Wien, IX., Sechsschimmelgaffe 7. Wien. Fräulein Lia Rosen absolviert mit seltenem Erfolge ein Gastspiel im Burgtheater. Im Alter von vier Jahren brachte man Lia Rosen, damals eine kleine Analphabetin noch, zu Ferrari, der sich des Kindes annahm. Später stand sie unter dem Schutze Burckhardt's und Lewinsky's. Dieser sagte einmal, als Stimmen laut wurden, die Rosen werde für die Bühne zu klein sein, ihre Erscheinung werde ein Hindernis bilden: „Ich bin auch klein gewesen. . ." Im Alter von sieben Jahren trat Lia Rosen zum ersten Male in einem Prolog bei Ronacher auf. Im Jahre 1905 absolvierte sie im Alter von 16 Jahren die Schauspielschule des Wiener Conservatoriums und nahm ihr erstes Engagement bei Reinhardt. Sie wirkte im Laufe der letzten zwei Jahre am Kleinen Theater und am Hebbel-Theater in Berlin. Die Direktion des Burgtheaters hat das Engagement der Künstlerin in Aussicht genommen. Ueber ihr Gastspiel schrieb das „Deutsche Volksblatt" am 13. September: „In Gerhard Hauptmanns Drama „Der arme Heinrich" hat Fräulein Rosen ihr Engagement als „Ottegebe" angetreten. Eine so eigenartige Debütantin haben wir noch nie auf einer Bühne gesehen. Was die äußere Erscheinung anbetrifft, gibt es wohl kaum etwas Unscheinbareres als diesen kleinen, mageren Körper, welcher der eines zehnjährigen Kindes zu sein scheint Auf diesen Körper fitzt ein Kopf, dem man beim besten Willen nichts Schönes abgewinnen kann. Die ganze Gestalt hat etwas Koboldartiges an sich. Wir wüßten nur wenige Rollen, in welchen man'Fräulein Rosen auf die Bühne stellen könnte. Ihre gestrige Leistung aber hat ihr einen starken Erfolg gebrecht, denn in diesem für den Beruf einer Schauspielerin scheinbar so gar nicht passenden Figürchen pulsiert echtes Theaterblut, steckt wirkliche Begabung. Die eigenartige Mischung aus Kindlichkeit und fanatischem Opfermute, aus der „Ottegebe", das für den vom Aussatze befallenen Grafen Heinrich von der Aue sich opfernde Mädchen, besteht, brachte sie vorzüglich zur Geltung." Selbstverständlich hat das „Deutsche Bolksblatt" nicht geahnt, daß Frl. Rosen Jüdin ist, und es wird sich beeilen, „den Irrtum zu korrigieren". Ueber das zweite Gastspiel schreibt das „Neue Wiener Journal": „Fräulein Rosen wählte als zweite Antrittsrolle die Hannele in Gerhart Hauptmanns gleichnamigem Märchenspiel. Es war ein Erfolg, groß und ehrlich wie die Kunst dieses merkwürdigen Mädchens. Der Versuch, den tiefen Eindruck ihrer impulsiven Darstellung an bekannten Worten zu meffen, weckt die Erinnerung an große schauspielerische Vorbilder. Allerdings werden vollends in Hannele die Mängel ihrer körperlichen Erscheinung zu Ausdrucksmitteln dichterischer Wiedergabe. Das war sie leibhaftig, wie der Dichter sie geschaut haben mag, die erbarmungswürdige, armselige, grausam gefolterte Hannele, in