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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-09-20 · 38 (20.9.1907) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
38 (20.9.1907)
Date
1907-09-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 626 Nr. 38 Dr. Slocb’9 MocvenscbrtN. Afrika so tätig, als die Söhne der von Rom nach Lydien vertriebenen alten Israeliten. Sogar in der großen Wüste habe ich konstatieren können, daß der Jude überall, wo er auftritt, seiner alten Kulturmiffion treu bleibt." Alte Gedenktage. Bekanntlich haben noch heute manche jüdische Gemeinden ihre lokale« Gedenktage, die zur Erinnerung an die fast wunderbare Errettung aus schwerer Gefahr eingesetzt sind. Gelehrte Männer haben dann für derartige Gelegenheiten besondere, den Anlaß behandelnde Selichoth oder Megilloth verfaßt. Ein solches Gebetritual hat der Landesrabbiner von Münster Abraham den Isaak Auerbach, der seinen Wohnsitz in Coesfeld, der Residenz des Bischofs, hatte, folgendem Ereignis gewidmet: Unter der Regierung des Kaisers Leopold und des Bischofs Christophe! Bernhardus von Münster trat am 24. Cheschwan 1674 ein Abtrünniger. Namens Löwe, der sonst am Tische des Rabbi aß, gegen seinen Wohltäter auf und verleumdete diesen bei dem Kirchen- und Landesfürsten in der nichtswürdigsten Weise. In Folge dessen wurde der Rabbi festgenommen und in Sassenberg eingekerkert; seine junge Frau und Kinder wurden aus dem Hause vertrieben, das ganze Besitztum von bischöflichen Beamten versiegelt, der vormalige Diener des Landesrabbiners, Abraham b. Samuel, in ein unterirdisches Burgverließ zu Dülmen gesetzt; mehrere andere kamen in's Gefängnis zu Coesfeld. Gegen nicht weniger als 48 Gemeindemitglieder hatte der Abtrünnige Verleumdungen ausgesprochen, deren eine dahin lautete, daß der Rabbi im Jahre 1671 der deutschen Synagoge in Amsterdam eine heilige Lade aus Marmorsteinen mit einem Kostenaufwand von 5000 Thalern habe bauen lassen, um sich mit derartigen Schenkkungen in Holland einbürgern und eines Tages dahin entfliehen zu können, wodurch dem Landesfürsten eine Einnahmsquelle verloren gehen würde. Die Haft währte beinahe drei Monate und das Damoklesschwert schwebte über den Häuptern aller jüdischen Untertanen. Da hörte Gottschalk aus Sternfurth, als er sich auf dem Markte zu Rheine befand, von dem Ereignis, und er ruhte nicht eher, bis er einen Plan zur Flucht fertig hatte. Durch seine Hilfe gelang es dem Rabbi, aus dem Kerker zu entkommen; anstatt aber außer Landes zu entfliehen, ritt der Befreite im vollen Bewußtsein seiner Unschuld geradewegs in den bischöflichen Palast. Einen besseren Beweis für sein reines Gewissen konnte der jüdische Gelehrte nicht erbringen. Bischof Christophe! Bernhardus gewann denn auch die Ueberzeugung, daß der Mann das Opfer einer falschen Anschuldigung geworden sei. Jetzt wendete sich das Blatt: Der Landesrabbiner wurde in Freiheit gesetzt, dafür aber der Denunziant Löwi eingekerkert. Fast ein ganzes Jahr saß der Abtrünnige in der Untersuchungshaft; auf den 23. Schewat 1674 war die gerichtliche Verhandlung angesetzt. Der Angeklagte leugnete hartnäckig, und sein Verteidiger verbreitete das Gerücht, er würde wahrscheinlich freikommen. In seiner Herzensbeklemmung ordnete der Landesrabbiner ein allgemeines Fasten mit Bußgebeten an, damit die Vorsehung die die Wahrheit an den Tag bringen und den wirklichen Uebeltäter kund tun möge. Das Gebet ward erhört. Am folgenden Tage wurde der abtrünnige Verleumder dem Scharfrichter überliefert, unter großem Zulauf der Menge an den Galgen geführt, der in Coesfeld mitten auf dem Markte stand, und ihm hier sein rechtes Ohr abgeschnitten. Dann trieben ihn die Henkersknechte aus dem Orte mit der Weisung, sich, wenn ihm das Leben lieb sei, nie wieder im Mönsterschen Lande blicken zu lassen. Schäumend vor Wut, verließ der Gerichtete unter den fürchterlichsten Drohungen Coesfeld; er kam aber nicht weit, eine Stunde vor dem Orte brach er zusammen und starb. Den unschuldig gekrankten Landesrabbiner setzte der Bischof wieder in sein Amt ein, gab ihm die Familie zurück und befreite auch die anderen Verhafteten. Zur Erinnerung an dieses Ereignis wurde in der Folge der 24. Schewat als Gedenktag eingesetzt und für diesen das Leliebotd- Heft verfaßt. Am 21. Tebet feiern unsere Glaubensgenossen in Tripolis (Nordafrika) ein lokales Purimfest, Purim Cherif genannt. Nach einem hebräischen Gedicht, welches gegen das Jahr 5465 verfaßt wurde, hätte der Bey von Tarsiffa (wahrfcheinlich Tunis), Halil Pascha, den Bey von Tripolis angegriffen, die Umgegend der Stadt eingeäschert und gedroht, sie im Sturm zu nehmen und Alles umzubringen. - Die Angst hatte bei den Belagerten ihren Höhepunkt erreicht, als eine Epidemie das Heer der Belagerer heimsuchte und sie zwang, sich zurückzuziehen. Zum Andenken an diese Befteiung haben die damaligen Rabbiner diesen „Purim Cherif" eingeführt, den das Volk, um ihn von dem wirklichen Purim zu unterscheiden, mit dem Namen „Purim Kidebouni", das heißt den „falschen Purim", benannt hat. — Noch einen zweiten Purim feiern die Juden in Tripolis im Monat Tebet: Purim Borghell. Gegen 1792 (5535) lehnte sich ein gewisser Borghell, em gebürtiger Georgier und großer Seeräuber, gegen seinen Herrscher Ali Pascha Karamali auf, griff Tripolis mit seinen Schiffen an und eroberte es. Der Sieger hatte eine Horde von Galeerensklaven als Armee; die Stadt wurde niedergebrannt und geplündert, auch die Israeliten hatten viel zu leiden. Dem Caid Abr. Holfon, Chronikschreiber dieses Krieges, wurde ein Sohn auf offenem Platze verbrannt und in dem Klagelied (Kinng), das er darüber schrieb, erzählt er alle Grausamkeiten der Barbaren. Die Gewaltherrschaft dauerte zwei Jahre, welche Karamanli benutzte, um eine Armee zusammenzubringen und die Stadt zurückzuerobern. Diese beiden „falschen Purim" unterscheiden sich von den andern Wochentagen nur darin, daß die jüdischen Läden geschlossen sind und in der Synagoge einige darauf bezügliche Gebete gesprochen werden. Korrespondenzen. Stimmen über das Gebetbuch „Beruria". Herr Dr. Alexander Marmorek in Paris in einem Schreiben an den Verfasser ddo. 2. September 1907: „Was wir alle wollen, die im Kampfe für das Judentum stehen, ist die moralische Hebung unseres Volkes, das Erwecken und Wachhalten des Bewußtseins seiner eigenen Würde. Möge Ihr schönes Werk, Herr Doktor, seinen Zweck voll und ganz erfüllen und jenen, für die es bestimmt ist, nicht bloß Trost und Stärke in schweren Stunden verleihen, sondern auch den Charakter stählen, damit sie in den schweren Zeiten der Niedrigkeit, des Verrats und Abfalls so vieler unter uns sich selbst und ihrem Volke treu bleiben! . . ." Prof Abrahams in Cambridge schreibt „Jewish Chronicle" vom 13. September 1907: „Der Titel des Buches ist sehr glücklich gewählt; es ist bestimmt, unseren Schwestern behilflich zu sein, jede auf ihre Weise eine andere Beruria zu werden, die das höchste Ideal der Weiblichkeit verkörpert. Solch ein Buch brauchten wir dringend in englischer Sprache." * * * Herr Dr. Oppenheim, Brünn schreibt unter dem 16. September 1907: „Ich wünsche, daß „Beruria" als gerne' und mit tiefer Empfindung gelesene Postille sich in den jüdischen Familien einbürgere und daß sie als Familienbuch den Erfolg erziele, den Sie im Auge hatten: Gläubigkeit, Gottvertrauen und jüdischen Sinn unserer Jugend und unseren Frauen einzupflanzen." * „Das Buch soll als Konfirmationsgabe jüdischer Knaben und Mädchen, wie als S ch u l p r ä m i e verabreicht werden und jüdischen Bräuten an Stelle der alten Techinna und so allmälig eine' Popularität und Beliebtheit erlangen." -i- * * Der Präsident des Vereines zur Hebung der Gewerbe, Herr S. Brod, schreibt: Ihr jüngst erschienenes Werk: „Das Buch der Andacht „Beruria", habe ich schon aus dem Grunde mit besonderem Interesse gelesen und mich in den reichen Inhalt desselben vertieft, weil ich schon vor 2 Jahren in der „Oesterr. Wochenschrift" die Dringlichkeit der Schaffung eines solchen Andachtsbuches für Frauen, speziell für Friedhofszwecke hervorgehobett habe. Nun erfüllt es mich mit ganz besonderer Befriedigung, daß durch das Erscheinen Ihres „Beruriawerkes" diesem Bedürfnisse abgeholfen ist. Sachgemäßer, Zeit- und Ortsverhältnissen angepaßter hätte ich mir ein solches Andachtsbuch niemals vorgestellt. Gewiß werden durch das Lesen in demselben religiös apathische oder gleichgiltige Glaubensgenossen erbaut und dem Judentum erhalten bleiben. Es wäre in erster Reihe Pflicht der Wiener und anderer Gemeinde-Bor st ehungen, für die Verbreitung der „Beruria" Sorge zu tragen. Genehmigen Euer Ehrwürden die Versicherung ganz besonderer Verehrung Wien, 16. September 1907. S. Brod Vorstand: mehrerer humanitärer Vereine.

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