Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 38 (20.9.1907)
- Date
- 1907-09-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 38 Dr Vlocv's Mocbenscvrm. Sette 633 könnte, dessen Fanatismus mit solchen Gewalttätigkeiten aus das kaum vollendete Synagoge erhob, das bedeutendste Gebäude legitimste Verlangen nach Gleichberechtigung antwortet." Bukarests. Dort plünderte sie alles, dann wandte sich ihre Wut Das Merkwürdigste ist, daß selbst die russische (!!) Regierung gegen die alte Synagoge, die sie der Zerstörung preisgab: sie eine Depesche gleichen Inhalts an die Regierung in Bukarest durchwühlte dieselbe bis auf den Grund, verlästerte die heiligen gelangen ließ. Rollen und warf sie in den Kot und nahm die silbernen Ge- So haben sich die Zeiten geändert! säße und die religiösen Ornamente mit. Brief Adolf Cremieux über die Judenverfolgungen in Rumänien Alles war beendet, als die Sicherheitsbehörde sich zeigte im Juli 1866 an den Herausgeber des Steele. und die Menge zerstreute, ohne eine einzige Verhaftung vorzu- „Jhr Journal vom 23. d. berichtet, daß ich, um die nehmen, während die unglücklichen Juden in den Konsulaten Sache meiner Religionsgenossen zu verteidigen, in Bukarest sei; der verschiedenen Mächte und bei gastfreundlichen Christen in diesem Augenblicke ist aber diese Sache nicht in Bukarest, Schutz suchten. sondern in Paris, in London und in den zivilisierten Ländern Seit den Szenen in Bukarest wurden auch in einigen zu verteidigen. In Rumänien steht die liberale Partei, die also Städten der Provinz Gewalttätigkeiten verübt; doch jetzt ist die die fortgeschrittensten Ansichten vertritt und am lebhaftesten mit Regierung konstituiert, der Fürst von den Mächten anerkannt, der 1848er Revolution sympathisiert, was religiöse und soziale Der letzte Brief, den ich erhielt, meldet mir. daß der Minister Fragen betrifft — ich bin gezwungen, es auszusprechen — auf einer Deputation antwortete: „Ihr Tempel wird wieder herdem Standpunkte des fünfzehnten und sechzehnten Jahrhunderts, gestellt werden und zwar durch Christen." Ich überlasse es Ihnen, zu bedenken, wie das Volk be- Möge die französische Presse der Sache der Zivilisation schaffen sein müsse, das durch die sogenannte republikanische zu Hilfe kommen und möge sie auf die rumänische Bevölkerung Presse tagtäglich, ohne Unterlaß und ohne Schonung, gegen die ihren wohltätigen Einfluß ausüben. Juden aufgehetzt wird. ' _ Ad. Crömieux. Ein ruchloses Blatt, die „Trompetta", predigt laut die Plünderung und Vernichtung der Israeliten und die Regierung Ignatz Brüll, läßt es geschehen. Moldauer Professoren hauchen dem empfäng- Von zahlreichen Freunden und Verehrern betrauert, ist lichen Geiste der jungen Männer, deren Erziehung ihnen an- Meister Ignatz Brüll am 17. September aus dem Leben vertraut ist, den Haß und die Wut gegen die Juden ein, und geschieden. Wir verlieren in ihm einen zartfinnigen Künstler, diese Professoren bleiben auf ihren Plätzen, während die Molder mit allen Fasern seines Herzens dem Judentum treu dauer Jugend, die Lehren derselben befolgend, ihrerseits wieder anhing. die walachische Jugend zum Kreuzzuge gegen die Juden auffordert. / Brülls Name wurde Mitte der Siebziger-Jahre durch seine Am Morgen einer Revolution haben die Minister keine ' Oper „Das goldene Kreuz" mit einem Schlage bekannt und er Macht über die Massen, keine Kraft zu widerstehen, und Einer ' hat es wohl gerade diesem Werke zu danken, daß sein Name derselben, der erklärte Führer der revolutionären Partei, der > bis auf den heutigen Tag mit Respekt genannt wird. War es den Auflauf um die Kammern herum toben hört, ruft in der ihm nun auch nicht vergönnt, seine späteren Opern öfter auf- Sitzung vom 25. Juni aus: „Wie könnet Ihr fürchten diese ' geführt zu sehen, so durfte es ihn andererseits mit Stolz erfüllen, Juden, diese enterbten Parias, ohne moralische Autorität, ohne daß sein „Goldenes Kreuz" mit wenigen Ausnahmen alles materiell^Kraft?" . ''überdauert hat, was in den letzten dreißig Jahren über die Und doch wollen die Minister, daß alle Rumänen, ohne , deutsche Bühne gegangen war. Die ungesuchte, natürliche und Unterschied der Religion, ihre bürgerlichen und politischen gleicht fließende Melodik, die in dem „Goldenen Kreuz" so an- Rechte genießen sollen! Im Jahre 1848 wurde dieses Prinzip ' genehm berührt, machte sich auch in den Kammermufikwerken proklamiert, ohne in der Moldau oder in der Walachei den und Liedern Brülls geltend, von denen viele verdienten, öfter geringsten Widerstand zu erwecken. Der junge Prinz, den!\ aufgeführt zu werden, als es tatsächlich der Fall ist. Zweifellos Rumänien eben erwählt hat, sagte mir: „Diese Vorurteile find gehörte Ignaz Brüll zu jenen österreichischen Tondichtern, deren eine Schande, ich setze meine Ehre ein, daß ich sie bekämpfen Name auch weit über die Grenzen des Vaterlandes hinaus werde; die vollständige Emanzipation der Juden wird in mir seinen guten Klang hat. Als Pianist stand Brüll in der vorden tätigsten und aufopferndsten Beistand finden." bersten Reihe der wahrhaft mukalischen Spieler, die leider nicht In der Kammer fand ich vornehmlich unter den Männern,; allzu zahlreich gesäet find. War nun Brüll in den letzten Jahren die man konservative Aristokraten nennt, erleuchtete, auf derals Komponist weniger hervorgetreten, so ließ er um so öfter Höhe unserer Zeit stehende Geister; der Präsident, ein Mann f| jein meisterliches Klavierspiel erklingen, und zwar meistens im des Jahrhunderts, berief eines Tages in eines seiner BureauDienste der Wohltätigkeit. Johannes Brahms wußte sehr wohl, mehr denn fünfzig Deputierte, die geneigt waren, mich anzu-,' warum er sich gerade mit Brüll verbündete, sobald es ihm hören und die, indem fie die größte Achtung für mich und das darauf ankam, den Freunden einen vorläufigen Begriff von lebhafteste Interesse für meine Glaubensgenossen zeigten, mich seinen nicht immer leicht verständlichen großen . Werken beizubezüglich der Abstimmung in der Kammer einen sicheren Erfolg bringen. Oft sprach er in hohen Worten von Brülls schneller hoffen ließen. Auffassungsgabe, seinem feinen musikalischen Verstehen und Ich werde Ihnen dieser Tage einen Bericht über diese ' Empfinden, von seinem unvergleichlichen Primavistaspiel. Auch merkwürdige Sitzung zusenden. Ja, Fürsten, Minister, erleuchtete '•■tj ‘ats Klavierpädagoge galt Brüll als Autorität. Zwei Jahrzehnte Männer, die konstituierende Kammer — alles versicherte mich l wirkte er als Prüfer an den Horakschen Klavierschulen, wo er seines Beistandes. Die „Trompetta" erstattete Bericht über die,^den Zöglingen eigene Klaffikerabende gab, die wohl den idealsten Versammlung, die mir einen so freundlichen Empfang bereitete,^ Anschauungsunterricht bildeten. registrierte zwei Tage daraus den wahrscheinlichen Verfall betDer äußere Lebensgang des Dahingefchiedenen wickelte Majorität und fragte, ob man der Beredsamkeit des HerrnM sich ruhig ab. Crtzmieux die Zukunft und das Wohlergehen Rumäniens opfernH«) Im November 1846 zu Proßnitz in Mähren geboren, werde als Ganzopfer dem großen Redner? .schon als Kind hervorragende Begabung verratend, ließen ihn In dieser Lage wurde der Auflauf an dem Tage hervor-A'seine wohlhabenden Eltern, die von Proßnitz in Mähren nach gerufen, wo es sich in der Kammer um die Judenfrage handelte.^/ Wien gekommen waren, bei Julius Epstein im Klavierunter- Anfänglich bedrohte derselbe rasend den Palast der Kammer.^ richte und bei Rufinatscha und Deffow in der Komposition Der Hof wurde überfallen, die Sitzung gestört und die Kammer^ ^unterweisen. mußte erschreckt von dem von außen hereindringenden Rufe, derW Er unternahm bald verschiedene erfolgreiche Konzertreisen, die Löschung des die Gleichheit der Kulte aussprechenden ArtikelsM-schrieb auch eine Oper („Der Bettler von Samarkand"), die forderte, zurücktreten. Bor diesem immensen Triumphe hatte fichMaber kaum in Betracht kam. Erst mit dem „Goldenen Kreuz" die Bolksmasse auf denselben Platz gestürzt, wo sich die neue,^machte er sich in weitesten Kreisen bekannt. Brüll schrieb noch