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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-09-20 · 38 (20.9.1907) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
38 (20.9.1907)
Date
1907-09-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 38 Vr. L>!och°s WMrrrr-christ. Seite 621 fallen, daß feine Gottheit, fein Gnadenschein ruhe auf dem Werk eurer Hände!" Und wie von unsichtbaren Mächten gefügt, stand das Tempelzelt fest und unverrückbar da'). Auch dieses Haus hier, der Anbetung und Verehrung des einzig einigen Gottes gewidmet, ist in seinen wesentlichen Bestandteilen zu gutem Ende geführt es prangt im Glanz der Neuheit, es strahlt im Schmucke künstlerischer Ausgestaltung, es leuchtet im hellen, wohltuenden Sviel frischer Farbenharmonie. Und doch erst jetzt, da Israels kostbarster Schatz, die heilige Schrift, dem heiligen Schrein anvertraut ist, erst jetzt, da aus berufenem, hochwürdigem Munde das weihende Wort ist vollzogen, steht das Haus nunmehr gekrönt und vollendet vor uns. And daran schließe sich, wie als Segenswunsch im Namen und im Austrage der israelitischen Brüdergemeinde hier, so auch aus dem andächtigen Drang der gesamten Gemeinde das betende Wort: M'T nwjH» rarsv n-wnw pan *,t „Möge es dem Herrn gefallen, seiner Gottheit Gnadenschein ruhen zu lassen auf dem Werk eurer Hände!" Wo Gott der Herr seinen Gnadenschein ruhen lassen soll, da muß Friede und Eintracht die Gemüter verbinden, da muß Liebe und Treue die Herzen erwärmen, da muß der Glaube, das Wort Gottes gläubige, empfängliche und tatkräftige Seelen finden. Alle solche Voraussetzungen und Vorzüge sollen sich bei den Israeliten der Vorzeit, als das Stiftszelt aufgestellt wurde, vereinigt haben, wie das unsere alten Lehrer im verklärenden Schimmer dichterischer Allegorie uns schildern'). Als das Heiligtum des Stiftszeltes dastand, geweiht und vollendet, da feien alle Dämonen des Aberglaubens und die Unholde des Unglaubens versunken und verschwunden; da seien die bösen Geister der Lüge und des Hasses und des Frevelmutes entflohen und entwichen; die ganze Natur strömte Frieden aus und es war, als wenn jegliche Kreatur den Atem anhielte, um den Gottesfrieden nicht zu trüben. In Frieden und Versöhnlichkeit war ganz Israel vereint; jeder Stamm bezog mit seinem Banner friedlich und willig 1>as ihm zugewiesene Standlager, und unmittelbar neben dem Stiftszelte erhob sich ein Banner, das zeigte im dreifarbigen Feld das Brustschild des Hohenpriesters, die ürim und Tumim, das Symbol des Lichts und Rechts. Ein Drittel war schwarz -pnt** v'bw, ein anderes Drittel war weiß pb iä'bv und das letzte Drittel war rot an» * 2 3). Schwarz, weiß, rot, das waren nach einer rabbiniichen Ueberlieferung die Banner färben des Stammes Lewi. des Stammes, der neben der Stiftshütte zeltete und dessen Aufgabe es war. den Frieden auf der Erde zu fördern und zu mehren und Israel mit seinem Gotte zu versöhnen. Auch das neue Haus hier erhebt sich als eine neue Bürgschaft für den gemeindlichen Frieden; und wie schon vor vielen Jahrhunderten unsere Gemeinde wegen ihrer Friedfertigkeit und Einmütigkeit gerühmt war, so hat fie es jetzt in der Gegenwart durch die Tat bewiesen, wie alles und jedes, wo es sich um die Heiligung des göttlichen Namens gehandelt hat. einträchtig und einmütig zusammenwirkte, um dieses Haus erstehen zu lasten, wie jeder alles zurückstellte, worauf sein besonderer Sinn und sein besonderes Denken sich richtet, und nur den Frieden und das Heil der Gemeinde im Auge hatte. So steht das Haus hier nun da und wird noch in ferner Zukunft davon zeugen und künden, unter dem Schutz und Schirm derselben drei Farben, welche für uns, die Kinder der Gegenwart, neue lebensvolle Wirklichkeit, begeisternde Schwungkraft gewonnen haben, weil fie das Teuerste uns versinnbildlichen, was neben Gott und Glauben unserem Herzen am nächsten steht, weil fie das deutsche Vaterland darstellen, dessen Boden uns trägt, dessen gemütsinnige Sprache uns süßer Mutterlaut ist, dessen tiefer Gedankenreichtum unseren Geist hat geschult und befruchtet, an desten Ruhm, wie an besten Sorge wir inniglich teilhaben, dessen heilspendende Herrschersonne auch uns leuchtet, das uns Licht und Recht bedeutet, bei desten Gedenken unsere Pulse heißer von dem Wunsch umgetrieben ') Tanchuma zu II. B. M., 39, 33. 2) Pesikka der Kahana (D. Buber), S. 6b. 3) Bamidbar rabbah parsch. 2. werden: Möge es dem Herrn gefallen, daß er seine Gottheit, seinen Gnadenschein ruhen laste auf diesem und jedem Werk das eure Hände schaffen! In Wahrheit betrachtet, so lehrt es das heilige Wort, und daran mahnen uns die immer näher herankommenden Tage, in Wahrheit find wir Menschen nichts als Fremdlinge und Pilgrime auf Erden, unsere Tage gleiten wie ein Schatten über die Erde hin, wir haben hinieden keine dauernde Stätte, unsere Heimat ist in Gott, von desten ewigen Wesen ein Strahl in unsere Seele ist gefallen. Darum zieht es unseren Geist in bewegter, festlich weihevoller Stunde immer wieder empor zu ihm, dem Urquell aller Geister, um in seiner Nähe die Sehnsucht des Herzens zu stillen, um ihm das. was unser Innerstes aufs Heftigste und Heiligste bewegt, in die Hand zu legen und zu befehlen. Und so befehlen wir denn in Deine schützende Hand dieses Haus hier, das Deinem Dienste geweiht worden, und alle, welche mit ihrem Geiste, mit ihrer Hand, mit ihrem Gut dazu beigetragen haben, das heilige Werk erstehen zu lasten und seine Räume , zu schmücken. Deinen Segen, o Herr, flehen wir herab auf alle, die hier versammelt find, die erschienen, um das Haus zu ehren, das zur Verherrlichung deines Namens bestimmt ist. Deiner Hut und Deinem Schutze empfehlen wir den ehrwürdigen Lehrer dieser Stätte hier, den Amtsgenosten, der lange Jahre dieses Haus ersehnt hat und nun am Ziel seiner Wünsche sich findet; stärke seine Tage, daß es ihm noch recht viele und recht lange Jahre vergönnt sein möge. Dein Wort hier von dieser Stätte aus kräftig und eindringlich zu künden! Herr, wenn einer, welcher Art und welch' Sinns er auch sei, hier eintritt, um Dein Antlitz zu suchen, so wollest Du Deiner Gottheit Gnadenschein auf ihn ruhen lasten! Wenn ein junges Paar in den Maientagen ihres Daseins den Bund der Liebe für das Leben geschloffen hat und fie am ersten Sabbath hieher in dieses Haus eilen, um Dir zu danken für die Gnade, daß Du fie habest sich finden lasten, und um Deinen Segen herabzuflehen auf das Haus, das fie sich gründen, möge es Dir, o Herr, gefallen, daß Du Deinen Gnadenschein in ihrer Mitte lassest! Wenn die Freude über neues Leben in einen Familienkreis eingezogen und die beglückte Mutter ihren ersten Ausgang hierher hält, um Dir für Deine große Gnade zu danken und den zarten Liebling ihres Herzens Deiner Fürsorge zu empfehlen, dann möge es Dir gefallen, daß Du Deiner Gottheit Gnadenschein auf Mutter und Kind ruhen lastest! Wenn ein Knabe dem zarten Kindesalter entwachsen, von den Segenswünschen der Seinigen geleitet, hieher tritt, um seinen Glauben öffentlich zu bekennen, und die Eltern mit hochklopfenden Herzen darauf harren, daß er Dein Wort vor der versammelten Gemeinde zu Gehör bringt, dann, o Herr, wolltest Du Deiner Gottheit Gnadenschein ruhen lasten auf Eltern und Knaben! Und wenn die Ordnung der Natur in einem Hause ihren Tribut fordert und der trauernde Sohn wunden Herzens kommt, um seinen Schmerz und seine Ergebung in Deinen heiligen Willen zu bekennen, so wolle es Dir gefallen, daß Du Deiner Gottheit Gnadenschein auf seiner Seele ruhen lastest, daß die Trauernden getröstet und die Gebeugten ausgerichtet werden! Ob in Freud oder Leid wir Dein Antlitz suchen, ob wir hier für unsere Glaubensgemeinde, für das Wohl unserer Stadt, für das Heil des teuren Vaterlandes, für Kaiser und Reich betend uns Dir nahen, neige Dein Ohr gnädig unserem Gebet! Es wolle Dir gefallen, daß Du Deine Gottheit, Deinen Gnadenschein ruhen und weilen lastest auf uns, auf allem, was Dir wohlgefällig unser Sinn plant, unser Geist vorbereitet und unsere Hand schafft, heute und immerdar. Amen!" Die Rede des ehrwürdigen Seelsorgers machte auf die zahlreiche Versammlung einen tiefen Eindruck. Der mit mächtigen Akkorden erbrausende Jubelpsalm 150 beendete die einzig schöne Feier, welche, wie fie einmütig versicherten, auch auf die illustren Ehrengäste tiefen Eindruck gemacht hat.

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