Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 38 (20.9.1907)
- Date
- 1907-09-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Uv. 38 Dr. Bloch’s JahrgangXX1Y Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. Wien, 20. September 1907. Lrscbetnt jeden Freitag. - Brief-Adresie: Wien. U/i» Lerggsose 39. Telegramm-Adresse: Llocb's Mocbgnscbrtft» Mten. »— -il ©epijpapreia für Vrflrrr-ich: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare. 50 Heller. ALr'i» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Sanzjährig 2V „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene PeMzette 24 Heller. »-:-—-—« N. K. Postsparkssfen-Aml Sleartng-Verkebr Nr. 810.976. Nrdaktion und Adminiflrsiion: wir« JX/i, Verggasse Nr. 39. Telefon Nr. 14.847 «-* Inhalt: Leitartikel: Auf blutigen Spuren. — „Das Zeichen an der Brust des Zaren".'—Shnagogen-Einweihung. — Judas Jschariot« Satan und Penina. — Vom Iahr m arkt des Lebens: Adolf Cremieux über die Judenkrawalle in Rumänien im Jahre 1866. Zur Geschichte des Zionismus. Die Ehre. Die „Wiege Abrahams". — Eine Hochzeit im Lande der Bibel. — Korrespondenzen: Herr Dr. Alexander Marmore! in Paris über Gebetbuch „Beruria". Professor Abrahams in Cambridge. Der antisemitische Südmark-Verein. Budapest. Eine Erinnerung an Karlsbad. Tie Juden in Marokko. — Vermischtes: Wien. Kaiserin Elisabeth-Institut für israelitische Krankenpflegerinnen. Sofia. — Feuilleton: Chawa Rubin. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. , , Ans Mutige» Spure«. Bairische Reiseeindrücke. Don Dr. Max Grunwald. Wer das Land der biederen Bajuvaren nur die breite Heeresstraße durchwandelt, dem bleibt, aus Hofbräu und Bratwurftglü.ckliwounesanrverwobeu,in freundlicher Erinnerung ein süßer Rausch. Rückwärtsschauend bestaunt er von neuem die Wunder Ludwig'scher Märchenpracht, atmet er wieder das trauliche Tanuendüster, die Bergesfreiheit Reichenhalls. Bayreuth und Oberammergau nicht zu vergessen, die lockenden Wanderziele des großen Völkerstroms. Doch auch wer im Bannkreis der blauwcißen Pfähle an einen anderen Ort verschlagen, „um nichts zu suchen", durch die Straßen schlendert, kann auf Entdeckungen stoßen, die sein volles Augenmerk fesseln. In Passau. Der Grenzstein gegen Oesterreich. Durch den „Passauer Einfall", für uns von trauriger Bedeutung. Der „Sehenswürdigkeiten" gibt es nicht viele. Eine Kirche, die ihr erstes Millennium überdauert hat. Die Feste Oberhaus, an der sich Oesterreichs Heer zweimal blutigen Lorber errungen. Doch da! Vor der Auslage eines Buchhändlers schauend und schwatzend eine bunte Menge. Zwölf Bilder werden feilgeboten. Zur Erläuterung daneben eine Broschüre. Sie trägt die blutrünstige Aufschrift „Die Hostienschänder". Die Bilder stammen aus der Kirche in Ilzstadt, einem Vororte Passaus. Dort findet man auch noch zwei Glasgemälde gleichen Gegenstandes, ja selbst einen Stein und das Messer, die bei jener Hostienschändung verwendet, worden. Um die Bilder, die man männiglich um 500 Mark erstehen kann, bewerben sich das Germanische Museum und, das Passauer Stadtmuseum. Ein Artikel in einer dortigen Zeitung hat den Ankauf empfo^ n. In den Bildern erkennen wir alte Bekannte. Diese Hostienschändung in Passau 1477 behandelt ein gleichzeitiger Holzschnitt im Münchener Kupferstichkabinet (Schr. 1965). Die Unterschrift lautet: „Nach christi gepurt MCCCCLXXVII jar Regirende zu den zeyten der hochwirdig furst vnd Herr Herr Ulrich zu Passaw geborn vonn Nußdorffi Es hat sich begeben, daß ein leychtfertiger vnd verzagter mensch weylandt genant Cristoff eysen greißhamer, vergessende seiner sel selygkayt, nach Judas syten auss begyer zeytlichs guts mit den juden dye zeyt wonende hye zu passaw, bey der Jlcz alda hinder sant Jorgen perg, feyndt vnd lesrerer des gecreutzigten waren lebentigen gots vnd Marie seiner gepereryn yn ein vorred vertrag gemacht hat." Er bot den Juden eine geweihte Hostie zum Kaufe an. „Darzu sy ym als die begyrigeu Hundt auss großem neyd so sy zu dem Herren Jesu vnserm heyland haben, antwort gaben", er solle sie ihnen nur bringen. Sie zahlten für acht Hostienteile — „eyn partyckel gepurt vmb dreyßig Pfennig zu schmach der heyligen chriftenlich kyrchen!" einen rheinischen Gulden. Man bringt „den leychnam christi" in die Synagoge, um ihn von. neuem zu kreuzigen. Kaum hatte einer der Juden „mit scharpfem Messer" in das Sakrament gestochen, als daraus Blut zur Erde floß und „eins kindes angesicht erschynen". Die Juden erschrecken, schicken sofort je zwei Partikelli nach Prag, nach Salzburg und Neustadt, den Rest werfen sie in einen glühenden Backofen. „Haben sy gesehen 2 engel [unb] 2 tauben auss dem ofen flygen." Der Dieb der Hostie wird entdeckt. Er sagt „ungezwungen solch gross vbel und mer" von den Juden aus. Auf Befehl des Bischofs werden diese von dem Marschall Sebastian von der Alben gefangen gesetzt. Sie bekennen sich schuldig, zeigen auch das Messer, den Stein, die Stätte des Verbrechens und jenen Backofen. In ihrer Angst nehmen vier von ihnen das Christentum an. Sie werden am Erichtag nach Indira mit dem Schwerte hingerichtet. Etliche Wochen später wird der Hostiendieb „nach ordnung des rechten mit gluenden Zangen" zu Tode gepeinigt. Zwei Juden, „die das sacrament behylten", werden gleichfalls mit glühenden Zangen zerrissen, die übrigen, die „vmb das sacrament gewyst haben, verprent". Die Synagoge wird zu der bis heute erhaltenen Salvatorkirche umgebaut. Die Geschichte ist längst begraben und vergessen. Das ganze Geschlecht „schläft jetzt in steinernen Särgen". Nur den verbrannten Juden gönnt man die Ruhe nicht. In der Asche glimmt noch immer etwas, woran man einen Brand entfachen möchte zu neuen Scheiterhaufen. Und die Behörde duldet die Ausstellung solcher Bilder, keine Zensur vernichtet jenes Machwerk. Noch heute wird williger Frumbheit zugemutet, die „Wahre Geschichte der gräulichen Tat, welche die