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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-09-13 · 37 (13.9.1907) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
37 (13.9.1907)
Date
1907-09-13
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 614 L)r. JbwcD'ö MiOcvenscvcttu Nr. 87 ihn schon davongejagt, würdest Du nicht den Kops den Brief hintragen? Er wird Dir's belohnen." „Wenn der Herr wünscht, gehe ich gleich," antwortete Chawa und, den Stör in die Küche hineinwerfend, lief sie davon. Offenbar hat im Buche ihrer Bestimmungen das Los eine neue Karte gewendet. Gestern hat Chawa vom Glücke Francks geträumt und heute ging sie bereits mit einem Briefe nach Uscionsz, zwar in jenes Uscionsz, das Franck verachtete, wo man für den Weg nur mit Heiden zahlte, aber erstens waren Heiden für Chawa keine verabscheuenswürdige Entlohyung, und zweitens, wer konnte wissen, ob der Posthalter sie nicht morgen nach Polanowka schicken wird, wo man einen Rubel gibt? Ist doch Franck nicht mehr Austräger, man müsse sich also die Gunst des Herrn Chrzonstkiewicz zu erwirken trachten. Sie lachte freudig auf, wie wenn ihr ein großer, blendender Gedanke gekommen wäre. Was das für ein Gedanke war, werden wir später erfahren, derweilen sind wir dem Kapf die Gerechtigkeit schuldig, daß er für das Bringen des Briefes die Jüdin ehrlich honorierte. Er ließ ihr ein halbes Scheffel Erbsen geben, ein'Viertel Mehl, einige gelbe Rüben, und als echter Kenner von Frauenschönheit streichelte er sie mit Vergnügen unter dem Kinn und sagte: „Ich werde dem Herrn Chrzonstkiewicz sagen, daß er mir immer die Briefe durch Dich bestellen lasse." Chawa verneigte sich ehrerbietig und ging weg. Auch an diesem Tage war es ihr gegönnt, mit ihren Kindern ein reichliches Nachtmahl zu verzehren. Schon war sie mit der Empfangsbestätigung aufs Postamt zurückgekommen, aber Chrzonstkiewicz hat noch immer seinen Rapport nicht verfaßt. Mit der Verständigung der Behörde, daß zwei rekommandierte Korrespondenzen vom Postillon verloren wurden, hat er sich schnell erledigt; aber mit dem Rapport an den Bürgermeister, seinem verbiffeusten Feinde, der die Arretierung Francks verlangte, hat er seit einer Stunde vergeblich sich gemüht. Er änderte die Ausdrücke, strich, schrieb um, endlich arbeitete er nach langer Mühe den Akt aus, der, wie es ihm schien, vollständig seiner Würde und der Wichtigkeit des Ereignisses entsprach. „Ich habe dem Franck die Demission gegeben," sagte er stolz zu Chawa, an dem Tische die Feder von der Tinte reinigend, „wenn Du gut dienen solltest, bleibst Du am Posten als Austrägerin. Die Jüdin verneigte sich und dankte durch stummes Berühren mit den Lippen. In diesem Augenblicke trat die Magd eiu. „Wird der Herr den Stör kalt essen?" fragte sie. „Ach richtig," rief Chrzonstkiewicz, „wie viel kommt Dir denn für diesen Stör." „Eine Kleinigkeit," antwortete Chawa. „No, komm abends um die Briefe." Er entfernte sich. Am 13. Juli des Jahres 18** wurde Chawa formell in der Würde einer Austrägerin von gewöhnlichen und rekommandierten Briefen bestätigt, in d?r Stadt und in den Dörfern gegen Bezahlung nach Belieben. Dieses Ereignis verbreitete sich in Kazmierz wie ein Lauffeuer und sie kam gleichzeitig mit dem Rapport in den Magistrat. „Hast Du gehört, hast Du gehört," sprach die Frau Bürgermeisterin, in die Kanzlei ihres Mannes hineinstürzend, „den Franck hat der Chrzonstkiewicz davongejagt und diese Häringjüdin, die Symchowa, auf deffen Stelle .... „Soeben überreichte er mir einen Rapport über einen durch Franck verübten Diebstahl, mit der Forderung, baß ich ihn einsperre. (Schluß folgt.) Neue Bücher. SV. Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule itt Budapest für das Schuljahr 1906—1907. Vorangeht: Zwei jüdisch-persische Dichter Schahin und Jmrani von Prof. Dr. Wilhelm Bacher. (Erste Hälfte) Budapest 1907. Jakob Scherek. Wahn. Drama in vier Akten und einem Vorspiel. Mit Umschlagzeichnung von Gadso Weiland und Buchschmuck von F. O. Behringer. Preis geh. Mk. 2.40, geb. Mk. 3.25. Verlag von Richard Wöpke, Gotha und Leipzig, 1907. V. I. H. Das goldene Kalb. Im Berlag des „Israelit", G. m. b. H., Frankfurt a. M. (Stiftstraße) soeben erschienen: Dr. Josef Wohlgemuth, Dozent am Rabbinerseminar zu Berlin: Die Vorträge des P. Erich Wasmann in Berlin. Artur Kahn, Dämon und Phintias in der I u d e u g a s s e. Judaeus. Der Baalschem von Michel st ad t. Literatur. Einsames Land. Erzählungen und Stimmungsbilder von Dr. Wilhelm Münz, Rabbiner in Gleiwitz. Verlag von I. K a u f f m a n n, Frankfurt a. M., 1907. Der Verfasser hat nach Proben seines philosophischen und ethischen Vermögens nicht die Nötigung zu einer Vorrede empfunden. Und das mit vollem Rechte, denn der glänzende Stilist und tiefe Denker bedarf für sein tiefdurchdachtes Geistesprodukt keiner Empfehlung, es empfiehlt sich von selbst. So möge denn die kritische Nachrede an Stelle der empfehlenden Vorrede treten. Die von Münz erwählten Stoffgebiete liegen abseits vom Lande und von Leuten allgemeiner, man möchte hinzufügen auch besonderer Art, aber umsomehr sind sie geeignet, uns zum Verweilen zu überreden, weil wir doch oft zu gerne aus dem wilden Gewoge in „einsames Land" flüchten. Viel Symbol ist unserem Buche der Stempel seiner dichterischen Weihe. Daß er aber ein dichterischer Rabbiner voll tiefer religiöser Empfindung ist, der zu uns. spricht, und daß der Theologe an allen Ecken und Enden hervorlugt, kann dem Buche nur als Empfehlung dienen. Zum größten Teile sind es rein jüdische Ideen, die uns in wundersamer Gestaltung entgegentreten, und schlicht gekleidet gewinnen sie unsere höchste Aufmerksamkeit. Eine Mutter allein errettet den der Hölle verfallenen Sohn und gegenseitlich vertreibt der Kinder Untreue den guten Schutzgeist des Vaters. Hier rettet ein Glaubensstarker, Glaubenstreuer mit Preisgabe ' seines Lebens heilige Rollen aus dem brennenden Tempel, dort hält der fromme Rabbi die höchste Trauerung, den gewaltigsten Vaterschmerz zurück, den Sabbathfrieden nicht zu stören. „Weben und träumen in der Laubhütte" ist ein Stimmungsbild sondergleichen; es ist selbst erlebt, selbst empfunden; nicht minder schön ist auch das „Wintermärchen". Schließlich führt uns der Dichter auch in die Schatzkammer der Weisheit. In zwei längeren Stimmungsbildern eröffnet sich uns blendender Streiflichter voll ein Gang durchs Lebenslabyrinth. Nicht oft verdient es ein Buch so sehr, gelesen zu werden. Es ist ja das Beste, was von einem Buche gesagt werden kann: Man wird nicht müde, es immer wieder zu lesen, das gilt vom „Einsames Land". Es sei hierdurch den jüdischen Häusern zur Lektüre bestens empfohlen. Dr. F. Rich. H eins ch el. Kanitz, den 30. August 1907. Danksagung. Ausserstande, allen denen, die in sehr grosser Zahl die Güte hatten, mir aus Anlass des jüdischen Neujahrsfestes ihre Glückwünsche zuzusenden, einzeln zu danken, tue ich dies auf diesem Wege. Dr. GUSTAV EOHN.

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