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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-09-13 · 37 (13.9.1907) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
37 (13.9.1907)
Date
1907-09-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 87 wt. Llocv's Mocbenscvnn. Leite 607 Man Vereinige die Völker oder Konfessionen heute und sie entwickeln sich morgen auseinander. Tragen wir unsere Verschiedenheit bewußt, aufrecht, stolz, pflegen wir sie mit Eifer und Demut und sie wird sich von selbst zu ethischer und ästhetischer Schönheit entwickeln. Der Kantor senkt die Stimme. Der Chor übernimmt Wort und Ton: Ma tobu oholecho Jaakof. Wie schön find deine Zelte Jakob. * * * Die Weihe schreitet vor, der weltliche Bau verwandelt sich vor unseren Augen zu einem Heiligtum. Der Oberrabbiner von Wien schickt sich an, das ewige Licht zu entzünden. Diese Flamme, diese zarte Lichtquelle, die hier vor unseren Augen entsteht, strömt magische Gewalt aus. In ihr ruht etwas von jener Schöpferkraft, die in den ersten Weltentagen Wasser von Erde schied und die ewigen Lichter in die Himmelsbahn setzte. Das Licht ist ewig. Ewig, denn es kommt aus urdenklichen Zeiten und wird noch leuchten, wenn uns längst das Dunkel umfangen wird. Die Kinder, die mit uns find, sie mögen gedeihen, ihnen wird das Licht leuchten in ihren mannbaren Jahren, die Mädchen^von heute werden unter diesem Lichtschein den Segen des Lebensbundes empfangen und wer weiß, wie bald liest man an dieser Stelle unsere Namen, aus der Liste jener, die im ewigen Lichte weilen. Kinder und Kindeskinder werden einst die wesenlosen Namen jener hören, die heute lebendig unter ihnen wandeln, ihnen diesen Tempel erbaut und geschmückt, die Weihe vollzogen haben. Das Lichtlein aber wird ruhig flammen und flackern, es wird leben und gedeihen, dieselbe Flamme, die jetzt entsteht. Wir sind am Urbeginn eines Geschehnisses, das selbst nur ein Glied einer endlosen Kette darstellt — wie das einzelne Menschendasein nur ein kurzes Ausflammen in der ewigen Lichtquelle des Lebens bedeutet. Das Lichtlein leuchtet auf im Hauch des Segensspruches. Spende Licht den Betrübten, erhelle das Leben der Bedrückten, leite heim die Verirrten, erweiche die Herzen, die verhärteten. Du kleines, zartes Flämmchen im Westen Wiens! Bist du ein Kind jener Feuersäule, die unser Volk auf seiner harten Büßerfahrt durch die Wüste geleitete? Stammst du aus dem Prachtbau Salomos auf dem Berge Moriah? So wie du unsere Seelen zurückleitest zu den Glanztagen unseres Volkes, führe unsere Kinder vorwärts, heimwärts zu den reinen Quellen ihres Ursprunges, zum Bewußtsein ihrer selbst, zu äußerem Ansehen, zu innerem Glücke. Ex Oriente lux, aus dem Osten stammt das Licht. Zarte kleine Flammenseele, dauerndes starkes ewiges Licht sei gesegnet! H. Y.-St«-,, * * * Die Einw eihungsfeier. Donnerstag am 5. d. M. nachmittags wurde die neue Synagoge in Döbling, Dollinergasse Nr. 3, eingeweiht. Sie erhebt sich, umgeben von prachtvollen Gartenanlagen, in modernem Stil erbaut und mit elektrischer Beleuchtung ausgestattet. Die Pläne stammen vom Architekten W o h l m u t h, den Bau ausgeführt hat Baumeister Gießkann. Die Festgäste wurden vom Obmanne des Tempelvereines Julius Lederer und den Vorstandsmitgliedern empfangen und zu den reservierten Plätzen geleitet. Es hatten sich eingefunden: Der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, Vizepräsident Landesschulrat Dr. Gustav K o h n, die Vorstandsmitglieder Hofrat Dr. R a p p a p o r t, Dr. Markus Spitzer. Max Frank und Emanuel H o f m a n n, erster Sekretär kaiserlicher Rat Dr. Lieben, Sekretär Dr. Adler, Reichsratsabgeordneter Dr. Mahler, die Tempelobmänner Gottlieb B e t t e l h e i m und Licco A d u t t, Großindustrieller kaiserlicher Rat Alexander Engel v. I a n o s y, die Bethausvorsteher Karl Lemberger, S. Wasservogel und Ignaz Simon, Architekt Modern, Polizeibezirksarzt Dr. Silberstein, Schriftsteller Aork-Stein er, sowie zahlreiche Damen und Herren aus dem 19. Bezirk. Unter den Klängen eines Orgelpräludiums erfolgte der Einzug der Thorarollen. Nach einem Psalmgesange hielt Obmann Lederer die Begrüßungsansprache. Dann hielt Präsident Dr. Stern eine Anrede, in der er für die anerkennenden Worte des Obmannes an das Präsidium und den Vorstand der Kultusgemeinde dankte. Hierauf nahm Oberrabbiner Dr. Güdemann die Zeremonie des Anzündens des ewigen Lichtes vor. Schließlich hielt Rabbiner Dr. Feuchtwangdie Festrede. Den gesanglichen Teil der Einweihungsfeier besorgte der neue Kantor Herr Jakob Landau, dessen schöner Vortrag allgemeinen Beifall fand. Besonders hervorzuheben find die glänzenden Leistungen des aus diesem Anlässe zusammengestellten Chores, der unter Leitung des Dirigenten Herrn I P o r t h sämtliche Gesänge in musterhafter und eindrucksvoller Weise zum Bortrage brachte. Mit dem Gebet für den Kaiser, das Rabbiner Dr. Schmiedel sprach, und mit der Abfingung der Volkshymne schloß die schöne Feier. Die Inden in Bulgarien. Das zwanzigjährige Regierungsjubiläum des Fürsten Ferdinand von Bulgarien darf wohl als Anlaß genommen werden, sich mit den im Fürstentume Bulgarien lebenden Juden und ihren Schicksalen während der Regierungszeit des Koburgers zu beschäftigen. Die Zahl der gesamten jüdischen Bevölkerung in Bulgarien wird auf etwa 32.000 geschätzt, wovon der größte Teil aus Spaniolen besteht, deren Vorfahren anläßlich der großen Judenvertreibung aus Spanien hieher geflüchtet find. Erst nach der Gründung des Fürstentums find auch aus anderen Teilen Europas Juden nach Bulgarien gekommen, ihre Zahl dürfte im Ganzen ungefähr 4000 betragen. Die zwei größten jüdischen Gemeinden befinden sich in Sofia (8000 Seelen) und P h i l i p p o p e l (3000 Seelen), während in den anderen Städten, wie Rustschuk, Varna, Burgas, Samakow rc. nur kleinere jüdische Gemeinden bestehen. Viele größere, bedeutende Städte, wie z. B. die altbulgarische Hauptstadt T irn o w o, find ganz jud enrein oder beherbergen nur einige wenige neueingewanderte jüdische Familien. Politisch, oder richtiger gesagt, formell genießen die Juden Bulgariens ziemlich große Freiheiten, aber im praktischen Leben bekommen sie den Haß der Bulgaren in sehr empfindlicher Weise zu spüren. Merkwürdigerweise richtet sich dieser Haß gegen die seit Jahrhunderten in Bulgarien angefiedelten sephardischen Juden in viel schärferem Maße, als gegen die erst vor kaum zwanzig Jahren eingewanderten Aschkenasim. Diese Voreingenommenheit gegen die spaniolischen Juden geht so weit, daß in manchen Städten, wie z. B. in dem bereits erwähnten Tirnowo, ein spaniolischer Jude von der Bevölkerung nicht geduldet wird. So oft einer den Versuch gemacht hat, sich in einer der altbulgarischen Städte niederzulassen und ein Geschäft zu eröffnen, mußte er infolge des allgemeinen, streng durchgeführten Boykotts seitens der Bulgaren den Ort, in den meisten Fällen ganz verarmt, wieder verlassen. Interessant ist die Begründung dieses unauslöschlichen Haffes gegen die spaniolischen Juden. Unter den Bulgaren lebt nämlich die Legende fort, daß ein Spaniole zur Zeit der türkischen Herrschaft die bulgarischen Revolutionäre an die türkische Regierung verraten hätte. Obgleich nun diese Behauptung schon längst authentisch widerlegt wurde, dient diese politische Lüge dennoch als Hetzmittel gegen die spaniolischen Juden, zu welchem besonders die schlauen, bulgarischen Kaufleute mit Erfolg greifen, wenn ihnen in einem Juden eine Konkurrenz zu erstehen droht. Die eigentlichen autochthonen Juden find die Sephardim, die auch heute noch unter dem Einflüsse türkischer Sitten und Gebräuche stehen. Diese Erscheinung, welche ihre Erklärung zum Teile in dem den Juden im Allgemeinen eigenen Konservatismus, andererseits aber in der Tatsache hat, daß die Juden sich unter der türkischen Herrschaft viel freier bewegen sonnten als unter der bulgarischen, hat aber auch ihrerseits zur Folge, daß die Bulgaren auch heute noch in den spaniolischen Juden Freunde und Verbündete der Türken erblicken, denen nicht zu trauen sei. Die Sephardim sprechen auch ihre eigene Sprache, den mit türkischen Sprachelementen vermischten spanisch-jüdischen Jargon. Dieser Sprache bedienen sie sich auch in ihren Schulen. Die jüngere Generation unter den Sephardim beginnt allmälig

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