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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-09-06 · 36 (6.9.1907) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
36 (6.9.1907)
Date
1907-09-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 694 Ich hrcke dem Kapitän Poulet befohlen, ihnen 1.75 Frcs. täglich oder den doppelten Wert in Stoffen zu zahlen, die man den Arabern abgenommen hat. Kommandant M a n g i n. j Casablanca, 17. August.! Herrn Platzkommandanten Mangin. Der Scheich der Israeliten teilt mir soeben mit, daß Sie von Israeliten Arbeit am Sabbath verlangt haben. Diese armen Leute sind gewiß geneigt, auf Ihren Befehl mit dem besten Willen von der Welt zu arbeiten. Aber dem Glauben ihrer Väter treu ergeben, würden sie das Gefühl haben, ein Sakrileg zu begehen, wenn sie am Sabbath arbeiteten. Ich bitte Sie deshalb, Herr Kommandant, im Namen der Ideen der Toleranz, zu deren vornehmsten Vertreter Frankreich sich durch die Jahrhunderte gemacht hat, Ihren israelitischen Arbeitern gütigst gestatten zu wollen, daß sie am Sabbath ruhen. Ich verspreche Ihnen, daß sie ihrer Aufgabe mit Eifer an allen anderen Tagen der Woche Nachkommen werden. I s. Pis a. Der Herr Kommandant hat mir alsbald geantwortet, daß Befehl gegeben sei, wonach die Israeliten am Sabbath nicht mehr zu arbeiten brauchen. I s. Pisa. Aufruf. Das Elend unserer marokkanischen Glaubensbrüder, zu jeder Zeit groß, hat sich durch die jüngsten Ereignisse noch unermeßlich gesteigert. Die Gemeinde von Casablanca, die vor Kurzem 6000 Seelen zählte, ist durch Gewalttaten von Mauren und Kabylen dezimiert und unter namenlosen Greueln um all ihr Hab und Gut gebracht worden. Die Alliance Jsraelite Universelle hat unverzüglich in die Stätte der Verwüstung Hilfe geschickt, hat die Bedrängten mit Nahrung und Unterkunft versehen. Doch der Bedarf übersteigt die bereiten Mittel, und leider ist zu befürchten, daß die Zahl der Bedürftigen sich noch mehren wird. Die Alliance Jsraälite Universelle, die seit einem halben Jahrhundert die Fürsorge für unsere bedrückten Glaubensgenoffen sich zur tagtäglich geübten Pflicht gemacht hat, an die sie nicht durch Katastrophe« erinnert zu werden braucht, wendet sich in oer Not des Augenblicks an Sie mit der Bitte, anläßlich der bevorstehenden Feiertage der heimgesuchten Brüder in Marokko zu gedenken. Nehmen Sie freundlichst auch von Freunden und Bekannten Gaben entgegen und führen Sie sie uns zu. Das Deutsche Bureau der Alliance Jsraslite Universelle (Berlin N 24, Oranienburger Straße 42/43) vermittelt die Ueberleitung der Spenden nach Marokko. Die Alliance Jsraelite Universelle hat das Hilsswerk von altersher organisiert. Ihre Vertrauensmänner und Sendboten sind landeskundig und bei den Behörden legitimiert; sie verstehen, die Unterstützungen an die rechte Stelle zu leiten und für die rechte Verwendung zu sorgen. Wir hoffen sehnlichst, daß wir keine Fehlbitte getan haben, und begrüßen Sie unter herzlichen Neujahrs-Glückwünschen mit aller Hochachtung Die Deutsche Konferenz-Gemeinschaft der Alliance Jsraslite Universelle. Geheimer Kommerzienrat L. M. Goldberger, Präsident. , Charles E. Hallgarten, M. A. Klausner, Stellvertretender Präsident Geschäftsführer. Das Deutsche Bureau der AllianceJsraälite Universelle stellt uns nachstehenden Bericht aus Bukarest über den Aufenthalt der amerikanischen Einwanderungskommission in Rumänien zur Verfügung: Die Delegierten der großen amerikanischen Einwanderungskommiffion haben sich hier auf das Genaueste über die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Ursachen informiert, die die Israeliten Rumäniens zur Auswanderung' treiben. Die Kommiffionsmitglieder haben das Land verlassen, überrascht und tiefergriffen von dem, was sie gesehen und gehört haben. Man darf wohl ännehmcn, daß die Mitglieder der Kommiffion Aufilärung gc- Rr. 36 funden haben über alle die Unbilden, denen die Juden dieses Landes ausgesetzt sind. Der Präsident der Kommission, Herr Bennet, hat sein Bedauern ausgesprochen, daß seine amtliche Stellung ihm nicht gestatte, seine Eindrücke und Gefühle in der Presse darzulegen. Der Bukarester „Adeverul" bringt folgende Auslassung über die amerikanische Kommission: „Der Kongreß der Vereinigten Staaten von Amerika hat im Hinblick auf ein vorzubereitendes Einwanderungsgesetz eine Kommission aus seiner Mitte beauftragt, sich nach Europa zu begeben und die Ursachen der Auswanderung zu erforschen. Die Kommission besteht aus 19 Deputiertenvon denen jeder einen Dolmetsch und vier Stenographen zur Seite hat. Die Kommission hat sich über ganz Europa verbreitet. Für Italien, die Türkei, Kleinasien, Griechenland, Bulgarien und Rumänien hat die Kommission Herrn W. S. Bennet entsandt, republikanischen Abgeordneten in Washington und Epitropos der presbyterianischen Kirche in Nerv-Jork. Sein Dolmetsch ist Herr Dr. Maurice Fischberg. Herr Bennet hat damit begonnen, Italien in allen Teilen zu besuchen. Danach hat er sich nach Bosnien, Serbien, Bulgarien, Macedonien, Griechenland, Palästina, Syrien begeben und in Konstantinopel Aufenthalt genommen. Hier wurde Herr Bennet vom Sultan empfangen. Der Sultan übergab ihm einen eigenhändigen Brief für den Präsidenten Roosevelt und überreichte Herrn Bennet, der als offizieller Abgesandter eine Auszeichnung nicht annehmen darf, einen Orden für seine Frau. Von Konstantinopel begab sich Herr Bennet nach Bukarest, wo er vom König und den Ministern der Auswärtigen Angelegenheiten und des Innern empfangen wurde. Der Minister des Innern gab ihm ein Empfehlungsschreiben an die Präfekten der aufzusuchenden Städte. Da die Aufgabe der Kommission darin besteht, die Ursachen der Auswanderung zu ergründen, so mußten die Delegierten sich mit den Auswanderern, deren materielle, soziale und politische Lage sie kennen lernen wollten, in Verbindung setzen. Herr Bennet richtete naturgemäß seine Aufmerksamkeit auf den jüdischen Teil der Bevölkerung, weil dieser allein das Kontingent für die Auswanderung nach Amerika stellt. Herr Bennet besuchte zuerst die Stadt Jassy, wo er alle ’ aus den Dörfern Vertriebenen, die zumeist nach Amerika gehen wollen, befragte. Von Jassy begab sich Herr Bennet nach T. Frums und Podul-Jlvici. Der Maire von Podul-Jloici erklärte Herrn Bennet, daß alle Juden, die in dieser kleinen Stadt sich nach 1904 niedergelassen haben, ausgewiesen werden, wenn sie nicht eine Aufenthaltserlaubnis für die ländlichen Gemeinden erhielten. In Botosani unterhielt sich Herr Bennet viele Stunden lang mit den vom flachen Lande Vertriebenen und mit den Auswanderungsanwärtern. Die Kommissionsmitglieder erkundigten sich nach dem Schicksal der Leute, nach ihren Absichten und nach den Namen der Verwandten, die sie in Amerika haben. Die Delegierten wohnten auch der Verteilung der Unterstützungsgelder an die im vergangenen Frühjahr Geschädigten bei. Nachmittags besuchten sie die armen jüdischen Stadtviertel, namentlich den Stadtteil Calicimei, der die meiste Zerstörung auszuweisen hat. Die Herren Bennet und Fischberg traten in mehrere Häuser ein und waren lebhaft bewegt von dem elenden Zustand, in dem sich die Bewohner befandest. Herr Bennet spendete 125 Francs zur Verteilung von Brot an die Armen, die er besucht hatte. Von Botosani begab sich die Kommission nach dem Dorf Manolesti, wo sie drei Stunden lang die Wohnungen der Bauern besuchte, die Bauern nach ihrer Lebensführung befragte und nach den Beziehungen, die zwischen ihnen und den Pächtern bestehen, nach den Arbeitskontrakten, nach den Arbeitsbedingungen u. s. w. Die Bauern gaben alle von ihnen geforderte Auskunft. Auf die Frage nach den Ursachen ihres Aufstandes erwiderten die Bauern, daß ihr Dorf an dem Aufstand und an der Verwüstung von Botosani nicht teilgenommen habe. Auf die Frage, welche Hoffnungen sie in die Wirksamkeit der augenblicklich in Vorbereitung befindlichen agrarischen Gesetze hätten, begnügten sie sich mit der Erwiderung: „Können wir wiffen, was die Großen tun wollest?" Herr Bennet machte Dr. Liocb's MocbenscDrtrt.

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