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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-09-06 · 36 (6.9.1907) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
36 (6.9.1907)
Date
1907-09-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 36 Kr. Mocb s Mlocdenscbrttt. Seite 887 gewußt hat, er wollte den Juden einprägen, daß man, wenn ein großes Ziel zu erreichen ist, auch große Mittel anwenden muß. Welche großen Mittel wollen Sie verwenden? Sie nennen sich politische Zionisten. Nun sind Sie alle gezwungen, trotzdem Sie, wie ich gesagt habe, noch nicht alle politisch reif find, Politiker zu sein. Aber das eine werden Sie aus der Politik denn doch schon gelernt haben, daß man, um Politik zu treiben, Macht befitzen muß. Die Macht aber, die wir heute besitzen, ist nur die große Idee, die uns vereint, ist das unerhörte Unrecht, das seit zwei Jahrtausenden an uns geübt wird (lebhafter Beifall). Diese Macht zählt aber noch nicht einmal in dem Lande, in der Stadt, wo wir heute weilen. Wir müssen eine andere Macht haben, das ist die Macht des Geldes, die modernste Macht (lebhafte Zustimmung). Unser großer geliebter Führer Herzl hat mit großen Kämpfen versucht, uns einen kleinen Schätz zu schaffen, der darin die Form gefunden, daß er die Bank gegründet hat. Meine Damen und Herren! Was in den Statuten der Bank steht, ist mir momentan völlig gleichgültig! Der Geist aber, der bei der Gründung der Bank zum Ausdrucke kam, war der, ein politisches Institut aus der Bank zu schaffen und nicht ein geschäftliches Instrument, und nicht das Geld der Bank für kleine und kleinliche Dinge zu vergeuden und zu verschwenden, sondern das Kapital der Bank zu dem eisernen Bestände zu machen, der auf uns wartet, damit wir nicht auf das Kapital warten sollen, wenn die Zeit gekommen sein wird. Hoher Kongreß! Als Dr. Nordau vor einigen Tagen hier stand, umjubelt von Ihnen, wie der Geist des jungen Judentums, und einen Schrei in die ganze Welt gerichtet hat, bleich vor der Größe des Augenblickes, in dem wir uns befanden, und nach dem gerufen hat, was uns seit Jahrtausenden verweigert wird, nach Gerechtigkeit für unser Volk, ein Appell, der weit über''alle Lande gehört worden ist; ich frage Sie, meine sehr verehrten Damen und Herren, haben Sie sich da gefragt, ob der Appell auch nicht an Sie gerichtet ist? Ich frage Sie, haben Sie sich in dem Momente, wo endlich einmal andere Völker und Staaten das geben wollen, worauf wir ein Anrecht haben und worum wir gar nicht betteln wollen, ich frage Sie, haben Sie sich gefragt, ob Sie wirklich für diesen Moment der Gerechtigkeit auch schon vorbereitet find? Haben Sie sich gefragt, ob unsere nationale Bewegung wirklich das Judentum in seiner ganzen Größe darstellt? Ob sie eine Bewegung der ganzen Nation ist? Das wäre die richtige Antwort auf den Appell gewesen, den Nordau an die Außenstehenden und uns, die Jnnenstehenden, gerichtet hat. Wir müssen uns ehrlich gestehen, wir find noch nicht die Bewegung der ganzen Nation, wir müssen uns ehrlich gestehen, daß noch viele nicht mit uns gehen, welche noch mit uns gehen würden, wenn nicht dieser Geist der Intoleranz gegen diejenigen bei uns herrschen würde, welche nicht derselben Ansicht mit uns find (Widerspruch, Beifall und Händeklatschen bei einem Teil der Delegierten). Das ist derselbe Geist, das ist dieselbe Kette, und das find dieselben kleinen Ringe dieser Kette, welche bewirkt haben, daß hier oben auf unserer Tribüne nicht jene Männer fitzen, welche in der ersten Stunde der Enthusiasmus uns zugeführt hat (Lebhafter Beifall und Händeklatschen). Wo find die Mandelstamm, wo find die Jassinowski, wo find überhaupt die Männer, die in erster Stunde an der Seite Herzls gestanden find? (Stürmischer Beifall, Lärm und lebhafter Widerspruch.) Wo find alle diejenigen? (Ruf: In Afrika!) Nein, diese Herren find nicht in Afrika, und ich bin überzeugt, sie find heute ebenso gute Zionisten, wie wir alle find (Stürmischer Beifall. — Lebhafter Widerspruch). Die Herren mögen in einem Augenblicke ihre Herren haben lauter sprechen lasten als ihren Verstand, während Sie, meine Damen und Herren, jetzt Ihre Herzen lauter sprechen lasten als Ihren Verstand (Beifall und Widerspruch). Diese Männer haben sich hinreißen lasten von der großen Idee, die wir nicht begreifen konnten, die sie aber vor uns begriffen haben wollten. Diese Herren wären hier geblieben, sie wären mit uns gegangen, sie hätten uns zur Zierde gereicht, wenn nicht dieser Geist unter Ihnen geherrscht hätte (Lebhafter Beifall). Darum, meine sehr verehrten Damen und Herren, möchte ich auf das Sprichwort antworten, das Herr Dr. Stand hier gebraucht hat, indem er sagte: „Naaffeh renischmah" — Ihr sollt zuerst tun und dann hören! Ist das etwa eine bedeutende politische Reife? (Lebhafter Beifall.) Zuerst soll man hören, und dann erst soll man tun. (Lebhafte Zustimmung.) Und darum, meine Damen und Herren, hören Sie auf das, was Ihnen der eine einzige große Mann gesagt hat, den wir überhaupt seit Hunderten von Jahren beseffen: Seid ein starkes Volk, wenn auch mit schwachen Kräften! Schließt Euch fest zusammen und macht keine Restriktionen, wie sie gestern in der Bankangelegenheit gemacht worden find. Oeffnet Euere Arme, damit alle Diejenigen zu Euch kommen können, welche mit uns find, welche mit uns dieselben Ideale haben. Wenn wir diesen Geist, den ich den Geist eines größeren Judentums nennen möchte, in uns ausgenommen haben werden, wenn wir diesen Geist befitzen werden, der uns alle dasselbe wird tun lasten, der nichts trennt, der unsere Kraft nicht verschwinden lasten wird, dann, meine Damen und Herren, wird es nicht dazu kommen, daß wir plötzlich eine Debatte haben werden, bei der es heißt: Pro- und Kontraredner (Lebhafte Zustimmung). Meine Damen und Herren! Es gibt nur Proredner, nur Redner für die Palästinaarbeit (Lebhafter Beifall). Ich möchte Ihnen Schritt für Schritt während der Spezialdebatte den Beweis erbringen, daß es nur Proredner für Palästina gibt. Was wir eben verhindern wollen, ist, daß wir von der ersten Idee, die uns vereinigt hat, allmählich, aber vollkommen uns abwenden. Was wir immerwährend Euch zurufen, ist: Bleibt das, was Ihr seid, bleibt das, was Euch früher von den andern Juden unterschied, ein etwas höheres Judentum. Ihr aber seid im Begriffe, diesen Weg zu verlaffen. Und warum habt Ihr wohl noch nicht vollkommen begriffen, was unser großer Führer Herzl einst gesagt hat? Weil Ihr ein kleinmütiges Bott seid, weil Ihr nicht warten könnt. Das glorreiche Haus dieses Landes hat den Wappenspruch: Ich werde festhalten. Wir unsererseits werden an unser« Wappenspruche festhalten! Was uns wohltut, das ist, daß wir, von hier Weggehen gestärkt und gekrästigt von der Idee: Entweder halten wir am politischen Zionismus oder der Zionismus hat überhaupt gelebt. (Stürmischer, anhaltender Beifall und Händeklatschen. — Zwischenrufe und Unruhe.) Perbaud der Rabbiner Mahren» und Schlefien». Der unter diesem Titel in der vorigen Nummer Ihres geschätzten Blattes gebrachte Bericht erwähnt unter Anderem auch des vom Unterzeichneten angebrachten „Antrages auf Veranstaltung von Wandervorträgen wiffenschaftlichen Inhaltes, der dem Vorstande des Verbandes zur Erwägung überwiesen" wurde. Da der fragliche Vorschlag in der vom Herrn Berichterstatter dargebotenen Form leicht zu Unklarheit Anlaß bieten könnte, möge eine löbliche Redaktion gestatten, denselben näher zu f detaillieren. „Wandervorträge kennzeichnen sich vorwiegend" dadurch, daß sie von ein und derselben Person unternommen werden; sie befasten sich vornehmlich mit ein und demselben Thema; sie verfolgen endlich das Ziel, überredend den Zuhörer für die eigene Meinung zu gewinnen. Bon all dem ist mein Vorschlag weit entfernt. Die „Satzungen des Verbandes Rabbiner Mährens und Schlesiens" haben, offenbar geleitest von dem Bestreben, bildend auf unsere Gemeinden zu wirken, gleich im § 2 als „Zweck des Vereines" vorgezeichnet: b) die Pflege der Wissenschaft des Judentums, c) die Wahrung der Ehre des Judentums gegenüber Verunglimpfungen und Angriffen auf dessen Lehrinhalt, ä) Förderung seiner Mitglieder in wistenschastlicher Tätigkeit". 8 5. „Jedes ordentliche Mitglied ist verpflichtet, von Zeit zu Zeit Vorträge und vom Ausschuß zugewiesene Referate zu hatten". Wahrlich, ein des Rabbinerver-

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