Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 35 (30.8.1907)
- Date
- 1907-08-30
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 35 ror. JSlocb’s Mocbenscbrtrt, Seite 583 Testament des Moses Seckel. 6. Schenkungsbrief über die Synagoge von Bayreuth. 7. Tabellarischer Zusammentrag über die Anzahl der Judenfamilien. 8. Der Trousseau einer reichen Jüdin im Jahre 1785. Preis broschiert Mk. 3.—. Verlag B. Seligsberg's Antiquariatsbuchhandlung, Inhaber F. Seuffer, Bayreuth, 1907. Markus Bollag, Benjamin Kahn, Die Seele des Geschäftes. Preis Frcs. 1.20 — Mk. 1.—. Verlag: Art. Institut Orell Füßli in Zürich. E. König, Dr. phil. und theol., ordentl. Professor an der Universität Bonn. Die Poesie des Alten Testamentes- Preis geheftet Mk. 1.—, geb. Mk. 1.25. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig 1907. Krrefkasterr. K. L. An der Troppauer Skandalaffaire sind ausschließlich arische Kreise beteiligt. Auch einer der Gründer des deutsch-nationalantisemitischen Arbeitnehmerverbandes, der gegenwärtig wegen Diebstahls eine fünfmonatliche Kerkerstrafe abbüßt, wurde überführt, sich mit Schulmädchen vergangen zu haben, und wird sich deshalb noch vor Gericht zn verantworten haben. Die polizeilichen Erhebungen werden noch immer fortgesetzt, und die Liste der in die Affäre Verwickelten scheint noch lange nicht abgeschlossen zu sein. Bemerkenswert ist auch, daß es sich dabei besonders um Mädchen handelt, die die Klosterschule der Schwestern vom deutschen Ritterorden besuchen, also die „sittlichste, religiöseste Erziehung" genossen haben und die die größte Verderbtheit und Sittenlosigkert zeigten, so daß vier von ihnen bereits an eine Besserungsanstalt abgegeben wurden. Wir empfehlen das Studium der bevorstehenden Verhandlungen unseren arischen Sittenprediger, die ja seinerzeit die mchtswürdige Behauptung aufgestellt haben, daß an den meisten Sittlichkeitsverbrechen die Juden schuld hätten. „Arische Rasse." Aus Lissabon wird gemeldet, daß die Polizer mehrere junge Männer, die begüterten Familien der Hauptstadt angehören, wegen unerhörten unsittlichen Treibens verhaftet hat, das an die Grausamkeiten zu Neros und Caligulas Zeiten erinnert. Der Schauplatz ihrer Schandtaten war das einem jungen Fabrikanten namens Nimes gehörige Landgut unweit der Hauptstadt. Dorthin lockten die Bestien junge Mädchen, die sie nach wüsten Gelagen durch Knechte gewaltsam entkleiden und mißhandeln ließen und dann in diesem Zustande den fürchterlichsten körperlichen Qualen unterworfen. Sie wurden unerträglich lange in kalten Bädern festgehalten, dann wieder in der heißen Sonne an Pfähle gebunden, blutig geprügelt, an die Deichsel eines Brunnentriebwerkes teils allein, teils mit Zugtieren zusammen, unbekleidet angespannt und zu stundenlangem Ziehen im Kreise gezwungen. Vor Erschöpfung halbtot, mußten ihre Opfer, denen durch Vorenthaltung aller Kleidungsstücke die Flucht unmöglich gemacht wurde, auf faulem Stroh in Scheunen oder auf Kohlenhaufen, ohne Speise und Trank, die Nächte zubringen. Zu anderen viehischen Mißhandlungen gaben ihnen nächtlicherweile ungenierte Gerichtsverhandlungen Anlaß, bei denen die Verurteilten zu grausam ersonnenen Bestrafungen der widerlichsten Art verurteilt wurden. Nicht allein Mädchen, sondern auch Männer wurden nach dem Gute gelockt und ähnlichen Torturen zur Belustigung Nimes und seiner Genossen unterworfen. Schließlich gelang es doch einem der Mädchen, als die Wüstlinge in der Trunkenheit die Vorsicht außer Acht ließen, zu entfliehen und die Polizei zu benachrichtigen. Die Verhaftung der Schuldigen rief, da sie sämtlich angesehenen Familien angehören, in der Stadt das größte Aufsehen hervor. Die Polizei hatte Mühe, die Verhafteten vor der Volkswut zu schützen. Uebrigens wird bei dem Reichtum und dem Einfluß der Festgenommenen und ihrer Familien bezweifelt, ob das gegen sie eingeleitete Verfahren ihnen die verdiente schwere Strafe wirklich bringen wird. „Sabbath". Das „Berliner Tageblatt" vom 26. August meldet: „Ein Adventist hatte sich dieser Tage in der Person des Musketiers Mügge von der zweiten §kompagnie des Infanterie-Regiments Graf Bose Nr. 31 in Altona vor dem Kommandanturgericht in Berlin zu verantworten. Mügge, der im Herbst v. I. beim Militär eintrat, gehört der Sekte der Adventisten an und verweigert auf Grund seiner religiösen Anschauungen von Freitag abend bis zum Sonnabend abend jeden Dienst, da er den siebenten Tag heiligen will. Wegen Gehorsamverweigerung hat Mügge seit seinem Eintritt in das Heer fast unausgesetzt in Untersuchungs- und Strafhaft zugebracht, und weder gütliches Zureden noch Strafen vermochten den religiösen Starrsinn des jungen Mannes zu brechen. Er wurde vom Kriegsgericht der 18. Division dreimal, zuletzt im Monat April d. I., zu empfindlichen Gefängnisstrafen verurteilt und verbüßte die letzte Strafe in der Festung Spandau. Auch hier hat Mügge sich fortgesetzt geweigert, vom Freitag abend bis Sonnabend abend zu arbeiten. Wegen dieser neuen Fälle von Gehorsamsverweigerung wurde er jetzt vom Kommandanturgericht in Berlin zu weiteren sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Solche Fälle religiöser Obstruktion ereignen sich, wie man sich erinnern wird, vereinzelt, aber doch in regelmäßigen Zwischenräumen. Wie in diesem besonderen Falle die Sache enden wird, ist gar nicht abzusehen. Man kann doch unmöglich den Musketier zeitlebens einsperren, weil er aus religiöser UeberMgung lieber das Martyrium harter Strafe auf sich nimmt, als den Sabbath entweiht." Druckfehler-Berichtigung. Brüx, den 28. August 1907. In meinen Artikel sind einige unliebsame Druckfehler vorgekommen. So muß es heißen, wie ich im Manuskript geschrieben: „ob ihrer „Judenbuche" (die „Judenbuche" ist eine berühmte Novelle der Dichterin) und nicht ob ihrem „Judenbuche". Auch im Anfänge ist ein Satz ausgefallen. Es muß heißen: „Wenn aber Herr Jvri hervorhebt, Gomperz sei im „Judentume alt geworden", so heißt dies doch nicht etwa „er sei ein alter Jude geworden". Wie eS in der letzten Nummer steht, gibt es keinen guten Sinn und ist stilistisch falsch. Ich bitte daher freundlichst die beidenVerbesserungen in der dieswöchentlichen Nummer anzumerken. Dr. Bi ach. Israelitische Kultusgemeinde Wien. Die für die Gemeinde-Tempel I-, Seitenstettengasse 4 und II., Tempelgasse 3 verfügbaren Betsitzbarten IV» sind an der Kassa der Israel, Kultusgemelnde "VI 1., Seitenstettengasse 4, I., Stock, links, täglich von 9 bis 12 Uhr vormittag (ausgenommen Samstag und isr. Feiertage) erhältlich. Kundmachung. Es wird hiemit zur Kenntnis gebracht, dass im HOTEL POST I , Flelscbmarkt 16, (Eingang Drachengasse) anlässlich der hohen Festtage, ein Gottesdienst stattfinden wird. Die Karten hiekür werden vom 1. September angefangen an der Kassa der Israel. Kultusgemelnde,Seltenstettengasse 4, I. Stock, täglich von 9 Uhr bis 1 Uhr nachmittags ansgegeben. WIEN, im September 1907. Der Vorstand der Israel. Kultusgemeinde. Kundmachung. Es wird hiemit zur Kenntnis gebracht, dass im grossen Musikvereins-Saale 1., Kärntnerring, Dumhagasse 3, anlässlich der hohen Festtage, wie in den Vorjahren, ein Gottesdienst stattfinden wird. Parteien, welche anf die im Vorjahre gehabten Plätze reflektieren, können die betreffenden Betsitzkarten bereits vom 26. August 1907 bis 30. August a. c. an der Kassa der Israel* Kultusgemelnde,Seltenstettengasse 4, 1. Stock, täglich von 9 Uhr vorm, bis l Uhr nachm, beheben. Ab 1. September gelangen die nicht behobenen Karten zur allgemeinen Ansgabe* WIEN, im August 1907. Der Vorstand der israel. Kultusgemeinde. Bei R. Lfiwit, Buchhandlung, Wien,Rotenturnstrasse 22, ist erhältlich Der Ursprung der Synagoge und ibre allmähliche Entwicklung 471 - von Rabbiner Dr. M. Rosenmaaa ■■ ZZ Eine wissenschaftliche bedeutsame Schrift, in welcher zz das hochwichtige Problem der Entstehung der Syn- — agoge in eingehender gelehrter Forschung der Lösung zugeführt wird. Preis K 1.80. (Portozuschlag 10). 772' -WÄ'feÄSäSiSW» aast