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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-08-30 · 35 (30.8.1907) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
35 (30.8.1907)
Date
1907-08-30
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 35 Dr. jbiocd s Mocbenscbrin Seite 581 mußte die Hälfte herauswerfen, denn nicht einmal die Kinder wollten es essen. — Was sagte die gnädige Frau . . . Der selige Notar hatte das lieber, als geprügelte Schwämme. . . . Die Frau Unterrichterin mahnt mich stets: Simchowa, Simchvwa, wann wird's denn für mich einen Stör geben? — Uebrigens, wenn's billig ist. — No, für Sie ein Gulden das Pfund. — Gehen sie weiter, für diesen Preis bekomme ich einen Lachs. — Mich allein kostet's 25 Groschen, ich muß doch was verdienen. — Fünfzehn Groschen gebe ich und nehme dreißig Pfund. — Was tue ich mit dem Rest? Ach, gnädige Frau, so ein schmackhafter Fisch. ... No, ich laufe zur Bürgermeisterin, vielleicht teilt sie mit ihnen. Als die Bürgermeisterin erfuhr, daß Chawa, die einen Augenblick an die Beobachtung der Rangunterschiede vergessen hatte, zuerst bei der Kassierin vorgesprochen hatte, warf sie die Jüdin zur Türe heraus. — Gewürm elendes — schrie sie, die Tür zuschla^end, sie wird mir was bringen, was irgend einer Kassierin zum Munde herauskriecht. Du wirst noch daran denken. Chawa hatte'nicht einmal Zeitlich über diesen Empfang zu ärgern, und lief weiter. Der Gott des Handels schien sie jedoch für ihren kühnen Versuch streng bestrafen zu wollen, denn nirgends konnte sie, weder einen ganzen, noch einen halben Stör anbringen. In dem einen Hause war die Herrschaft nicht da, in dem anderen — kein Geld, so daß Chawa erfolglos die ganze Stadt durchrannte und gedrückt nach Hause zurückkehren mußte. _ (Fortsetzung folgt.) Literatur. Dr. Georg Aich er, Das Alte Testament in derMischna. Biblische Studien. XI. Band. 4. Heft. Herausgegeben von Professor Doktor O. Bardenhewer in München. Herder'sche Verlagsbuchhandlung. Freiburg i. B. 1906 XVII—181. Mk. 4.60. Die Mischna war lange Zeit das erste, hebräisch geschriebene und uns erhaltene nachbiblische Werk. Es ist ein verdienstvolles Unternehmen, der Frage näher zn treten: wie stellt sich die Mischna zu den Büchern der heiligen Schrift? Es ist bekannt, welche wichtige Rolle die Ansichten der hellenistischen und patristischen Schriftsteller in der biblischen Einleitungswissenschaft spielen; von jeher bemühte man, sich, zu erfahren, mit welchem Maßstabe sie die heiligen Schriften messen und welcher Arten der Schriftanslegung sie sich bedienten. Die rabbinische Literatur konnte nicht ganz im Verborgenen bleiben, abgesehen von der Abhandlung Graetz's über den Abschluß des Kanons in Josephus und Talmud (Monatsschrift, Bd. XXXV, p. 281), Bloch's Studien zur Geschichte der Sammlung der althebräischen Literatur (Leipzig 1875) und Blau's Studien zur Einleitung, wurde die Frage noch niemals systematisch untersucht, der Verfasser darf schon deshalb des Dankes sicher sein. Man darf übrigens den seltenen Sammeleifer und das Bestreben, die Probleme selbständig zu lösen, die Vertiefung in die rabbinische Literatur und die streng kritische Behandlung besonders anerkennen. Man sieht der Schrift den Fleiß an, den der Verfasser dem Studium der Mischna gewidmet hat, obwohl bei ihm ein tiefer Abstand des Fuhlens und Denkens zu bemerken ist, der die traurige Folge hat, daß dem Verfasser vieles unklar und unverständlich geblieben ist. An erster Stelle steht eine Aufzählung der verschiedenen Ansichten über die Redaktion der Mischna. Nachdem Verfasser die Resultate der bisherigen Forschungen aufgezählt hat, ohne sich für die eine oder andere Ansicht entschieden zu erklären, geht er zur Frage über: wie stellt sich die Mischna zum Kanon? Die Frage setzt das Vorhandensein des Kanons zur Zeit der Mischna voraus, und mit Recht. Wiewohl die Meinungen über die Zeit der Festsetzung des Kanons weit auseinander gehen, letzteres ist sicher. Sirach, Josephus und die neutestamentlichen Schriftsteller kennen dreierlei kanonische Schriften Z vgjjioi; y.ai oi x:pocp vjxai Kai xa aXXa Tüaxpia ßijüXia bei Sirach, Kai chaXpoig Ttepi spot* im Neuen Testamente). Man will darin dafür einen Beweis erblicken, daß die dritte Schicht, die Hagiographen, (a'Sins) noch nicht kanonisch gewesen waren, weil sie nicht unter einem gemeinsamen und einheitlichen Namen auftreten. Es ist überhaupt Gegenstand einer langen und noch nicht endgiltig abgeschlossenen Debatte, ob eine einmalige oder dreimalige Kanonsammlung stattgefunden habe. Die Vertreter der sich widersprechenden und einander bekämpfenden Ansichten bauen auf der Zitatweise der genannten Schriftsteller. Wie dem auch sein mag, soviel steht unwiderlegbar fest, daß das Vorhandensein der heiligen Schrift in seiner heutigen Gestalt durch Josephns bezeugt erscheint Tie Teilung 'wischen Propheten und Hagiographen hat in der Wertschätzung zwischen der zweiten und dritten Schicht keine Kluft gerissen, jedoch ist eine Höherstellung der Thora (der ersten Schicht) gegenüber den anderen Schriften zu bemerken. Verfasser hätte sich hiefür des Knnstausdruckes rrrn rro"r p-sb1 $b nbap ■'■ein (vgl. 6. Baba Kama 3°, Hagiga 10", Nida 23) bedienen können. Ob die Anschauung bereits im Zeitalter der Tannaiten allgemein anerkannt wurde, sei dahingestellt, jedenfalls ist die Tatsache wichtig! Es ist aber noch fraglich, ob die Alten untern°7ap nicht auch Teile des Pentateuchs verstanden haben, überhaupt alle nicht gesetzlichen Abschnitte? Verfasser erklärt den Wertnnterschied damit, daß die Thora bereits zur Zeit Esras kanonisch erklärt worden sei. während für die andere Schicht eine feierliche Proklamation nicht nachweisbar ist. Erst später hat ein pharisäisches Synhedrion diesen Kanon sanktioniert. Das Kanonsprinzip ist bei Joseplus klar und deutlich zu lesen, nur jene Bücher sind kanonisch, welche von Moses bis Artaxerxes geschrieben worden sind. Ferner galt als wirkliche Ursache der Abgrenzung: die Tradition. Hierum wird auch die Schwierigkeit aus dem Wege geräumt, daß wir noch später Propheten finden, wie Johannes Hyrkanus und Josephus selbst. Letztere waren allerdings sehr minderwertige Propheten, mit demselben Reckte könnte der Talmud Rabbin Jochanan den Sakkai unter die Propheten reiben, er tut eS nicht, weil diese Männer gar keine Propheten waren, die Quelle der Prophetie längst versiegt und versandet dalag. Josephus führt dieses Wort im Munde in seiner Eitelkeit, oder, damit wir ihm kein Unrecht tun, sagen wir, um die Sache seinen heidnischen Gönnern und Lesern plausibel zu machen. Das Aufbören der Prophetie kennt die rabbinische Literatur ebenso gut wie Josephns und die Nachrichten hätten vom Verfasser berücksichtigt werden müssen. Wir woben daher einiges nachtragen. Das Seder Olam hat die wortkarge Nachricht (6il. Warschau 1877, p. 54) ®Tpn nrc rüno vn pa "tir 'amn rarci -p7K an -s^-rri jxaa. Der Ausdruck rr: jssa scheint sich in der späteren Literatur das Bürgerrecht verschafft zu haben und bedeutet das Aufhören der Prophetie (vgl. Jos. Jadaim II. 13, j. Synh. 28a, Graetz 1. c. p. 286). Eine Borajta (6. Sota 48 b. Joma 9", Sanh. 11 a). Midrasch Schir Haschirim Rabba (nain DK eil. Leipzig, p. 84, Zeile 52, Tosesta Sota K. 13) erzählt, daß mit Haggai, Zecharja und Maleachi die letzten Propheten ins Grab gestiegen wären und seitdem nie ein Mensch im prophetischen Geiste gesehen, nur zuweilen ließ sich eine „Tochterstimme" bip na hören. Wenn wir diese zwei Berichte näher betrachten, werden wir sehen, daß die Borajta der Ansicht Josephus näher kommt, während Seder Olam das Aufhören der Prophetie viel später ansetzt. Jedenfalls widersprechen die rabbinischen Ueberlieferungen der Annahme, daß die Kanonsammlung erst im ersten Jahrhundert veranstaltet worden wäre. Seder Olam hat wahrscheinlich dreierlei Kanonsammlungen vor Augen: die Thora; nach dem Aufhören der Prophetie: die Propheten und dann die Hagiographen, während die Borajta (resp. Tofefta) mit den letzten Propheten schließt. Entweder kennt die Borajta die Hagiographen gar nicht oder reiht sie unter die letzten Propheten. Nach Seder Olam wäre aber dann ein Wertunterschied zwischen Propheten und Hagiographen wahrzunehmen. Verfasser erklärt das «anonsprinzip mit der Vorstellung der rcxpafroaig xwv *rfsapuxsswv. Ebenso gut hätte man ja Sirach, der sich doch großer Beliebtheit erfreute, eine Tradition anbiuden und ihn unter die alttestamentlichen Schriften stellen können, und zwar zur Zeit der vermeintlichen Kanonsammlung. Hat er ja doch ein Alter von 100—200 Jahren hinter sich gehabt? So müssen also die Väter jenes Synhedrions doch einen ethischen Maßstab angenommen haben! Nun bleibt noch auffallend, warum man später gegen den Kanon Einwände und Proteste erheben wollte? Verfasser meint, weil man später erkannte, wie kopflos die Alten bei der Kanonisierung vorgegangen sind. Das ist gewiß keinem von jenen Männern eingefallen! Die jeweiligen Gelftesströmungen haben sie dazu veranlaßt. Man kann sich schwer vorstellen, welchen ketzerischen Gedanken man im Hohenlieds fand, es muß also dem damaligen Zeitgeiste widersprochen haben, der Liebe in einem heiligen Buche Platz zu gewähren. Der Grund lag nicht in der Frivolität des Buches, sonoern in der zeitgenössischen Auffassung. Den Terminis O'n'n ri8 8ava und nr widmet der Verfasser eingehende Untersuchungen. Die zweite Frage unseres Buches ist: Kennt die Mischna einen Wertunterschied der einzelnen Bücher? Die Frage wird oft mit ja beantwortet, indem man sich auf die Bezeichnung nbop. die zurücksetzende Behandlung dieser Teile im synagogalen Leben und drittens auf die Auffassung, daß jene nur als Supplement zum Gesetze gedacht sind, hinwies. Wie wir bereits oben gezeigt haben, kennt die rabbinische Literatur den Unterschied zwischen Thora und nbrp. Es lie^t viel näher m. E. jenen Gelehrten beizupflichten, die dieses Wort als Ueberbleibsel einer älteren Zeit betrachten und mit diesem Worte nicht nur die Propheten oder Hagiographen Kax" s^oyvjv bezeichneten, sondern alle erzählenden Stücke der ganzen heiligen Schrift, wie man andererseits mit rmn den Lehrinhalt der mchtpenkateuchischen Stücke belegte. Es lag also keine Mauer zwischen den ein.einen Schichten, sondern zwischen Lehre und Erzählung. Verfasser will den Unterschied mit seiner Kanonstheorie erklären; das Wesen der Sache erklärt ihn von selbst. Die zurücksetzende Behandlung einzelner Teile wäre ein kräftiger Beweis, "sie

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