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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-08-30 · 35 (30.8.1907) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
35 (30.8.1907)
Date
1907-08-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 678 s»r. Lloco s Mocoenscbrtrr. Nr. 85 sehr viel Sorgfalt darauf, speziell durch Anstellung gut geschulter Kantoren den Gottesdienst recht feierlich zu gestalten, und wurde der Oberkantor Glücksmann aus Odessa für den diesjährigen Gottesdienst akquiriert. Auch Heuer wurde dieses Bethaus wieder ins Leben gerufen, und es ist notwendig, sich schon jetzt die Sitze zu sichern, weil knapp vor den Feiertagen sonst nicht allen Wünschen entsprochen werden könnte. BethaussitzesindinderKanzleidesVereines, 11., Novaragasse 44, täglich und fünf Tage vor den Feiertagen in „Hotel Stefanie" erhältlich. Verein der „Wiener Jüdischen Toynbee - Halle". Geehrte Redaktion! In der „Oesterreichischen Wochenschrift" vom 23. August d. I. erschien unter dem Titel „Einweihung des Vereinshauses B'nei Brith" ein Bericht, in welchem mitgeteilt wurde, daß „am 4. d. M. die feierliche Einweihung der ehemaligen, zu einem Betsaale adaptierten Toynbee-Halle stattfand." Diese Darstellung ist geeignet, irrige Auffasiungen zu erregen, so daß sich der Unterzeichnete Vorstand bemüssigt findet, nachstehende Aufllärung zu veröffentlichen: Der Verein der Wiener „Jüdischen Toynbee-Halle", dessen Sitz sich nach wie vor IX., Universitätsstraße 4 befindet, hat unverändert für den XX. Bezirk sein Vortragslokale in der Othmargaffe 45 beibehalten und es wird der Beginn der Vortrags-Saison 1907/8 in diesem Lokale, als auch im XIV. Bezirke, Herklotzgaffe 21 rechtzeitig publiziert werden. Hingegen hat ein Bethausverein im XX. Bezirke, der sich „Bene Berith" nennt, ohne jedoch mitdem hierbestehen de nJsraelitischenHumaniiätsvereine „B'nai Brith" identisch oder in irgend welchen Beziehungen za sein, in einem Lokale, das vor fünf Jahren als Vortragsraum der Toynbee-Halle in Verwendung stand, ein Betlokale eingerichtet, auf dessen Einweihung sich der eingangs erwähnte Bericht bezieht. Indem wir bitten, dieser Aufilärung in Ihrem geschätzten Blatte Raum zu geben, zeichnen wir Hochachtungsvoll Der Vorstand der „Jüdischen Toynbee-Halle in Wien" Dr. I. Samuely Obmann. Amftette«. Am 18. d. M. langte unser neugewählter Herr Rabbiner Se. Ehrwürden Dr. Ch. G. Berti sch aus Wien hier ein und wurde am Bahnhofe von den Vertretern des Vorstandes aufs Herzlichste begrüßt. Nach dem Minchagebete, bei dem Kantor und Religionslehrer Herr S. Fried aus Purgstall die kantoralen Funktionen versah, bestieg Se. Ehrwürden die Kanzel und hielt seine Antrittspredigt. Er legte derselben den ersten Vers des vorangegangenen Wochenabschnittes Deuter. K. 16, V. 18 zu Grunde: „Beamte (Rabbiner) und Richter sollst du dir einsetzen in all deinen Thoren (Städten), welche der Ewige dein Gott dir gibt nach deinen Stämmen und sie sollen das Volk gerecht richten." Nachdem er zuerst sein Programm entwickelte, betonte er, welche Pflichten und Verbindlichkeiten der Rabbiner und die Gemeinde gegenseitig übernehmen, wie sie sich anzusehen und zu verhalten haben. Der Rabbiner muß, gemäß den Worten des Textes, nach Recht und Wahrhett, nach bestem Wiffen und Gewiffen seinem heiligen Dienste sich weihen, aber auch der Gemeinde zeichnet die Thora den Weg vor, den sie zu gehen verpflichtet ist. Deuter. K. 17, V. 9: „Komme zum Rabbiner, der in jenen Tagen sein wird, frage nach, daß er sich im Rechtsspruche unterweise rc. rc., du sollst nicht weichen vom Worte, das er dir verkünden wird, weder rechts noch links." Diese mit oratischem Schwünge gehaltene Predigt machte auf alle Andächtigen einen tiefen Eindruck. Bodeubach. Sonntag, den 1. September 1907, um 3 Uhr nachmittags findet die feierliche Tempel-Einweihung statt. Budapest. (Vermählung.) Am 1. September findet die Trauung des Frl. Bertha Pfeiffer, Leiterin der Schnittzeichenschule in Wien, II., mit Herrn Szegö Lipot, städt. Notar, statt. Uugarisch-Brod (Mähren). Die hiesige private Gymnasial-Lehranstalt wird für das Schuljahr 1907/8 mit der 1., II, HI. Klaffe eröffnet. Schüler speziell der II. Klasse mit guten Zeugniffen werden ohne Bezahlung eines Schulgeldes an der Anstalt aufgenommen. Intensiver Unterricht in Religion und Hebräisch. Die private deutsche Mädchenschule in Ungarisch-Brod wird im Schuljahre 1907/8 mit 3 Klaffen eröffnet. An der Schule werden die Gegenstände einer dreiklassigen Mädchen-Bürgerschule, außerdem Böhmisch und Französisch unterrichtet. Auf die jüdischreligiöse Erziehung der Mädchen wird große Sorgfalt verwendet. Das jährliche Schulgeld beträgt 100 Kronen. Für gute verläßliche Pensionen zu mäßigen Preisen für Knaben und Mädchen ist gesorgt. Die Lage der Stadt und das Klima sind sehr gesund. Beide Anstalten stehen in xuneto Beaufsichtigung des religiösen und des hebräischen Unterrichtes unter der Leitung Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. Jung. Auch könnten 4 bis 5 jüdische kaufmännische Lehrlinge hier untergebracht werden bei sehr anständigen und tüchtigen Kaufleuten in Spezerei- oder Manufakturgeschäften, darunter auch streng konservative, wo Samstag gesperrt ist. Die Lehrlinge erhalten ganze Pension und unentgeltlichen Unterricht an der 2jährigen kaufmännischen Fortbildungsschule in deutscher und böhmischer Sprache. Auskünfte erteilt das ehrwürdige.Rabbinat und der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde in Ungarisch-Brod. Glaubensgenossen! Schwer lastet auf uns die böse Rot der Zeit, die teueren Lebensmittelverhältniffe, die Verteuerung sämtlicher Bedarfsartikel und der bedeutend geschmälerte Erwerb unserer ärmeren Glaubensgenossen, speziell dort — der weniger mit Glücksgütern, hiefür mehr mit Kindern gesegnet ist. — Angesichts dieser Tatsache ist es Pflicht, sich unserer ärmeren Glaubensgenossen tatkräftig dadurch anzunehmen, daß wir durch Gründung eines Freitischvereines ihnen teilweise die Bürde des Existenzkampfes erleichtern, und wird der Zweck des Vereines sein, den aus der Fremde hier die Schule besuchenden armen Kindern statt der Kosttage Freitische zu gewähren, ferner auch dem armen Durchreisenden, bei Befund dessen Würdigkeit, mit Mahlzeiten zu versehen und hiesige notorisch Ortsarme zu verköstigen. Wir wenden uns daher an alle unsere Glaubensbrüder und Schwestern, die bei uns Juden nie versiegende Humanität in größerem Maße zu üben, die sich überall dort, wo es not tut, beteiligen und überall ihr Scherflein beitragen, mit der dringenden Bitte, sich auch diesem unseren neuen Vereine anzuschließen. Wohl haben wir in unserer Gemeinde humane Institutionen und Vereine, jedoch fehlt diese eminent humane Wohlfahrtseinrichtung, umsomehr, als sich die Schülerzahl unserer Volksschule aus der ärmeren Klasse rekrutiert. Wir werden uns erlauben, behufs Zeichnung von Mitgliedern und Beitragsleistung derselben in einigen Tagen vorzusprechen, und bitten, uns ein geneigtes Entree zu sichern. Bei einer genügenden Zahl von Mitgliedern werden die Proponenten sofort zur Konstituierung des Vereines schreiten und den Verein statutarisch festlegen, umsomehr, da wir uns mit der Gründung aus dem Grunde beeilen müssen, damit diese Wohltat schon den armen Schulkindern für das Schuljahr 1907/8 zugute kommt. Aus gewichtigen Gründen stellen wir vorderhand keinen Mitgliedsbeitrag fest, um der humanitären Beteiligung jedes Einzelnen den weitesten Spielraum zu belassen und stellen unseren Verein Ihrem geneigten Wohlwollen anheim und bitten, daß auswärtige Mitglieder ihre geneigte Teilnahme an unterfertigte Proponenten bekanntgeben. Ung.-Brod im Juli 1907. Die Proponenten: L. S ch ö n, Handelsagent, Jakob H. G l ü ck beide Kaufleute in Ung.-Brod. Jeder Mitgliedsbeitrag wird öffentlich ausgewiesen. Amtsjubiläum. Am 1. September d. I. feiert Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. David Blitz in Laun das fünfundzwanzigjährige Jubiläum seiner Tätigkeit als Seelsorger der Gemeinde Laun. Der Jubilar trat am 1. September 1882 das Rabbineramt in Laun an, nachdem er zuvor in Sillein (Ungarn) als Direktor der jüdischen Schule tätig war. Rabbiner Dr. Blitz zeichnet nicht bloß ein hervorragendes theologisches Wissen aus, das er bei den weltbekannten Rabbinern in Preßburg und Prag, wie Sofer, Rappoport und Kämpf, erworben hat, sondern auch ein gründliches, ausgedehntes, weltliches Wissen. Prag war der Ort seiner Gymnasial- und akademischen Studien. Begabt mit seltener Verstandesschärfe und großartigem Gedächtnis, hatte er sich alsbald wissenschaftlich betätigt und schriftstellerisch gearbeitet, bis ihn ein Augenleiden daran verhinderte. Seitdem seinem Berufe und der stillen Wissenschaft lebend, hat er dennoch durch seine reichen Wissensschätze, seine Bescheidenheit und Liebenswürdigkeit den Kreis seiner Verehrer und Freunde stets vergrößert. Seine Gemeinde und alle, die ihn kennen, schätzen ihn als eine Persönlichkeit, die wahre Frömmigkeit mit humanster Gesinnung, die alten Traditionen mit moderner Wissenschaft in glücklichster Weise vereinigt. Salzburg. Zwei silberne Hochzeitsfeste wurden vergangene Woche in unserer Gemeinde gefeiert. Am 20. Herr Sigm. Kohn mit seiner verehrten Gattin Jda und am 22. Herr Vorstand Rudolf Löwy mit seiner wertgeschätzten Ehegattin Johanna. Das erstere Jubelpaar, um Gemeinde und Tempel hochverdient, wie auch das letztere, das als in jeder Beziehung würdig, mit jüdischem Sinn und großen Verdiensten an der Spitze der Gemeinde steht, war Gegenstand herzlicher und sinniger Ovationen von Seite der Gemeinde. Verwandten und Freunde.

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