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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-08-30 · 35 (30.8.1907) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
35 (30.8.1907)
Date
1907-08-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 35 Bescheid Verwahrung einlegte. „Unmöglich", heißt es da, „konnte ich vergessen (und das ist's, worauf ich nochmals besonders aufmerksam zu machen mir erlaube), daß Herr Grün durch mich im Auftrag der hohen Intendanz engagiert worden ist, mit der ausdrücklich erwähnten Aussicht, er würde allmählich in die seinerzeit durch Herrn Kammermusikus Könchel eingenommene Stellung vorrücken. Könnte nun Herr Grün, ungeachtet seiner von allen Vorgesetzten anerkannten trefflichen Leistungen und Pflichttreue im Dienst, nach mehreren Jahren geduldigen Wartens, auf meine erinnernde Bitte nicht befördert werden, weil er ein Israelit ist, und gingen somit dadurch die von mir in höherem Aufträge gegebenen Versprechungen nicht in Erfüllung, dann bliebe mir, nach meiner Auffassung von Ehre und Pflicht, nichts anderes zu meiner Rechtfertigung übrig, als eventuell mit Herrn Grün gleichzeitig von meinem Posten zurückzutreten. Ohnehin würde ich, beim Beharren in meiner jetzigen Stellung, nach Zurückweisung des Herrn Grün, die rein persönliche Empfindung zeitlebens nicht überwinden, durch meinen früher hier erfolgten Uebertritt zur. Kirche Christi in der königl. hannoverschen Kapelle, weltliche Vorteile zu genießen, während meine Stammesgenossen in derselben eine demütigende Stellung einnehmen." Diese Vorstellungen konnten aber den Intendanten nicht abhalten, in seinem Bericht an den König u. a. auszuführen: „Wäre mir, als der p. Grün zum Engagement vorgeschlagen worden, bekannt gewesen, daß er Israelit sei, so würde ich in keinem Falle darauf eingegangen sein. Nachdem der Konzertdirektor zur christlichen Religion übergetreten war. lag mir aber der Gedanke völlig fern, daß er sich für einen seiner früheren Stammesgenossen (!) interessieren könnte, da ihm während seines hiesigen Engagements bekannt geworden sein mußte, daß Israeliten von einer lebenslänglichen Anstellung im Hofdienst ausgeschlossen seien." Da der Intendant Graf Platen mit dieser seiner Auffassung Oberwasser behielt und eine Beförderung Grüns zum Kammervirtuosen (die einen Anspruch auf Ruhegehalt ausschloß) für Joachim eine ausreichende Genugtuung nicht bedeutete, so trat der charakterfeste Künstler aus diesem Anlaß von seinem Posten freiwillig zurück. In den letzten Jahren seines Lebens hatten die lang zurückgedrängten Erinnerungen der Jugend und damit auch die Gefühle der Pietät für den angestammten Glauben wieder große Macht über den Meister seiner Kunst gewonnen. Er nahm lebhaften Anteil an der Streitfrage über die Originalität der jüdischen Melodien, er unterstützte mit eifriger Fürsorge jüdische Kunsteleven, und seine Teilnahme an dem Feste für Lewandowski zu Ende der Achtziger-Jahre bleibt unvergeffen. Bei diesem Feste war es, wo er dem Festredner Doktor G. Karpeles wörtlich sagte: „Die heiligsten Erinnerungen aus meinen Jugendtagen sind heute wieder erwacht. Ich befinde mich in der Stimmung des Kolnidre-Abends." Nun ist er dahingegangen, der Meister der Töne — wir vergessen nach erhabenem Gebote, daß er uns je im jugendlichen Sturm und Drang verlassen und gedenken vielmehr mit aufrichtiger Genugtuung der Tatsache, daß der von einer ganzen Welt heute innig betrauerte Meister seiner Kunst unserem Stamme entsprossen ist. Aus der territorialistischen Bewegung. London. Mr. Clement I. Salomo n, Ehren- Sekretär der „Jto", begab sich von hier nach Bremen, um persönlich die Lage der Emigranten, welche diesen Hafen benützen müssen, zu studieren und zu Verbestern. — Gleichzeitig wird Mr. Salomon den fünften E m i gr an t e n-T r a n sport der „Jto" nach G a l v e st o n überwachen. Krivoy-Rog (Rußland). Dreitausend Stadtbewohner übersandten Mr. Zangwill ein Vertrauensvotum und gaben der Hoffnung Ausdruck, daß die Wahl des Territoriums nun baldigst erfolgen werde. Bukarest. Die Tätigkeit des „Ito"- Emigrations- Departements entfaltet sich sichtlich und umspannt einen stets größer werdenden Rayon. Das rumänische Departement steht unter der umsichtigen Leitung des bekannten Territorialisten Dr. Oskar Nacht. Am 17. d. M. wurde bereits die zweite Auswanderergruppe nach Bremen befördert, woselbst sie am 22. a. c. mit der fünften russischen Gruppe zusammentraf und nach G a l v e st o n eingeschifft wurde. London. Die offiziellen Mitteilungen des Londoner Jto-Rates über die Beendigung der Vorarbeiten für die Realisierung des Hauptzweckes — der „Jüdisch - Territorialistischen Organisation" — Schaffung eines freien jüdischen Territoriums für jene Juden, die in ihren gegenwärtigen Aufenthalts-Ländern nicht bleiben können oder nicht bleiben wollen — haben allenthalben das lebhafteste Interesse und Begeisterung geweckt. Das Recht begreift diesen hochwichtigen Augenblick und wartet nun mit Ungeduld auf die Realisierung des territorialistischen Ideals. Aus fast allen Städten Rußlands und vielen Städten West- Seite 577 europas laufen hunderte telegraphische und briefliche Gratulationen an Zangwill ein. Außer den bereits erwähnten Depeschen trafen noch solche ein aus: Wien, Krakau, Stryj, Przemyls, Kischenew, Kibarty, Poland und Tiflis. IDermtscbtes. Gratulationen anläßlich des Vd-^Festes. Einem seit Jahren eingebürgerten Brauche folgend, laden wir unsere p. t. Leser ein, Neujahrsgratulationen durch kurze Anzeigen in der „Oest. Wochenschrift" an Stelle der bisher üblichen Art dieser Gratulationen erstatten zu wollen. Die Einschaltung solcher Anzeigen erfolgt in der nächsten Nummer unseres Blattes gegen Einsendung einer Spende von mindestens K 4.— zugunsten derChewra-Kadischa Wien, I., Seitenstettengaffe 4. Letzter Termin zur Einsendung solcher Anzeigen 4. September 1907. Wien. Die Einweihung des neuen Tempels im XIX. Bezirke, Dollinergasse 3, findet Donnerstag den 5. September um halb 4 Uhr nachmittags statt. Mit Rücksicht auf den beschränkten Raum des Gotteshauses wurde nur eine verminderte Zahl von Einladungskarten ausgegeben. Wien. (Auszeichnung.) Der König von Rumänien hat dem Bezirksrate kaiserlichen Rat Siegfried Weil in Anerkennung seiner Verdienste um die Gründung der rumänischen Rettungsgesellschaft in Bukarest den Ritterorden des „Stern von Rumänien", sowie die Medaille Carol I. verliehen. Wien. (Auszeichnung.) Der Direktor des Allgemeinen österreichischen israelitischen Taubstummeninstitutes Doktor Moritz Brunner, der die Anstalt bereits durch 22 Jahre leitet und sich durch seine zahlreichen wiffenschaftlichen und fachschriftstellerischen Arbeiten um die Entwicklung des Taubstummenbildungswesens hervorragende Verdienste erworben hat, wurde vom Kaiser durch Verleihung des Titels „Kaiserlicher Rat" ausgezeichnet. Wien. Zu der am 4. August dieses Jahres im Bethausvereine „Bene Berith", XX., Karajangaffe 20, eingeweihten Thorarolle spendete der Proponent dieser Thorarolle Herr Markus G o l d st e i n ein prachtvolles Thoramanterl. Leopoldstädter Krankeunnterstntzungsverein „Nächstenliebe". Dem Vorstande dieses Vereines, welcher seit vielen Jahren anläßlich der hohen Feiertage einen solennen Gottesdienst in seinem temporären Bethause, II., Obere Augartenstraße („Bayrischer Hof") abhält, an welchem nahezu 700 Besucher teilnehmen, ist es gelungen, für die hohen Feiertage ein Quartett (1 Tenor, 1 Bariton und 2 Knaben, von welchen der jüngere die liturgischen Gesänge in noch nie gehörter Weise zum Vortrag bringt), zu engagieren, welches sowohl in liturgischer als auch gesanglicher Beziehung von allen, die dem Probevortrage beizuwohnen Gelegenheit hatten, als ein Phänomen auf diesem Gebiete geschildert wird. Es ergeht hiemit an die hochverehrte Repräsentanz der israelitischen Kultusgemeinde, wie auch an das verehrliche Publikum die höfliche Einladung, unserer stets erhebenden und weihevollen Andacht an diesen Feiertagen beiwohnen zu wollen. Der I. Schriftführer: Der Obmann: Ad. R e i ch. Moritz R o s e n b l a t t. Allgemeiner Kranken- und Unterstntzungsverein „Montestore". Nachdem die Tempel der israelitischen Kultusgemeinde zu den hohen Feiertagen einen derartigen Raummangel aufweisen, daß es vielen Glaubensgenossen nicht möglich ist. Eintritt zu finden, hat es sich dieser Verein zur Aufgabe gestellt, alljährlich zu den hohen Feiertagen ein temporäres Bethaus zu errichten. Dasselbe befindet sich seit Jahren im großen Saale des „Hotel Stefanie", II., Taborstraße 13, und verwendet die Vereinsleitung stets Dr. Bloches WoüxmschrM.

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