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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-08-30 · 35 (30.8.1907) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
35 (30.8.1907)
Date
1907-08-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 676 Dr. BLmr^s WvitzenjchrM» Nc. 35 Gaya. (Verband der Rabbiner Mährens und Schlesiens.) Am 21. August d. I. fand in Mähr.- Ostrau im Sitzungssaale der Kultusgemeinde die Generalversammlung des Verbandes der Rabbiner Mährens und Schlesiens unter reger Beteiligung der Verbandsmitglieder statt. Den Vorsitz führte der Obmann Rabbiner Dr. Freimann (Holleschau). Er eröffnete die Generalversammlung mit einer Begrüßungsansprache, die in ein Hoch auf Se. Majestät ausklang, in welches die Versammelten begeistert dreimal miteinstimmten, und brachte sodann ein Telegramm der Allerhöchsten Kabinetskanzlei zur Verlesung, in welchem der kaiserliche Dank für die Loyalitätskundgebung des Verbandes anläßlich der vorjährigen Anwesenheit Sr. Majestät in Mähren ausgedrückt wird. Sodann begrüßte der Vorsteherstellvertreter der Mähr.-Ostrauer Kultusgemeinde Herr Friedländer die Versammelten namens der Gemeinde und teilte unter lebhaftem Beifall mit, daß Herr Dr. Beer namens des Vorstandes der Kultusgemeinde den Verhandlungen als Gast beiwohnen werde. Dr. Freimann verliest den Einlauf, unter welchem namentlich das im klassischen Hebräisch gehaltene Begrüßungsschreiben Sr. Ehrwürden des Landesrabbiners Dr. Placzek, ferner die Begrüßungsschreiben der Kultusgemeinden, u. a. der Kultusgemeinde Brünn, ferner die der abwesenden Kollegen, u. a. des greifen Dr. Ungar (Jglau), des Prof. Dr. Grünfeld, des Dr. L e w i n (Nikolsburg) und namentlich das sehr herzlich gehaltene Schreiben des Obmannes des Brudervereines in Böhmen, des Dr. A. Kurrein (Teplitz) hervorzuheben find, welch Letzterer ein Zusammengehen beider Verbände in allen Standesangelegenheiten proponiert. Im Tätigkeitsberichte wurde über das erfolgreiche Eintreten des Verbandes in Personalsachen von-Kollegen Mitteilung gemacht und betont, daß der Verband stets bestrebt sein wird, das Interesse der Rabbiner nach jeder Seite hin mit Nachdruck zu vertreten. Nach Erstattung des Kasseberichtes durch Rabbiner Dr. Tauber (Prerau) ergreift Dr. Reach (Gaya) das Wort zum Referate über Pensionsangelegenheiten. Redner schildert die gegenwärtige prekäre Lage des Rabbinerstandes nach dieser Seite hin, unterzieht an der Hand tabellarischer Zusammenstellung das bisher Erreichte einer eingehenden Kritik und schlägt zum Schlüsse seines Referates, dem die Versammelten mit gespannter Aufmerksamkeit und vielem Beifalle folgten, die Einsetzung einer Kommission vor, welche das Geeignete zu unternehmen hat, um einerseits die jüdische Oeffentlichkeit über die materielle Lage chrer Seelsorger aufzuklären, andererseits an die zur Sanierung berufenen Faktoren, die Kultusgemeinden, den Landesmassafond, die Legislative und Exekutive des Staates in geeigneter Weise heranzutreten. Nachher erstattet Rabbiner Dr. Spira (Mähr.- Ostrau) ein Referat über Güdemanns „Jüdische Apologetik", in welchem die hohe wissenschaftliche Bedeutung des genannten Werkes dargetan und einzelne Gedanken desselben weiter ausgeführt werden, so beispielsweise die Lehre von der christlichen Demut und die Auffassung hierüber bei den jüdischen Weisen des zweiten Jahrhunderts. Bei richtigem Erfassen der Anschauung der Rabbinen finden gewisse schwierige und rätselhafte Aussprüche aus jener Zeit eine ebenso einfache wie natürliche Lösung, so beispielsweise die Mischna im Traktate Berachoth Folio 33, pag. b: „Wer zweimal „danke" sagt, den heiße man schweigen." Der Vortrag, an welchem sich eine anregende Debatte schloß, an der sich u. a. Dr. Oppenheim, Dr. Reach, Dr. Groß, Dr. Rabbinowitz, Dr. Mehrer, Dr. Hoff, Dr. Mandl und Dr. Günzig beteiligten, erntete den reichsten Beifall. Als Ort für die nächste Generalversammlung wurde Brünn bestimmt. Diejenigen Kultusgemeinden und Mäcene der jüdischen Wissenschaft in Mähren und Schlesien, welche dem Verbände bisher nicht als unterstützende Mitglieder beigetreten sind, wollen Beitrittserklärungen und Beiträge an Herrn Dr. Tauber (Prerau) einsenden, ebenso diejenigen Mitglieder, die mit ihren Jahresbeiträgen noch im Rückstände sind. Ein von Herrn Dr. Mandl eingebrachter Antrag auf Veranstaltung von Wandervorträgen wiffenschaftlichen Inhaltes wird dem Vorstande des Verbandes zur Erwägung überwiesen. Zum Schluffe teilt Herr Rabbiner Dr. Freimann mit, der Verband treffe Vorkehrungen, um das historische Material, über welches die mährischen Gemeinden verfügen, zu sammeln und bei geeigneter Gelegenheit, als welche dem Vorstande in erster Reihe eine Jubiläumsausgabe anläßlich des 60jährigen Regierungsantrittes Sr. Majestät vorschwebt, mit demselben vor die Oeffentlichkeit zu treten. Einweihung der Meiselsynagoge. Kürzlich wurde in Prag die Meiselsynagoge, nunmehr eines der imposantesten Gotteshäuser dieser Stadt, das auf eine reiche, wechselvolle Vergangenheit zurückblicken kann, eingeweiht. Schon äußerlich präsentiert sich das Gebäude als ein Meisterwerk gothischen Stils, das in Konstruktion und Ornamentik an die besten Meister gemahnt. Architekt Blecha, der die Restaurierung der Synagoge nach eigenen Plänen vornahm, hat durch geschickte Ausgleichung der Gegensätze zwischen dem alten Bau und seiner neuen Umgebung, beziehungsweise durch stilgemäße Ausschmückung der Feuermauern der anstoßenden Gebäude eine der schwierigsten Aufgaben mustergültig gelöst. Die Einrichtung und Ausstattung des Gotteshauses ist ebenso vornehm diskret wie den neuzeitlichen Forderungen angepaßt. Der ganze Jnnenraum ist in den Farben weiß und gold gehalten, die Beleuchtung erfolgt durch zwei große, geschmackvoll maskierte Bogenlampen und eine große Zahl elektrischer Luster und Lampen. Außerdem ist für eine ausgiebige Reservebeleuchtung mittels Leuchtgases gesorgt. Die Kanzel, die kostbar drapiert ist, befindet sich vor dem ebenso sinnig wie künstlerisch wertvoll geschmückten Allerheiligen, das durch die drei mächtigen, bunt gemalten Glasfenster und gothische Holzschnitzereien ein würdiges Relief erhält. — Der Einweihungsakt währte beinahe eine Stunde. Nachdem der Tempelchor einen Eröffnungschoral mit Orgelbegleitung zum Vortrag gebracht, erfolgte der feierliche Einzug der Thorarollen. Der hochverdiente erste Vorsteher der Synagoge Herr M. Lauer entzündete nun das ewige Licht, worauf der Rabbiner und Prediger Herr Prof. Dr. A. Kisch das Wort ergriff. Der Redner beleuchtete zunächst die Bedeutung des weihevollen Augenblickes, gedachte der Josefstädter Gotteshäuser, die dem Schicksal der Vernichtung anheimgefallen, und rühmte die Tatkraft und die Selbstlosigkeit des Vorstandes der Meiselsynagoge, dem die Erhaltung dieser altehrwürdigen Andachtsstätte zu verdanken ist. Zum Schluffe gedachte der Redner des bevorstehenden Geburtsfestes des Kaisers und sprach für den Monarchen ein Gebet, das die Anwesenden stehend anhörten. Brausende Orgelakkorde leiteten hinüber zur Volkshymne, die in weichen Modulationen immer neue Formen annahm, bis ein Choral einsetzte, der dem festlichen Akte einen würdigen Abschluß verlieh. Ueber Joseph Joachim, den verstorbenen großen Meister der Töne, lesen wir in einem Nekrolog der „Voss. Ztg.": Daß Joachim sich nicht ohne Kampf durchgesetzt und daß auch seinem von Kindheit an sieghaften Talente die jüdische Abstammung in dunklen Tagen hindernd im Wege stand, wird mehrfach bezeugt. Liszt erzählte einst einem Freunde: Ich war immer duldsam allen Konfessionen gegenüber. Schon 1842, als ich in Berlin ein Wohltätigkeitskonzert gab, nahm man es mir sehr übel, daß ich ein Drittel der Einnahmen den jüdischen Armen zukommen ließ. Gerade zu Lärm machte es aber, als ich Joachim in den Fünfziger-Jahren in Leipzig traf und ihn, der damals noch nicht der enorme Geiger war, aufforderte, mein Konzertmeister in Weimar zu werden. Ich bot ihm wenig Gehalt, doch viel freie Zeit, die er übrigens nicht ausnützte, nur von den Proben von „Hernani" machte er sich frei. Doch ich mußte zuvor meinen Herrn, den Großherzog, für die Idee zu gewinnen suchen. Ich nahm kurze Audienz und meldete mein Vorgehen. Der Fürst stutzte gewaltig und meinte: „Wie wollen Sie dann mit meinen Weimaranern fertig werden, Sie wollen einen Juden hierherbringen?" — Die Folge lehrte, daß ich ganz gut fertig wurde. ..." Joachim, der in aller Stille schon in Hannover zum Christentum übertrat und diesen Schritt seinen orthodoxen Eltern, um sie nicht zu kränken, stets rücksichtsvoll verhehlte, hat seine jüdische Abkunft nie verleugnet. Daß dem so war, geht u. a. aus seiner Stellungnahme zu einer Angelegenheit hervor, die in den Sechziger-Jahren in Hannover viel Wellenschlag verursacht hat. In seiner Eigenschaft als lebenslänglich beamteter Konzertdirektor war Joachim darum eingekommen, einem Mitgliede der Hofkapelle, dem Cellisten Grün den Titel eines Kammermusikers und damit den Anspruch auf Ruhegehalt zu gewähren. Das Gesuch wurde abgelehnt mit der Begründung, daß Grün Israelit sei. Darauf sandte Joachim dem für die Angelegenheit zuständigen Intendanten einen Brief, in dem er gegen den kränkenden

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