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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-08-30 · 35 (30.8.1907) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
35 (30.8.1907)
Date
1907-08-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 35 Dr Llocb s Mocvenscbrtn Seite 575 erklären, verschiffen sie ihre Ware unter einer falschen Flagge. Die Macht des Geldes muß uns zur Verfügung gestellt werden, die ganze jüdische Nation muß hinter uns stehen. Darum dürfen wir nicht diejenigen von uns treiben, die nicht mit uns einer Meinung find. Die einzige Rettung des Judentums ist der Politische Zionismus. Dr. Weizmann, Manchester: Allerdings, wenn das jüdische Volk will, werden wir den Charter haben. Solange das jüdische Volk aber nicht will, müssen wir seinen Willen wachrufen und das werden wir nicht erreichen, wenn wir ihnen nur sagen, wir können den Charter erlangen. Auch die Machthaber der politischen Welt werden unsere Resolutionen solange nur sympathisch aufnehmen, als sie nicht sehen werden, daß wir im Stande find, Palästina zu besitzen. Der politische Zionismus muß eine Synthese zwischen praktischer Arbeit in Palästina und den Bemühungen darstellen, die Judenfrage zu einer internationalen zu machen. Die mit großem Ernst geführte Debatte wurde vom Kongresse mit lebhafter Anteilnahme verfolgt. Dienstag, den 20. August 1907. Am Dienstag' vormittag wurde die Spezialdebatte über die Palästinafrage fortgesetzt. Nach eingehender Diskuffion wurde beschlossen, daß innerhalb des engeren Aktionskomitees ein besonderes Palästinaressort gebildet werde, dem 25 Perzent aller Einnahmen der Organisation von vornherein zufließen sollen. Die Frage der Siedlungsgenossenschaft in Palästina und der Gründung eines Bankinstituts für langfristige Kredite auf ländlichen und städtischen Boden wurde dem engeren Aktionskomitee zur Berücksichtigung überwiesen. Des ferneren wurde eine Resolution angenommen, die es dem engeren Aktionskomitee zur Pflicht macht, der nationalen Erziehung der Juden in der Diaspora seine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Im Zusammenhang mit den Bestrebungen, der jüdischen Kultur ein Zentrum im Zionismus zu schaffen, wurde beschlossen, die hebräische Sprache zur offiziellen Sprache der Organisation zu erklären, allerdings mit der durch die tatsächlichen Verhältnisse bedingten Einschränkung, daß vorläufig auch andere Sprachen neben der hebräischen verwendet werden sollten. Hierbei verdient hervorgehoben zu werden, daß die Tagungen der Sonderorganisationen für die geistigen Aufgaben der Zionisten der „Jbriah" und des „Sinai", von denen die letztere die allgemeine Pflege der hebräischen Kultur und Wissenschaft und die erstere die Einführung der hebräischen Sprache als Volkssprache erstrebt, von gutem Erfolg begleitet waren. Die beiden Organisationen haben auf ihren Konferenzen erwiesen, daß sie sehr wohl verstehen, ihre idealen Aufgaben in praktische Wirklichkeit umzusetzen. Die Nachmittagssitzung war mit der Verhandlung über die etwas trockene Materie der Neufassung des Organisationsstatutes ausgefüllt. Von den gefaßten Beschlüssen ist besonders der hervorzuheben, der es Sondergruppen gestattet, sich über den Rahmen der Landsmannschaften hinaus zu Förderationen zusammenzuschließen, wenn sie mindestens 3000 Mitglieder stark sind. Damit ist einem lebhaft geäußerten Wunsche der proletarischen zionistischen Richtung, der „Poale Zion"-Organisation Rechnung getragen. Stürmischen Beifall erweckte die Mitteilung des Präsidenten, daß von dem Mitglied des Aktionskomitees, Herrn Jakob Moser aus Bradford, die Summe von 80.000 Francs für das hebräische Gymnasium in Jaffa und 10.000 Francs für die Kunstgewerbeschule „Bezalel" in Jerusalem gespendet worden find. Damit ist die Zukunft des hebräischen Gymnasiums in Jaffa, das seit ca. einem Jahre besteht und, wenn auch vorläufig in bescheidenen Verhältnissen, schon sehr Ersprießliches geleistet hat, gesichert. Mittwoch, den 21. August 1907. Mittwoch vormittags fand die Generalversammlung der jüdischen Kolonialbank statt, in der beschlossen wurde, eine Dividende von 3*/g Perzent zu erklären. Nachmittags wurde auf den Vorschlag des Präsidenten der wichtige Beschluß gefaßt, einen Parteifond zu schaffen, zu dem jeder Zionist verpflichtet ist, im laufenden Jahre mindestens 5 Francs beizusteuern. Hierauf ging man zu den Wahlen über. Die Stimmung des Kongresses war äußerst gespannt, da bis zur Stunde eine Einigung über die Wahlen noch nicht e^ielt worden war. Es standen sich zwei Richtungen gegenüber, eine, die die Wahl eines engeren Aktionskomitees von 5 Mitgliedern an Stelle des bisherigen von 7, und zwar unter Ausschluß der beiden ruffischen Vertreter propagierte, und eine andere, die sich energisch für ein engeres Akttonskomitee aussprach, in dem auch die Russen, die beiweitem stärkste Landsmannschaft, vertreten sein sollten. Nach lebhaften und teilweise überaus erregten Verhandlungen in den Kommiffionen gelangte schließlich der Permanenzausschuß, dem die Vorbereitung der Wahlen oblag, zu dem Entschluß, dem Kongreß die Wahl von 5 Mitgliedern vorzuschlagen. Da aber der Präsident des engeren Aktionskomitees, Herr D. Wolffsohn, mit Nachdruck darauf bestand, daß im Interesse der gedeihlichen und leichten Arbeit die Mitglieder des engeren Aktionskomitees, dem die gesamte Leitung der Organisation obliegt, schnell und leicht zu vereinigen seien, verzichteten die beiden vorgeschlagenen russischen Herren M. Ufischkin und Dr. Tschlenow auf ihre Wahl. Die ruffische Landsmannschaft war jedoch gegen eine solche Zusammensetzung des engeren Aktionskomitees und infolgedessen erfolgte die Wahl des Präsidiums nicht einmütig. In das engere Aktionskomitee wurden Herr David Wolffsohn, Köln, als Präsident, Herr Prof. Otto Marburg, Berlin, und Herr Jacobus H. Kann, Haag, gegewählt. Das Ergebnis der Wahl, die unter lebhafter Spannung des Kongreffes und der stark besuchten Galerie vor sich ging, wurde mit großem Enthusiasmus ausgenommen. Sodann erfolgte die Wahl des großen Aktionskomitees, das aus 65 Mitgliedern, Vertretern der verschiedenen Landsmannschaften und der Kommissionen, besteht. Gegen halb 8 Uhr abends schloß der Präsident Herr David Wolffsohn den Kongreß mit folgender, mit stürmischem Beifall aufgenommenen Rede: „Dieser Kongreß hat ein gutes Stück Arbeit geleistet. Der vorige Kongreß war ein Kongreß der Scheidung, dieser ein Kongreß der Einigung. Der Kongreß hat klargelegt, daß wir alle von einem Gefühle beseelt find und trotz verschiedener Meinung nur nach einem Ziele streben. Wir haben uns nicht gegenseitig mit Blumen überschüttet. Mit tiefem sittlichen Ernst vertrat jeder von uns seine Ansicht über das richtige Maß der Dinge. Aber alle Diskussionen waren von einer flammenden Begeisterung durchglüht und die Resultate dieser Diskussionen liegen jetzt vor uns. Der Kongreß hat wiederum klargelegt, daß wir alle auf dem Boden des politischen Zionismus stehen und als Mittel praktische Arbeit fördern wollen. Wir haben zu diesem Zwecke eine Reihe wichtiger Beschlüffe bezüglich der Palästinaarbeit gefaßt. Wir haben die Fragen der innerpolitischen Tätigkeit aus der Diskuffion ausgeschloffen, weil wir der Ansicht find, daß dies nicht Sache des Kongresses und der von ihm eingesetzten Leitung ist. Doch freuten wir uns, in unserer Mitte die Abgeordneten des österreichischen Parlaments und Mitglieder der ersten russischen Duma zu sehen. Es ist ein Beweis, daß unsere Gefinnungsgenoffen neben der Liebe zu Zion sich auch staatsbürgerlich zur Ehre ihres Stammes und zum Wohle unseres Volkes betätigen. Dieses Bewußtsein wird sich auch in diesem Lande Bahn brechen. Manche, die noch nicht zu uns gehörten, hatten eine gewisse Scheu, in einer neuen Umgebung mit unseren Gedanken, Empfindungen. Stärken und Schwächen aufzutreten. Diese Scheu hat sich als unbegründet erwiesen. Die Regierungsbehörden, die Stadt, die Preffe, die die öffentliche Meinung wiederspiegelt und unsere Volksgenoffen, repräsentiert durch Würdenträger unseres Stammes, wie es selten in einem anderen Lande möglich ist, haben uns das wärmste Interesse entgegengebracht und wir hoffen, daß dieses Wohlwollen mit der Zeit zu einer wirksamen Kraft heranreifen wird. Wir werden weiter kämpfen, ringen und streben, bis wir für unser unglückliches Volk die alte Heimat wieder erlangen werden. Unser armes Volk hat nichts zu verlieren, als seine Ketten und eine Welt hat es zu gewinnen, eine Welt des Friedens, der Ruhe und der Arbeit. Unermüdlich wollen wir arbeiten bis die Zeit kommt, in der es wieder heißen wird „und Israel wohnte in Sicherheit, die Quelle Jakobs in sich geschloffen." Unter dem Singen nationaler Lieder und lebhaften Zurufen der Delegierten und Gäste schloß' der VIII. Kongreß.

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