Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 35 (30.8.1907)
- Date
- 1907-08-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 574 Wr. Blocö s MocbensH)VM. aufbau ihres 410 zerstörten Gotteshauses. Die dritte Urkunde berichtet von dem Erfolg der Petition. Im Einzelnen werden die sprachlichen und sachlichen Berührungen dieser Urkunden mit den jüngsten Geschichtsbüchern des Alten Testamentes, den Büchern Esra und Nehemia nachgewiesen. Die Raschi-Kapelle in Worms. Ans Worms vom 15. d. M. wird berichtet: Wie die Zeitungen melden, soll die unter Denkmalsschutz stehende Raschi- Kapelle bei der hiesigen Synagoge ausgebessert werden. Nach einer Verfügung des hiesigen Kreisamtes darf die Schrift am Raschi-Stuhle nur gereinigt werden und es soll eine Uebersetzung derselben angefertigt werden. Eine daraufhin vorgenommene genaue Besichtigung des Raschi-Stuhles hatte nun das Ergebnis, daß sich nicht nur eine Schrift an der Außenseite des Stuhles vorfand, sondern auch an den drei Innenseiten Inschriften aufgedeckt wurden. Man hofft, diese nach gründlicher Reinigung entziffern und mit Hilse dieser Inschriften vielleicht einen wissenschaftlichen Streit betreffend die Erbauungszeit der Raschi-Kapelle entscheiden zu können. Durch Urkunden läßt sich nämlich feststellen, daß die jetzige Kapelle im Jahre 1624 von David, Sohn von Josua Joseph Oppenheim, erbaut wurde. Der ftühere hiesige Prediger Dr. Levysohn (Stockholm) behauptete nun, daß Oppenheim die Raschi-Kapelle an der Stelle eines früher schon bestehenden Baues wieder aufbauen ließ, indem er das hebräische Wort „bonoh“ mit „wiedererbauen" übersetzt. Dagegen vertritt der Altertumsforscher A. Eppstein (Wien) die Ansicht, daß das Wort „bonoh“ mit „bauen" zu übersetzen sei, und daß Oppenheim die Kapelle neu erbaut habe, ohne daß sie mit Raschi in irgend einem Zusammenhang stehe; das Raschi-Lehrhaus habe sich vielmehr in dem heutigen israelitischen Hospital befunden. Korrespondenzen. Zionistischer Kongreß im Haag. Ueber die Schlußsitzungen des zionistischen Kongresses gehen uns nachstehende offizielle Berichte zu: Montag, den 19. August. Ihren Höhepunkt erreichten die Debatten in der Sitzung am Montag, in der die Palästinaftagen zur Diskuffion standen. In einer den ganzen Tag ausfüllenden Aussprache kamen die Gegensätze, die mit Bezug auf die praktische Arbeit der zionistischen Organisation in Palästina einerseits und ihrem Charakter als politische Bewegung andererseits seit Jahren innerhalb der Bewegung bestehen, zu einem teilweise hochdramatischen Ausdruck. Beide Seiten schicen ihre besten Vertreter vor. Den Beginn machte der Referent des Palästinaausschusses, Böhm, der die Anträge des Ausschuffes in längerer Rede begründete. Danach soll innerhalb der Leitung ein besonderes Palästinareffort geschaffen werden, dem ein in Palästina befindliches, aus besoldeten Beamten bestehendes Palästinaamt unterstellt werden soll. 25% sämtlicher Einnahmen der Organisation sollen diesem Palästinareffort zur Verfügung gestellt werden. Das Palästinareffort und das Direktorium der jüdischen Kolonialbank sollen beauftragt werden, umgehend ein Institut für ländlichen und städtischen Bodenkredit in Palästina zu schaffen. Ein weiterer Antrag beauftragt das Palästinareffort, die Frage der Siedelungsgenoffenschaft in Palästina zu studieren und den palästinensischen Bildungsanstalten seine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden und zu trachten, für deren Zwecke einen besonderen Fond zu schaffen. Die Debatte war vorläufig eine prinzipielle, die einzelnen Anträge sollen morgen in der Spezialdebatte zur Erörterung gelangen. Der erste Diskuffionsredner, Mr. C o w e n aus London, betonte mit Nachdruck den politischen Charakter der Bewegung, die nicht zu einer Wohltätigkeitsgesellschaft für praktische Kleinarbeit in Palästina hinabsinken dürfe. Wir dürfen die Einwanderung nach Palästina nicht ermuntern» solange wir nicht die öffentlich rechtlichen Sicherheiten haben» deren Erlangung der eigentliche Zweck unserer Bewegung ist. Dagegen Müssen wir mit Nachdruck für die kulturelle Hebung der schon in Palästina befindlichen Volksgenoffen Sorge tragen. Das einseitige Betonen der praktischen Arbeit und die Intoleranz der An»- Hänger dieser Richtung hat uns vorzügliche Kräfte ans dem Zionismus Hinausgetrieben, und wir sollten uns lieber bemühen, sie wieder für uns zu gewinnen, statt sie durch unsere Einseitigkeit für ewige Zeiten von uns zu trennen. Davis Trietsch, Jaffa, vertrat in eindrucksvoller Rede den Standpunkt, daß praktische Arbeit in Palästina die Vorbedingung der Erlangung politischer Rechte sei. Gegenüber der Behauptung zur Gegenseite, daß die sogenannten praktischen Zionisten von der politischen Arbeit des Zionismus nicht viel wiffen wollten, vertrat er die Meinung, daß gerade von der anderen Seite die politischen Möglichkeiten nicht genügend erkannt und ausgenützt worden wären. Greenberg, London, bezeichnete sich als den ersten Zionisten, der für praktische Arbeit in Palästina eingetteten sei. Allerdings müffe diese Arbeit möglichst praktisch sein und dürfe nicht in phantastische Unternehmungen ausarten. Das Mißtrauen der „praktischen Zionisten" mache der Leitung eine politische Arbeit fast unmöglich. Der letzte RÄner der Vormittagsfitzung, Rev. G a st e r, erklärte, daß ein prinzipieller Gegensatz zwischen praktischem und politischem Zionismus weder bestehe noch zu bestehen brauche. In der Nachmittagssitzung hielt Oberrabbiner Dr.! Ehrenpreis, Sofia, ein Referat über Fragen der nationalen Erziehung in der Diaspora. Er verlangte, daß insbesondere die jüdischen Lehrer mehr national beeinflußt würden, um die Erziehung der Jugend in diesem Sinne zu leiten. Hierauf wurde zur Wahl von 9 Generalrednern für die Palästinadebatte geschritten. Der erste Generalredner Scheinkin» Jaffa, ^verlangte im Namen der palästinensischen Zionisten und Juden eine lebhafte Anteilnahme des Zionismus an der jüdischen Erschließung Palästinas. Aber unsere Arbeiten müssen wirklich praktische sein und dürfen nicht vom grünen Tische aus geleitet werden. Es ist unbedingt notwendig, daß unsere Führer und die wohlhabenden Zionisten sich materiell an der Ausschließung Palästinas beteiligen» sonst kann das Volk kein Vertrauen zu ihnen haben. Reichsratsabgeordneter Dr. Mahler sprach namens der mehr politischen Richtung. Wir dürfen die Ideen des großen Herzl, daß die Judenfrage nur politisch zu lösen ist, nicht aufgeben. Es gibt keinen Gegensatz zwischen praktischer Arbeit und politischem Zionismus, wenn die Arbeit wirklich praktisch und der Zionismus wirklich politisch ist. Reichsratsabgeordneter Dr. Stand: Der praktische Zionismus ist das Mittel und der politische der Zweck. Wir werden zum politischen Zionismus nur kommen, wenn wir das Mittel des praktischen Zionismus anwenden. Praktischer Zionismus ist das primäre, der politische das sekundäre. Ich bin für die Unterstützung der Palästinakommiffion in jeder Hinsicht. Unsere Bank soll nicht die letzte in London, sondern die erste in Jaffa sein. Ohne praktische Arbeit wird die Bewegung zurückgehen. Dr. M o z k i n : Niemals hat der politische Zionismus versprochen, daß er sein Ziel in den nächsten Tagen erreichen könne. Wir dürfen die große Idee des politischen Zionismus, die allein das Neue und Gewaltige unserer Bewegung darstellt, nicht aufgeben, weil wir ungeduldig werden. Wir dürfen unsere realen Machtfaktoren, Nationalfond und Bank, nicht aus den Händen geben, um praktische Arbeit zu treiben, weil wir uns damit des einzigen Faktors begeben, der uns reale Bedeutung gibt. Solange wir die gesetzlichen Garantien nicht haben, solange dürfen wir nicht an die Verwirklichung des Zionismus schreiten. Dr. Marmorek, Paris: Wir sind in Gefahr, in die kleinliche Ghettopolitik zurückzufallen, aus der uns Herzl herausgerissen hat. Wir müffen große Politik treiben, aber es scheint, daß wir noch nicht verstehen, Politiker zu sein. Wenn die praktischen Zionisten ihre Arbeit zu einer politische