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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-08-23 · 34 (23.8.1907) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
34 (23.8.1907)
Date
1907-08-23
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 562 Dr. Liocb's MocvenscbrtN. Nr. 34 Notlage -er Juden in Rumänien. Der Sekretär der „Israelitischen Allianz zu Wien", Herr Dr. Armand Kaminka, ist soeben von einer Reise durch Rumänien zurückgekehrt, wo er namens der europäischen Hilfsorganisationen im Einvernehmen mit dem Zentralkomitee in Jassy und den Lokalkomitees die Aktion für die Opfer der Exzesse zum Abschluß zu bringen hatte. Nach der Schilderung des Herrn Dr. Kaminka ist die Situation eine für die rumänischenJuden trostlose und vonTag zu Tug sich verschlimmernde, so daß das Hilfswerk nicht zumAbschluß gelangen kann. Die rumänische Regierung führt einen Vernichtungskrieg gerade gegen die ärmsten, ohnehin unt der bittersten Not kämpfenden Juden und das System fortwährender Ausweisungen aus Dörfern und Erwerbsentziehungen bedeutet faktisch ein stilles, unblutiges Massakre, das von den rumänischen Behörden in Verhöhnung des Berliner Vertrages an den Juden verübt wird. Als einzige Hilfe für einen großen Teil der Juden der nördlichen Moldau betrachtet Herr Dr. Kaminka die Auswanderung. In der letzten Sitzung der Zentrale in Jassy mußten leider die Unterstützungen, die ohnehin nur wie ein Tropfen auf einen heißen Stein sind, gekürzt wecken, da von England der in der Wiener Konferenz präliminierte Beitrag nicht eingegangen und der rumänische Fond erschöpft ist. Dem Bezirk Jassy hat die Wiener Allianz fernere 50.000 .Frcs., dem Bezirk Botosani 90.000 Frcs., außerdem hat die Allianz für vertriebene Familien vorläufig 10.000 Frcs. überwiesen. Iw neue« israelitische« Hospiz z» Karlsbad. Das ueue israelitische Hospiz zu Karlsbad wurde über Beschluß der Repräsentanz der dortigen israelitischen Kultusgemeiude anläßlich des fünfzigjährigen Regierungsjubiläums Seiner Majestät des Kaisers Franz Joseph I. (am 2. Dezember 1898) nach den Plänen des Architekten und k. k. Baurates Wilhelm Stiaßvy in Wien von dem Stadtbau - mcister Josef Waldert errichtet. Der Bau währte vom Jahre 1900 bis zum Jahre 1903. Es ist ein geräumiges, palaisartiges Gebäude in gesunder, herrlicher Lage, von einem großen Garten umrahmt, der den Patienten zur Verfügung steht. Das Logis und die Gefamteinrichtuug kann in jeder Beziehung musterhaft genannt werden. Das Vestibüle enthalt eine Tafel mit folgender Inschrift: „Gewidmet unseren leidenden Glaubensgenossen mit Hilfe edler Wohltäter durch Wirksamkeit Seiner Ehrwürden des Rabbiners Dr. Ignaz Ziegler und der Repräsentanz der israelitischen Kultusgemeiude Karlsbad: Ludwig Moser. Vorsteher; Adolf Rosenfeld, Vorsteher-Stellvertreter; Josef Haiusfurth, Adolf Hirsch, Josef Goldmann, Robert Epstein, Vorstandsmitglieder. Josef Benedikt, Adolf Grünbaum, Rudolf Kareis, Salomou Kohn, Wilhelm Lenk, Gustav Löbl, Bernard LöweustM, Dr. Bernard Löwy, Samson Neubauer, Josef Feiner, Dr. Oskar Winternitz, Ludwig Zentner, Repräsentanz-Mitglieder." Im Mai des Jahres 1903 wurde das Hospiz eröffnet; doch ckonnteu damals nur 32 Kranke ausgenommen werden, im Jahre 1905 war es schon möglich 245, im folgenden Jahre 287 und im heurigen 300 Kranken ein sicheres Asyl zu bieten. Die Patienteu rekrutieren sich zumeist aus Oesterreich-Ungarn, Deutschland und Rußland; hie und da sind auch andere Länder vertreten. Der Kranke erhält außer dem prachtvollen Logis die ganze Kost, die Bedienung und die ärztliche Behandlung gratis. In letztere teilen sich der Primararzt Herr MÜDr. Richard Rosenfeld und der Sekundarius Herr MUDr. Oskar Posner. Beide walten ihres Amtes in der gewissenhaftesten Weise und stehen den Patienten mit Rat uud Tat zur Seite. Ihre ganz besondere-Liebenswürdigkeit muß au dieser Stelle hervorgehobeu werden. Eine elektrische Glocke weckt alltäglich die Kranken um 5 Uhr morgens, damit sie ihrer Brunuenpflicht genügen können. Die Klänge derselben Glocke laden um 8 Uhr zum Frühstücke, um 12 Uhr zum Mittagmahle, um 4 Uhr zur Jause, um 7 Uhr zum Abendessen. Die Mahlzeiten sind kurgemäß und munden ganz gut, ein Hauptverdienst der Verwalterin Frau Jda Wotzilka, während der Verwalter Herr Moritz Wotzilka auf die strikte Einhaltung der 15 Paragraphe umfassenden Hausordnung bedacht ist. Beide kommen gerechten Wünschen der Patienten jederzeit entgegen; für letztere besteht auch im Institute eine kleine Bibliothek. Die Erhaltung des Hospizes erfordert kein kleines Kapital; bis jetzt ist das Hochparterre, -das erste und zweite Stockwerk eröffnet worden; die dritte Etage harrt noch ihrer „Erlösung", sie ist gegenwärtig weder fundiert noch eingerichtet; doch das edle, jüdische Herz unserer vermögenden Glaubensgenossen wird dieses großartige, humane Werk gewiß seiner vollkommenen Vollendung zuführen. Sehr wünschenswert wäre es, wenn sämtliche Kultusgemeinden und Wohltätigkeitsvereine, insbesondere unsere würdigen Chewra-Kadischas durch einen alljährlichen Beitrag das Karlsbader Kaiser Franz Joseph-Jubiläumshospiz für unbemittelte Israeliten unterstützten. Groß ist die Zahl der Gründer und Stifter dieser eminent humanen Anstalt; sie haben derselben im Minimum den Betrag von 10.000 Kronen, manche viel höhere Beträge, gewidmet. Die Namen dieser Edlen verkündet eine große Tafel im Speisesaale. Sie lauten: Frau Klara Baronin Hirsch de Gereuth (Paris), Freiherren Nathaniel und Albert von Rothschild (Wien), Freiherr und Freifrau Wilhelm Karl von Rothschild (Frankfurt a. M.), Herr Kommerzienrat Lazar Brodsky (Kiew), Herr Leopold Goldschmidt (Paris), Herr David Ritter von Gutmann (Wien), Herr Alexander Freiherr Popper von Podhrügy (Wien). Herr und Frau Georg Baron von Rosenthal (Amsterdam), Familie L ö b e l Schottland er (Breslau), Herr Charles L. H a l l g a r t e n (Frankfurt a. M.), Herr Gotllieb Lederer (Karlsbad), Herren A. M. Rothschild und Sons (London), Herren De Rothschild Fröre s (Paris). Herr Adolf S k r a i n k a (Holleschau), Herr- Baron Gustav Springer (Wien), Herr Hippolit W a w e lb e r g (St. Petersburg), Herr kais. Rat Ignaz Fluß und Frau E l e o n o r a (Wien), Herr Raphael Gotz und Frau Rachel (Moskau), Herr Oscher, B. Gawronsky und Frau Golde (Moskau), Herr kais. Rat Moritz Hahn und Frau E r n e st i n e (Prag). Lady Constanze Stern (London). Eine andere Tafel nennt jene Wohltäter, welche dem Hospiz wenigstens 2000 Kronen gespendet. Diese Widmungstasel enthält folgende Namen: Frau Baronin Adolphe de Rothschild (Paris), Frau Baronin Nathaniel de Rothschild (Paris), Herr Jules Beer (Paris), Herr Ferdinand Bischoffsheim (Paris), Herr und Frau Henry Bischoffsheim (London), Herr Raphael Bischoffsheim (Paris), Herr Alphons Jacobson (Leipzig). Herr und Frau Edward Stern (London), Herr Adolphe M. Goldschmidt (London), Herr Harry M o s euth a l (London), Herr Edward R a p h a el(London) Herr Leopold de Rothschild (London), Herr Edgard Speyer (London), Herr James Stern (London), Frau Theodor Stern (Frankfurt a. M.) Herr Rodolphe Kann (Paris), Herr Generalkonsul Eugen L a n d a n (Berlin), Herr Hermann Landau (London), Herr Kommerzienrat Isidor Löwe (Berlin), Herr F.D.Mocatta (London), Herr Jules P o r g e s (Paris), Herr Sigmund Reitzes (Wien). Baronesse Alice de Rothschild (London) Herr Henry N e w m a n (New-Orleans), Herr Wilhelm Zentner uud Frau Emma (Karlsbad). Der Erholungsraum des ersten Stockwerkes wurde vom Herrn Kommerzienrat Lazar Brodsky und seiner Frau Sarah (Kiew) eingerichtet, die Möbel der zweiten Etage spendeten Herr Raphael G o tz uud seine Frau Rachel geb. W i s s o tz k y (Moskau).

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