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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-08-23 · 34 (23.8.1907) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
34 (23.8.1907)
Date
1907-08-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 554 Dr. Blocb’s MocdenscdrtN. Nr. 34 dieses Standpunktes des politischen Zionismus heben wir mit dem ernstesten Nachdrucke hervor. Wir werden auf geradem Wege das Ziel zu erreichen suchen, das wir uns in unserem Programm vorgezeichnet haben. Es hat unsererseits auch an Ansätzen und Bemühungen verschiedener Art im Laufe der letzten zwei Jahre nicht gefehlt. Wir haben die Verbindungen, die Herzl geschaffen hat, aufrecht erhalten und seitens maßgebender Kreise manche Ermutigung erfahren, die uns ein mächtiger Ansporn zu weiterem Fortschreiten ist. Die Loyalität unserer Bestrebungen, die zivilisatorisch-friedliche Bedeutung unserer Unternehmungen haben wir fortgesetzt der türkischen Regierung nahegelegt, und wir hoffen, daß die Hohe Pforte, die unserem Volke große Sympathien bewahrt, den richtigen Maßstab für die Wertschätzung unserer Abfichten finden wird. Bedeuten doch diese Abfichten für die Türkei selbst einen wirtschaftlichen Fortschritt und einen kulturellen Aufschwung. In der Ehrlichkeit unserer Bestrebungen liegen die Bürgschaften unseres zukünftigen Sieges. Nur müffen wir zäh, unermüdlich und systematisch unserem Ziele zustreben. Auf drei Grundlagen baut fich unser Arbeitsprogramm auf: Politik, Vorbereitung des Volkes und Vorbereitung des Landes. Diese drei Grundlagen greifen ineinander und alle, die an der Festigung dieser Fundamente des zionistischen Baues arbeiten, müffen Hand in Hand gehen. Die politische Arbeit ist notwendig, um die rechtlichen Bedingungen zu schaffen und die erforderlichen Garantien zu erlangen. Das ist der gewaltige Fortschritt vom ftüheren Chowewe-Ziontum zum Zionismus, der moderne große Zug, der Berührungspunkt mit der großen Welt, die Linie der völkerrechtlichen Zusammenhänge, durch die unsere Bestrebungen aus den Schlupfwinkeln der kleinen Philanthropie fich zu einer weltumspannenden Bewegung durchgerungen hat. Dieser Kernpunkt darf nicht verrückt werden. Parallel und zu gleicher Zeit müffen wir unser Volk für das große Ziel vorbereiten und heranziehen. Der Zionismus muß durch eine sorgsame Pflege der nationalen Erziehung tiefer ins Volk dringen und größere Kreise an sich ziehen. Neue Kräfte müffen sich entwickeln und entsprechende Mittel gesammelt werden, damit wir den großen und schweren Aufgaben, denen wir entgegengehen, gewachsen sind. Von ebenso dringender Notwendigkeit ist auch die Vorbereitung des Landes. Diese Vorbereitung wollen wir auf gesunder Basis machen, und wir glauben, einen gangbaren Weg für eine regelrechte Entwicklung angebahnt zu haben. Mit Genugtuung können wir das Gedeihen unserer Finanzinstitute hervorheben. Die Anglo Palestine Company hat bemerkenswerte Fortschritte gemacht. Zu der Zentrale in Jaffa und der Filiale in Jerusalem find seit dem vorigen Kongreß die Filialen in Beirut und Hebron hinzugekommen, deren günstige Entwicklung zu der Gründung neuer Filialen Veranlassung geben wird. Die Tätigkeit der Anglo Palestine Company wird sich bald auf die Metropole des türkischen Reiches erstrecken. Das Direktorium hat bereits hierfür die Vorarbeiten beendet. Das Aufieimen neuer Industrien in Palästina, die der Privatinitiative ihre Entstehung verdanken, die Anzeichen einer besseren Richtung in dem Leben der Kolonien zeigen uns, auf welchen Bahnen wir schreiten müffen, um bessere Erfolge erwarten zu dürfen. Für die Einführung des Kunstgewerbes ist ein guter Anfang durch den „Bezalel" gemacht worden, und für das Erziehungswesen in jüdischem Geiste ist die Gründung eines hebräischen Gymnasiums ein vielversprechender Versuch. Es soll noch dies und jenes in Angriff genommen werden, aber mit großer Vorsicht. Man muß den Drang des Gründertums, auch wenn er den edelsten Beweggründen entspringt, durch weise Mäßigung bezähmen, weil ein Losgehertum mehr schaden als nützen kann. Bei praktischer Arbeit muß der Rechenstift zur Geltung kommen. Eine nüchterne, vorsichtige Beurteilung ist bei diesen Fragen zuträglicher als eine enthusiastische Ueberstürzung. Viele Dinge sind technisch zu behandeln und können nur durch die Begutachtung der erfahrenen Sachkenner, nicht aber durch Gefühlsregungen entschieden werden. Wir müffen uns bewußt sein, daß es nicht genug ist, Leitsätze aufzustellen, man muß sie auch in die Praxis Umsetzen können. Denn die großen Gedanken allein machen es nicht, wenn nicht vorher durch systematische Arbeit der Boden vorbereitet worden ist, auf welchem die Gedanken ausreifen können. So schreiten wir an die Arbeit dieses Kongresses. Wir haben viele und wichtige Fragen zu lösen und wir verhehlen uns nicht, daß in Bezug auf Einzelheiten manche Meinungsverschiedenheit unter uns herrscht. Wir sind keine gefügige Mamelukenschar und wir wollen es auch nicht sein. Der jüdische Geist ist zur Kritik veranlagt und das Gesetz der Entwicklung bewirkte es, daß wir im Zionismus verschiedene Nuancen und Abstufungen besitzen. Aber die Verschiedenheiten machen die Bewegung reichhaltiger und sie kommen zum Ausgleich in der einheitlichen Organisation. Aus dem Ihnen vorliegenden Berichte des Zentralbureaus werden Sie sich über die Tätigkeit der Zentrale und die Entwicklung der zionistischen Organisation seit dem letzten Kongresse unterrichten können. Ein neuer Organisationsentwurf wird Ihnen zur Beratung unterbreitet, und es wird eine der Hauptsorgen des Kongresses sein müffen, die Organisation zu stärken. Um stark zu sein, müffen wir Zusammenhalten, und um das Volk zu organisieren, müffen wir selbst musterhaft organisiert sein. Fernerhin wird der Kongreß Gelegenheit haben, aus den Problemen praktischer Palästinaarbeit alle erörterungsfähigen Punkte zu beleuchten und den Forderungen einer vorwärtsschreitenden Entwicklung gerecht zu werden. Auch über den Nationalfonds, dessen Legalisierung nach langen Bemühungen wir mit Genugtuung verzeichnen können, werden Sie sich aus dem Ihnen zu erstattenden Bericht ein richtiges Bild machen können und Gelegenheit finden, die Weiterentwicklung dieses Instituts durch neue Anregungen zu fördern. Ueber den Stand der Kolonialbank werden Sie in der Generalversammlung genau unterrichtet werden und hier werden wir zu der Frage der Abänderung der Statuten Stellung zu nehmen haben. Ferner muß für die Verinnerlichung und Vertiefung des Zionismus Sorge getragen werden, und zu diesem Zwecke wird das Problem der nationalen Erziehung in die Diskussion gestellt werden. Zu den Gegenwartserscheinungen der letzten Zeit gehört die Beteiligung der Zionisten bei innerpolitischen Fragen. Es ist dies ein Problem, das mit nüchterner Klarheit erwögen werden muß, damit im wohlverstandenen Interesse der Organisation eine Zersplitterung vermieden und die richtigen Linien für unser Arbeitsgebiet gezogen werden. Wir müffen auch die Erweiterung, Erneuerung und Vertiefung der Propaganda ins Auge fassen, und deshalb werden Ihnen auch Anregungen zur Neugestaltung dieses wichtigen Arbeitsgebietes vorgelegt werden. Geehrter Kongreß! In einer so zahlreichen Versammlung, die aus allen Enden der Welt zusammenkommt und deren Zeit so knapp bemrssen ist, können nur die großen Richtlinien für die spätere Arbeit vorgezeichnet werden. Wir müssen vorwärts schreiten, und was bis jetzt versäumt worden ist, muß nachgeholt werden. Wer den Zweck will, muß auch die Mittel wollen. Wollen wir ernten, so müffen wir zuerst säen. Viele Samenkörner gehen zugrunde, denn die Scholle ist hart und der Himmel nicht immer günstig. Aber rastloses Streben und ernstes Arbeiten sichern die Ernte. Seien wir dessen eingedenk, daß unser Ziel nicht ein kurz abgestecktes Eintagsprojekt ist. Es ist das logische Ergebnis jahrtausendlanger Erfahrungen. Wir verkörpern in unserem Bestreben die Synthese der jüdischen Geschichte. Hier gilts, nicht vor Widerständen zu weichen. Bei willkürlichen Unternehmungen mag der Flug der Initiative schnell enden und die Schwingen der Phantasie rasch herabfallen. Aber wir schreiten auf historischen Bahnen, und da gibts kein drängendes Ueberstürzen, kein Zurücksinken in die Trostlosigkeit und keine Fahnenflucht. Gottes Mühlen mahlen langsam, aber sie mahlen gut. Der Zionismus ist keine Zufälligkeit und keine Laune einzelner Menschen. Er ist der klare, durch historische Gesetze

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