Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 34 (23.8.1907)
- Date
- 1907-08-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 552 L)r. Lloev s MocdenscdrM. Nr. 34 In Vorbereitung ist die Schaffung eines Palästina- Agrarfonds zum Zwecke der Ermöglichung eines gesunden und billigen Argrarkredites und die der Pälästina-Agrikulturgesellschaft, die durch rationellen Großbetrieb neue verbesserte Methoden der Landwirtschaft und neue Kulturen einführen will. Zum Schluß verlangt der Bericht eine Neuorganisation der Palästinaarbeit dadurch, daß innerhalb der Leitung der zionistischen Organisation ein besonderes Palästinaressort gebildet wird. Der überaus instruktive und interessante Bericht, der in jeder Hinsicht den Höhepunkt. der bisherigen Verhandlungen darstellte, wurde vom Kongreß mit jubelndem, nicht enden wollenden Beifalle ausgenommen. Zur Vereinfachung der Debatte wurde ein großer Palästinaausschuß gebildet, der für die am Sonntag beginnende Spezialdebatte die Resolutionen ausarbeiten soll. Der Vorsitzende des Direktoriums des jüdischen Nationalfonds Herr Dr. Bodenheimer erstattete hierauf seinen Bericht, in dem er zunächst die Grundlagen der neuen Organisation des jüdischen Nationalfonds auseinandersetzte und die Prinzipien darlegte, nach denen die Verwaltung der Fonds erfolgen wird. Der Fond, der bekanntlich aus kleinen und kleinsten Sammlungen in der ganzen Welt gebildet wird, verfügt zur Zeit über ein Vermögen von ca. 1 25 Millionen Frs. in baar und ca. 500.000 Frs. in Landbesitz. Freitag nachmittag ist für die Beratung des Palästinaausschuffes reserviert, der Kongreß wird seine Tagung Sonntag vormittag wieder aufnehmen. Sonntag, den 18. August (vormittag). In der Vormittagssitzung am Sonntag verhandelte man über die Bankinstitute der zionistischen Bewegung. Der Präsident der jüdischen Kolonialbank, Dr. N. Katzenelsohn, gab einen kurzen Ueberblick über die Entwicklung dieser Bank und ihres Tochterinstitutes, der Anglo Palestine Company in Jaffa, Jerusalem, Beiruth und Hebron. Er betonte die andauernd günstige Entwicklung dieser Institute und erwähnte insbesondere den großen Einfluß, dessen sich die zionistische Bank in Palästina erfteue. Durch Gründung von Darlehensgenossenschaften, durch die Gewährung billiger Kredite an Bau- und Produktivgenoffenschaftcn hat die A. P. C. sehr viel zur Stärkung des jüdischen Elementes in Palästina beigetragen und sich daselbst zu einem der ersten jüdischen Faktoren entwickelt. Der Redner besprach sodann die in zionistischen Kreisen viel erörterte Frage der Abänderung der Statuten der jüdischen Kolonialbank. Bei der Gründung der Kolonialbank hat man als ihren eigentlichen Zweck die kolonisatorische Tätigkeit in irgend einem Teile der Erde bestimmt. Dieser Passus hat jedoch von Anfang an Widerspruch in weiteren zionistischen Kreisen hervorgerufen, die als Zweck der jüdischen Kolonialbank lediglich kolonisatorische Tätigkeit in Palästina und Nachbarländern festgesetzt haben wollten. Nachdem von verschiedenen Kongressen entsprechende Resolutionen gefaßt worden waren, hat man im verflossenen Jahre einen solchen Antrag auf Abänderung der Statuten beim englischen Gericht eingebracht. Dagegen haben nun die Territorialisten, die bekanntlich im Gegensatz zum Zionismus, der die Schaffung einer jüdischen Heimstätte in Palästina erstrebt, eine Heimat für das jüdische Volk in irgend einem Lande der Welt erlangen wollen, Widerspruch erhoben und in dem eingeleiteten Prozeßverfahren ist die Entscheidung vorläufig vertagt worden. Es entstand jetzt die Frage, ob angesichts dieser Opposition und der großen Kosten, die mit dem eventuellen Verlust dieses Prozesses verbunden sein könnten, die Abänderung noch weiter erstrebt werden soll. Die Frage war in zionistischen Kreisen leidenschaftlich erörtert worden und auch auf den Kongressen kam es bei der Verhandlung dieser Angelegenheit zu stürmischen Szenen. Man machte den Direktoren der Bank zum Vorwurfe, daß sie die Aktion nicht mit der erforderlichen Energie unternommen hätten. Nach heftigen Debatten gelangte schließlich ein Antrag zur Annahme, demzufolge der Kongreß dem Aktionskomitee empfiehlt, die Durchführung der Abänderung nach Möglichkeit anzustreben, und ihm zu diesem Zwecke einen Beirat von drei Sachverständigen zur Seite stellt. Hierauf erstattete Dr. Schmarjahu Lewin-Wilna, der soeben von einer längeren Reise aus Palästina zurückgekehrt ist, ein Referat über die nationale Erziehung in Palästina. Er bezeichnete es als eine traurige Tatsache, daß in Palästina die jüdischen Kinder infolge des Mangels an jüdischen Schulen gezwungen sind, die Schulen fremder Missionare zu besuchen. Wenn wir von Palästina sprechen, müssen wir in erster Linie darnach trachten, daß die 90.000 Juden, die dort wohnen, dem Lande und uns erhalten bleiben. Die bisher dort bestehenden jüdischen Unterrichtsanstalten sind aber durchwegs dieser Seite ihrer Aufgabe nicht gerecht geworden. Sie haben es nicht verstanden und zum großen Teile auch nicht gewollt, ihren Schülern die Anhänglichkeit an ihr Heimatsland einzuimpfen und haben sie noch unterstützt, wenn sie nach Amerika, Canada oder Australien ausgewandert sind, um dort vielleicht der öffentlichen Wohltätigkeit anheimzufallen. Ein ganz anderes Bild bieten die jüdischen Kolonien. Dort wird wirklich eine neue Generation herangezogen. Die Unterrichtssprache ist die hebräische, und zwar wird sie nicht gelehrt wie eine fremde Sprache, sondern die hebräische Sprache lebt wirklich im Munde der jungen palästinensischen Generation. Die hebräische Sprache ist auf das Beste geeignet, in Palästina, wo es eine herrschende Nation nicht gibt, die Rolle einer Vermittlungssprache zu spielen. In jeder Hinsicht beruht die jüdisch-nationale Erziehung in Palästina auf der hebräischen Sprache, und wenn wir Zionisten unsere Aufgabe nicht begreifen, so wird die Entwicklung ohne uns von Statten gehen. Wir verfügen in Palästina über viele begeisterte Kräfte, insbesondere Lehrkräfte. Aber es fehlt an einer Organisation. Es existieren nicht einmal Lehrbücher für die - Lehrer und sie sind gezwungen, alles aus eigener Kraft zu schaffen, Wir müssen es durchsetzen können, daß alle jüdischen Eltern in Palästina ihre Kinder im Lande mit europäischer Bildung erziehen können. Wir müssen darnach streben, die palästinensischen Juden zu dauernden wirklichen Juden zu machen, mit denen wir für alle Generationen rechnen können. Alle übrigen Juden könnten uns verloren gehen, die Juden in Palästina aber müssen unser Zentrum bleiben. Dem ausgezeichneten, äußerst wirkungsvoll vorgetragenen Referate folgte, stürmischer Beifall. Hierauf sprach N. S o k o l o w, Köln, über nationale Erziehung in der Diaspora und stellte den Antrag, die hebräische Sprache als offizielle Sprache der zionistischen Bewegung, als Rede- und Schriftsprache der leitenden Stellen der Kongresse und Konferenzen anzuerkennen und einzuführen. Hierbei wird es der Organisation anheimgestellt, sich neben der hebräischen Sprache auch anderer Sprachen mit Rücksicht auf die Notwendigkeit der Popularisierung zu bedienen. Die Königin der Niederlande hat dem Kongresse für die ihr dargebrachte Huldigung telegraphisch ihren herzlichen Dank aussprechen lassen. * * * Nachstehend lassen wir die zwei interessanten Kongreßreden im Wortlaute folgen: Eröffnungsrede des Präsidenten des A C, Herrn David Wolffsohu. Geehrter Kongreß! Zehn Jahre sind es her, seitdem von der ersten zionistischen Tribüne in Basel der Sehnsuchtsschrei des jüdischen Volkes, der Ruf nach Raum, Licht und Leben im Lande der Väter in die Welt hinausklang. Genau vor zehn Jahren, als unser unvergeßlicher Theodor H e r z l den ersten Zionisienkongreß eröffnete, sprach er die denkwürdigen Worte aus: „Ein Volk muß sich selbst helfen." Und ein Blick zurück auf die Geschichte der ver-