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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-08-23 · 34 (23.8.1907) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
34 (23.8.1907)
Date
1907-08-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 84 Dr. Dlocb's MocbenscbrLN. Seite 551 Hierauf beginnt die Generaldebatte, die den ganzen Rest der Nachmittagssitzung ausfüllt. Abends fanden wieder Sitzungen der verschiedenen Landsmannschaften statt. Donnerstag den 15. August (vormittag). Die Generaldebatte wird fortgesetzt. Verschiedene Redner üben Kritik an dem Bericht des Zentralbureaus und vermissen eine Einheitlichkeit der Leitung, sowohl in Bezug auf die praktische Arbeit in Palästina als über die Richtung und die Mittel der diplomatischen Tätigkeit. Es wurde betont, daß die Bewegung neu organisiert werden müsse. Das Zentralbureau müsse nach einer größeren Stadt verlegt werden, wo man über die der Bewegung ergebenen Kräfte verfügen könne. Die teilweise heftige Debatte wird nachmittags fortgesetzt werden. Donnerstag, de» 15. August (nachmittag). In der Nachmittagfitzung wurde die Generaldebatte über den Bericht des zionistischen Zentralbureaus fortgesetzt. Von der einen Seite wurde die Tätigkeit des Aktionskomitees einer scharfen Kritik unterzogen. Insbesondere wurde der Mangel an Initiative und Einheitlichkeit in der Leitung, sowie das unentschlossene und schwankende Vorgehen in Bezug auf die praktische Arbeit in Palästina bedauert. Dagegen wurde von der anderen Seite geltend gemacht, daß die Leitung unter den obwaltenden Umständen mehr nicht habe tun können und daß es vor allen Dingen Pflicht der Organisation sei, dem Aktionskomitee die materielle Möglichkeit zu geben, großzügige Arbeiten zu unternehmen. Die Vertreter der „Sßoate Zion", das heißt, der zu einer besonderen Gruppe zusammengeschlossenen zionistischen Arbeiter, verlangten, daß für die Seßhaftmachung eines gesunden Arbeiterstandes in Palästina mit allen Mitteln eingetreten werden müsse, die Arbeiterfrage sei der wichtigste Punkt für die Entwicklung Palästinas. Der Präsident des Aktionskomitees, David W o l f f s o h n, kam zum Schluffe der Debatte in einer eindrucksvollen, von den Delegierten mit stürmischer Begeisterung aufgenommenen Rede auf die an der Leitung geübte Kritik zurück. Auch er betonte nachdrücklich, daß die Tätigkeit des Aktionskomitees von der Beschaffung größerer Mittel seitens der zionistischen Gesinnungsgenossen abhänge. Die zionistische Organisation habe auch in den letzten Jahren Manches und Großes geleistet. Unverkennbar sei das Aufleben des nationalen Geistes unter den Juden der ganzen Welt und auch die anderen großen jüdischen Organisationen seien unter dem Einflüsse der Volksströmung gezwungen, ihre Tätigkeit mehr nach nationalen Gesichtspunkten einzurichten. Einer sich als notwendig erweisenden Dezentralisierung der Organisation und einer Verlegung einzelner Bureaus nach einer größeren Stadt stehe er nicht im Wege. Nachdem der Revifionsausschuß die Richtigkeit der Bücher der Organisotion bestätigt hatte, wurde dem Aktionskomitee schließlich das Absolutorium erteilt, was vom Kongreffe mit lebhaftem Beifalle ausgenommen wurde. Zahllose Telegramme und Begrüßungsschreiben find aus allen Teilen der Erde eingegangen. Freitag, den 16. Angnst (vormittag). Freitag vormittag erstattete, von stürmischem Beifalle begrüßt, der Vorsitzende der Palästina-Kommission, der bekannte Berliner Botaniker und Profeffor an der Universität Doktor Otto Marburg, Bericht über die Tätigkeit der Palästina- Kommission. Zwar sei es der Kommission unmöglich gewesen, ihre Aufgabe in dem Umfange durchzuführen, wie es ihr Wunsch gewesen und wie es im Jntereffe der zionistischen Bewegung und der Erschließung Palästinas hätte verlangt werden können, mit Rücksicht aber auf die steigende Anteilnahme nicht der Zionisten, sondern der Juden aller Welt an der Durchdringung Palästinas mit jüdischen Kräften habe sie es doch unternommen, verschiedene größere Arbeiten in Angriff zu nehmen, die, wenn sie zu einem guten Ende gefühtt werden, für die Entwicklung des Landes von größter Bedeutung werden dürften. Zunächst hat die Kommission ihr Augenmerk darauf gerichtet, unsere Kenntnisse von Palästina zu erweitern. Nachdem im Jahre 1904 der Geologe Profeffor Dr. Blankenhorn in Verbindung mit dem Agronomen A r o n s o h n die Umgebung des Toten Meeres aufs Gründlichste in geologischer und agronomischer Beziehung durchforscht hatte, wurde im Winter 1905/6 eine eingehende Erforschung des nördlichen und östlichen Palästina und zwar insbesondere auf beiden Seiten der Trace der Mekkabahn vorgenommen. Gelegentlich einer Spedition in das obere Jordantal wurde vom Herrn Agronomen Boormann die wilde Urform des Weizens endeckt, ein Fund, der in der wissenschaftlichen Welt berechtigtes Aufsehen erregte. Im Aufträge der Kommission hat der Ingenieur T r e i t e l eine Karte der Liegenschaften Palästinas angefertigt, die die erste derartige Aufnahme der Eigentumsverhältniffe des palästinensischen Bodens darstellt. Behufs Verbreitung der Palästinakenntniffe hat die Palästinakommisfion in der Berichtsperiode 2 Palästinaferienkurse veranstaltet. Außerdem hielt das Kommisfionsmitglied Dr. S o s k i n im Winter 1905/6 allwöchentlich einen akademischen Palästinakurs ab. Im Aufträge der Palästinakommisfion hat Herr D. Trietsch ein P a l ä st i n a-H a n d b u ch verfaßt, dessen erster Teil schon im Buchhandel erschienen ist. Das Büchlein dürste infolge seines reichen Inhaltes und seines niedrigen Preises große Verbreitung finden. Im Herbst dieses Jahres wird eine speziell für Schulen bestimmte hebräische Wandkarte Palästinas erscheinen, mit deren Herstellung zur Zeit bekannte Hebraisten und Palästinageographen, sowie namhafte palästinensische Kenner des Landes beschäftigt find. Die von der Palästinakommisfion herausgegebene Monatsschrift „Altneuland" hat ihren dritten Jahrgang vollendet und erscheint jetzt unter dem Namen „Palästina". Es ist bemerkenswert, daß sich um die Verbreitung dieser Zeitschrift neuerdings auch nichtzionistische große jüdische Korporationen lebhaft bemühen. Die unter der Aegide der Kommission in Jerusalem ins Leben gerufene Kunstgewerbeschule „B e z a l e l" macht recht erfreuliche Fortschritte und hat schon einer großen Anzahl von Personen dazu verholfen, auf ehrliche und arbeitsame Weise in Jerusalem ihr Brot zu verdienen. Sie hat Steinhauer und Maurer ausgebildet, demnächst wird auch die Teppichabteilung ausgebildete Schülerinnen entlassen. Die Kunstsärberei und Gipsgießerei hat schon manchen Familien zum Lebenserwerb verholfen, die Spinnerei gewährt in erster Linie älteren, sonst erwerbsunfähigen Frauen einen Verdienst. Für den Winter ist die Einführung der Holz- und Metallbearbeitung geplant. Neben dem Leiter der Schule, dem bekannten Bildhauer Boris Schatz, ist jetzt der Maler Hirszenberg als Letter der Ateliers tätig. An neuen Organisationen hat die Kommission in der Berichtsepoche den Pflanzungsverein „Palästina" und das Palästina-Jndustriesyndikat ins Leben gerufen. Der Pflanzungsverein soll jedem Juden der Welt durch Einzahlung von hundert Francs die Möglichkeit geben, der nominelle Besitzer eines kleinen Fruchtgartens in Palästina zu werden, von dem er lebenslänglich jedes Jahr eine kleine Palästinagabe in Form von Landesprodukten (Mandeln, Rosinen, Oliven, Wein, Konserven rc.) zugesandt erhält. Da der ganze Besitz nur durch jüdische Arbeiter bewittschaftet ttsitzh, dürste der Verein bald ' einen wichtigen Faktor der landwirtschaftlichen Kolonisation in Palästina ausmachen. Das Palästina-Jndustriesyndikat ist vor kurzem mit einem Grundkapital von 100.000 Mark gegründet worden und verfolgt den Zweck, die verschiedenen industriellen Möglichkeiten Palästinas zu prüfen und wo angängig Jndustriegesellschaften hierfür zu gründen, resp. private Unternehmer hierfür zu gewinnen. Es liegt schon eine Anzahl Projekte vor, die jetzt durch Sachverständige in Palästina geprüft werden. Im letzten Monat wurde auch der Grundstein zu einer Arbeiterheimstätte-Genossenschaft gelegt, die den Zweck verfolgt, jüdische Arbeiter mtttels langsamer Amortisation und niedrigen Zinssatzes allmählich zum Besitzer eines Hauses und eines Stückes Gemüselandes zu machen.

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